Judentum – Jom Kippur – Sukkot – Lulab

Über Jom Kippur
Über das Sitzen in der Laubhütte.
Über den Lulab (Palmbusch), Etrog (Paradiesapfel), den Hadaß (Myrthe) und die Arbe Nachal (Bachweide).


Über Jom Kippur
Es ist löblich, den Tag vorher recht viel und gut zu essen. Man darf an diesem Tage nicht fasten, selbst eines bösen Traumes wegen nicht; hat man aber ein Gelübde deshalb getan, zu fasten, so muss man sich durch einen Gelehrten davon entbinden lassen, wie schon oben erwähnt ist. An diesem Tage fällt man auch beim Gebet nicht auf das Gesicht, man sagt den sechsten Psalm nicht. den Gebrauch, Hähne und Hühner zu schlachten und Sprüche zur Versöhnung dabei zu sagen, sowie vor dem Schlachten die Tiere über die Köpfe derjenigen zu schwingen, für welche solche bestimmt sind, soll man nach dem Verfasser, vermeiden. Die Hagah will ihn jedoch beibehalten haben, und so bleibt es auch (und ist bis jetzt noch so geblieben). Man nimmt für Männer Hähne und für Frauen Hühner, für eine Schwangere nimmt man einen Hahn und ein Huhn, weil man nicht weiß, was sie gebären wird. Die Hühner sollen weiß sein, weil es heißt, Jes. 1,16: wenn eure Sünden sind wie Scharlach, sollen sie wie Schnee weiß werden. Es ist gebräuchlich, dass man diese Hühner oder deren Wert den Armen gibt. Man besucht auch den  Synagogenhof und gibt viele Almosen, und dies Alles ist ein guter Gebrauch; man legt auch die Hände auf  die Hühner (Kapores, Versöhnungsopfer), wie es gebräuchlich war zur Zeit des Tempels; die Gedärme, Eingeweide wirft man auf die Dächer oder in den Hof, wo sie die Vögel fressen. – Hat Jemand seinem Nächsten Unrecht getan oder sonst beleidigt, so hilft der Versöhnungstag nicht, sondern er muss denselben zu versöhnen suchen, dass er ihm das getane Unrecht verzeihe, dies muss er, wenn der Nächste das erste Mal nicht verzeihen will, noch zweimal wiederholen und jedes Mal drei Männer mitbringen; bleibt der Nächste aber dennoch hart, so braucht er nichts weiter zu tun (er muss aber vor G’tt sagen, dass er den Nächsten dreimal um Versöhnung gebeten hat). Ist es sein Lehrer, den er beleidigt hat, so muss er ihn so lange bitten, bis er Verzeihung erhält. Der Beleidigte soll jedoch nicht unerbittlich sein, er müsste es denn zum Besten des Beleidigers tun. Hat Jemand aber seinem Nächsten einen bösen Namen gemacht, so hat letzterer nicht nötig zu verzeihen. Ist der Beleidigte unterdessen gestorben, so nimmt der Beleidiger zehn Männer mit sich, geht mit ihnen auf das Grab des Beleidigten und spricht: Ich habe gesündigt gegen den G’tt Jisraels und gegen diesen Toten hier. – Es ist ein Verbot unserer weisen Vorfahren, den Toten einen schlechten Namen zu machen, und ist die Strafe des Bannes darauf gesetzt.
Das Baden (Untertauchen) und das gegenseitige Schlagen (39 Schläge) kann den ganzen Tag geschehen. Ist Jemand ein naher Anverwandter in den zehn Bußtagen gestorben, so kann er sich doch am Vorabend des Jom Kippur baden, denn dieser Tag hebt die sieben Trauertage auf. Im Minchagebet, vor der letzten Mahlzeit, muss die  (Widdu) – (Es ist dies ein specificirtes Sündenbekenntnis; es enthält 22 Formeln nach den 22 Buchstaben des Alepbet, eine jede Formel fängt mit einem anderen Buchstaben desselben an und so der Reihe nach weiter. Bei jeder Formel schlägt man sich auf die Brust oder auf das Herz)  gesagt werden.
Es steht frei, ob Jemand seine Sünden ausführlich hersagen will oder nicht; doch ist dies recht, besonders wenn man leise,  aber nicht, wenn man laut betet; – das Sündenbekenntnis , Al Chet, sagt man freilich laut, dies geschieht aber von der ganzen Gemeinde auf gleiche Weise, und kann nur als formelles Gebet betrachtet werden. Wenn Jemand Sünden, die er voriges Jahr bekannt hat, das ganze Jahr nicht wieder tat, so muss er solche nichtsdestoweniger dies Jahr bekennen. Die ganze Gemeinde schlägt sich gegenseitig, sobald das Minchagebet am Vorabend des Jom Kippur vorbei ist, denn dadurch wird sich ein Jeder zu Herzen nehmen, dass er das Sündigen unterlassen wird! Es ist der Gebrauch, dass jeder Geschlagene, während er geschlagen wird, betet und der Schläger sagt unterdes den Vers: Und Er – G’tt – ist barmherzig und Er hält seinen Zorn sehr oft zurück und lässt seinen Grimm sich nicht ganz entfesseln. Dreimal wird dieser Vers gesagt, er enthält 13 hebräische Wörter, also dreimal 13 = 39 gegen 39 Schläge. Man nimmt dazu nur einen dünnen Riemen, da diese Handlung zum andenken an die vormaligen Strafen dienen soll, wegen Sünden zur Zeit des Tempels;. Man nimmt einen Riemen von Kalbsleder, weil es in Jes. 1 heißt: Jeder Ochse kennt seinen Herrn u.s.w. Der Geschlagene darf nicht stehen und nicht sitzen, sondern muss gebückt liegen, mit dem Gesicht gegen Norden gekehrt. Der Jom Kippur vergibt die Sünden nur Denjenigen, die Buße tun und die an die Versöhnung glauben. Demjenigen aber, der aus diesem Tage sich nicht viel macht und bei sich selber denkt: was hilft mir Jom Kippur? dem hilft er auch nicht. Am Tage vor Jom Kippur soll man nur leichte Speisen essen, damit man nicht zu satt und stolz werde beim Beten. Man soll nichts essen, was den Körper zu sehr erhitzt, auch keine Milchspeisen, weil dies Alles den Samen vermehrt und zur Verunreinigung führen kann. Man darf auch keine Speisen beim Feuer warm halten (in den geheizten Ofen setzten) bis zum Ausgang des Jom Kippur. Ob man die Nacht vor Jom Kippur Licht  anzündet wie am Shabbath, dies richtet sich nach dem Gebrauch einer jeden Stadt. Im Schlafzimmer soll man aber jedenfalls kein Licht haben, damit man nicht versucht werde, der Frau beizuwohnen. Fällt aber der Tag auf einen Shabbath, so muss der Segenspruch lauten: Der du uns geboten hast, Jom Kippur-Licht anzuzünden. Jedenfalls muss man in den Synagogen, Lehrschulen, an finsteren Orten und bei kranken Licht anzünden; auch ist der Gebrauch, in den Synagogen recht viele Lichter anzuzünden. Es ist ferner gebräuchlich, dass ein Jeder männlichen Geschlechts, groß oder klein, ein Wachslicht für sich hat, das er im Hause oder besser in der Synagoge vor sich anzündet, auch noch ein besonderes Licht für die Seelen des verstorbenen Vaters oder Mutter. Ist ein solches Licht ausgelöscht worden, so darf man einem Nichtjuden nicht sagen, dass er es wieder anzünden, sondern muss warten bis nach Ausgang des Jom Kippur und es dann selbst wieder anzünden und es ausbrennen lassen. Man soll auch den Tisch decken wie an einem Shabbath und weiße Kleider anziehen wie die Engel! Deshalb zieht man auch den Kittel an, weil dieser weiß und reinlich und auch zugleich das Totenkleid ist und hierdurch das Herz des Menschen untertänig und gebrochen wird. Die Nacht vor Jom Kippur ist ebenso gut als der Tag selbst, und es sind dieser auch verboten, Arbeiten, Essen, Trinken, Waschen (des Körpers), Salben, Schuhe anziehen, Beiwohnen. die Ausrottungsstrafe ist aber nur auf Arbeiten, Essen und Trinken. Dieser Tag ist ganz so wie der Shabbath, nur mit dem Unterschied, dass am Shabbath die Strafe des Steinigens auf die Übertretung und am Jom Kippur, die des Ausrottens gesetzt ist. Wer am Jom Kippur so viel isst, als eine große Dattel beträgt oder etwas weniger als ein Ei, der ist schon schuldig; dieses Maß ist für einen Jeden, er mag nur ein Zwerg oder so groß sein wie Og, der König von Baschan. Beim Trinken ist man strafbar, wenn man so viel trinkt, dass der Mund davon voll wird, hierbei wird aber nach der Größe des Menschen gesehen. (Hier wird  wie gewöhnlich ins Weitläufige diskutiert).
Das Waschen des Körpers ist ebenso wie am tischah beab, den Tag der Zerstörung des Tempels, verboten, ausgenommen nach  einem verrichteten Bedürfnis und dass die Priester vor dem Segen sich die Hände waschen können u.s.w. Nicht allein die Beiwohnung ist verboten, sondern  man darf auch die Frau nicht berühren, ebenso wie zur Zeit ihrer Periode. Wem eine Pollution die Nacht vor Jom Kippur überkommen ist,  hat Ursache, das ganze Jahr für sein Leben besorgt zu sein; hat er aber das Ende des Jahres erreicht, so kann er sich versichert halten, dass er ein Sohn jenes Lebens sein wird!
Kindern sind alle diese Sachen nicht verboten, außer dem Schuhabziehen; sie kümmern sich nicht viel darum, wenn sie auch keine Schuhe anhaben. Knaben von vollendetem neunten oder zehnten  Jahre gewöhnt man, an diesem Tage etwas später als sonst zu essen, eine, zwei oder drei Stunden später, nach ihren Kräften. Mit vollendetem elftem Jahre lässt man Knaben und Mädchen fasten; nach einigen Rabbinern brauchen sie aber nicht den ganzen Tag zu fasten, besonders wenn sie schwächlich sind. Hat jedoch ein Mädchen das zwölfte Jahr und einen Tag darüber und ein Knabe das dreizehnte Jahr und einen Tag darüber erreicht, und sie haben die bekannten zwei Haare, so müssen sie den ganzen Tag fasten, und zwar von Gesetzes wegen; fehlen aber noch die zwei Haare, so müssen sie zwar fasten, aber nur nach Verordnungen des Talmuds, selbst wenn sie schwächlich sind, denn die zwei Haare könnten da gewesen, aber wieder abgefallen sein! Unter neun Jahren lässt man keinen Knaben fasten, und selbst wenn er will, so wird es ihm gewehrt, denn es könnte ihm gefährlich werden. Schwangere Säugende müssen am Jom Kippur fasten. Hat eine Schwangere eine gekochte oder gebratene Speise oder sonst etwas Essbares gerochen und man merkt, dass ihre Gesichtszüge sich verändern, dass sie bleich wird, aber nichts verlangt, so raunt man ihr doch ins Ohr: es wäre heute Jom Kippur; wird sie dadurch beruhigt, so ist es gut, wo nicht, so gibt man ihr das Gerochene zu essen, bis sie wieder wohl wird. ebenso ist es mit jedem anderen Menschen. Eine Wöchnerin, die noch keine drei Tage vom  Kind befreit ist, darf nicht fasten; von da an und bis zum vollendeten siebenten Tage kommt’s auf sie selbst an, ob sie fasten will oder nicht; nach dieser Zeit muss sie fasten wie jeder Andere. Diese Tage werden nicht nach 24 Stunden gezählt; hat sie z.B. den 7. des Monats des Abends geboren, so darf sie nicht essen, wenn sie es nicht verlangt, denn der 10. ist alsdann schon der vierte Tag nach der Geburt, obschon es noch keine dreimal 24 Stunden sind! Ein Kranker darf essen, sobald ein probater Arzt (auch Nichtjude) sagt, dass er sonst sterben würde. Sagt der kranke selbst, er müsse essen, so gibt man ihm zu essen und wenn auch hundert Ärzte sagen möchten, es wäre nicht nötig.    Sagt der Kranke nichts und die Ärzte sind nicht einig, so gibt man dem Kranken zu essen. Sagt der Kranke und ein Arzt, dass er fasten könne, und ein Arzt sagt das Gegenteil, oder der Kranke sagt nichts und ein Arzt sagt, dass er nicht fasten könne, zwei andere sagen das Gegenteil, so gibt man dem Kranken nichts zu essen; sagen aber zwei Ärzte, dass der Kranke nicht fasten könne, so gibt man ihm zu essen, selbst wenn hundert Ärzte und der Kranke und der Kranke mit ihnen das Gegenteil behaupten; ebenso, wenn der Kranke und ein Arzt mit ihm behaupten, dass er nicht fasten könne, und wenn hundert andere Ärzte auch das Gegenteil behaupten. Sagt der Kranke, er könne fasten und der Arzt ist zweifelhaft, so bekommt er zu essen; sagt aber der Arzt, der Kranke könne fasten, und der Kranke sagt: ich weiß es nicht, so erhält er nichts zu essen. Sagt der Arzt, dass er die Krankheit nicht kenne, so wird auf eine solche Erklärung nicht geachtet (sie gibt  keinen Ausschlag in der Sache). Gibt man einer Schwangeren oder einem Kranken zu essen, so richte man dies so ein, dass man nicht auf einmal so viel gibt, als das Gesetz besagt (ein Ei groß), sondern erst zwei Drittel eines Ei, und wartet dann so lange, dass man in der Zeit vier Eier essen kann, und beim Trinken ebenso; der Kranke muss erst versuchen, wie viel bei ihm ein Mundvoll, ein Schluck beträgt, d.h. er nimmt das Getränk auf eine Seite des Mundes, er muss sie natürlich alsdann wieder ausspeien, um genau das Maß zu wissen! von diesem Maß gibt man nun etwas weniger und macht wieder so lange Pausen wie beim Essen, oder wenigstens so lange, bis man den vierten Teil einer Flasche trinken kann. sieht man aber, dass diese Art dem Kranken nicht genügt, so gibt man ihm so viel zu essen und zu trinken, als er bedarf.
Wenn einem ein Heißhunger überkommt, so dass es ihm dunkel vor den Augen wird und er nichts sehen kann, so gibt man ihm so rasch als möglich zu essen, und wenn es auch eine verbotene Speise wäre (wenn nämlich im Augenblick nichts anderes zu haben ist).
Sobald die Ganze Gemeinde am Vorabend des Jom Kippur in der Synagoge versammelt ist (etwa um 5 Uhr), so spricht der vornehmste Gelehrte, der sich in der Synagoge befindet, mit noch zwei anderen Gelehrten, ein jeder zu seiner Seite, indem sie sich vor den heiligen Schrank stellen, wo der Vorsänger steht, kurz vor Einbruch der Nacht folgende Worte:
“Mit Bewilligung des obersten (g’ttlichen) Gerichtes und mit Bewilligung des untersten Gerichtes erlauben wir, dass das Gebet seinen Anfang nehme mit denen, welche die Befehle und Verbote übertreten haben.”
(Die Gemeinde entbindet sie davon, denn sonst würden sie nicht mitbeten können.) Und sogleich fängt der Vorsänger das Gebet Kol Nidre an. Die Übersetzung dieses merkwürdigen Gebetes in chaldäischer Sprache ist, wie folgt:
“Alle Gelübde und Verbindungen und Verbannungen und Verschwörungen und Strafen und Beinamen (der Gelübde), und Schwüre, welche wir von diesem Versöhnungstage an bis auf den künftigen Versöhnungstag, der uns glücklich überkommen möge, geloben, schwören, zusagen und uns damit verbinden werden, die reuen uns alle (schon jetzt) und sie sollen aufgelöst, erlassen, aufgehoben und vernichtet und cassiert und unkräftig und ungiltig sein. Unsere Gelübde sollen keine Gelübde und unsere Schwüre keine Schwüre sein.”
Dreimal wird dies Kol Nidre vom Vorsänger gesungen und jedes Mal die Stimme etwas erhöht; das erste Mal nur eben hörbar. Alsdann wird der Vers, 4. B. M. 15,26: “Es wird der ganzen Gemeinde vergeben werden und auch dem Fremdling, der unter ihr wohnt, weil das ganze Volk in solcher Unwissenheit ist”, dreimal wird dies vom Vorsänger gesungen und dreimal sagt die ganze Gemeinde den Vers, 4. B. M. 14,19: “Und G’tt sprach, ich habe vergeben, wie du verlangt hast”. Am abend und des Morgens vom Jom Kippur spricht man nach dem Schma, 4. B. M. 6,4: Höre Jisrael u.s.w., den eingeschalteten Vers: Gelobt sei der Name seines Reiches Herrlichkeit immer und ewig! der sonst leise gesprochen wird, mit lauter Stimme. einige haben den Gebrauch, während des ganzen Gebets am Jom Kippur zu stehen. Einige bleiben sogar die ganze Nacht in der Synagoge und sprechen Lobgesänge. Wer in der Synagoge diese Nacht schlafen will, der soll fern vom heiligen Schrank schlafen. die Vorsänger sollen nicht die ganze Nacht wachen, denn sie verlieren dadurch ihre Stimme und können den Tag darauf nicht ordentlich vorsingen. Es ist gut, dass man in dem Morgengebet nicht zu viele Gedichte Gebete sagt, damit man das Mussafgebet vor der siebten Stunde (um 1 Uhr) anfange. Am Tage des Jom Kippur nimmt man zwei Thoras aus dem heiligen Schrank, in der einen werden sechs Personen aufgerufen, im 3. B. M. das ganze 16. Kapitel. Am Shabbath, wenn ein solcher nämlich auf den Jom Kippur fällt, macht man von diesem Kapitel sieben Abteilungen. Den Maftir liest man in der zweiten Thora im 4. B. M. 29 die fünf ersten Verse. Die Hafthora in Jes. 57,14 bis zu ende und dann weiter das ganze 58. Kapitel. Ist eine Beschneidung an diesem Tage, so geschieht sie nach dem Vorlesen in der Thora des Morgens. Bei dem Becher mit Wein, den man dabei haben muss, spricht man zwar den Segen, aber da man nicht trinken darf, gibt man dem beschneidenden Kinde etwas davon in den Mund.
Es ist der Gebrauch, zu geloben, Almosen zu geben wegen der Verstorbenen, dies soll ihnen bei G’tt zum Guten gerechnet werden. Man nennt auch die Namen der Toten, um deretwegen man Almosen gelobt. (Denn die Toten haben an diesem Tage auch eine Versöhnung von G’tt zu erwarten). Beim Minchagebet nimmt man eine Thora aus dem heiligen Schrank, ruft drei Personen dazu auf, im 3. B. M. 18 das ganze Kapitel. Der dritte spricht die Hafthora die drei ersten Kapitel im Propheten Jona und die drei letzten Verse des Propheten Micha. In dem Mussafgebet – aber nicht in dem Minchagebet – sprechen die Priester den Segen über die Gemeinde. Nach dem Minchagebet wird das Neielah – (Schluß) Gebet vorgenommen, es fängt an, wenn die Sonne noch auf den Spitzen der Bäume zu sehen ist, 5 Uhr, und dauert bis ganz nahe vor Sonnenuntergang. Bei gänzlichem Schluss diese Gebets (Das Wichtigste unter den vier Hauptgebeten des Tages, weil von diesem Gebete die endlich erhoffte Versöhnung abhängt), nachdem der Vorsänger das Schluß-Kadisch abgesungen hat, spricht die ganze Gemeinde noch einmal den Vers: Höre Jisrael u.s.w., dann dreimal: Gelobt sei der Name seines Reichs u.s.w., und ganz zuletzt siebenmal mit möglichst lauter Stimme: G’tt ist der Herr. Man bläst dann noch eine Tekiah, damit ist dieser Fast- und Festtag zu Ende und man fängt das tägliche Abendgebet zu beten an.  (noch ist zu bemerken, dass zu jedem der vier Hauptgebete diese Tages ein anderer Vorsänger bestimmt ist.) Man isst und freut sich am Ausgang dieses Tages (nachdem man erst die Habdalah, sowie beim Ausgang des Shabath, gesprochen hat, aber mit einigen Veränderungen), denn dieser Tag ist nicht allein ein Fast-, sondern auch zum Teil ein Festtag, wegen der Vergebung der Sünden. Einige haben den Gebrauch, sofort zum Bau der Laubhütten zu schreiten, wenigstens damit anzufangen, damit man von einem Gebote gleich zum anderen gehe.

Über das Sitzen in der Laubhütte.

“In der Laubhütte (mit Laub bedeckt) sollt ihr sieben Tage sitzen, denn in Laubhütten habe ich die Kinder Jisraels ruhen lassen, als ich sie aus Micrajim herausführte.” 3. B. M. 23, 42, 43. Das deutet auf die Ehrenwolkensäule, mit denen sie G’tt umringte, damit sie nicht von der Sonnenhitze geplagt würden. Macht Jemand die Hütte unter einen Baum und der Baum gibt mehr Schatten als die Sonne, so ist die Laubhütte paßul, nicht gerecht, selbst wenn die Hütte an sich mehr Schatten als die Sonne gäbe; gibt aber der Baum mehr Sonne als Schatten und die Hütte an sich gibt mehr Schatten als sonne ohne den Baum, so ist sie gerecht (koscher); muss aber dazu der Baum, zu Hilfe kommen, so muss man die Zweige des Baumes herunter biegen und sie mit dem Laubdach der Hütte vermischen, dass man sie nicht sieht und die Laubdecke der Hütte mehr ist (mehr Laub enthält als die Zweige). andere Rabbiner aber wollen Letzteres nicht gelten lassen u.s.w. Der Schluss ist, die Laubhütte (Sukka) muss ein Laubdach haben, dessen Schatten stärker ist, als die durchschimmernde Sonne; die Hütte darf nicht höher als 20 und nicht enger als 4 Ellen sein, da wo die Sonne durchscheint, darf man nicht sitzen.
Dies wird nun bis ins kleinste diskutiert, z.B. wenn Jemand die Laubhütte auf einen Wagen oder auf ein Schiff macht und sie bleibt fest, fällt bei einem gewöhnlichen Landwinde nicht um, so ist’s gerecht, sonst aber nicht; oder wenn man eine solche auf ein Kamel oder auf einem Baum macht, oder die eine Hälfte auf einem Baum und die andere Hälfte auf etwas Anderes, oder man macht zwei Sukka, eine über die andere u.s.w. Gedeckt darf die Sukka nur mit etwas werden, was aus der Erde wächst, aber es muss von der derselben abgerissen sein. sie wird gewöhnlich mit Baumzweigen gedeckt. Die Wände der Sukka können aber von beliebigem Stoffe gemacht werden u.s.w. Man kann sich eine Sukka von Jemanden leihen oder Jemandem in Gesellschaft halten. Man kann auch in einer geraubten Sukka sitzen, d.h. man hat den Nächsten aus seiner Sukka herausgejagt und sich hineingesetzt, um das Gebot zu erfüllen. Man kann sich in jede Hütte setzen, die zum Schatten, wenn auch nicht zum Behufe der Ausübung des Gebotes gemacht ist, aber nicht in eine, die von selbst von der Natur entstanden ist. die Laubhütte mit allen Früchten, die (zum Zierrath) darin sind, darf bis zum Ende des Festes nicht zu etwas Anderem benützt werden. Man muss ganze sieben Tage lang, vom 15. des Monats Tischri an, vier Tage nach Jom Kippur in der Sukka wohnen wie im Hause, auch darin schlafen, wenn man eine Sukka für sich allein hat; man darf außer derselben keine Hauptmahlzeit halten, nur  Wasser trinken und Früchte essen. am Vorabend, in der Nacht vor dem ersten Tage des Festes , ist es unumgänglich nötig, in der Sukka zu essen, wenigstens so viel Brot, als eine Olive groß ist, und über Wein den Kidusch darin zu machen mit dem dazugehörigen Segenspruch und mit noch einem besonderen Segenspruch über das Gebot des Sukkasitzens. Nach dieser Zeit ist das Sukkasitzen freiwillig, d.h. man kann die ganze übrige Zeit außer der Sukka sein, wenn man nichts anderes isst als Früchte und nur Wasser trinkt; man darf aber, wie schon erwähnt, keine Hauptmahlzeit außerhalb der Sukka halten. Regnet es so, dass der Regen aufs Essen fällt, so kann man aus der Sukka gehen, aber die erste Nacht muss man doch so lange bleiben, bis man Kidusch und Mozie gemacht hat. Frauen, Sklaven und Unmündige sind frei von diesem Gebote. Missgeburten, in Hinsicht der Geschlechtsteile, oder solche, deren Geschlecht zweifelhaft ist, müssen der Ungewissheit wegen dieses Gesetz beobachten. Knaben, die der Mutter nicht mehr bedürfen, vom fünften, sechsten Jahre an, müssen von Talmudswegen dieses Gesetz beobachten, um sie an Beobachtung der Gebote zu gewöhnen. Kranke oder nur sich ein wenig unwohl Befindende sind frei, auch die, welche das Sitzen in der Sukka aus irgend einer Ursache (wird nun weitläufig beschrieben) Schmerzen macht oder denen dies unangenehm ist, sind frei von der Ausübung dieses Gebotes. Ein  Trauernder  eines Toten wegen ist nicht frei davon; hingegen der Bräutigam (am Hochzeitstage) und die Schemelführer u.s.w. sind frei, ebenso Alle, welche zur Ausübung irgend eines Gebotes abgeschickt sind. Bei Tage Reisende müssen des Nachts, Nachts Reisende bei Tag in der Sukka sitzen. Tagwächter müssen des Nachts, Nachtwächter müssen bei Tag in der Sukka sitzen. Gartenwächter sind der Diebe wegen frei, die dies wahrnehmen würden, wenn die Wächter in der Sukka sitzen. Diejenigen, welche an diesem Feste in nichtjüdischen Häusern Wein für Juden bereiten, sind ganz frei (da sie Acht haben müssen, dass die Nichtjuden den Wein nicht berühren). Nach dem Morgengebet nimmt man den Lulab, spricht den Segen dabei und auch den: Dass du uns diese Zeit erleben ließest, und singt das große Loblied ganz, die Psalme 113 bis 118 mit einem Segenspruch; so die ganzen acht Tage des Festes; man darf auch während des Lesens nicht sprechen, so wie beim Lesen des Schema; in der Mitte desselben kann man nämlich Jemanden grüßen, vor dem man Furcht, und den Gruß erwidern, vor dem man Ehrfurcht hat; zwischen den Absätzen des großen Lobliedes kann ,an den grüßen, vor welchem man Ehrfurcht hat, und einem Juden den Gruß erwidern u.s.w.

Über den Lulab (Palmbusch), Etrog (Paradiesapfel), den Hadaß (Myrthe) und die Arbe Nachal (Bachweide).
Der Lulab muß der Art sein, dass alle Blätter desselben den mittleren Stamm bedecken, er darf nicht dürr, sondern soll frisch, grün, nicht gespalten oder krumm, glatt und ohne Flecken sein u.s.w.
Der Etrog darf nicht schwarz, fleckig, sondern soll länglich rund, gelbgrün und nicht kleiner als ein Ei sein; er darf auch kein Loch haben, und noch weniger faul sein (Der Etrog sieht aus wie eine Zitrone, aber er ist nicht glatt wie diese, sondern knubberig und ist manchmal zwei-, dreimal so groß, er kommt, so wie der Lulab, meist aus Italien; auf den Etrog verwende man viel Geld, um ihn recht schön zu haben, man vertauscht ihn nicht selten gegen einen noch schöneren und man gibt manchmal 1 bis 2 Ducaten dafür. Pri Ez Hadar, Frucht eines schönen Baumes, 3. B. M. 23,40 haben die Talmudisten den Etrog gemacht).
Die Hadassin müssen frisch und grün, die Spitzen der Blätter nicht abgebrochen, die Zweige, deren drei sein müssen, müssen dreiblättrig und diese drei Blätter müssen immer zusammen, eines gegen das andere über sich befinden, nicht ein Blatt höher oder niedriger als das andere sein. Die Blätter sollen immer das Holz bedecken (siehe unten). Zweiblättrige Myrthen sind zur Not giltig, aber auch sie müssen, wenigstens diese zwei Blätter, immer gegeneinander stehen (aus den Wörtern Anaph ez aboth (einen Ast von dem dichtbelaubten Baume) haben die Talmudisten die Myrthe gemacht).
Die Arba Nachal, von welchen zwei Zweige erforderlich sind, dürfen die Spitze nicht abgebrochen, sie müssen frisch und die Blätter derselben dürfen nicht abgefallen sein.
Alle diese vier Sachen dürfen nicht gestohlen oder geraubt sein; hat man diese Sachen aber nach dem Diebstahl erst zurecht oder schön oder koscher, kurz irgend eine Veränderung daran gemacht, so sind sie durch diese Veränderung erworben und man darf sie gebrauchen; aber ohne Segenspruch. Raubt man die Sachen nicht für sich, sondern für einen anderen, so kann sich dieser, nach der Meinung einiger Rabbiner, derselben bedienen; deswegen (sagt Hagah) hat man sich in acht zu nehmen, dass man diese Sachen (Lulab, Etrog, Hadassin und Arbe Nachal) nicht selbst abschneide, denn ein Feld kann zwar nicht geraubt werden, in der Regel sind aber die Nichtjuden Feldräuber und man käme dadurch zur Sünde des Raubes; sondern man soll solche Nichtjuden abschneiden lassen und sie dann von ihnen kaufen. Hat ein Nichtjude einen Lulab verloren und ein Jude hat denselben koscher gemacht, so bleibt er koscher. Ein Lulab mit den anderen drei Sachen kann für Mehrere dienen und es ist nicht nötig, dass sich Jeder einen solchen selbst anschaffe, so ist auch Gebrauch, und zwar weil für Arme dergleichen anzuschaffen unmöglich ist. u.s.w.
Die Myrthen und die Weiden müssen drei Hände hoch und der Stamm von dem Lulab vier Hände breit hoch sein, so dass jedenfalls (denn die Meinung der Rabbiner sind diesen Punkt sehr verschieden) der Lulab eine Hand breit höher als die Hadassin und die Weiden lang sein müssen.
Den Lulab und die dazu gehörenden drei anderen Sachen muss man folgendermaßen zurecht machen: man mache drei Ringe von alten Palmenblättern, einen großen, darin steckt man den Lulab, so dass der Ring in der Mitte desselben sich befindet, und zwei kleine befestigt man an den zwei Seiten des Lulab, den einen rechts höher als den anderen links. In den rechten steckt man die Myrthe und in den linken die Weiden (dieses Binden des Lulab muss vor Anfang des Festes geschehen). Den so gebundenen Lulab nimmt man nun in die rechte und den Etrog in die linke Hand. Ist Jemand links, so muss er doch den Lulab und den Etrog so nehmen wie Jedermann. Einige Rabbiner halten dies aber nicht für nötig und so ist auch der Gebrauch. Fehlen Jemanden die Hände, so nimmt er den Lulab und Etrog im Arm. Am ersten Tage des Festes nimmt man zuerst den Lulab in die Hand und spricht den Segen dabei, auch den, dass du uns diese Zeit erleben ließest; dann nimmt man erst den Etrog in die Hand, denn der Segenspruch muss der Ausübung des Gebets immer vorangehen (nähme man nun alles zugleich in die Hände, so ist die Ausübung schon geschehen und der Segenspruch kann nicht mehr folgen), oder man kann auch den Etrog erst verkehrt nehmen, den Stiel oben und nach erfolgtem Segenspruch ihn herumdrehen. Alsdann muss man anfangen, den Lulab zu schütteln, ebenso muss man ihn schütteln beim Singen des 25. und letzten Verses des 118. Ps. und immer zweimal, weil diese Verse wiederholt werden. Das Schütteln muss folgendermaßen geschehen: die Hände werden vorwärts gestreckt  und  nach  jeder Seite dreimal hin und dreimal her (zu sich die Hände einwärts) geschüttelt, und dann noch dreimal nach oben und dreimal nach unten, das Schütteln wird nach der Ostseite angefangen und von da nach Süd, West und Nord. Man muss den Etrog hart an den Lulab während des Schüttelns anlegen.
Der Beer hetib führt eine Geschichte an, welche dem Rabbi Katni begegnet ist: Bei mir, schreibt er, war einst an Sukkot ein berühmter deutscher Rabbi als Gast, sein Name ist R. Isaak. Da träumte mir des Nachts, dass dieser Rabbi den Namen G’ttes, ****, schrieb und dass er das letzte He entfernter von den drei ersten Buchstaben schrieb; ich sagte ihm, im Traume, was hast du da gemacht? Er antwortete: in meinem Orte ist der Gebrauch so. Ich protestierte gegen diesen Gebrauch, erwachte und erstaunte über die Erscheinung! Des Morgens sah ich mit Verwunderung, dass dieser Rabbi nur den Lulab allein mit den Myrthen und Weiden daran schüttelte, den Etrog aber nicht bewegte. Da verstand ich den Traum, denn in einem jeden dieser vier Gegenstände ist eine Deutung auf die G’ttheit zu ersehen, nach der Kabbala! Schütelt man nach unten, so muss der Lulab verkehrt gehalten werden; einige Rabbiner sagen, es ist nicht nötig (alles nach der Kabbala) Alle diese vier Sachen müssen zusammen sein, sonst darf man den Segen nicht dabei sprechen; man kann aber deshalb doch nehmen, das was man hat, zum bloßen andenken; aber so lange es noch Tag ist, kann man immer noch das Gebot erfüllen; die Frommen verrichten solches so früh als möglich; von Sonnenaufgang an kann man schon den Lulab schütteln, das Haupgebot desselben, das heißt die beste Zeit dazu ist während des Hallellesens. – Muss man verreisen, so kann man mit Ausgang der Morgenröte dies Geschäft verrichten. Recht Fromme nehmen den Lulab in die Hand und gehen so damit auf der Strasse in die Synagoge und so wieder zu Hause, um zu zeigen, dass man die Gebote liebt. Bevor man nicht den Lulab geschüttelt hat, darf man nichts essen; hat man darauf  vergessen und sitzt man gerade bei Tische, da man sich daran erinnert, so muss man so lange zu  essen aufhören, das heißt den ersten Tag, nachher hat man es nicht nötig, wenn nämlich nach dem Essen noch Zeit dazu ist. fing man aber ganz früh zu essen an, bevor noch die Zeit Lulab zu schütteln war, so braucht man mitten in der Mahlzeit nicht aufzuhören, auch den ersten Tag nicht, indem noch bei Tag dazu Zeit ist. Man darf an der Myrthe nicht riechen, aber wohl an dem Etrog; da jedoch einige Rabbiner auch dies verbieten, so ist es besser, man riecht auch an dem Etrog nicht. Eine Frau kann den Lulab von ihrem Manne oder Sohne empfangen und solche wieder in das Wasser stellen, auch wenn es nötig ist, etwas Wasser zugießen, aber nicht in ganz frisches Wasser stellen (das heißt wechseln); in den Zwischentagen ist es jedoch nicht allein erlaubt, sondern es ist sogar löblich, ihn jeden Tag in frisches Wasser zu setzten, um ihn feucht und schön zu erhalten.
Dass man sorgen soll, den möglichst schönsten Etrog zu erhalten, ist schon oben erwähnt worden; es ist ein Streit darüber, ob man beim Vertauschen desselben den dritten oder den fünften Teil des Geldes, welches der erste gekostet hat, zuzugeben verpflichtet ist. Ehe man aber irgend ein Verbot von den 365 Verboten übertretet, soll man lieber sein ganzes Vermögen weggeben. – Muss Jemand seinen erstgeborenen Sohn vom Priester einlösen, für fünf Gulden (Sekel), und er soll auch einen Etrog kaufen, hat er aber nicht diese Summe, so muss er den Etrog kaufen, indem ihm sonst die Zeit dazu entläuft (es ist schon mehr als einmal geschehen, dass die Etrogim wegen des weiten Transportes erst nach dem Feste angekommen sind); seinen Sohn auslösen, kann er auch noch nach dem Feste. Verkauft Jemand seinem Nächsten einen Etrog und nachher finden sich Löcher in demselben, so muss der Käufer Beweise bringen, dass diese schon vorher darin gewesen sind. Hat Jemand einen großen Etrog für Geld gekauft und er wird von einem Gelehrten als nicht koscher verworfen, so muss ihm der Verkäufer einstweilen so viel zurück zahlen, dass er sich dafür einen koscheren Etrog kaufen kann; nach dem Feste  muss  die Sache entschieden werden.
Sobald ein Knabe den Lulab gehörig zu schütteln versteht, so muss ihm der Vater, wenn er vermögend ist, einen Lulab mit Zubehör kaufen, um ihn an die Ausübung der Gebote zu gewöhnen. am Shabbath darf kein Lulabschütteln stattfinden, selbst wenn der erste Tag des Festes auf einen solchen Tag fällt. Es ist jetzt der Gebrauch, dass die Gemeinde auf allgemeine Kosten einen Lulab mit Zubehör anschafft, besonders in Städten, wo die Etrogim selten zu haben sind oder auch wegen der Armen, die sich keinen anschaffen können; nach dem Talmud  darf Niemand einen Lulab mit Zubehör von seinem Nächsten leihen, er müsste ihm solchen schenken, mit der Bindung, solchen wieder zurückzugeben, denn nach dem Talmud ist eine solche Schenkung auch eine Schenkung.
Den ersten Tag des Festes nimmt man zwei Thoras aus dem heiligen Schrank, in der ersten wird von fünf Personen vorgelesen im 3. B. M. 22,26 bis zu Ende des 23. Kapitel, in der zweiten Thora der Maftir im 4. B. M. 29,12 bis 17, die Hafthora, das ganze 12. Kapitel im Propheten Zacharias. Es ist der Gebrauch, dass man mit den Thoras, nachdem man solche erst auf die Bimah gelegt hat, einen Umgang in der Synagoge macht und am siebenten Tage sieben Umgänge, zum Andenken an den Tempel, wo man dergleichen Umzüge um den Altar abhielt; am siebenten Tage nimmt man sieben Thoras aus dem heiligen Schrank, zum Behufe der Umgänge.
Der Umgang geschieht von der Rechten zur Linken, ein Jeder, der einen Lulab hat, muss den Umgang mitmachen, und am siebenten Tag Hoschana Rabba nimmt man noch einen besonderen Zweig von Bachweide und macht mit demselben und dem Lulab den Umgang in der Synagoge. Am zweiten Tag, ebenso an den übrigen Tagen, muss man gleichfalls den Segen sprechen beim Lulabschütteln. Am zweiten Tag nimmt man wieder zwei Thoras aus dem heiligen Schrank und ließt darin vor wie am ersten  Tage, die Hafthora aber wird gelesen aus 1. Kön. 8,2.21. An den fünf Zwischentagen wird eine Thora herausgenommen und vier Personen vorgelesen aus 4. B. M. 49, nämlich am ersten der Zwischentage dem ersten der aufgerufenen die Verse 17,18,19 aus dem erwähnten Kapitel, dem Zweiten die Verse 20,21,22, dem Dritten die Verse 23,24,25, dem Vierten aber wieder die sechs ersten Verse u.s.w. Den zweiten Zwischentag fängt man nämlich bei den drei Versen 20,21,22 an und fährt auf oben beschriebene Weise fort. Mit Ausnahme des fünften Zwischentages werden dem ersten Aufgerufenen die Verse 26,27,28 und dem Vierten  die Verse 21 bis 24 vorgelesen (diese Art des Vorlesens an den Zwischentagen geschieht nur außerhalb dem gelobten Lande, weil man da zwei Feiertage feiert und nicht weiß, welcher der rechte ist).
Im gelobten Lande feiert man außer Neujahr die anderen Feiertage, Pessach den ersten und siebenten und Sukkot den ersten und den achten und Shavuot nur einen Tag überhaupt. im gelobten Land liest man daher am zweiten Tag, der ein Zwischentag ist, die drei Verse 17,18,19 allen vier Personen vor und am dritten Tag die Verse 20,21,22 ebenfalls allen vier Personen u.s.w. am Shabbath, der in den Zwischentagen fällt, nimmt man zwei Thoras aus dem heiligen Schrank, in der ersten liest man sieben Personen aus dem 2. B. M. 23,12 bis Kapitel 24,26,27 vor und den Maftir aus dem dem 4. B. M. 29. die Verse, die für den Tag bestimmt sind, nach oben beschriebener Weise und die Hafthora in Ezech. 38,18 bis 39,17. Es ist der Gebrauch, dass die Gemeinde an einem solchen das Buch: “Der Prediger” liest, während der Vorsänger das Gebet wiederholt. am siebenten Tag, dem fünften Zwischentag, Hoschanah Rabba genannt, ist das große Hoschia Na (helf doch).  Der 25. Vers im 18. Ps. Man sagt viele Gesänge, welche anfangen wie an einem Jom Tob. die ersten Rabbiner unserer Vorfahren sagten: Am Vorabend desselben könne ein Jeder im Schatten des Mondes ersehen, was ihm und seinen nächsten Anverwandten das ganze Jahr über begegnen werde! Der Beer hetib führt ein kabbalistisches Buch an, in welchem man Wunderdinge über diesen Gegenstand erfahren kann. Ein Rabbiner will aber, dass man hierauf lieber gar nicht achten solle, um sein Glück nicht zu verschlimmern; denn sehr Viele verstehen sich gar nicht darauf, es ist also besser, man bleibt unwissend in dieser Hinsicht und erforsche nicht das Zukünftige. An diesem Tage werden etwas mehr Lichter als gewöhnlich angezündet, wie am Jom Kippur; am Vorabend des Hoschana Rabba baden sich auch recht Fromme, um während der Nacht, die man mit Lesen in der Schrift, im Talmud u.s.w. zubringt, in Reinigkeit zu sein. Das Volk Jisrael glaubt nämlich, dass bis Ende dieses Tages die himmlischen Bücher noch nicht abgeschlossen seien, bis dahin wäre noch Zeit, sich zu bekehren, deshalb steht der Vorsänger an diesem Tag im Sterbekittel. auch wird nach dem Talmud, Tract. Rosch Haschana fol. 16, behauptet, dass an diesem Tage im Himmel beschlossen wird, wie viel es das ganze Jahr regnen soll; deshalb wird an diesem Tage besonders um Regen gebetet und da die Gebete mit den Wörtern Hoschiah Nah (hilf doch) zum Teil anfangen und enden, hat dieser Tag den Namen Hoschana Rabba erhalten. an diesem Tage erhält Alles, groß und klein, männlich und weiblich, drei (nach dem Gebrauch), auch fünf kleine Zweige von Bachweiden (allgemein Hoschanas genannt); diese werden mit alten Palmblättern niedlich zusammengebunden und wird damit nebst Lulab und Zubehör siebenmal ein Umgang in der Synagoge gehalten. Kurz vor Endigung des Gebets werden diese Hoschanas von einem Jeden an der Erde oder am Tisch, Bank, in der Synagoge abgeklopft und von den Blättern entblößt (so sollen die Sünden von ihnen weggeräumt werden). Für die Kinder ist dies eine wahre Lust, die klopfen immerzu, bis nichts mehr davon zu erkennen ist. Ein besonderer Segenspruch wird über diese Hoschanas nicht gesprochen, die Größe dieser Bachweiden ist die wie beim Lulab, auch wird damit geschüttelt, aber nicht mit denselben Zeremonien wie beim Lulab. Man  darf die abgeklopften Hoschanoth nicht zum profanen Gebrauch benutzen (man verwahrt sie und steckt sie in den Ofen, in welchem die Mazes, Pessachkuchen, gebacken werden). (Es ist der Gebrauch, dass der Synagogendiener diese Hoschanoth in die Häuser umherträgt und sie für Geld verkauft. den Etrog darf man vor dem neunten Tag nicht gebrauchen. Schwangere Frauen beißen alsdann den Stängel ab, dies soll eine leichte Geburt verschaffen! Alsdann wird derselbe in Stücke geschnitten, in Zucker eingemacht und als Delikatesse gegessen). bis den achten Tag des Morgens muss man in der Sukkah sitzen, man darf solche aber vor Endigung des neunten Tages, als am Simchath Thora, Freude über die Endigung der Thora, nicht abreißen, auch nichts von den Zierrathen in derselben sich zu nutzen machen.
Am achten Tag, Schmini Azereth genannt, der achte Aufhaltungstag, 3. B. M. 23,36,  4. B. M. 29,35, weil alles Volk an diesem Tage sich noch zu Jerusalem aufhalten mußte und noch nicht abreisen durfte, werden zwei Thoras aus dem heiligen Schrank genommen, in der ersten wird fünf Personen vorgelesen aus dem 4. B. M. 15,19 bis zum 16. Vers des 16. Kap., in der zweiten Thora den Maftir aus dem 4. B. M. 29,35 bis 39. Die Hafthora 1. Kön. 8,54 bis zu Ende des Kapitels.
Den neunten Tag ist Simchath Thora. die fünf Bücher Moschesh sind in 52 Parschoth oder Sedroth eingeteilt für die 52 Wochen des Jahres; da nun die letzte Abteilung an diesem Tage vorgelesen wird, freut man sich ganz außerordentlich. Es werden drei Thoras aus dem heiligen Schrank genommen, in der ersten wird vier Personen aus dem 5. B. M. die zwei ganzen letzten Kap. 33 und 34 vorgelesen. In der zweiten Thora dem Fünften aus dem 1. B. M. 1 das ganze Kapitel und die drei ersten Verse des zweiten Kapitels, in der dritten Thora den Maftir, wie am achten Tage, und die Hafthora aus Joschua das erste Kapitel. Den Abend vorher beginnt aber schon das Fest. Alles geht in die Synagoge, Männer, Frauen, Knaben und Mädchen. Nachdem das Abendgebet beendigt  ist, werden alle Thoras aus dem heiligen Schrank genommen, in den leeren Schrank wird ein brennendes Licht gestellt; die Thoras sind an diesem Abend sowie am folgenden Tage mit ihrem Schmuck geziert, oben mit silbernen Kronen und mit reichen silbernen und goldenen Stoffen umhängt; einer der Vorsteher der Gemeinde ruft die Namen der Eigentümer der Thoras auf, ein jeder derselben kommt heran und empfängt seine Thora. Wenn dies geschehen ist, so geht der Vorsänger voran, singt Gesänge ab und alle folgen mit ihren Thoras nach; so haltet man einen dreimaligen Umgang in der Synagoge. Während des Umgangs geben die Eigentümer der Thoras diese an Andere, die sie ehren wollen, ab, um sie an dem Umgang auch teilnehmen zu lassen. Ist diese Zeremonie beendigt, werden die Thoras wieder in den heiligen Schrank gestellt, mit Ausnahme der des Vorsängers, welche auf die Bimah gelegt und aus welcher das letzte Kapitel des 5. B. M. gelesen wird. Alles geht dann nach der Bimah, auch Knaben, Kinder (soviel Platz ist), und hört die Lesung mit an. Hierauf wird aus dem 48, Kapitel des 1. B. M. der 16. Vers gelesen. Die Kinder haben Fahnen in den Händen, auf welchen (auf hebräisch) einer der Namen der Lager der 12 Stämme Jisraels in der Wüste gedruckt oder vielmehr mit Verzierungen gemalt ist, z.B. Reuben. Schimon u.s.w. Des morgens wird der Umgang ebenso gehalten, wie am Abend vorher. Der Letzte, dem des Morgens das Ende der Thora vorgelesen wird, heißt: Chaßan Thora, der Bräutigam des Gesetzes, weil ihm das Letzte der Thora vorgelesen ward; vorher aber hält der Vorsänger erst eine Lange, ein- für allemal dazu gedruckte Rede in hebräischer Sprache (der Inhalt derselben sind viele Glückwünsche). Nach dem Vorlesen schreit Alles: Chasak! (sei gestärkt!), ein Glückwunsch. Sodann wird dem Fünften in der zweiten Thora das schon oben Erwähnte vorgelesen und dieser Fünfte heißt nun: Chaßan Bereschith, der Bräutigam des Bereschith, weil er der Erste ist, dem der Anfang der Thora vorgelesen ward; alles mit der nämlichen Zeremonie, wie beim Chaßan Thora.  (Nach  Endigung des ganzen Gebetes in der Synagoge oder kurz vorher werden von den beiden Bräutigams Mandeln, Rosinen, Feigen, Zuckererbsen u.s.w. unter die Kinder verteilt oder unter diesen geworfen. An diesem Tage können so viele Personen zum Vorlesenanhören aufgerufen werden, als man will, auch Kinder, damit alle soviel als möglich daran teilnehmen können (man wiederholt immer dasselbe), aber das Letzte und das Erste der Thora wird nur den zwei Bräutigams  vorgelesen. In den Wohnungen der beiden Bräutigams werden alle Mitglieder der Synagoge mit Backwerk, Wein, Liqueuren u.s.w. bewirtet und des abends wird tüchtig gezecht. Alle diese Arten Vorzüge und Ehrerbietungen in der Synagoge werden, meistbietend verkauft und mit schwerem Geld bezahlt (die Bezahlung geschieht aber erst nach dem Feiertag, weil man früher kein Geld anrühren darf.) Wer einen solchen Vorzug erstanden hat, der beehrt gewöhnlich einen anderen damit, einen Rabbiner, Vorsteher der Gemeinde oder sonst einen angesehenen reichen Mann).