Archive: 27. September 2018

Kap. 3. Bereschit

Kap. 3. V. 1. Es war aber die Schlange listiger als alles Thier des Feldes, welches Gott gemacht hatte, und sie sprach zum Weibe: Wenn gleich Gott es gesagt, solltet ihr von all den Bäumen des Gartens nicht essen? 2. Da sprach das Weib zur Schlange: Von der Frucht der Bäume des Gartens dürfen wir wohl essen; 3. Aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens sich befindet , hat Gott gesprochen, von dem sollt ihr nicht essen und ihn nicht anrühren, sonst werdet ihr sterben. 4. Darauf sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet nicht alsobald sterben. 5. Gott weiß es recht wohl, an dem Tage, an welchem ihr von ihm esset, werden euch die Augen aufgehen, werdet ihr Gott gleich sein, wissend was gut ist und bös. 6. Als nun die Frau sah, daß der Baum gut zur Speise und daß er eine Lust sei für die Augen und köstlich der Baum für die Betrachtung, da nahm sie von seiner Frucht und aß, und gab auch ihrem Manne von ihr und er aß. 7. Da gingen ihnen beiden die Augen auf, — sie erkannten, — daß sie nackt waren! Da flochten sie Feigenblätter und machten sich Schürzen. 8. Sie hörten die Stimme Gottes sich zurückziehend im Gärten zur Seite des Tages, und da verbarg sich der Mensch und sein Weib vor dem Anblick Gottes unter die Bäume des Gartens. 9. Da rief Gott dem Menschen zu und sprach zu ihm: Wo bist du? 10. Er erwiederte: Deine Stimme habe ich im Garten gehört, da fürchtete ich mich weil ich nackt bin und darum verbarg ich mich. 11. Er sprach: Wer hat dir denn zum Bewußtsein gebracht, daß du nackt seist? Hast du von dem Baume, von dem ich dir geboten nicht zu essen, gegessen? 12. Da sprach der Mensch: Die Frau, die du mir ja zur Seite gegeben, sie gab mir von dem Baume und ich aß. 13. Da sprach Gott zum Weibe: Was hast du gethan?! Das Weib aber erwiederte: Die Schlange hat mich getäuscht und da aß ich. 14. Da sprach Gott zur Schlange: Da du dies gethan, trifft dich der Fluch mehr als alles Vieh und alles Thier des Feldes. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub essen so lange du lebst. 15. Und Feindschaft setze ich zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem und ihrem Samen. Er wird dich auf das Haupt treffen und du wirst ihn auf die Ferse treffen. 16. Zum Weibe aber hatte Er gesprochen: Deine Entsagung und Empfängniß werde ich noch größer sein lassen, in Entsagung wirst du Kinder gebären, zu deinem Manne hin wird deine Sehnsucht sein und er wird über dich herrschen. 17. Und zu Adam hatte er gesprochen: Weil du der Stimme deines Weibes gehorcht und von dem Baume gegessen hast, von dem ich dir geboten und gesagt hatte, du sollst nicht von ihm essen: trifft die Erde um deinetwillen Fluch, in Entsagung sollst du sie genießen so lange du lebst. 18. Stachel und Klette wird sie dir wachsen lassen und du müßtest das Gras des Feldes essen. 19. im Schweiße deines Angesichtes nur wirst du Brod essen bis du zu der Erde zurückkehrst; denn ihr bist du entnommen; denn Erde bist du und zu Erde kehrst du wieder. 20. Es nannte aber der Mensch den Namen seiner Frau Chawa; denn sie war die Mutter aller Lebendigen geworden. 21. Und Gott machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und bekleidete sie. 22. Es sprach Gott: so ist der Mensch also wie das eine seiner Wahl Ueberlassene geworden, selbst zu wissen was gut ist und bös; und nun könnte er sich vergreifen und auch von dem Baume des Lebens nehmen und essen und ewig leben. 23. Darum entsendete ihn Gott aus dem Garten Eden, die Erde zu bearbeiten, welcher er entnommen worden war. 24. Und er vertrieb den Menschen; und lagerte ostwärts zum Garten Eden die Cherubim und die Flamme des sich umwälzenden Schwerdtes, den Weg zum Baume des Lebens zu wahren.

Kap. 2. Bereschit

V. 1. Es waren also der Himmel und die Erde und ihr ganzes Heer zum Ziele geführt. 2. Da vollendete Gott mit dem siebten Tage sein Werk, das er gemacht hatte, und hörte mit dem siebten Tage von jeglichem seinem Werke, das er gemacht hatte, auf. 3. Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn mit ihm hatte er von allem seinem Werke aufgehört, welches Er, Gott, ins Dasein gesetzt hatte, es fort zu gestalten. 4. Dies sind die Erzeugnisse des Himmels und der Erde, die bereits in ihrer Erschaffung, mit dem Tage, an welchem Gott Erde und Himmel gestaltete, gegeben waren. 5. Alles Wachsthum des Feldes war noch vor dem Werden auf der Erde, und alles Kraut des Feldes noch vor dem Wachsen; denn es hatte Gott noch nicht regnen lassen auf Erden, und der Mensch war nicht da, den Menschen-Boden zu bearbeiten. 6. Und ein Dunst stieg fortwährend von der Erde auf, und tränkte die ganze Fläche des Menschen-Bodens. 7. Da bildete Gott den Menschen, Staub von dem Menschen-Boden, und hauchte in sein Antlitz Odem des Lebens, und so‎ ward der Mensch zu einer lebendigen Persönlichkeit. 8. Und es pflanzte Gott einen Garten in Eden zu Osten und setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. 9. Jeglichen Baums ließ Gott aus dem Menschen-Boden wachsen, reizend für den Anblick und gut für den Genuß, und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und auch einen Baum der Erkenntniß was gut sei und bös. 10. Und ein Strom geht von Eden aus den Garten zu tränken, und von dort trennt er sich und wird zu vier Ursprüngen. 11. Des Einen Namen ist Pischon, es ist dies derjenige, welcher das ganze Land Chawila einschließt, woselbst das Gold ist; 12. Das Gold dieses Landes ist gut; dort ist auch der Bedolach und der Schohamstein. 13. Der Name des zweiten Stromes ist Gichon es ist dies derjenige, der das ganze Land Kusch einschließt. 14. Der Name des dritten Stromes ist Chidekel; es ist dies derjenige, welcher Aschur zu Osten fließt, und der vierte Strom ist der Euphrat. 15. Gott nahm den Menschen und stellte ihn in den Garten Eden, ihn zu bearbeiten und zu hüten. 16. Und es legte Gott dem Menschen das Gebot auf: von jeglichem Baume des Gartens darfst du sehr wohl essen; 17. aber von dem Baume der Erkenntniß dessen, was gut und bös ist, sollst du nicht essen; denn an dem Tage, an welchem du von ihm issest, mußt du sterben. 18. Gott sprach, es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm eine Hilfe schaffen, wie sie sich ihm gegenüber eignet. 19. Da trieb Gott alles Thier des Feldes und alles Geflügel des Himmels von der Menschen-Erde zusammen und brachte sie zum Menschen, damit er sehe, was er sich nennen werde, und Alles, wie sich’s der Mensch als lebendiges Wesen nennt, das ist sein Name. 20. Der Mensch nannte allem Viehe und allem Geflügel des Himmels und allem Thier des Feldes Namen, aber für einen Menschen fand er keine entsprechende Hilfe. 21. Da ließ Gott eine Betäubung über den Menschen fallen als er schlief, nahm eine von seinen Seiten und schloß Fleisch an deren Stelle. 22. Sodann gestaltete Gott die Seite, die er von dem Menschen genommen hatte, zum Weibe und brachte sie zum Menschen. 23. Da sprach der Mensch: Diese endlich ist es! Bein von meinem Beine und Fleisch von meinem Fleische! Diese mag Männin genannt werden, denn von einem Manne ward diese genommen. 24. Darum verläßt der Mann seinen Vater und seine Mutter und schließt sich seinem Weibe an, und sie werden zu Einem Fleische. 25. Es waren beide, der Mensch und sein Weib, nackt und sie schämten sich nicht.

Kap. 1. Bereschit

Kap. 1. V. 1. Von Anfang hat Gott den Himmel und die Erde erschaffen. 2. Und diese Erde war einst unklar und ungeschieden, und Finsterniß auf dem Gewoge; und ein Gottes-Odem über den Wassern schwebend. 3. Da sprach Gott: Es werde Licht! Und da ward Licht. 4. Gott schaute das Licht an, daß es gut sei, und es schied Gott zwischen dem Lichte und der Finsterniß. 5. Und Gott rief dem Lichte: Tag! der Finsterniß rief er: Nacht! Es ward Abend, es ward Morgen: Ein Tag. 6. Gott sprach: es werde eine Wölbung in Mitte der Wasser und sie bleibe scheidend zwischen Wassern und Wassern. 7. Es machte Gott die Wölbung und schied zwischen den Wassern, die unter der Wölbung, und den Wassern, die über der Wölbung sind, und da ward es also. 8. Gott rief der Wölbung: Himmel! Und es ward Abend und es ward Morgen: ein zweiter Tag. 9. Gott sprach: es sammelen sich die Wasser von unter dem Himmel weg zu Einem Orte hin, und sichtbar werde das Trockckne! Da ward es also. 10. Gott rief dem Trockenen: Erde! und der Sammlung der Wasser rief er: Meere! Und Gott sah, daß es gut sei. 11. ‎Gott sprach: es treibe die Erde Getriebe, Samen streuendes Kraut, Fruchtbaum, Frucht für seine Gattung bildend, in welcher sein Same liegt über der Erde —- und da ward es also. 12. Die Erde setzte Getriebe hinaus, für seine Gattung streuendes Kraut, und Frucht bildenden Baum, in welcher sein Samen liegt für seine Gattung, und Gott sah, daß es gut sei. 13. Und es ward Abend und es ward Morgen: ein dritter Tag. 14. Gott sprach: es werde eine Einheit von Lichtträgern an dem Gewölbe des Himmels-, zu unterscheiden zwischen dem Tage und der Nacht; und sie sollen auch dienen zu Zeichen und zu Festzeiten, und für Tages- und Jahreskreise. 15. An dem Gewölbe des Himmels sollen sie zu Lichtträgern werden, Licht über die Erde zu spenden; und da ward es also. 16. Es hat also Gott die beiden großen Lichtträger gemacht, den großen Lichtträger zur Beherrschung des Tages, den kleinen Lichtträger zur Beherrschung der Nacht und die Sterne. 17. Es hat also Gott sie an das Gewölbe des Himmels gegeben, Licht über die Erde zu spenden. 18. Zu herrschen am Tage und in der Nacht und zu scheiden zwischen dem Lichte und der Finsterniß, und es war Gott der sah, daß es so gut sei. 19. Und es ward Abend und. es ward Morgen: ein vierter Tag. 20. Es sprach Gott, daß die Wasser wimmeln sollen von sich bewegendem lebenden Wesen, und der Vogel fliege über der Erde vor der Wölbung des Himmels. 21. Es ist also Gott, der die großen Fischgeschlechter erschaffen und auch alle die Wesen des kleinen sich fortbewegenden Lebens, von welchen die Wasser für ihre Gattungen wimmelnd geworden, und jeden beschwingten Vogel für seine Gattung, und Gott sah, daß es so gut sei. 22. Gott segnete sie also: seid fruchtbar und vermehret euch und füllet die Wasser in den Meeren, aber der Vogel vermehre sich auf der Erde. 23. Und es ward Abend und es ward Morgen: ein fünfter Tag. 24. Gott sprach: es setze die Erde hinaus lebendes Wesen für seine Gattung, Vieh und Kriechendes und Thier der Erde für feine Gattung, und es ward also. 25. Es hat also Gott das Thier der Erde für seine Gattung gebildet, das Vieh für seine Gattung, und alles Kriechende des Erdbodens für seine Gattung, und Gott sah, daß es gut sei. 26. Gott sprach: Wir wollen einen Adam, (Stellvertreter) machen in einer unser würdigen Hülle wie es unserm Ebenbilde entspricht, und sie sollen ihre Herrschaft üben an dem Fische des Meeres und an dem Vogel des Himmels und an dem Viehe und an der ganzen Erde und an allem Gewürm, das dahinschreitet auf der Erde. 27. Da schuf Gott den Menschen in einer seiner würdigen Hülle; in Gottes würdiger Hülle hat er ihn geschaffen; männlich und weiblich hat er sie geschaffen. 28. Und Gott segnete sie und es sprach Gott zu ihnen: seid fruchtbar und vervielfältigt euch und füllet die Erde und bezwinget sie, und übet eure Herrschaft an dem Fische des Meeres, an dem Vogel des Himmels und an allem Thier, das dahin schreitet auf Erden. 29. Gott sprach: siehe ich habe euch alles Samen streuende Kraut, welches auf der Oberfläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum übergeben, an welchem Samen streuende Baumfrucht ist; euch sei es zur Nahrung; 30. allem Thier der Erde aber, allem Vogel des Himmels und Allem, was auf Erden dahin schreitet, in welchem lebendige Seele ist, alles Grüne der Pflanzen zur Nahrung; da ward es also. 31. Gott sah was er geschaffen hatte insgesammt, und siehe da, es war sehr gut. Es ward Abend, es ward Morgen: der sechste Tag.


Kap.1. V. 1. ‏בראשית ברא אלק”‎ Die Lautverwandtschaft mit ‏רעש‎ und ‏,רחש‎ wovon das Eine eine Ortsbewegung und das Andere eine innere Bewegung bedeutet, lehrt daß wir ‏ראש‎ als den Sitz der Bewegung, als dasjenige Organ zu begreifen haben, von welchem alle äußere und innere Bewegung den Ausgang nimmt. Daher heißt ‏ראשית‎ der Anfang einer Bewegung, der zeitliche Anfang, nie der räumliche. Der räumliche Anfang heißt wie das Ende ‏;קצה‎ es sind eben die beiden Endpunkte einer Ausdehnung, die, je nachdem man seinen Standpunkt nimmt, Anfang oder Ende sein können. ‏בראשית וגו’‎ heißt somit: im Anfang alles Werdens war es Gott, der schuf; oder mit den beiden nachfolgenden Objekten zusammengefaßt: uranfänglich schuf Gott den Himmel und die Erde. Jedenfalls spricht ‏בראשית‎ das Faktum aus, daß dem Schaffen Gottes Nichts vorangegangen, daß der Himmel und die Erde nur aus dem Schaffen Gottes hervorgegangen. Es ist damit die Schöpfung aus Nichts, ‏,יש מאין‎ constatirt, eine Wahrheit, die den Grundstein des Bewußtseins bildet, welches die Lehre Gottes uns aufbauen will. Das Gegentheil, die Urewigkeit des Weltstoffes, die den Schöpfer nur als den gestaltenden Bildner zuläßt und die ebenso den Grundstein des heidnischen Bewußtseins bis auf den heutigen Tag bildet, ist nicht nur eine metaphysische Lüge, die den cosmogonischen Vorstellungen der Menschen die Wahrheit, d. h. die Übereinstimmng mit der Wirklichkeit geraubt: sie ist die noch weit verderblichere, alle Sittlichkeit untergrabende Leugnung aller Freiheit in Gott und im Menschen. War dem Weltbildner der Stoff gegeben, so konnte er aus dem gegebenen Stoff nicht die absolut gute, sondern nur die relativ beste Welt gestalten. Alles physische und sittliche Übel liegt unabwendbar in der Mangelhaftigkeit des Stoffes. Gott selbst kann die Welt weder vom physischen noch vom sittlichen Übel erlösen. Der Mensch kann eben so wenig Herr seines Leibes werden, wie Gott nicht Herr des Weltstoffes. Die Freiheit ist aus der Welt geschwunden, eine blinde, trostlose Nothwendigkeit gebietet über die Welt sammt ihrem Gott und dem Menschen. Diese trostlose Nacht des Gottes-, Welt- und Menschenbewußtseins verscheucht sofort das erste Wort der Gotteslehre, von dem es in Wahrheit heißt: ‏,,בראשית ברא אלק”!” .פתח דבריך יאיר‎ hiermit steht und fällt alles Folgende. Alles, Stoff und Form alles Seienden ist aus dem freien, allmächtigen Schöpferwillen hervorgegangen. Frei steht und waltet noch heute der Schöpfer über Stoff und Form aller Wesen, über die Kräfte, die im Stoffe wirken, über die Gesetze, nach welchen sie wirken, und über die Formen, die sie gestalten; denn sein freier, allmächtiger Wille hat ja den Stoff geschaffen, ihm diese Kräfte einverleibt, diesen die Gesetze gesetzt, nach welchen sie die Formen gestalten. Und wie Er frei über seine Welt gebietet, so konnte Er auch dem Menschen; dem Er einen Funken seines freien Wesens eingehaucht, mit diesem Funken die Freiheit über seine kleine Welt, die Freiheit über den Leib und dessen Kräfte verleihen und ihn zum freien Ebenbilde des freien Gottes in die von Seiner Allmacht beherrschte Welt dahin stellen. Die ‏בראשית‎ von Gott erschaffene Welt ist nicht die möglichst beste, sondern die einzig gute; sie entspricht mit allen ihren scheinbaren Übeln dem Weisheitsplane ihres Schöpfers, der sie anders hätte erschaffen können, wenn dieses Andere seinem Willen entsprechender gewesen wäre. Der ‏בראשית‎ von Gott erschaffene Mensch hat mit allen seinen sittlichen Mängeln die Fähigkeit, in höchster sittlicher Vollkommenheit dem ihm von seinem Schöpfer vorgesteckten sittlichen
Ideale zu entsprechen; die Möglichkeit seines Fehlens selbst gehört mit zu seiner sittlichen Vollendung, sie ist ja die Grundbedingung seiner sittlichen Freiheit, und beide, Welt und Mensch, werden das höchste Ziel des Guten erreichen, für welches sie beide erschaffen; denn der Gott, der ihnen dieses Ziel gesteckt, hat sie beide für dieses Ziel mit seinem allmächtigen, durch Nichts gehinderten, freien Willen geschaffen. Er hätte sie anders geschaffen, wenn dies dem von Ihm frei gesetzten Ziele förderlicher gewesen wäre. Eine Wahrheit, die wir uns immer wieder aus’s Neue im ‏קדיש‎ in’s Bewußtsein rufen, in welchem wir die Überzeugung aussprechen, daß Sein großer Name sicherlich die von Ihm gewünschte „Anerkennnng und Heiligung in einer Welt gewinnen werde, ‏,די ברא כרעותיה‎ die Er ja ganz nach seinem Willen für dieses Ziel geschaffen.“ In diesem Sinne gewinnen auch die Sätze der Weisen: ‏בזכות ישראל בזכות משה בזכות חלה מעשר ובכורים נברא עולם‎ die alle ‏ראשית‎ genannt werden, oder der Satz: ‏,ה“ב”ה היה םביט בתורה ובורא העולם‎ ihre tiefe Begründung. Wenn Israel und Moscheh als ganz neue Anfänge einer ganz neuen Phase der Geschichtsentwickelung erscheinen und daher ‏ראשית‎ genannt werden, oder diesen Namen als erste Verwirklichung des mit der Menschenschöpfung vorgesetzten Ideals, gleichsam als Erstlinge der Gottesernte verdienen; wenn ‏חלה מעשר ובכורים‎ nichts als die Ausdrücke sind für die huldigende Zurückgabe der Welt an Gott, deren Spender; wenn vor Allem das Gesetz der erste Baustein für den mit der Schöpfung und aus derselben zu erreichenden Gotteszweck ist und darum ‏ראשית‎ genannt wird: so waren alle diese, wenn gleich spät sich entwickelnden Ziele schon mit dem Beginn der Welt gesichert, eben weil diese בראשית geschaffen ist, ganz aus Gottes Händen hervorgegangen, somit von vorn her ein für diese höchsten Ziele gebildet worden. Gott, heißt es, schaute in die ‏תורה‎ und schuf danach die Welt. Wir erkennen somit in diesem ‏בראשית‎ den Eckstein unseres Gott- und Welt- und Menschen-Bewußtseins und begreifen, wie, als dieses Bewußtsein geschwunden war und wieder neu aufgerichtet werden sollte, das freie, unumschränkte Schalten Gottes mit der Welt, ihren Stoffen, Kräften und Gesetzen, durch Wunder zu constatiren war, die eben als ‏,נסים‎ hochansgesteckte Merk- und Leitzeichen, uns zur Wiedergewinnung des Bewußtseins von der durch Nichts gehinderten freien Allmacht Gottes führen sollten, ein Bewußtsein, das, wie angedeutet, die Vorbedingung alles sittlichen Menschenbewußtseins, somit die Vorbedingung unseres ganzen Verhaltens zur ‏תורה‎ bildet.

ברא. Die verwandten Wurzeln:  ‏ ,פרע, פרא, פרח, ברה, ברח die sämmtlich ein Hinausstreben und Hinaustreten aus einer Innerlichkeit oder einer Gebundenheit bedeuten, ‎ergeben für‏‏ ברא ‏ebenfalls den Begriff des Hinaussetzens in die Äußerlichkeit; heißt ja auch Chaldäisch ‏ ברא ‎ohne Weiteres das draußen Seiende, draußen. ‏ ברא ‎ist somit das Äußerlichmachen eines bis dahin nur im Innern, im Geiste vorhanden Gewesenen. Es ist‏ jenes Schaffen, dem nichts Anderes als der Gedanke und der Wille vorangegangen. Es‏ ist das eigentliche ‏יש מאין‎ und wird daher nur von dem Schaffen Gottes gebraucht. Ehe die Welt ward, war sie nur als Gedanke in dem Geiste des Schöpfers – menschlich zu sprechen – vorhanden. Der Schöpfungsakt machte diesen Gedanken äußerlich, gab diesem Gedanken ein äußeres, conkretes Dasein. Die ganze Welt im Ganzen und Einzelnen ist somit nichts als verwirklichte Gottesgedanken. Eine Anschauung, der wir auch in der Betrachtung der Wurzel ‏,היה‎ dem iüdischen Begriffe des Seins (siehe V. 2) wieder begegnen. —- (Von dieser Bedeutung des Aeußerlich-, Conkret-, Tastbarwerdens ward dann auch ‏בריא‎ zur Bezeichnng des Feist-, Corpulent-, Gesundseins und davon ‏,בריה ,ברה‎ ‏ברות‎ zur Bezeichnung des ersten Mahles, des Anbisses, Frühstückes, das den Menschen wieder äußerlich gekräftigt hinstellt, ihn gleichsam wieder fest, conkret macht. Auch das ‏ובראתו, ובראת לך שם‎ (Josua 17, 15, 18) dürfte sagen: schaffe dir dort Raum, daß du dich ausdehnen kannst. Oder es hängt mit dem chald. Begriff ‏,ברא‎ das draußen Seiende, das Freie, die Weite zusammen und heißt dann: mache dir den Wald zum freien Raum. ‏וברא אתהן בחרבותם (Ezech. 23, 47) heißt wohl nicht durchbohren, sondern aufschlitzen, so daß die sonst verhüllten Eingeweide frei und offen werden. In sofern kann auch das ‏ברא‎ vom Walde: frei machen, lichten bedeuten, die bis dahin in Waldesdicke verborgenen Stellen zugänglich machen).

 אלקי ‎Der Wurzel ‏ אלה begegnen wir in dem Pron. demonstr. plur.  אלה diese.  ‎‏

Der demonstrative Pluralgedanke: »diese« fasst aber immer eine gegenüberstehende Vielheit in irgend eine Einheit zusammen. Und so dürfte, während ‏אלה‎ allgemein auf die sichtbare Weltvielheit hinweist, der Gottesname ‏אלוד‎ den Einen bezeichnen, dessen Macht und Wille diese Vielheit in eine Einheit zusammenfasst, durch den eben, durch die Beziehung Aller zu Ihm, dem Einen, diese Vielheit eine Einheit, ein Ganzes, Eine Welt wird.

Daher heißt ‏אלוד‎ ganz eigentlich: Welt-Machthaber, -Ordner, -Gesetzgeber, -Richter, ‏מדת‎ ‏.הדין‎ Daher heißen auch die Ordner, Gesetzgeber, Richter einer Menschen-Vielheit, einer kleinen Menschen-Welt: ‏אלהים‎ Dem Heidenthume zerfiel auch die Welt überhaupt in viele Erscheinungsgruppen und Kreise, deren jeglicher und jeglichem ein mit besondern Machtattributen ausgestatteter Machthaber vorstand. Es war dies eine reine Conseqnenz des obengedachten Grundirrthums von der Urewigkeit des Weltstoffes mit der Gebundenheit der weltgestaltenden Gottheit, die somit zur Unfreiheit einer Naturkraft herabsank, die keine wahrhaften Gegensätze und grundverschiedene Erscheinungen erzeugen kann. Einer Welt voller Gegensätze und grundverschiedener Erscheinungen mußten somit eben so viele Gottheiten zu Grunde liegen, eben so viele ‏אלהים‎ vorstehen, als es Gruppen und Kreise entgegengesetzter und verschiedener Erscheinungen gibt. Das Judeuthum nimmt die ganze Machtfülle aller dieser vermeintlichen vielen ‏אלהים‎ und überträgt sie ausschließlich dem Einen Einzigen indem es Ihn ‏אלדים‎ nennt, und schon diese bloße Vereinigung aller dieser heidnisch gesonderten Machtattribute in dem Einen Einzigen, hebt den Einen Einzigen Gott des Judenthums über die Vorstellung einer bloßen Naturkraft hoch empor, da nur aus dem freien, allmächtigen, die verschiedensten Gegensätze zu einem Einzigen Weltzwecke einigenden Willen eines Einzigen eine Welt voller gegensätzlicher Erscheinungen hervorgegangen sein kann. – Wie Pluralform zur Bezeichnung einer in Einer Persönlichkeit vereinigten Machtfülle ist übrigens in Ausdrücken der Herrschaft und Macht der hebr. Sprache ohnehin nicht fremd, wie ‏געלים ,אדנים‎. Sie bezeichnen überall einen Einzigen, der alle die verschiedenen Machtattribute in sich vereinigt, welche über irgend ein Objekt gebieten, dem somit dieses Objekt in allen Beziehungen, somit ganz untersteht. Von diesem der Wurzel ‏אלה‎ innewohnenden Begriff des Welt-Gebieters, Gesetzgebers, Richters, konnte dieselbe Wurzel dann auch zur Bezeichnung des Eides, ‏,אלה‎ werden, der nach jüdischem Begriffe nicht eine bloße Appellation an die Gottheit, sondern eine wirkliche Unterstellung der ganzen sichtbaren Welt des Schwörenden unter die Machtentscheidung des Weltgebieters ist, (eine Anschauung, die auch in dem Worte ‏השבע‎ ihren Ausdruck findet, siehe Jesch. V. S.,19) und des Fluches, in welchem sich die den Meineidigen vernichtende Macht des Weltgebieters bekundet. ‏,יחדו נאלחו ,נתעב ונאלח ,אלח‎ ist wohl nur die verstärkte Form von ‏אלה‎ und heißt im ‏:נפעל‎ dem Fluche verfallen sein. — Bezeichnend ist die Bemerkung unserer Weisen, daß es nicht heiße ‏,אלדי‘ ברא בראשית‎ sondern ’‏.בראשית ב’ א’‎ Wie wir hier den Gottesnamen aus ‏אלה‎ erfassen zu können glauben, kann Gott nur nach Erschaffung der Welt ‚‏אלדי genannt werden, da dieses eben seine Beziehung zu dieser Welt bedeutet. So heißt es: der Gott, den wir jetzt als Gebieter der Welt erblicken, der ist es auch, aus dessen allmächtigem Willen diese Welt erst hervorgegangen.

את Wurzel ‏אות‎ wie aus ‏אותי, אותך‎ u. s. w. ersichtlich. ‏אות‎ verwandt mit ‏.אוד‎ אוד ‎ eine Handhabe, ein Hebel, die Vermittelung einer Wirkung, daher ‏,אוד ‎ die Feuerkrücke, ein Holz zum Feuerschüren. ‏אודות‎ die Veranlassungen, daher ‏.על אודות‎ Daher vielleicht auch ‏,איד‎ der Vermittler des Regens, der von der Erde aufsteigende Dunst. ‏אות‎ ‎die Vermittlung einer Erkenntnis, ein Zeichen, das nicht der Gegenstandes selbst ist, aber auf ihn hinführt. Das ist nun aber auch sofort die Akkusativ-Partikel ‏,את‎ die den Gegenstand in allen denjenigen Momenten, seinen Merkmalen, seinen Wirkungen, seinen Beziehungen u. s. w.— vergegenwärtigt, in welchen sich das Wesen desselben äußert, in welchen er zu erkennen ist, die somit gleichsam sein Zeichen, die Vermittlung seiner Erkenntniß sind. Es ist eine tiefe Eigenthümlichkeit des jüdischen Sprachgedankens, diese Partikel nur beim Akkusativ, dem Objekte, nicht aber beim Nominativ, dem Subjekte, zu gebrauchen. Im Objekt wird der Gegenstand vom Standpunkt des Subjekts aufgefafft, von dem eine Wirkung auf ihn ausgeht, somit also, wie der Gegenstand in der Anschauung eines Andern erscheint. Nun ist aber das Wesen der Dinge jedem Andern völlig verschleiert, unfassbar. Wir kennen die Dinge nur in ihren ‏אותות‎ und durch dieselben, in ihren Wirkungen, in welchen sich ihre Eigenthümlichkeit ausprägt und die die einzigen Vermittler ihrer Ertenntniß bilden. Der Sprachweisheit unserer Weisen ist es daher ein bedeutender Unterschied, ob das Objekt einfach durch die Nennung des Gegenstandes, oder durch ‏את‎ vermittelt ausgedrückt wird. Im ersten Falle erstreckt sich die Wirkung nur aus den Gegenstand allein, im letztern zugleich auf alle diejenigen Momente, in welchen er seine wesentliche Wirkung äußert. So würde ‏כבד אביך‎ nur den Vater als Gegenstand der Verehrung darstellen, ‏את אביך‎ läßt diese Verehrung auch auf alle diejenigen erstrecken, die in solcher Beziehung zum Vater stehen, daß in ihnen die Person des Vaters vergegenwärtigt wird, z. B.: ‏,אשת אביך‎ die Stiefmutter,! und ebenso ‏,את אמך‎ den Stieתfvater. את ‎ ist somit in Wahrheit ein ‏,רבוי‎ das den Gegenstand in weiterem Umfange begreifen läßt. So erweitert auch hier das ‏את‎ den Begriff ‏שמים‎ zum Miteinschluß aller Himmelskörper, so wie ‏ארץ‎ zum Miteinschluß aller Erdgeschöpfe, in denen sich eben die Wirksamkeit des Himmels und der Erde charakteristisch ausprägt.
‏ .את השמים ואת הארץ
‎Wir haben schon im Jeschurun Jahrg. VIII. S, 274—276 ff. die Begriffe שמים und ארץ aus ihren Wurzeln zu entwickeln versucht. שמים hat sich uns als Bezeichnung der ganzen außerirdischen Welt, und zwar als das doppelte‏ שם ‎dargestellt, als das obere und untere Dort, als der unermeßliche Doppelraum oberhalb und unterhalb der Erde, oder vielmehr — von der‏ rad. שום‏ ‎Ort anweisen, bestimmen, —‏ ‎als der ganze Complex aller auszerirdischen Welttörper, durch deren sich gegenseitig‏ ‎begränzenden Kräfte die Erde, wie jeder andere Punkt im Weltall, ihren Ort angewiesen ‎erhält. Für jeden Punkt im Weltall wäre sodann der ganze übrige Weltenraum mit‏ seinen Körpern שמים. Jedenfalls lehr schon das Wort שמים, ‎daß wir hier keine überirdischen, kosmogonischen Enthüllungen zu erwarten haben. Die außerirdische Welt wird‏ ‎nur in ihren Beziehungen zur Erde und von dieser aus begriffen und besprochen.‏ תורה‎will das Gotteswort sein, unser Wegweiser auf Erden und unsere Qrientirung in unserer‏ ‎irdischen Welt. Diese und uns aus Gott verstehen lehren, das ist ihr Zweck. Darum‏ ‎stellt sie uns in den Anblick unseres Himmels und unserer Erde und spricht:‏ את השמים ואת הארץ‎dieser Himmel mit seinen zahllosen Sternen und diese Erde mit ihren‏ ‎zahllosen Geschöpfen, der Gott, der noch jetzt diese unermeßliche Mannigfaltigkeit zu einer‏ ‎Welt eint, Er ist es, der sie von ihrem uranfänglichen Anfang in’s allererste Dasein‏ ‎hinausgesetzt.‏
‎Mit diesem ersten Satze ist uns die Haupt- und Grundwahrheit, das Haupt- und Grundfaktum offenbart, das unsere Welt- und Selbstanschauung völlig umwandelt. Es hätte mit diesem einzigen Satze genügt, um die Welt als eine Gotteswelt und uns als Gottesgeschöpf uns deuten zu lehren, und uns für die Anforderung vorzubereiten, in dieser Gott entstammenden Welt und in unserm ganzen Gott entstammenden Wesen Gottes heiliges Eigenthum zu erkennen, und in dieser Gotteswelt mit unseren Gott gehörenden Kräften nur Gottes Willen zu erfüllen. Allein es begnügt sich das Gotteswort nicht damit, uns die Schöpfung der Welt durch Gott im Allgemeinen mit Einem Schöpferworte anzukündigen. Es soll ja dieses ganze erste Buch von den Ursprüngen der Welt, der Menschengeschichte und Jsraels nichts als Einleitung zu dem Jsrael ertheilten Gottesgesetze bilden. Darum führt uns das Gotteswort an alle die einzelnen Erscheinungen in dieser irdischen Mannigfaltigkeit hinan, uns nicht nur in dem großen Ganzen, sondern an jeder einzelnen, gesonderten Wesenart und Wesengruppe das gestaltende, gesetzgebende und ordnende Gotteswort erkennen und verehren zu lehren, auf daß wir uns zu jener Höhe der jüdischen Erkenntniß und der jüdischen Gesinnung erheben, die David mit Harfenton hinausgesungen, daß, wenn alle, alle Wesen, an jeder Stätte des großen Weltenreichs, jegliches in seinem besondern Kreise und seiner besondern Lebensentfaltung, dem ihm ertheilten Gottesgesetze gehorchen, dann auch ‚‏ברכי נפשי את ד!‎ dann auch wir dem uns ertheilten Gesetze gehorchen wollen und in diesem Gottesgehorsam die ganze Seligkeit unseres Seins und Strebens finden. Unsere Weisen lehren uns noch an diesen, die Welt in ihren einzelnen Kreisen und Gebieten gestaltenden und ordnenden Schöpfer-Worten die Störung einer einzelnen Gottesordnung im kleinsten Kreise der Störung der Gesammtweltordnung gleich verpönt, so wie die pflichtgetreue Erhaltung der Gottesordnung im kleinsten Kreise der Erhaltung der Gesammtweltordnung gleich bedeutungsvoll und lohneswürdig achten.
»Siehe, sprechen sie, nicht mit Einem Schöpfer-Wort stand die Welt in der ganzen Mannigfaltigkeit ihrer Erscheinungen ‏da, בעשרה מאמרות נברא העולם mit zehn Schöpfer-Worten ward die Welt geschaffen, um den Schlechten, der die mit zehn Schöpfer-Worten geschaffene Welt stört, verantwortlich zu machen, so wie den Gerechten zu belohnen, der die mit zehn Schöpferworten geschaffene Welt erhält.« —- Nicht nur die Welt im Ganzen und deren Ordnung, auch jedes einzelne Wesen und seine Ordnung ist eine Gotteswelt und eine Gottesordnung Weh’ Dem, der seine Welt zerstört! Heil Dem, der seine Welt erhält! —-

 

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