Archive: 24. November 2018

Kap. 36. Bereschit Wajischlach

Kap. 36. V. 1. Dies sind die Nachkommen Esaw’s, das ist Edom. 2. Esaw hatte seine Frauen aus den Töchtern Kenaan’s genommen, Ada, eine Tochter des Chitters Elon, und Oholibama eine Tochter Ana’s, Tochter des Chiwiten Zibeon. 3. auch Basemath, Tochter Jischmael’s, Schwester des Nebajoth. 4. Ada gebar Esaw Elifas, und Basemath gebar Reuel. 5. Oholibama gebar Jeusch, Jaalam und Korach. Dies sind Söhne Esaw’s, welche ihm im Lande Kenaan geboren worden. 6. Esaw nahm seine Frauen, seine Söhne, seine Töchter und alle Seelen seines Hauses, seine Habe und all sein Vieh und all seinen Erwerb, den er im Lande Kenaan erworben hatte, und ging in ein anderes Land vor seinem Bruder Jaakob; 7. denn ihr Vermögen war zu viel, als daß sie hätten zusammen wohnen können, und das Land ihres Aufenthaltes konnte sie wegen ihrer Heerden nicht tragen. 8. Da ließ sich Esaw auf dem Gebirge Seir nieder, Esaw, das ist Edom. 9. Dies nun sind die Nachkommen Esaw’s , des Stammvaters Edom’s, auf dem Gebirge Seir. 10. Es sind dies die Namen der Söhne Esaw’s: Elifas, Sohn Ada’s, der Frau Esaw’s; Reuel, Sohn der Basemath, der Frau Esaw’s. 11. Söhne des Elifas waren Theman, Omar, Zefo, Gaatham und Kenas. 12. Thimna war Halbfrau des Elifas Sohn Esaw’s, und sie gebar Elifas den Amalek. Dies die Söhne Ada’s, der Frau Esaw’s. 13. Dies sind Söhne Reuel’s: Nachath, Serach, Schama und Misa. Diese waren Söhne Basemath’s, der Frau Esaw’s. 14. Diese waren Söhne der Oholibama, Tochter Ana’s, Tochter Zibeon’s, der Frau Esaw’s: sie gebar Esaw Jeusch, Jaalam und Korach. 15. Dies wurden die Fürsten der Söhne Esaw’s. Die Söhne des Elifas, des Erstgebornen Esaw’s: Fürst Theman, Fürst Omar, Fürst Zefo, Fürst Kenas, 16. Fürst Korach, Fürst Gaatham, Fürst Amalek. Dies waren Elifas’ Fürsten im Lande Edom, dies die Söhne Ada’s. 17. Dies aber Söhne Reuel’s, des Sohnes Esaw’s: Fürst Nachath, Fürst Serach, Fürst Schamma, Fürst Misa. Dies Reuel’s Fürsten im Lande Edom, dies die Söhne der Basemath, der Frau Esaw’s. 18. Dies die Söhne Oholibama’s, der Frau Esaw’s: Fürst Jeusch, Fürst Jaalam, Fürst Korach. Dies die Fürsten Oholibama’s, Tochter Ana’s, der Frau Esaw’s. 19. Dies sind die Söhne Esaw’s, und dies ihre Fürsten, dies ist Edom. 20. Dies sind die Söhne Seir’s, des Choriten, die Bewohner des Landes: Lotan, Schobal, Zibeon und Ana; 21. Dischon, Ezer und Dischan. Dies die Fürsten des Choriten, Söhne Seir’s im Lande Edom. 22. Lotan’s Söhne waren Chori und Hemam Lotau’s Schwester Thinma. 23. Dies die Söhne Schobal’s: Alwan, Manachath und Ebal, Schefo und Onam. 24. Dies die Söhne Zibeon’s: sowohl Aja als Ana; es ist dies derselbe Ana, der die Jemim in der Wüste fand, als er die Esel seines Vaters Zibeon weidete. 25. Dies die Söhne Ana’s: Dischon, und auch Qholibama war eine Tochter Ana’s. 26. Dies die Söhne Dischan’s: Chemdan, Eschban, Jithran und Keran. 27. Dies die Söhne Ezer’s: Bilhan, Saawan und Akan. 28. Dies die Söhne Dischan’s: Uz und Aran. 29. Dieses sind die Fürsten des Choriten: Fürst Lotan, Fürst Schobal, Fürst Zibeon, Fürst Ana. 30. Fürst Dischon, Fürst Ezer, Fürst Dischan; dies sind die Fürsten des Choriten nach ihren Fürsten im Lande Seir. 31. Und dies sind die Könige, welche im Lande Edom regierten, bevor noch ein König die Söhne Jisrael’s regierte. 32. In Edom regierte Bela, Sohn Beor’s; der Name seiner Stadt war Dinhaba. 33. Bela starb, und an seiner Stelle regierte Jobab, Sohn Serach’s aus Bazra. 34. Jobab starb, und es regierte an seiner Stelle Chuscham aus dem Lande Theman. 35. Chuscham starb, und es regierte an seiner Stelle Hadad, Sohn Hadad’s, der Midian im Gefilde Moab schlug; der Name seiner Stadt war Awith. 36. Hadad starb, und es regierte an seiner Stelle Samla aus Masreka. 37. Samla starb, da regierte an seiner Stelle Schaul aus Rechoboth am Strom. 38. Schaul starb, und es regierte an seiner Stelle Baal Chanan, Sohn Achbor’s. 39. Baal Chanan, Sohn Achbor’s, starb, und es regierte an seiner Stelle Hadar; seine Stadt hieß Pau, seine Frau hieß Mehetabel Tochter Matred’s, Tochter MeSahab’s. 40. Dies sind die Namen der Fürsten Esaw’s nach ihren Familien: Fürst Thimna, Fürst Alwa, Fürst Jetheth, 41. Fürst Oholibama, Fürst Ela, Fürst Pinon, 42. Fürst Kenas, Fürst Theman, Fürst Mibzar, 43. Fürst Magdiel, Fürst Jram. Dies sind Edom’s Fürsten nach ihren Wohnplätzen im Lande ihres Besitzes; dies ist Esaw, der Stammvater Edom’s.

Kap. 35. Bereschit Wajischlach

Kap. 35. V. 1. Da sprach Gott zu Jaakob: Mache dich auf, ziehe hinan nach Bethel und errichte dort einen Altar dem Gotte, der dir sichtbar geworden ist, als du vor deinem Bruder Esaw flohest. 2. Darauf sprach Jaakob zu seinem Hause und zu Allen, die bei ihm waren: Schaffet die Götter der Fremde fort, die unter euch sind, reinigt euch und wechselt eure Kleider, 3. wir wollen uns aufmachen und nach Bethel hinaufziehen; dort werde ich dem Gotte einen Altar errichten, der mich am Tage meiner Noth erhört und mit mir auf dem Wege gewesen, den ich gegangen. 4. Sie gaben Jaakob alle Götter der Fremde, die in ihrer Hand, und die Ringe, welche in ihren Ohren waren, und Jaakob vergrub sie unter der Eiche, welche bei Schechem ist. 5. Darauf zogen sie. Es war ein Gottesschrecken auf den Städten, die rings um sie waren, so daß sie den Söhnen Jaakob’s nicht nachsetzten. 6. Jaakob kam nach Lus, welches im Lande Kenaan ist, — es ist dies Bethel — er und das ganze Volk, das mit ihm war. 7. Dort baute er einen Altar und nannte die Stätte El-Bethel; denn dort waren ihm die göttlichen Beziehungen offenbar geworden, als er vor seinem Bruder floh. 8. Da starb Debora, Ribka’s Amme, und wurde unterhalb Bethel unter die Eiche begraben; er nannte sie Thränen-Eiche. 9. Es ward Gott nochmals dem Jaakob sichtbar, als er von Padan Aram kam, und segnete ihn. 10. Es sprach Gott zu ihm: Dein Name ist Jaakob; nicht mehr sollst du Jaakob genannt werden, sondern Jisrael soll dein Name sein; da nannte Er ihn Jisrae. 11. Gott sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allgenügende, werde fruchtbar und vervielfältige dich; ein Volk, und zwar eine Versammlung von Völkern, soll von dir werden; Könige sollen aus deinen Lenden stammen, 12. und dieses Land, das ich dem Abraham und Jizchak gegeben, dir werde ich es geben, und deinem dir nachfolgenden Samen werde ich das Land geben. 13. ‎Da enthob sich Gott von ihm an der Stätte, wo er mit ihm gesprochen. 14. Da errichtete Jaakob ein Denkmal an der Stelle, an welcher er mit ihm gesprochen, ein Denkmal von Einem Stein, goß ein Gußopfer darauf und schüttete Oel darauf hin. 15. Jaakob nannte den Ort, wo Gott mit ihm gesprochen hatte: Bethel. 16. Sie zogen von Bethel, und es war noch etwa eine Strecke Landes nach Efrath zu kommen, da gebar Rachel und es ging ihr schwer in ihrer Geburt. 17. Als sie so schwer fortschritt in der Geburt, sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte nicht, denn auch dieses hier, ist dir ein Sohn. 18. Indem darauf ihre Seele schied, denn sie starb, nannte sie ihn Benoni; sein Vater aber nannte ihn Benjamin. 19. So starb Rachel und wurde auf dem Wege nach Efrath, das ist Beth Lechem, begraben. 20. Jaakob stellte ein Denkmal auf ihr Grab; es ist dies das Grabdenkmal Rachel’s bis heute. 21. Jisrael zog weiter und schlug sein Zelt entfernt von dem Heerdenthurme auf. 22. Da war es, als Jisrael in diesem Lande wohnte, ging Reuben und nahm sein Lager neben Bilha, der Halbfrau seines Vaters, so daß Jisrael davon hörte — da waren Jaakob’s Söhne zwölf. 23. Lea’s Söhne: Jaakob’s Erstgeborner Reuben, und Schimeon, Lewi, Jehuda, Jisachar und Sebulun. 24. Rachel’s Söhne: Josef und Binjamin. 25. Bilha’s Söhne, der Magd Rachel’s; Dan und Nafthali. 26. Silpa’s Söhne, der Magd Lea’s: Gad und Ascher. Dies waren Söhne Jaakob’s, die ihm in Padan Aram geboren wurden. 27. Da kam Jaakob zu seinem Vater Jizchak nach Mamre Kirjath Arba, es ist das Chebron, wo Abraham und Jizchak sich aufgehalten. 28. Jizchaks Tage waren hundertundachtzig Jahre. 29. Da verschied Jizchak und starb und wurde zu seinen Völkern gesammelt, alt und an Tagen satt, und es begruben ihn Esaw und Jaakob, seine Söhne.


V. 11. ‏גוי וקהל גוים‎ das Volk, das von ihm stammen wird, soll nach Außen eine Einheit und nach Innen eine einheitlich gesammelte Vielheit werden. Jeder Stamm soll eine gesonderte Volksindividualität repräsentiren. Das Jakobsvolk, das als »Jisrael« die alles irdisch Menschliche siegreich durchdringende und gestaltende Gotteskraft den Völkern offenbaren soll, soll darum nicht eine einseitige Erscheinung bieten, sondern als Mustervolk in nuce die verschiedensten Völker-Erscheinungen darstellen. Es soll in seinen Stämmen das Kriegervolk wie das Handelsvolk, das Volk des Ackerbau’s, wie das der Wissenschaften u. s. w. zur Darstellung bringen, auf, daß die Wahrheit durch die Welt hin leuchte, daß die Hingebung und Heiligung des Menschenlebens im Gottesbunde seines Gesetzes durch keine besondere Berufsstellung und Völker – Eigenthümlichkeit bedingt, sondern die ganze Menschheit in aller ihrer Mannigfaltigkeit berufen sei, den von Israel gelehrten Einen einheitlichen Gottesgeist in sich aufzunehmen und die ganze Mannigfaltigkeit der Menschen- und Völker- Individualitäten zu Einem einheitlichen Gottesreiche zu gestalten. Da dürfte denn auch das ‏ולורעך אחריך אתן את הארץ‎ mit dem Siporno heißen: und deinem dir nachfolgenden Samen werde ich einst die Erde geben — wie ‏וצריקים יירשו ארץ‎ — es wird ihnen und dem von ihnen in treuer Nachfolge bewahrten geistigen und sittlichen Vermächtniß dereinst die ganze Erde zufallen (Jes. 2, 3.).

Kap. 34. Bereschit Wajischlach

Kap. 34. V. 1. Dina, Lea’s Tochter, die sie dem Jaakob geboren hatte, ging hinaus, sich unter den Töchtern des Landes umzusehen. 2. Da sah sie Schechem, der Sohn des Chiwiten Chamor, der Fürst des Landes, nahm sie, legte sich zu ihr Und that ihr Gewalt an. 3. Es hing aber seine Seele an Dina, der Tochter Jaakob’s; er liebte das Mädchen und redete dem Mädchen an’s Herz. 4. Da sprach Schechem zu seinem Vater Chamor also: Nimm mir dieses Mädchen zur Frau. 5. Jaakob hatte gehört, daß er seine Tochter Dina entweiht hatte, seine Söhne aber waren bei seiner Habe auf dem Felde, und es hatte Jaakob geschwiegen bis sie heimkommen würden. 6. Da ging Chamor, Schechem’s Vater, hinaus zu Jaakob, mit ihm zu reden. 7. Inzwischen waren die Söhne Jaakob’s vom Felde heimgekommen, sobald sie es gehört. Die Männer waren schmerzlich betrübt und es brannte sie sehr; denn er hatte an Jisrael eine Schandthat geübt, sich zur Tochter Jaakob’s zu legen; also würde sonst nicht geschehen sein! 8. Da sprach mit ihnen Chamor also: Schechem’s, meines Sohnes, Seele hat Lust an eurer Tochter, gebet sie ihm doch zur Frau, 9. und verschwägert euch mit uns, eure Töchter gebet uns und unsere Töchter nehmet euch, 10. ‎und bei uns möget ihr wohnen bleiben; das Land soll vor euch offen sein, blei‎bet, bereist es und siedelt euch darin an. ‏11. Schechem aber redete zu ihrem Vater und ihren Brüdern: Möge ich Gunst in euren Augen finden! Was ihr mir sagen werdet, will ich thun. 12. Leget mir sehr viel Ehegut und Geschenke auf, ich will es geben, wie ihr mir sagen werdet, und gebet mir das Mädchen zur Frau. 13. Da antworteten die Söhne Jaakob’s dem Schechem und seinem Vater Chamor mit List und sie führten das Wort. War’s doch der, der ihre Schwester entehrt hatte! 14. Sie sagten ihnen: Wir können dies nicht thun, unsere Schwester einem Manne zu geben, der eine Vorhaut hat; denn das ist uns eine Schmach. 15. Jedoch dadurch werden wir euch zu willen werden, wenn ihr werden wollt wie wir, daß euch alles Männliche beschnitten werde. 16. Dann werden wir unsere Töchter euch geben und eure Töchter uns nehmen, werden bei euch wohnen und wir werden zu Einem Volke werden. 17. Wenn ihr uns aber nicht hinsichtlich des Beschnitten-werdens Gehör geben werdet, so nehmen wir unsere Tochter und gehen. 18. Ihre Worte wurden gut befunden in Chamor’s und Schechem’s, des Sohnes Chamor’s, Augen; 19. und es zögerte der Jüngling nicht die Sache auszuführen; denn er hatte Verlangen an der Tochter Jaakob’s; er war aber der Geehrteste unter seinem ganzen väterlichen Hause. 20. Da kam Chamor und sein Sohn Schechem zu dem Thore ihrer Stadt und sie sprachen zu den Leuten ihrer Stadt also: 21. Diese Leute sind friedlich mit uns, mögen sie im Lande bleiben und es bereisen; das Land, es ist ja geräumig, möge ihnen offen stehen; ihre Töchter können wir uns nehmen und unsere Töchter ihnen geben. 22. Nur dadurch wollen uns die Leute willfährig werden bei uns zu bleiben, Ein Volk zu werden: daß uns alles Männliche beschnitten werde wie sie beschnitten sind. 23. Ihre Habe, ihr Erwerb und all ihr Vieh sind dann ja unser, nur lasset uns ihnen willfährig werden, daß sie bei uns bleiben. 24. Da gehorchten Chamor und seinem Sohne Schechem alle die aus dem Thore seiner Stadt gingen, und es wurden alle Männliche beschnitten, alle die aus dem Thore seiner Stadt gingen. 25. Da war es, am dritten Tage, während diese leidend waren, nahmen zwei der Söhne Jaakob’s, Schimeon und Lewi, Dina’s Brüder, Jeder sein Schwerdt, kamen über die in Sicherheit ruhende Stadt und erschlagen alle Männliche. 26. Chamor und seinen Sohn Schechem hatten sie mit dem Schwerdte erschlagen, nahmen Dina aus Schechem’s Haus und gingen. 27. Die Söhne Jaakob’s kamen über die Erschlagenen, plünderten die Stadt, weil sie ihre Schwester entehrt; 28. ihre Schaafe, ihre Rinder und ihre Esel, die in der Stadt und die auf dem Felde waren, nahmen sie; 29. auch all ihr Vermögen und alle ihre Kinder und ihre Frauen führten sie gefangen fort und plünderten sie, und Alles, was im Hause. 30. Da sprach Jaakob zu Schimeon und Lewi: Ihr habt mich getrübt, mich dem Bewohner des Landes, dem Kennani und Perisi, in Verruf zu bringen! Dabei bin ich nur gering an Zahl, werden sie sich über mich versammeln und mich schlagen, so werde ich und mein Haus vernichtet werden. 31. Da sprachen sie: Soll er denn wie eine Buhle unsere Schwester behandeln ? !

Kap. 33. Bereschit Wajischlach

Kap. 33. V. 1. Jaakob erhub seine Augen und sah, siehe, Esaw kommet — und mit ihm — vierhundert Mann! Da theilte er die Kinder auf Lea, auf Rachel und auf die beiden Mägde. 2. Er stellte die Mägde und ihre Kinder zuerst, Lea und ihre Kinder sodann, Rachel und Josef zuletzt. 3. Er aber ging vor ihnen her und bückte sich siebenmal zur Erde, bis er zu seinem Bruder hinangelangte. 4. Da lief ihm Esaw entgegen und umarmte ihn, warf sich an seinen Hals und küsste ihn; und sie weinten. 5. Da erhub Esaw seine Augen und sah die Frauen und die Kinder und sprach: Wer sind dir diese denn? Er sprach: Die Kinder sind es, die Gott deinem Diener geschenkt. 6. Da traten die Mägde hin, sie und ihre Kinder, und bückten sich;  7. es trat auch Lea und ihre Kinder hin und diese bückten sich, und nachher trat Josef und Rachel hin und sie bückten sich. 8. Da sprach er: Was soll denn dieses ganze Lager, das ich getroffen? Er sprach: Gunst in den Augen meines Herrn zu finden. 9. Da sprach Esaw: Ich habe viel; mein Bruder, bleibe dir was Dein ist. 10. Darauf sprach Jaakob: Nicht doch, wenn ich doch Gunst in deinen Augen gefunden habe, so nimm mein Huldigungsgeschenk von meiner Hand; denn deshalb (bitte ich darum), ich habe zu deinem Angesicht wie zu einem Richter aufgeschaut, und du hast mich wohlwollend aufgenommen. 11. Nimm doch meinen Segen, der dir gebracht worden, denn es hat Gott mir ihn gnädig gewährt und dann: ich habe Alles. Er drang in ihn, da nahm er. 12. Er sprach: Laß uns nun aufbrechen und gehen, ich will mit dir Schritt halten. 13. Darauf erwiedert er ihm: Mein Herr weiß, daß die Kinder zart sind, und die Schaafe und Kinder liegen in ihrem Gedeihen mir ob; triebe man sie einen Tag an, es stürben alle Schaafe. 14. Ziehe doch mein Herr vor seinem Diener her, und ich, ich möchte in meinem stillen Gang mich weiter führen, nach dem Gange des Gutes welches vor mir geht, und nach dem Gange der Kinder, bis daß ich zu meinem Herrn gen Seir komme. 15. Da sprach Esaw: Ich möchte doch von dem Volke, das mit mir ist, bei dir stellen. Er aber sprach: Wozu dieses? Möge ich Gunst in meines Herrn Augen finden! 16. So kehrte Esaw an diesem Tage seines Weges nach Seir zurück, 17. und Jaakob zog gen Sukkoth und baute sich ein Haus. Für sein Besitzthum baute er Hütten, darum nannte er den Ort: Sukkoth. 18. Wohlbehalten kam Jaakob zur Stadt Schechem, welche im Lande Kenaan liegt, als er von Padan Aram kam, und lagerte im Angesicht der Stadt. 19. Den Theil des Feldes, wo er sein Zelt aufgeschlagen hatte, kaufte er von den Söhnen Chamor’s, des Vaters Schechem’s, um hundert Keßita. 20. Dort errichtete er einen Altar zum Denkmal und verkündete sich: Gott ist Gott Jisrael’s.

Kap. 32. V. 4 – 33 Bereschit Wajischlach

4. Jaakob schickte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esaw, nach dem Lande Seir, dem Gefilde Edom’s, 5. und befahl ihnen also: So sollt ihr Esaw, meinem Herrn, sagen: also hat dein Diener Jaakob gesprochen: Bei Laban habe ich als Fremdling geweilt und bin bis jetzt dort zurückgehalten worden. 6. so ward mir Ochs und Esel, Schaaf und Knecht und Magd; ich habe gerne geschickt dies meinem Herrn mitzutheilen, um Gunst in deinen Augen zu finden. 7. Die Boten kehrten zu Jaakob zurück und sagten: Wir sind zu deinem Bruder, zu Esaw, gekommen; er geht dir auch entgegen; aber vierhundert Mann sind mit ihm! 8. Da fürchtete sich Jaakob sehr und es war ihm Angst. Er theilte die Leute, die er bei sich hatte, und so auch die Schaafe, die Rinder und die Kameele zu zwei Lagern, 9. und sprach: Kommt Esaw zu dem einen Lager und schlägt es, so wird das übrige Lager der Rettung werden. 10. Darauf sprach Jaakob: Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Jizchak, Gott, der zu mir spricht: Kehre zu deinem Lande und deinem Geburtsorte zurück, so werde ich dir Gutes erzeigen, — 11. ich bin schon zu geringe gegen alle die Wohlthaten und all die Treue, die du bereits an deinem Diener geübt; denn mit meinem Stecken habe ich diesen Jarden überschritten, und jetzt bin ich zu zwei Lagern geworden, — 12. rette mich doch von der Hand meines Bruders, von Esaw’s Hand; denn ich fürchte ihn, daß er nicht komme und mich, die Mutter sammt den Kindern erschlage; 13. und du hast es doch gesagt: Gutes, Gutes will ich dir erzeugen, so daß ich deine Nachkommen wie Sand des Meeres werde werden lassen, der vor Menge nicht gezählt werden kann. 14. Dort blieb er in dieser Nacht und nahm von Dem, was er in Händen hatte, ein Geschenk für seinen Bruder Esaw: 15. Zweihundert Ziegen und zwanzig Böcke, zweihundert Schaafe und zwanzig Widder, 16. dreißig säugende Kameele mit ihren Jungen, vierzig Kühe und zehn Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Füllen. 17. In getrennten Heerden übergab er es seinen Knechten und sprach zu seinen Knechten: Geht vor mir her und lasset einen Zwischenraum zwischen Heerde und Heerde. 18. Er befahl dem Ersten also: Wenn dich mein Bruder Esaw trifft und fragt dich also: Wessen bist du, und wohin gehst du, und wessen sind alle die vor dir Gehenden? 19. So sagst du: Deines Dieners Jaakob , es ist ein Esaw , meinem Herrn, gesendetes Geschenk, und siehe auch er selbst folgt hinter uns. 20. So befahl er auch dem zweiten und dritten, und allen Denen, die hinter den Heerden gingen: in dieser Weise sprechet zu Esaw wenn ihr ihn treffet, 21. immer saget: siehe, auch dein Diener Jaakob ist hinter uns! Denn er dachte, ich möchte erst seinen Zorn mit dem mir vorangehenden Geschenke beschwichtigen und dann sein Angesicht sehen, vielleicht wird er mein Angesicht erheben. 22. So zog das Geschenk vor ihm her, er aber blieb in dieser Nacht wach im Lager. 23. Da stand er auf in der Nacht, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde und seine elf Kinder und überschritt die Furth des Jabbok. 24. Er nahm sie nemlich und führte sie über den Fluß; und brachte das Seine hinüber. 25. Uebrig blieb Jaakob allein, da rang Jemand mit ihm bis der Morgen heraufzog. 26. Er sah, daß er an ihn nichts vermochte, so griff er an den Ballen seiner Hüfte; da wich Jaakob’s Hüftballen indem er mit ihm rang. 27. Da sprach er: Entlasse mich, denn der Morgen ist heraufgezogen. Er aber sprach: ich entlasse dich nicht, du habest mich denn gesegnet. 28. Da sprach er: Was ist dein Name? Er sprach: Jaakob. 29. Da sprach er: Nicht Jaakob soll mehr dein Name gesprochen werden, sondern Jisrael; denn du bist bei Gott und bei Menschen der Ueberragende geworden, da du vermocht hast. 30. Jaakob fragte darauf und sprach: Sage mir doch deinen Namen. Er aber sprach: Wozu dies, daß du nach meinem Namen fragst? Und er segnete ihn dort. 31. Jaakob nannte den Namen des Ortes Peniel; denn ich habe Göttliches gesehen von Angesicht zu Angesicht und mein Wesen ist unversehrt geblieben. 32. Die Sonne ging ihm auf als er Penuel vorüber war, und er hinkte auf seiner Hüfte. 33. Darum sollen Jisrael’s Söhne nicht die Sehne der Schwäche essen, welche am Hüftballen ist, bis auf diesen Tag; denn er hat an Jaakob’s Hüftballen an die Sehne der Schwäche gegriffen.


V. 5, 6. Wir haben oben gesehen, aus welchen Gründen Jakob arm aus dem väterlichen Hause fortgegangen war, und wenn er jetzt reich zurückkehrt und zumal Esau auch nicht mehr zu Hause ist, lag das Bedürfniß sehr nahe, dem Esau sagen zu lassen, daß, und wie er Alles erworben. In drei Worten sagt er Esau das ganze Bittere und Prüfungsvolle seiner Vergangenheit Fremd und unberechtigt sein ist überall hart, bei einem Laban sein unter allen Umständen eine harte Prüfung, ‏,עם לבן גרתי als Fremder bei einem Lab an seine Tage zu bringen, vergegenwärtigt das bitterste Loos. ‏אחר עד עתה‎ und nicht aus Wohlbehagen, sondern gezwungen war ich, so lange zu bleiben. Ich wäre gerne früher gekommen. Allein bis vor sechs Jahren hatte ich nur Frauen und Kinder, aber noch nicht den ersten eigenen Groschen erworben. Auf diesem harten, wenig beneidenswerthen Wege zwanzigjähriger Mühen bin ich zu dem gelangt, was ich habe. Ich habe es für Recht gehalten, dich dies wissen zu lassen, damit — dieses lange Leid Sühne für Vergangenes, und mein jetziger Wohlstand selbst mein Fürsprecher bei dir sein möge.

V. 8. Wir können uns sehr wohl in Jakob’s Lage versetzen, und müssen dies um so mehr, je bedeutsamer diese Begegnung ist, in deren Folge Jakob eine Offenbarung wurde, welche das göttliche Gesetz dem Jakobsvolke zur ewigen Erinnerung in das tägliche Mahl verwebte.

Wie Jakob und Esau hier einander gegenübertraten, so stehen sich bis auf den heutigen Tag Jakob und Esau gegenüber. Jakob: der dienende, arbeitende, sorgenerfüllte, mit Familiengliedern gesegnete Familienvater. Esaw: der »fertige, gemachte« Mensch. Was Jakob trotz des erhaltenen Segens und der erhaltenen Erstgeburt fast durch zwanzig mühevolle Jahre hatte erringen und erkämpfen müssen und nun als das größte Loos, als die größte Errungenschaft mit heimbrachte: selbstständiger Familienvater sein zu können, das ist Andern die von der Wiege an mitgegebene natürlichste Voraussetzung, das hatte Esaw, »der fertige, gemachte« Mensch, schon, als Jakob erst auszog, in vollem Maaße besessen; und während Jakob mit seiner Arbeit das Glück errang, Familienvater zu sein, war Esau inzwischen eine politische Größe, war Volks-Heerführer, ein ‏אלוף‎ mit seinen Reisigen geworden. So der äußere Gegensatz des »Fersenhalters« und des »Gemachten«.

Zwei Prinzipien sind’s, die sich in Jakob und Esau begegnen und deren Kampf und Sieg die Weltgeschichte bedeutet. Das menschlich beglückende und beglückte Familienleben in Jakob, der Glanz politischer Macht und Größe in Esau. Jahrtausende herab gilt’s dem Kampfe: ob es genüge, Mensch zu sein, und alle sociale und politische Macht und Gestaltung nur Werth habe als Mittel dieses Höheziel aller Menschenbestrebungen zu erreichen; oder ob alles Menschliche im Menschen, Haus und Familienleben, nur da sei, um den Trophäen der Politik ec. ec. zum Unterwurf zu dienen.

Und wie ganz anders ist Jakob dem Esau gegenüber, als eben dem Laban. Wir erkennen, welche Kraft das Bewusstsein der Unschuld giebt, und welch’ ein drückendes Gefühl selbst auch nur aus dem Anschein einer Verschuldung erwächst. Zwanzig Jahre Kampf gegen unschuldig zu erleidendes Unrecht schlagen nicht so nieder, als Eine Minute einem Menschen gegenüber, von dem wir wissen, daß er sich durch uns gekränkt fühlen muß und die Motive, die uns, wenn auch nicht rechtfertigen, doch entschuldigen können, gar nicht einzusehen vermag!

Jakob fürchtete, obgleich ihn die Schutz zusagende Gottesverheißung geleitete; ‏,מכאן‎ ‎bemerkt das lehrende Wort der Weisen; ‏הבטחה לצדיקים בע”הז‎ שאין, es giebt keine unbedingte Zusicherung dem Frommen in diesem Leben. Eine jede ist durch fortdauernde Untadelhaftigkeit bedingt, eine jede kann in jedem Augenblick durch einen Fehltritt verscherzt werden; ‏,שמא יגרום החטא‎ das ist die Besorgniß, die aus der Brust der erwähltesten Frommen nie weicht. — ‏ויצר לו‎ ist der Form nach von ‏,יצר‎ nicht von ‏צרר‎ oder ‏,צור‎ ‎dem gewöhnlichen Ausdruck für Noth und Bedrängniß. ‏,יצר‎ das verstärkte ‏,יסר‎ binden, heißt: bilden, formen. Alles Bilden ist ein Beschränken des Stoffes in ein durch den Zweck gegebenes Maaß. Sind doch diese Begriffe so verwandt, daß wir auch bilden durch ‏צור‎ ausgedrückt finden: ‏ויצר אותו בחרט‎ 2. B. M. 32, 4. und ‏צירה‎ geradezu: Form heißt. Vielleicht ist es ein Unterschied, ob Noth durch ‏צור‎ oder durch ‏יצר‎ ausgedrückt wird. ‏צר‎ ‎ist die äußere Beschränkung unseres Kreises, so daß wir uns nicht mehr frei bewegen können. Sie lässt unser inneres Wesen unangetastet. Ihr Gegensatz ist ‏,מרחב‎ die Weite. ‏יצר‎ aber wäre eine solche beengende Gestaltung der Verhältnisse, daß wir ihrer Obmacht als völlig willenloser Stoff zur Beute fallen. Sie gewinnen eine solche Obermacht über uns, daß sie aus uns machen können, was sie wollen. In solcher Lage fühlte sich Jakob damals Esau gegenüber, und das ist die Lage, in der wir uns Jahrhunderte herab den Esau-Völkern gegenüber befanden. Es ist das jener Zustand, den die Galuth-Verkündung ‏חמת קרי‎ (3. B. M. 26, 28.) »Wüthen des Zufalls« nennt, daß unser Heil, unser Leben, unser Fortkommen nirgends das Beabsichtigte, Maßgebende war, sondern sich den Zwecken aller Uebrigen als das Unberechtigte hingeben und sich mit dem begnügen musste, was als Abhub von der Glückstafel der Andern uns zufällig zufiel. ‏ויצר לו‎ sagte demnach: Jakob fühlte, daß er der Willkühr des an der Spitze einer bewaffneten Macht gegen ihn heranziehenden Esau völlig preisgegeben sei, und, um doch Etwas zu retten — theilte er. So war auch unsere Zerstreuung im Galnth das Mittel unserer Erhaltung und Rettung. Nie und nirgends konnte uns Esau’s Schwerdt auf einmal erreichen. Während wir am Rhein bluteten, waren unsere Brüder im Slavenreiche glücklich, und umgekehrt. ‏צדקה עשה ה’’בה לישראל שפזרן לבין האומות‎ (Pesachim 87 b). Dasselbe that Jakob im Drange der Noth.

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