Archive: 28. Dezember 2018

Kap. 50. Bereschit Wajechi

Kap. 50. V. 1. Da warf sich Josef aus das Angesicht seines Vaters und weinte über ihm und küsste ihn. 2. Josef befahl seinen Dienern, den Aerzten, seinen Vater einzubalsamiren, und die Aerzte balsamirten Jisrael ein. 3. Es wurden ihm vierzig Tage voll, denn also war die volle Zeit der Einzubalsamirenden. Die Egypter beweinten ihn siebzig Tage. 4. Die Tage seines Beweinens waren vorüber, da sprach Josef zu dem Hause Pharao’s also: Wenn ich denn Gunst in euren Augen gefunden habe, so sprechet doch zu Pharao’s Ohren also: 5. Mein Vater hat mich also beschworen: siehe ich sterbe, in mein Grab, das ich mir im Lande Kenaan bereitet, dorthin begrabe mich. Und nun möge ich doch hinaufziehen, meinen Vater begraben und wiederkehren. 6. Pharao sagte darauf: Ziehe hinauf und begrabe deinen Vater, wie er dich hat schwören lassen. 7. Josef zog nun hinauf seinen Vater zu begraben, mit ihm zogen alle Diener Pharao’s hinauf, die Aeltesten seines Hauses und alle Aeltesten des Landes Mizrajim, 8. das ganze Haus Josef’s, seine Brüder und das Haus, seines Vaters; nur ihre Kinder, ihre Schaafe und ihre Rinder ließen sie im Lande Goschen. 9. Auch Wagen und Reiter zogen mit ihm hinauf; es war das Lager sehr bedeutend. 10. Sie kamen zur Dorntenne diesseits des Jardens und hielten dort eine sehr große und bedeutende Todtenklage; er veranstaltete dort seinem Vater eine siebentägige Trauer. 11. Der kenaanitische Bewohner des Landes sah die Trauer in der Dorntenne und sie sprachen: Das ist eine bedeutende Trauer für Mizrajim! Darum nannte er sie: Mizrajim in Trauer; sie ist jenseits des Jordans. 12. Sodann erfüllten an ihm seine Söhne also wie er ihnen befohlen. 13. Es trugen ihn seine Söhne in’s Land Kenaan und begruben ihn in der Höhle des Feldes der Machpela, welches Feld Abraham zum Grabbesitz von dem Chitter Efron vor Mamre gekauft hatte. 14. Josef und seine Brüder und Alle, die mit hinaufgezogen waren seinen Vater zu begraben, kehrten nach Mizrajim zurück, nachdem er seinen Vater begraben hatte. 15. Die Brüder Josefs sahen, daß ihr Vater gestorben war und sagten: wenn Josef doch einen stillen Groll gegen uns in sich bergen sollte! Er könnte jetzt uns all das Böse zurückgeben, das wir an ihm vollbracht. 16. Sie gaben daher den Auftrag, Josef zu sagen: Dein Vater hat vor seinem Tode also beauftragt: 17. Also saget Josef: O doch, verzeihe doch das Verbrechen deiner Brüder und ihr Vergehen, daß sie Böses an dir vollbracht haben. Und nun, gewähre doch Verzeihung dem Verbrechen der Diener des Gottes deines Vaters! Josef weinte als man also zu ihm sprach. 18. Es gingen dann auch seine Brüder und warfen sich vor ihm nieder und sagten: Hier sind wir dir zu Knechtenl 19. Josef aber sagte zu ihnen: Fürchtet nichts! Denn bin ich denn an Gottes Statt? 20. Habet ihr auch Böses über mich gesonnen, Gott hat es zum Guten gewollt um dies Gegenwärtige zu gestalten, ein zahlreiches Volk zu erhalten. 21. Und nun fürchtet nichts! Vielmehr versorgen werde ich Euch und eure Kinder! Er tröstete sie und sprach ihnen an’s Herz. 22. So wohnte denn Josef in Miz‎rajim, er und seines Vaters Haus; und‏ ‎Josef lebte hundert und zehn Jahre.‏ 23. Josef sah von Efrajim Kinder des dritten Geschlechtes, auch Kinder Machir’s, des Sohnes Menasche’s, wurden auf Josef’s Knieen geboren. 24. Josef sprach zu seinen Brüdern: Ich sterbe. Und Gott wird doch euch einst wieder bedenken und euch von diesem Lande zu dem Lande hinaufführen, das er Abraham, Jizchak und Jaakob zugeschworen. 25. Josef beschwor Jisrael’s Söhne also: Wird Gott euch einst wieder bedenken, so habt ihr meine Gebeine von hier hinaufzubringen. 26. Josef starb im Alter von hundert und zehn Jahren; man balsamirte ihn ein, und er wurde nach seinem Willen in einen Sarg in Mizrajim gelegt.

Kap. 49. Bereschit Wajechi

Kap. 49 V. 1. Jaakob berief seine Söhne und sprach: Sammelt euch alle in Einem! Ich möchte euch sagen, was euch in der Hinterlassenschaft der Tage treffen wird. 2. Haltet zusammen und höret, Söhne Jaakob’s! Und höret auf euren Vater Jisrael! 3. Reuben, mein Erstgeborner bist du, meine Kraft und der Erste meiner Habe, bevorzugt an Würde und bevorzugt an Macht — 4. Jedoch eine dem Wasser gleiche Haltlosigkeit lässt den Vorzug nicht zu, denn du hast das Lager deines Vaters erstiegen; da entweihtest du Den, der mein Lager erstieg. 5. Schimeon und Lewi, Brüder sind’s; allein Werkzeuge der Gewalt sind ihre Bewerbungen. 6. In ihren Rath darf mein Wille nicht kommen, in ihrer Versammlung meine Ehre sich nicht anschließen; denn in ihrem Zorn haben sie an Menschen Mord geübt, und hatten zuvor durch ihre Freundlichkeit deren Stiereskraft gelähmt. 7. Fluch darum ihrem Zorne, denn er ist zu stark, und ihrer Ausschreitung, denn sie war zu hart. Vertheilen will ich sie in Jaakob und zertheilen in Jisrael. 8. Jehuda, du bist es, dir werden deine Brüder huldigen! Deine Hand sitzt in dem Nacken deiner Feinde. Dir beugen sich die Söhne deines Vaters. 9. Ein junger, alter Löwe ist Jehuda, über gemeinem Raub bist du, mein Sohn, erhaben. Er kniet, er ruht auch wie ein Löwe, und wer möchte ihn aufreizen zum entflammten Leu! 10. Nicht wird weichen Herrscherstab von Jehuda und Gesetzesschreibgriffel zwischen seinen Füßen hinweg, bis daß sein scheinbar letzter, schwacher Sprößling kommt, und ihm dann, dem männlich starken, altersschwach die Völker zufallen. 11. Er bindet an den Weinstock sein Füllen, an die edle Rebe seiner Eselin Sohn; er hat in Wein sein Gewand gebadet, in Traubenblut seinen Mantel; 12. glühender an Augen als von Wein, weißer an Zähnen als Milch — 13. Sebulun wird an einer Hasenbucht von Meeren wohnen, wird selbst zu einem Hafen von Schiffen, und sein äußerstes Gebiet wird an Zidon reichen. 14. Jissachar, ein gelenkes Lastthier, ruht zwischen den Geräthreihen. 15. Er hat eingesehen, daß Muße das Gute sei, und daß dafür der Boden entsprechend; darum hat er seine Schulter zum Tragen geneigt und sich zum Tribut des Ackerbauers hingegeben. 16. Dan wird seines Volkes Recht vertreten, wie nur Einer der Stämme Jisrael’s. 17. Werden wird Dan eine Schlange am Heerweg, eine Natter am Pfade, die beißt des Rosses Ferse, und da ist rücklings der Reiter gefallen. 18. Auf deinen Beistand hoffe ich, Gott! 19. Gad, manche Freischaar wird wie ein Keil in ihn einfahren, er aber wird wie ein Keil in ihre Ferse fahren. 20. Durch Ascher wird dessen Speise markig, und Königswonnen liefert er. 21. Naftali, ein rehgleicher Bote, erzeugt schön gegliederte Reden. 22. Ein edel hervorragender Sohn war Josef, ein edel hervorragender Sohn schon an der Quelle — Töchter! auch sie schritt über die Mauer! — 23. Als daher ihn mit Bitterkeiten überschütteten und sich zu Hader verschworen, als mit tiefem Haß ihn sich zum Ziele die Herren der Pfeile erkoren, 24. da blieb doch in unerschütterlicher Ruhe sein Bogen, selbst als schon gülden geschmückt waren die Arme seiner Hände: von den Händen der Schwungkraft Jaakob’ss, die von dort ab weidet den Stein Jisrael’s. 25. Es war dies von dem Gotte deines Vaters, der dir ferner beistehen wird; du bliebst bei dem Allgenügenden, der dich weiter segnen wird, mit Segnungen des Himmels von Oben, mit Segnungen der Fluth, die tief unten ruht; mit Segnungen der Brüste und des Mutterschooßes. 26. Es sind dies Segnungen deines Vaters, die selbst nur auf Grund der Segnungen meiner Erzeuger zu der Höhe gelangt, bis zu dem Ziele hinan, wohin die Hügel der Zeiten streben; sie werden Josefs Haupt zu Theil, zu Theil dem Scheitel des Enthaltsamsten unter seinen Brüdern. 27. Binjamin wird den Wolf zerreißen, am Morgen schon zehrt er ein Stück, aber am Abend wird er ihn als Beute vertheilen. 28. Alle diese sind Stämme Jisrael’s, zwölf, und dies ist’s, was ihr Vater über sie ausgesprochen, da er sie segnete; Jeden, nach dem, was seinem besondern Segen gemäß war, hat er sie gesegnet. 29. Er befahl ihnen und sprach zu ihnen: Ich werde hinweggehoben zu meinem Volke, begrabet mich zu meinen Vätern, zur Höhle hin, die im Felde des Chitter’s Efron liegt, 30. in die Höhle, welche im Felde der Machpela ist, das vor Mamre im Lande Kenaan liegt, welches Feld Abraham vom Chitter Efron zum Grab-Besitz gekauft hat. 31. Dorthin haben sie Abraham und seine Frau Sara begraben, dorthin haben sie Jizchak und seine Frau Ribka begraben, und dorthin habe ich Lea begraben. 32. Der Kauf des Feldes und der Höhle, die darin ist, geschah von den Söhnen Cheth’s. 33. Als Jakob die Befehle an seine Söhne geendigt hatte, zog er seine Füße in das Bette, verschied und wurde zu seinen Völkern hingenommen.

Kap. 48. Bereschit Wajechi

Kap. 48. V. 1. Es war nach diesen Ereignissen, da ließ er Josef sagen: Siehe, dein Vater ist krank. Er nahm darauf seine beiden Söhne mit sich, Menasche und Efrajim. 2. Er ließ es Jaakob erzählen und dann ihm sagen: Siehe, dein Sohn Josef ist zu dir gekommen; da erkräftigte sich Jaakob und setzte sich im Bette auf. 3. Jaakob sprach dann zu Josef: Gott, der Allgenügende, ist mir in Lus im Lande Kenaan erschienen und hat mich gesegnet. 4. Er sprach zu mir: Siehe, ich mache dich fruchtbar und vervielfältige dich und lasse dich zu einer Versammlung von Völkern werden und gebe dieses Land deinem dir nachfolgenden Samen zum ewigen Besitz. 5. Und nun, deine beiden Söhne, die dir im Lande Mizrajim geboren sind bevor ich zu dir kam, sind mein: Efrajim und Menasche sollen mir wie Reuben und Schimeon gehören. 6. Die Kinder aber, die du nach ihnen erzeugt, sollen dir bleiben, auf den Namen ihrer Brüder sollen sie in ihrem Erbe genannt werden. 7. Und ich — als ich von Padan kam, starb mir Rachel im Lande Kenaan auf dem Wege, als noch etwa eine Strecke Landes war bis nach Efrath hin, da begrub ich sie dort auf dem Wege nach Efrath, d. i. Bethlechem. 8. Da sah Jisrael Josefs Söhne und sprach: Wer sind diese? 9. Josef erwiederte seinem Vater: Meine Söhne sind es, die mir Gott hier geschenkt. Er sprach: Nimm sie doch her zu mir, daß ich sie segne. 10. Jisrael’s Augen waren schwer vor Alter, er konnte nicht sehen. Er führte sie näher zu ihm, er küsste sie und umarmte sie. 11. Da sprach Jisrael zu Josef: Dein Angesicht zu sehen habe ich nicht mehr für möglich geachtet, und nun hat mich Gott selbst deinen Samen sehen lassen! 12. Da ließ sie Josef von seinen Knieen hervortreten und warf sich auf sein Angesicht zur Erde. 13. Daran nahm Josef sie beide, Efrajim mit seiner Rechten , zur Linken Jisrael’s, und Menasche mit seiner Linken, zur Rechten Jisrael’s, und führte sie so ihm näher. 14. Da streckte Jisrael seine Rechte und legte sie auf Efrajim’s Haupt, und der war doch der Jüngere, seine Linke aber auf Menasche’s Haupt. Er legte seine Hände mit Bedacht, denn Menasche war der Erstgeborene 15. Er segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter sich geführt, Abraham und Jizchak, — der Gott, der mich weidet von meinem Dasein bis auf diesen Tag, — 16. der Engel, der mich erlöst aus allem Uebel, segne, die Knaben, daß in ihnen mein Name und meiner Väter Namen, Abraham und Jizchak, genannt werde und sie den Fischen ähnlich zur Menge gedeihen mitten auf Erden. 17. Als Josef sah, daß sein Vater seine rechte Hand auf Efrajim’s Haupt legen wollte, erschien ihm das unrecht; er stützte daher die Hand seines Vaters, um sie von Efrajim’s Haupt auf Menasche’s Haupt zu bringen. 18. Nicht so mein Vater, sagte Josef, dieser ist der Erstgeborne, lege deine Rechte auf sein Haupt. 19. Sein Vater weigerte sich und sprach: Ich weiß es, mein Sohn, ich weiß es, auch er wird zu einem Stamme, auch er groß werden, jedoch sein jüngerer Bruder wird größer als er, und sein Samen wird die Ergänzung der Stämme werden. 20. Er segnete sie an jenem Tage also: Mit dir möge Jisrael also segnen: es mache dich Gott wie Efrajim und Menasche; er setzte Efrajim vor Menasche. 21. Darauf sprach Jisrael zu Josef: Siehe, ich sterbe, und Gott wird mit Euch sein und euch zu dem Lande eurer Väter wieder zurück bringen. 22. Ich aber habe dir die Würde des über deinen Brüdern stehenden Einen ertheilt, die ich dem Emoriten abgerungen mit meinem Schwerdte und meinem Bogen.

Kap. 47. Bereschit Wajechi

28. Siebzehn Jahre lebte Jaakob im Lande Mizrajim, und es waren die Tage Jaakob’s, die Jahre seines Lebens: hundertsiebenundvierzig Jahre. 29. Jisrael’s Tage näherten sich zum Sterben, da ließ er seinen Sohn Josef rufen und sprach zu ihm: Wenn ich denn doch Gunst in deinen Augen gefunden habe, so lege doch deine Hand unter meine Hüf- te, und übe an mir Liebe und Wahr- heit: begrabe mich doch nicht in Mizra- jim! 30. Ich werde mich zu meinen Vätern legen, dann trage mich hinauf von Mis- rajim und begrabe mich in ihr Begräbniß. Er sprach: Ich werde nach deinem Worte thun. 31. Da sprach er: Schwöre mir. Da schwur er ihm, Und Jisrael bückte sich zum Kopfende des Bettes hin.


V. 28. ‏ויחי‎ schließt sich unmittelbar dem Vorhergehenden an, ohne die sonst gewöhnliche פרשה-Abtheilung. Wenn man bedenkt, daß die hiermit eingeleiteten siebzehn Jahre die einzigen waren, die Jakob ruhig durchlebte, sie somit, seinem ganzen vergangenen Leben gegenüber, als die eigentliche Blüthe desselben betrachtet werden dürften, so hätte man um so mehr erwarten können, deren Erzählung werde durch einen besondern Abschnitt hervorgehoben sein. Dessen Abwesenheit jedoch lehrt uns, daß diese siebzehn Jahre wohl individuell mitzählen, national jedoch gerade die minderbedeutenden waren, daß vielmehr die Jahre des getrübten, gedrückten Lebens, in welchen die Prüfung zu bestehen war, mitten im herbsten Jakob-Geschicke sich den Namen Jisrael zu erwerben und dessen würdig zu bleiben, diejenigen gewesen, in welchen Jakob seine ewige nationale Bedeutung errungen, und für welche die hier folgenden siebzehn Jahre nur den heiter lohnenden Abschluß bilden. Daher auch das eigenthümliche ‏.ויהי ימי‎ Jakob’s ganzes Lebensbild war ein einheitliches. ‏שני חייו‎ scheint, in Hinblick auf Jakob’s bescheidene Aeußerung über seinen Lebensinhalt, dieselbe wahrheitsgetreu rectificiren zu sollen. Es waren nicht blos ‏,מגוריו‎ die nur wenig ‏חיים‎ zählten, vielmehr waren alle Tage seiner Wanderschaft auf Erden Jahre wirklichen und wahrhaftigen Lebens. — Daß wir bei kleinen Zahlen das Gezählte im Plural, bei großen im Singular ausdrücken, hat vielleicht darin seinen Grund: bei einer kleineren Mehrheit stellen sich dem Auge und dem Gedanken die Einzelnen mehr in ihrer Individualität dar, während bei großer Anzahl sich mehr die Gesammtsumme hervorstellt, die den gemeinsamen Charakter der gezählten Objekte trägt. Wir sagen: ‏חמשה אנשים‎ und ‏,עשרים איש‎ »fünf Männer« und »zwanzig Mann«.

Kap. 47. Bereschit Wajigasch

Kap. 47. V. 1. Josef kam und berichtete Pharao: Mein Vater und meine Brüder, ihre Schaafe und ihre Rinder und alles Ihre sind vom Lande Kenaan gekommen, jetzt sind sie im Lande Goschen. 2. Und als einen Theil seiner Brüder nahm er von ihnen fünf Männer und stellte sie vor Pharao. 3. Pharao sprach zu seinen Brüdern: Was ist euer Thun? Da sagten sie zu Pharao: Schaafhirten sind deine Diener, wir sowohl als unsere Väter. 4. Sie sagten ferner zu Pharao: Uns im Lande aufzuhalten sind wir gekommen, denn für die Schaafe deiner Diener ist keine Weide mehr, denn der Hunger ist schwer im Lande Kenaan; und nun, lasse doch deine Diener im Lande Goschen wohnen. 5. Pharao sprach darauf zu Josef: Dein Vater und deine Brüder sind zu dir gekommen, 6. das Land Mizrajim ist vor dir offen, im Besten des Landes weise deinem Vater und deinen Brüdern ihren Wohnsitz an, mögen sie im Lande Goschen wohnen, und wenn du weißt, und unter ihnen tüchtige Männer sind, so setze sie zu Oberbeamten der Heerden, die ich habe. 7. ‎Josef brachte seinen Vater Jaakob‏ ‎und stellte ihn Pharao vor; Jaakob‏ ‎segnete Pharao. ‏8. Da sprach Pharao zu Jaakob: Wie viele sind die Tage der Jahre deines Lebens? 9. Jaakob erwiederte Pharao: Die Tage der Jahre meiner Wanderungen sind hundertunddreißig Jahre; wenig und unglücklich waren die Tage der Jahre meines Lebens und haben nicht die Tage der Jahre des Lebens meiner Väter in den Tagen ihrer Wanderungen erreicht. 10. Jaakob segnete sodann Pharao und ging von Pharao fort. 11. Josef wies seinem Vater und seinen Brüdern einen Wohnsitz an und gab ihnen Besitz im Lande Mizrajim in dem Besten des Landes, im Lande Ramses, wie es Pharao befohlen. 12. Josef versorgte seinen Vater und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters mit Nahrung nach Bedürfniß der Kinder. 13. Im ganzen Lande war aber keine Nahrung, denn der Hunger war sehr schwer. Das ganze Land Mizrajim und auch das Land Kenaan verging vor dem Hunger. 14. Alles im Lande Mizrajim und im Lande Kenaan vorhandene Geld sammelte Josef für den Einkauf, den sie machten; das Geld aber brachte Josef in Pharao’s Haus. 15. Als das Geld vom Lande Mizrajim und vom Lande Kenaan geschwunden war, kam ganz Mizrajim zu Josef und sprach: Gieb uns Brod, warum sollen wir vor deinen Augen sterben? Denn Geld ist nicht mehr da. 16. Josef erwiederte: Bringet eure Heerden; so gebe ich euch für eure Heerden, wenn kein Geld mehr da ist. 17. Sie brachten Josef ihre Heerden, und Josef gab ihnen Brod für die Pferde und für die Habe an Schaafen, an Rindern und für die Esel. Er führte sie für alle ihre Heerden mit Brod durch dieses Jahr hin. 18 Auch dieses Jahr ging zu Ende, da kamen sie zu ihm im folgenden Jahre und sagten: Wir können es meinem Herrn nicht vorenthalten, daß, wenn das Geld und der Besitz an Vieh meinem Herrn verfallen ist, meinem Herrn nichts mehr vorliegt als unser Leib und unser Boden. 19. Warum sollen wir und unser Boden vor deinen Augen zu Grunde gehen? Erwirb uns und unsern Boden für das Brod, so werden wir und unser Boden Pharao zu Knechten werden, und gieb dann Saat damit wir leben und nicht sterben und der Boden nicht wüste wird. 20. Da kaufte Josef den ganzen Boden Mizrajims für Pharao; denn die Mizrer verkauften jeder sein Feld weil der Hunger ihnen zu stark geworden war; so ward das Land Pharao’s Eigenthum. 21. Das Volk aber versetzte er städteweis von einem Ende des Gebietes Mizrajim’s zu dem andern Ende. 22. Nur den Boden der Priester kaufte er nicht; denn die Priester hatten ein Festgesetztes von Pharao, sie aßen das ihnen Bestimmte, welches ihnen Pharao gab; darum verkauften sie ihr Land nicht. 23. Josef sprach zum Volke: Seht ich habe euch und euer Land heute deinm Pharao erworben. Hier habt ihr Saat, damit besäet den Boden, 24. und wenn es zu den Erträgnissen kommt, so gebt ihr ein Fünftel dem Pharao und die vier übrigen Theile verbleiben euch zur Feldsaat, zu eurer Nahrung und für die Glieder eurer Häuser und zur Nahrung für eure Kinder. 25. Sie sagten: Du hast uns am Leben erhalten! Mögen wir nur Gunst in meines Herrn Augen finden, wir wollen gerne Pharao zu Knechten werden. 26. Josef machte es zum Gesetz bis auf diesen Tag für das Land Mizrajim: es gehört dem Pharao in Beziehung auf das Fünftel. Nur der Boden der Priester allein ward nicht Pharao’s Eigenthum. 27. So siedelte sich Jisrael im Lande Mizrajim, im Lande Goschen an. Sie ließen sich dort nieder, wurden fruchtbar und vermehrten sich sehr.


Kap. 47. V. 1. 2. Josef stellt seine Brüder früher als seinen Vater dem Pharao vor. Er mochte wohl gewusst haben, Jakob werde im Gefühl seiner sittlichen Würde auch vor einem Pharao das Knie nicht beugen. Es ist ihm daher lieber, zuvor einige Glieder der Familie ihm vorzuführen, die es wohl an entsprechender Unterthänigkeitsbezeugung nicht würden fehlen lassen. Daher auch ‏ויציגם לפני‎ er stellt sie Pharao zu Gebote, wie ’‏אציגה נא עמך וגו‎ (Kap. 39, 15.).

V. 21. ‏לערים‎ nicht: in Städte, sondern städteweis, immer eine ganze Stadtbevölkerung zusammen nach einer andern Stadt. Der ganze Boden war Staatseigenthum geworden, und um dieses neuerworbene Recht vollständig conkret werden zu lassen, sollten alle bisherigen Eigenthümer ihr bisheriges Eigenthum verlassen, somit eine vollständige Answanderung eintreten. Allein Josef’s Weisheit milderte die Maßregel dadurch, daß immer eine Gesammtbevölkerung zusammenblieb und sich nur auf einem neuen Boden wieder zusammenfand. Somit blieben die alten socialen und communalen Beziehungen dieselben und es trat nicht eine ganze Umwälzung aller bestehenden Verhältnisse ein. Die Weisen deuten auf die Folgen hin, die diese Versetzung der Gesammtbevölkerung für die neuen Ankömmlinge der Jakobsfamilie haben musste, auf welche fortan kein Egypter mit Hohn herabblicken konnte. Es befand sich auch kein Egypter mehr auf eigenem Hofe. Es war übrigens diese ganze Maßregel nicht eine von Josef erfundene. Das Volk selbst hatte sie V. 19, und zwar zugleich die Leibeigenschaft in Vorschlag gebracht. Josef verschmähte diese und adoptirte nur den Staatsankauf der Ländereien, aus welchem zuletzt nur eine Grundsteuer resultirte.

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