Judentum – Schabbat zur Z. d. Tempels – Orach Chajim – Rosch Chodesch – Pessach u.s.w.

Von der Shabbathfeier zur Zeit des Tempels
Über den Neumond (Rosch Chodesch)


Von der Shabbathfeier zur Zeit des Tempels
Freitag Abends, als am Rüsttag zu dem folgenden Shabbath, kamen eine Ordnung der Priester, eine Ordnung der Leviten, desgleichen gewisse Standmänner (Abgesandte vom ganzen jüdischen Volke) welche sowohl den Shabbath selbst, als auch die folgende Woche hindurch bei den täglichen Morgen-, Abend- und anderen Opfern aufwarten mussten, zu rechter Zeit in Jerusalem an, gingen darauf, nachdem sie sich versammelt hatten, Zugweise in den Tempel hinauf, wo nach geendigtem Abendopfer der Dienst derjenigen Priester, Leviten und Standmänner, welche die vorige Woche aufgewartet hatte, zu Ende war, der neue Dienst und Aufwartung aber anfing (Michnah Sota cap. 3 u.f.). Hierauf holten die Leviten, und zwar die Kahatiter, von dem Hauptmann, welcher über das Trankopfer gesetzt war, so viel Semmelmehl, als zu zwölf Schaubrote nötig war, aus der Schaubrotkammer. Die alten abgegangenen Kammerherrn (Außer dem Hohepriester gab es auch Kriegsgesalbte und Statthalter) brachten sodann alle Gefäße herbei, welche sie die vorige Woche beim Opfern gebraucht, und übergaben sie den neuen Kammerherrn. Die neuen Priester und Leviten ließen sich von den alten Priestern und Leviten die Schlüssel zum Tempel und dessen Kammern geben. Dann wurde der Brandopfer-Altar mit einem Tuche abgewischt und vom Blute gereinigt. Hierauf gingen die Priester, nachdem sie ihre heiligen Kleider angezogen, mit dem Hauptmann über das Los in die oberste Gerichtsstube und losten, welches Haus unter den Häusern der Väter den ersten, anderen, dritten und folgenden Tag in der bevorstehenden Woche, aufwarten sollte, und diejenige, welche am Shabbath die Aufwartung hatten, losten wieder, wer die Schaubrote auflegen und die neuen Weihrauchschalen aufsetzen sollte. Sodann wurden die Leviten in sieben Haufen geteilt und jeglichem Haufen sein besonderer Rag in der folgenden Woche bestimmt. Nachdem dieses geschehen, brachten zwölf Priester die zwölf Schaubrote in ebenso vielen goldenen Schüsseln herbei, desgleichen trugen auch zwei Priester zwei Weihrauchschalen und setzten sie in den Hallen vor dem Tempel auf dem Marmortisch nieder, ging darauf ins Heilige hinein mit größter Ehrerbietigkeit, nahmen die alten auf dem Schaubrottische liegenden Brote ab, trugen sie hinaus in die Halle, legten sie daselbst nieder und trugen die neuen dafür hinein; ebenso wurden auch die alten Weihrauchschalen heraus- und die neuen dafür hineingebracht, die abgenommenen Weihrauchschalen aber bis auf den folgenden Morgen aufgehoben und auf den Brandopfer-Altar zum täglichen Morgenopfer hinaufgetragen. War dieses alles geschehen, so hielten sie endlich ihre Abendmahlzeit, schlossen darnach alle Tore im Tempel zu und legten sich, außer denen, welche Wache halten mussten, zum Schlafen nieder.
 Der eigentliche besondere G’ttesdienst am Shabbath bestand in gewissen Opfern, im Lesen und Erklären der heiligen Schrift und im Singen und Beten; das Gebot zum Shabbathopfer findet man 4. B. M. 88, 9, 10. Nach dem geopferten täglichen Morgenopfer holte man zwei besondere Lämmer, diese brachte man gegen Norden des Altars, auf den Schlachtplatz, schlachtete sie, fasste ihr Blut auf und sprengte damit die Hörner des Brandopfer-Altars, das übrige Blut aber goss man auf den Boden des Altars in die gehörige Röhre. Sodann wurde den Lämmern die Haut abgezogen, die Eingeweide daraus genommen, das Fleisch gewaschen und zerstückt. Zu jedem Lamm waren acht Priester, sechs von diesen trugen die Stücke desselben, der siebente trug das Speiseopfer und der achte das Trankopfer. Damit gingen sie vor die Türe des Tempels vorbei, hoben die Stücke in die Höhe und nachdem sie solche auf dem Marmortisch niedergesetzt, trugen die Sechs ihre Stücke den großen Aufgang des Brandopfers hinauf, salzten sie ein und brachten sie sofort auf den großen Feuerhaufen. Auf diese Weise verfuhr man mit dem Speise- und Trankopfer, ein Teil des Speiseopfers wurde, nachdem es gesalzen war, auf den großen Feuerhaufen, nebst dem ganzen Weihrauch, geworfen, der Wein aber in die auf dem Herd stehende Gießkanne eingegossen. Bei Eingießung desselben musizierten, sangen und trompeteten die Priester und Leviten, und die ganze Gemeinde sah andächtig zu, sang auch unter dem Musizierenden mit und hatte dazu einen besonderen Vorsänger. die Psalmen, von welchen man an jedem Shabbath eine oder zwei absang, waren diejenigen, über welche in dem Psalmbuch Davids die Überschrift zu lesen ist “Lamnazeach”, das ist der Meister auf dem Saitenspiel, einen Psalm Davids vorzusingen, und folgten in der Ordnung also aufeinander. Der 4., 5., 6., 8., 9., 11., 12., 13., 14., 18., 19., 20., 21., 22., 36., 39., 40., 41., 42., 43., 45., 46., 47., 49., 51., 52., 53., 54., 55., 56., 57., 58., 59., 60., 61., 62., 64., 65., 66., 68., 69., 70., 75., 76., 77., 80., 81., 84., 85., 109., 139. und 140.
 Nach Endigung des Gesanges und der Musik wurde der Segen gesprochen, auf folgende Weise: Der Priester, dem es zukam, ging die Stufen hinan, verrichtete sein Gebet und dankte G’tt, dass er sie mit der Heiligung Aarons geheiligt, hob sodann seine beiden Hände empor, dehnte die Finger auseinander und sang mit klarer Stimme unter Musik der anderen Priester und mit Aussprechung des heiligen Namens G’ttes über die ganze Gemeinde diesen Segen: Der Herr segne dich und behüte dich u.s.w. Unter diesem Segen schlug die ganze Gemeinde das Gesicht nieder und nahm mit tiefer Andacht denselben an. War der Segen geendigt, so neigte sich die Gemeinde tief und sprach folgende Worte: “Hochgelobt sei der preiswürdige Name seines Reiches in alle Ewigkeit! Nun dankt alle G’tt, der große Dinge tut an allen Enden, der uns vom Mutterleibe an lebendig erhält, und tut uns alles gute. Es gebe uns ein fröhliches Herz und verleihe immerdar Friede zu unserer Zeit in Israel, und dass eine Gnade stets bei uns bleibe, und erlöse uns, so lange wir leben.” War dieses vorbei, so kehrte sich der Priester mit dem Gesichte  wiederum gegen den Tempel zu, verrichtete sein Gebet zu G’tt, dass er sein Volk segnen wollte, neigte sich mit Ehrerbietigkeit und ging davon.
Die anderen Priester und Leviten und die ganze Gemeinde tat ebenso, und gingen nach vollendetem Gebete und tiefer Verbeugung vor G’tt rücklings oder zur Seite zurück, bis sie aus dem inneren Vorhof herauskamen. Und damit endigte der ganze Shabbathg’ttesdienst; wobei noch zu bemerken ist, dass zur äußerlichen Pracht des G’ttesdienstes der köstliche Schmuck des Hohepriesters, welcher vom Statthalter zur Rechten und vom Kammerherrn zur Linken begleitet wurde, sehr vieles Trug. Wollte der Hohepriester etwas verrichten, was die übrigen Priester im Opfern und anderen Sachen zu tun hatten, so stand es ihm frei, daher wurde er, wenn er zuweilen im Heiligen räuchern oder die Lampen zurichten wollte, jederzeit von verschiedenen Priestern begleitet, deren jeder ein Gefäß trug, dessen er bedurfte. Wollte er draußen die Opferstücke auf den Altar tragen, oder das Trankopfer eingießen oder sonst etwas tun, so mussten die, denen solches durch das Los zugefallen war, zurückstehen. Ging er auf den Brandopfer-Altar, so stand es ihm frei, die Gehilfen zu erwählen, welche er wollte, darauf ging er in der Mitte des Aufganges hinauf und ebendaselbst wieder herunter, der Statthalter griff ihm unter die Arme und half ihm aus Ehrerbietigkeit im aufsteigen, winkte auch mit einem Tuche und gab den Leviten ein Zeichen, wenn sie singen und musizieren sollten. Dieses Alles gab an einem solchen Tag dem ganzen G’ttesdienst keine geringe Zierde.
 Ward der G’ttesdienst am Shabbath (im Tempel) geendigt, so ging alles Volk aus dem inneren Vorhof heraus in die Synagoge oder Schule, oder an denjenigen Ort, wo das Gesetz gelehrt wurde, nämlich zu Jerusalem in dem Zwinger, auf die Mittagsseite, wohin sich auch das Obergericht (Sanhedrin) nebst allen Priestern verfügte. Der Chasan (Vorsänger), nahm sodann die Gesetzrolle aus dem heiligen Schrank u.s.w. Alles, wie schon gemeldet wurde. dies sollte in allen Städten und Dörfern, wo zehn jüdische Hausväter sich befinden, geschehen (was jetzt noch geschieht).
 Zur Zeit des Tempels und des Besitzes vom gelobten Lande hatten die Israeliten dreierlei Almosen, welche sie den Armen verteilten: 1. Vom Acker, 3. B. M. 19, 9, 10; 5. B. M. 24, 19;  2. ging jeden Tag drei Israeliten in der Stadt mit einem großen Korbe umher und sammelten allerlei Esswaren, welche den Armen, auch nichtjüdischen, ausgeteilt wurden; 3. war in der Schule (Synagoge), ein Armenkasten, in den das Almosen gelegt, welches am Shabbath von zwei Vorstehern gesammelt und jede Woche verteilt wurde.
 Um 3 Uhr Nachmittags wurde im Tempel das Abendessen verrichtet und so wie Nacht wurde, ward der Shabbath im Tempel mit Trompeten und Hörnern ausgeblasen.
Auch ist der Beweis nachzutragen (aus der Kabbala), warum die Frauen sich so sehr bestreben müssen, 1. ihre Periode ordentlich zu beobachten, Niddah, 2. vom gekneteten Teig jedes Mal etwas zu verbrennen, Challa, 3. die Shabbathlichter anzuzünden Hadlakath Hanner; aus dem Worte Tzaweh 2. B. M. 27, 20:
 Gebiete den Kindern Israels, dass sie dir bringen das allerreinste, lautere Öl u.s.w. Tet bedeutet 400, in dem Worte Naschim Frauen, steckt ebenfalls die Zahl 400. Da nun die angeführte Stelle von dem heiligen Lichte handelt, so müssten die Frauen auch die heiligen Shabbathlichter anzünden. Ferner das Wort Chawa, die erste Stammmutter, aus dem Cheth obigen Wortes macht man nun das Wort Challa, das Shabbathbrot, aus dem Waf macht man das Wort Waset (weibliche Periode), aus dem Heh macht man das Wort Hadlakah Lichter anzünden.
 Wenn das Gebet in der Synagoge am Freitag Abends beendet ist, so muss jeder jüdische Hausvater bei seinem Eintritt in das Wohn- und Esszimmer (wo der Tisch schon gedeckt, die Lichter angezündet und alles was zum Shabbath erforderlich ist, bereit sein muss) gleich das Gebet anfangen trsh ykalm ,kyli ,vls  u.s.w. Schalom Alechem Malache Hascharoth. Friede mit euch, ihr Engel, die ihr dient, ihr Engel des Höchsten, der da regiert als ein König aller Könige des heiligen Gebenedeiten G’ttes (wird dreimal gesungen). (Ferner): In eurem Ankommen (werdet uns zum) Frieden ihr Engel des Friedens, ihr Engel des Höchsten, der da regiert als ein König aller Könige, des heiligen Gebenedeiten G’ttes (abermals dreimal). (Ferner): Segnet mich mit Frieden, ihr Engel des Friedens, ihr Engel des Höchsten, der da regiert als ein König aller Könige, des heiligen Gebenedeiten G’ttes (dreimal). In eurem Ausgehen (werdet uns zum) Frieden, ihr Engel des Friedens, ihr Engel des Höchsten, der da regiert als ein König aller Könige, des heiligen Gebenedeiten G’ttes.
 Von den Engeln wird gelehrt, dass am Shabbath ein jeder Israelite deren zwei bei sich hat, sobald er aus der Synagoge kommt, einen guten und einen bösen; diese stellen sich dem Menschen gegenüber, und wenn sie hörten, dass er mit großem Eifer, besonders die Worte 1. B. M. 2, 1. 2. 3. beteten, so begleiten sie ihn nach Haus. legen ihm die Hände auf den Kopf, und sagen aus Jes. 6,7. deine Missetat ist von dir genommen und deine Sünde versöhnt (Shabbath Kap. 16, fol. 119, Col. 2).
 Dass ferner am Shabbath bei jeder Mahlzeit zwei Brote sein müssen, beweisen die Talmudisten aus 2. B. M. 26,22. Den sechsten Tag (nämlich am Freitag) sammelten sie das Brot zweifach, je zwei Omer für einen. Ferner legt man die Hände über die zwei Brote und indem man über das Eine ein Zeichen mit dem Messer macht, sagt man, kommt der große Name G’ttes heraus, nämlich die zwei langen Brote bedeuten das Waw, die zwei Hände mit den zehn Fingern bedeuten die 2 (He’s) und das Messer, womit man das Zeichen macht, bedeutet das Jod als der kleinste Buchstabe des Wortes.
 Die Ursache, warum man beim Ausgang des Shabbath an Gewürz riechen müsse, ist, weil die G’ttlosen am Shabbath aus der Hölle (die einen sehr hässlichen Geruch hat), beim Eingang des Shabbath herausgeführt, beim Aufhören desselben aber wieder in die Hölle hinein müssen; um also den üblen Geruch zu verscheuchen, der bei der Eröffnung der Hölle entsteht, riecht man an Gewürzen.
 Ferner behaupten die Kabbalisten, dass jeder Israelite am Shabbath zwei Seelen habe. Neschomah Jeteerah eine überflüssige Seele: sie dient zum Teil, um am Shabbath mehr Lust zum Essen und Trinken zu haben, nach Raschis Erklärung (Tractat Taanith 27,2). Das Geheimnis der Wollust am Shabbath ist, dass man die überflüssige Seele erlustige, dass sie ein großes Gebot  zur Ehre der g’ttlichen Majestät bei den Untern (nämlich bei den Menschen, die hier unten auf Erden wohnen) tue, d.i. dass sie den Segen bei dem Essen spreche, ein Gebot, das bei den Obern (die im Himmel wohnen) nicht gebräuchlich ist (Jalkut Chadasch fol. 144. Col. 10).
 Ferner soll die Seele fünf Namen, nämlich: Nephesch, Ruach, Neschamaah, Chajah und Jechidah; der erste Name zeigt die Seele an, wie sie mit dem Körper vereinigt ist, und also den ganzen Menschen ausmacht. Der zweite deute auf den Lebensgeist, der dritte auf die vernünftige Seele, nach Psalm 150, 6 , der vierte auf die wachsende Seele, welche die Menschen mit den Tieren gemein hätten; der fünfte auf die mit G’tt vereinigte Seele. Die überflüssigen Seelen am Shabbath kämen teils von der Seite Abels, teils von der Seite Kains her. Nach einer etwas vernünftigerem Erklärung über die zweite Seele, wäre nur gemeint: es bekomme die Seele, welche zum Studieren im Gesetz bestimmt ist, am Shabbath gleichsam einen größeren Zusatz zum Verständnis des g’ttlichen Gesetzes, d.i. man bekäme mehr Kraft im Verständnis des Gesetzes, am Shabbath höher zu gehen, als an Werktagen.
 Warum man beim Ausgang des Shabbath, bei der Habdalah, die Hände gegen das Licht halte und die Nägel beschauen müsse, wie oben erwähnt ist, dies wird verschiedentlich angegeben: es geschehe unter anderen auch deshalb, weil das Kleid, welches G’tt dem Adam im Paradiese gab, eine Farbe wie ein Onichstein hatte. oder – nach dem Buche Colbo deshalb, damit man den wunderbaren Unterschied zwischen den Nägeln und dem Fleisch betrachtet und zugleich auch den Zustand des gefallenen Adam erkennen lerne. Denn, als Adam (nach dem Fall) gesehen hatte, dass die Welt mit Finsternis bedeckt war, habe er ausgerufen: O ich elender Mensch, um wessen Sünde willen ist die Welt verfinstert? Darauf hätte G’tt dem Adam eingegeben, dass er zwei Feuersteine an einander schlage, aus welchen Feuer sprang, von welchen er alsdann ein Licht anzündete; da er nun sah, dass er nackt sei und darauf die äußersten Teile seiner Finger betrachtete, an welchen er die Nägel wahrnahm, so sei er darüber in die äußerste Verwunderung geraten und habe deswegen G’tt gelobt! (Talmud, Tractat Pesachim, Kap. 4, fol. 54, 1,2. u.s.w.)
 Von dem Becher mit Wein bei der Habdalah muss etwas an die Erde geschüttet werden, als ein Zeichen des Segens: denn wo nicht in einem Hause der Wein wie Wasser ausgeschüttet wird, da ist kein Zeichen eines Segens. u.s.w.
 Nach dem Abendgebet nach dem Ausgang des Shabbath, spreche man auch das Gebet, welches anfängt mit den Worten Wijehi Noam (es sei dir, G’tt, wohlgefällig), anfängt, in welchem Gebet sich der 17. und 18. Vers aus dem Psalm Kap. 90 und auch der ganze 91. Psalm sich befindet; dies soll nun ein Schutz gegen alle Waffen sein, und zwar deshalb, weil sich in dem ganzen Gebet kein Sajin befindet. Das Wort Sajin bedeutet Waffen! Bei dieser Gelegenheit mag auch gleich bemerkt werden, dass der Vers Schma Jisrael; Vernimm Israel u.s.w., 5. B. M. 6,4 fleißig gebetet, wieder den Teufel helfe, denn der Vers fängt an mit einer Schin und endet mit einer Dalleth; Sched, heißt aber Teufel.
 Die Habdalah beim Ausgang des Shabbath ist bereits oben übersetzt worden. Einige setzten hinzu: Ich beschwöre die Poseach, du Fürst der Vergessenheit, dass du von mir hinwegnehmest das törichte und tolle Herz, und dasselbe werfest auf die hohen Berge, im Namen des heiligen Arinam, Anasiel und Paschiel (Namen von Engel). Ferner sagt man den Vers: Und Noah fand Gnade in den Augen des Herrn; (ferner) und David handelte in allen seinen Wegen glücklich und G’tt war mit ihm; (ferner) ich hebe  meine Augen zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; (ferner) im Ausgang schuf G’tt u.s.w. Unser G’tt und unser Väter G’tt, das sei der sechs Tage u.s.w., lass sie uns beglücket sein, lass uns frei sein von allen Sünden und Arglist u.s.w.
 Den Grund zu der Habdalah nimmt man aus 3. B. M. 10,10 und 1. B. M. 1,4. und halten diese so hoch, dass man sagt: Wer nicht den Unterschied zwischen dem Shabbath und Wochentag macht über dem Becher mit Wein am Ausgang des Shabbath oder hört solchen Unterschied nicht von anderen machen, der sieht kein Zeichen eines Segens.

Über den Neumond (Rosch Chodesch)
417. Am Neumond, d.h. am ersten Tag jedes neuen jüdischen Monats, kann man alle Arbeit verrichten; die Frauen haben jedoch den Gebrauch, an solchen Tagen nicht zu arbeiten und dies ist auch der Gebrauch. Ist es der Gebrauch, dass die Männer an solchen Tagen einige Arbeiten verrichten und andere nicht verrichten, so richtet man sich nach diesem Gebrauch.
 418. Am ersten Tag des neuen Monats darf man nicht fasten, auch darf kein Bußtag auf solche Tage oder der Purim oder Channukafest (wird späterhin vorkommen) ausgeschrieben werden; sind aber schon früher mehrere Fasttage ausgeschrieben und ist man mitten darin, so hört man des Neumonats oder Channuka- oder Purimtages wegen nicht auf u.s.w. Fastet ein einzelner Mann an einem von diesen Tagen wegen eines bösen Traumes, so muss er noch einmal fasten.
 419. Es ist G’tt wohlgefällig, am Neumonatstag besser als gewöhnlich zu essen.
 420. Wegen eines Toten können die Frauen an einem solchen Tage zwar klagen, aber sie müssen alle zusammen sprechen und in die Hände schlagen; nicht wie gewöhnlich, dass Eine vorspricht und die Anderen einfallen; ist der Tote in der Erde, so darf an einem solchen Tage nicht mehr geklagt werden.
Die folgenden Abschnitte bis 426 enthalten die Teils vermehrten, Teils veränderten Gebote für dieses kleine Fest, auch welcher abschnitt an diesem Tag in der Thora vorgelesen wird (vier Personen werden aufgerufen); ein Mussafgebet wird gehalten und das große Loblied (siehe unten) gesungen. Wenn ein Neumonatstag auf einen Shabbath fällt, werden zwei Thoras aus dem heiligen Schranke genommen u.s.w. Der Neumonatstag fällt jedes Mal im Monat Nisan, (2. B. M. 13,4. Nehemias 11,1), im März, entweder auf den Sonntag oder Dienstag, Freitag oder Shabbath; im Monat Ijar Montag, Donnerstag und Shabbath (1. Kön. 6,1) im April; im Monat Sivan (Esther 8,9), Mai, Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag; Tamus, Juni, Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Freitag; Abh, Juli, Montag, Mittwoch, Freitag und Shabbath; Elul (Neh. 6,15) August, Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag; Tischri (1. Kön. 8,2), September, Montag, Dienstag, Donnerstag und Shabbath; Marcheschwon (1. Kön. 6,37), Oktober, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag; Kislev (Nrh. 1,1. Zach, 7,1 Macc. 1,57), November, jeden Tag außer Shabbath; Tebeth, Dezember, jeden Tag außer Donnerstag und Shabbath; Schwat (Zach. 1,7), Jänner, jeden Tag außer Sonntag und Freitag; Adar (Esther 3, 7, 2. Macc. 15,37), Februar, jeden Tag außer Sonntag, Dienstag und Donnerstag.
 Zur Zeit des Tempels schickte der hohe Rat (das Sanhedrin) zwei Zeugen aus, die genau beobachteten, wann der Mond neu wurde, sobald die Nachricht davon eintraf, wurde der Neumond angeordnet und zu feiern befohlen. Nach der Zerstörung des Tempels hat man sich einen astronomischen Kalender gemacht und den Neumond ausgerechnet. Da man nun den Lauf der Zeit nach dem Lauf des Mondes berechnet, das Mondjahr nur 354 Tage hat und das wahre Jahr, der Lauf der Erde um die Sonne 365 Tage dauert, hat man, um also die Ungleichheit der Jahre auszugleichen, alle zwei, drei oder vier Jahre einen 13. Monat zugegeben; diesen Monat nennt man Weader (und noch ein Adar). Zur Zeit des Tempels war der erste Tag eines jeden Monats immer ein sehr heiliger Tag (4. B. M. 28, 11, 14).
 Die Zeremonien bei den Opfern sind mit einigen Abänderungen so wie bei den Opfern des Shabbaths, auch wurde im 4. B. M. 10,10. von den Leviten musiziert und trompetet, die Gemeinde sang die Psalme 113, 114, 115, 116, 117 und 118. diese sechs Psalme werden das große Loblied, Hallel Hagadol, genannt und werden noch an einem jeden Feiertag gesungen. die Zahl des Monatstage war entweder 30 oder 29. In jedem Monat nämlich verbirgt sich der Mond ungefähr zwei Tage, den ersten Tag, ehe der Monat vollends zu Ende kommt und Sonne und Mond vereinigt werden, und den anderen Tag, wenn er mit der Sonne vereinigt gewesen und sich gegen Abend im Westen wieder sehen lässt. Weil nun in zwei Monaten zwei halbe Tage einen ganzen machen, so haben etliche Monate 29 und etliche 30 Tage. Ward nun, wenn der 29. Tag vorbei war, des Abends oder in der Nacht darauf der neue Mond gesehen, so ward der folgende 30. Tag der erste des neuen Monats, der vorige Monat hatte also 29 Tage; ward aber der Mond erst des abends nach dem 30. gesehen, so ward der 31. Tag der erste des neuen Monats und der vorige Monat hatte also 30 Tage. Weil also das Jahr nur 354 Tage hatte musste man in 19 Jahren sieben Monate einschalten, nämlich im 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19 Jahre. Die Hauptursache dieser Einschaltung war das Pessachfest, welches sonst manchmal im Winter und manchmal im Sommer hätte gefeiert werden müssen, da doch das Pessachfest immer im Frühling, wenn im gelobten Lande das Getreide reif war, das Laubhüttenfest im Herbst, wenn das Getreide eingesammelt wurde und das bürgerliche Jahr zu ende war, gefeiert wurde. Über solche Neumonde hatte das Sanhedrin die Aufsicht. Im Monat Adar beratschlagten sie darüber. Von sieben Deputierten wurde der Schluss gemacht, doch nicht ohne Vorwissen des Oberhauptes. Ward nun ein Schaltjahr beschlossen, so wurde an das ganze Land in folgenden Worten geschrieben: Wir tun euch kund, dass, weil die Tauben noch jung, die Lämmer zart sind, auch die Zeit, die Garbe zu schneiden, noch nicht da ist, es uns gut dünkt, diesem Jahr einen Monat zuzulegen. – In der letzten Zeit musste man sich die Erlaubnis, ein Schaltjahr zu machen, von den Römern erbitten. Daher soll sich Hillel, der berühmte weise Talmudist, einen fortwährenden Kalender gemacht haben, dessen man sich noch bis heute bediene. Das Sanhedrin hatte nicht allein die Aufsicht über die Schaltjahre, sondern es musste auch für die Neumondfeste sorgen. Daher kam es immer am 30. Tag zusammen und wartete auf Zeugen, die den neuen Mond gesehen haben; kamen nun Zeugen und ihr Zeugnis stimmt überein, so so wurde dieser 30. Tag geheiligt und zum Neumond verordnet, und der vorige Monat hatte 29 Tage; kamen aber keine Zeugen, so wurde dieser Tag noch zum vorigen Monat gerechnet. die Zeugen durften keine Frauen oder Sklaven oder sonst Leute sein, die zu Zeugen untüchtig sind, sondern gute, ehrliche Männer. Stimmt ihr Zeugnis mit der Ausrechnung des Sanhedrins überein, so wurden sie herrlich gastiert und bewirtet und der Präsident sprach das Wort: Mekudasch, d.h. er ist geheiligt, aus, worauf alle Anwesenden antworten: Er ist geheiligt, er ist geheiligt! War das Wetter trübe, so richtete sich das Sanhedrin nach der Ausrechnung. War der Neumond festgesetzt und geheiligt, so wurden sogleich einige Leute auf den Ölberg geschickt, um daselbst ein großes Feuer anzuzünden, welches man sehr weit sehen konnte und als Zeichen diente, so dass auch auf anderen Bergen Feuer gemacht wurde; so ging es durchs ganze Land. Als aber in der Folge die Sadduzäer mit diesen Feuern allerlei Ärgernis machten, so schickte man, um Unordnung zu verhüten, boten durchs ganze Land mit der Nachricht, dass der Neumond zu Jerusalem geheiligt wurde. In Jerusalem ließ man diesen Feiertag durch Trompeten, in den übrigen Städten mit Hörnern einblasen. die Israeliten, welche fern von Jerusalem wohnten, feierten zwei Tage den Neumond, nämlich den letzten Tag des vorigen und den ersten des neuen Monats. Der Grund hierfür war, dass die Feuer auf den Bergen den entfernten Orten nicht so geschwind sichtbar werden konnten, besonders seit der Zeit, da die Feuer aufhörten und Boten herumgeschickt wurden, die Entfernten also nicht wussten, welcher Tag in Jerusalem als Neumond gefeiert wurde; um also gewiss zu sein, feierten die Entfernten zwei Tage. Daher rührt auch noch der Gebrauch her, dass außerhalb des gelobten Landes die Feiertage Neujahr, Pessach, Schawuoth und Sukkoth immer zwei Tage dauern. Im gelobten Lande feiert man auch jetzt noch nur einen Tag Rosch Haschanah, einen Tag Schawuoth, den ersten und siebenten Tag von Pessach und Sukkoth, von welchem letzteren Feste jedoch auch in Jerusalem noch der achte Tag gefeiert wird. (3. B. M. 23,36. – 4. B. M. 29,35.)
Es folgen jetzt die Arten der Gebete, welche am Neumond gehalten werden müssen. Es wird wie an den Feiertagen ein Mussaf Gebet gehalten, das große Loblied gesungen und in der Thora wird vorgelesen. 4. B. M. 28. Vier Personen werden dazu aufgerufen, der Cohen hört die drei ersten Verse vorlesen, der Levi den 3., 4., 5. Vers gewöhnlich, der Israelite den 5., 6., 7., 8., 9. und 10. Vers, der vierte Aufgerufene den 11., 12., 13., 14. und 15. Vers in obgedachtem Kapitel. Auch in dem großen Gebet nach der Hauptmahlzeit muss man ein besonderes Gebet, den Neumond betreffend, einschalten. Vor dem Mussafgebet nimmt man die Tephilin ab u.s.w. Da man, wie schon gemeldet, die Jahre und Monate nach dem Mondeslauf zählt, so hat man den Gebrauch, dass man den neuen Mond, so bald er sieben Tage alt ist, den Segen darüber spreche Birchat Halbanah, der Segenspruch über den Mond, von Lawan (weiß). Gewöhnlich wartet man damit bis zum Ausgang des Shabbath, wenn man aus der Synagoge kommt. Ist der Mond hell, so geschieht der Segenspruch auf der freien Strasse oder sonst in einem Hofe oder Garten, jedenfalls unter freiem Himmel, man schaut den Mond an, stelle die Füße zusammen und beginne erst wie folgt (auf hebräisch): Es ist ein gutes Zeichen, es ist ein gutes Glück für uns und ganz Israel. Alsdann wird der Segenspruch gesprochen: Gelobt seiest du Herr unser G’tt, du König der Welt, der du mit dem Wort und dem Geist deines Mundes den Himmel und alle seine Heere erschaffen hast und ihnen Gesetz und Zeit vorgeschrieben hast, was ihnen zu tun obliegt, dass sie sich nicht verändern, sondern sich G’ttes, ihres Schöpfers (der ein rechter Werkmeister ist und dessen Werke wahrhaftig sind) willengemäß erzeugen. Er hat den Mond sich erneuern heißen, welche Erneuerung allen denen, so im Mutterleib getragen worden, eine schöne Krone und Zierde ist; sie werden auch wie der Mond erneuert werden und ihren Schöpfer loben und erheben, wegen seines mächtigen und herrlichen Reiches. Gelobt seiest du Herr, der du die Neumonde erneuerst, gelobst sei dein Schöpfer, gelobt sei der, der dich gemacht, gelobt sei dein Former, gelobt sei dein Schöpfer. (Hier hüpft man drei Mal) in die Höhe, mit zusammengehaltenen Füssen und sagt ferner:) Gleichwie ich zu dir hinaufspringe und dich doch nicht erreichen kann, so soll mich auch kein Feind berühren, noch mir einigen Schaden zufügen (darauf steht man ein wenig still und wiederholt solches drei Mal, alsdann fährt man fort und sagt:) es fallen über sie Furcht und Schrecken und in deinem starken Arm lass sie wie die Steine unbeweglich sein, mache sie stumm, wie ein Stein in der Stärke deines Armes, es fallen über sie Furcht und Schrecken (dann setzt man hinzu:) David, der König über Israel, lebt und bleibt feststehend (dadurch soll angezeigt werden, dass wie der Mond ab- und zunimmt, so nimmt auch das Königreich David ab und zu, und wie der Mond sich mit der Sonne vereinigt und sein Licht von ihr erhält, so werden sich auch die Israeliten mit G’tt vereinigen, zu den Zeiten des Messias). Endlich sagt man, einer zum anderen: Frieden sei mit euch, und der Andere erwidert: mit euch sei Friede (dreimal wiederholt und zum Schluss angehängt die Worte:) ein gut Zeichen und gut Glück sei es uns und ganz Israel.
 Länger als bis den 10. des Monats wartet man nicht mit dem Segenspruch über den Mond, denn es könnte bewölkter Himmel erfolgen, wo man den Mond nicht sehen kann. Vor Zerstörung Jerusalems, den neunten Tag des Monats Ab und vor Jom Kippur den zehnten Tag des Monats Tischri, spricht man den Segen nicht über den Mond. Nach dem 15. Tag eines jeden Monats darf man den Segen über den Mond nicht mehr sprechen, aber auch nicht vor dem siebenten Tag des Monats.  428. Die Ordnung, der Feiertage die nach dem Kalender fallen, ist folgende: 1. Rosch Haschanah kann niemals auf einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag fallen; 2. Jom Kippur niemals auf Sonntag, Dienstag oder Freitag; 3. Channuka niemals auf den Dienstag; die Fasten Esther niemals auf den Sonntag, Dienstag oder Freitag; 5. das Purimfest niemals auf Montag, Mittwoch oder Shabbath; 6. das Pessachfest niemals auf Montag, Mittwoch oder Freitag; 7. das Schawuothfest niemals auf Dienstag, Donnerstag oder Shabbath; 8. die zwei großen Fasttage, der 17. im Monat Tamus und der 9. im Monat Ab, niemals auf Montag, Mittwoch oder Freitag (am ersten dieser beiden Tage ist Jerusalem eingenommen, am zweiten, nämlich der 9. Ab, ist der Tempel zerstört worden). Alle jüdischen Feste richten sich im Kalender (Luach) nach den Pessachtagen. auf welchen Tag in der Woche z.B. der erste Pessachtag fällt, auf einem solchen fällt auch der Fasttag: Die Zerstörung des Tempels (Tische beab, der 9. im Monat Ab); wie der zweite Pessachtag, so fällt auch Schawuoth; wie der dritte Pessachtag, so fällt auch Rosch Haschanah, wie der vierte Pessachtag, so auch das Freudenfest über die Endigung des Gesetzbuches (Thora) Zimchat Thora), der neunte Tag, als Zugabe zum Sukkothfest, wie der fünfte Pessachtag, so auch Jom Kippur, wie der sechste Pessachtag, so auch das Purimfest im verflossenen Jahre.