Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 1 – Vers 12-17

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V. 12. Bis zum Gelage des Königs gab meine Narde ihren Duft.
V. 13. Ein Myrrhenbündel ist mir mein Geliebter.
V. 14. Eine Cypertraube ist mir mein Geliebter
V. 15. Siehe du bist schön, meine Freundin.
V. 16. Sieh mein Freund, du bist schön, auch lieblich.
V. 17. Das Gebälk unsrer Häuser sind Zedern.


V. 12. Bis zum Gelage des Königs gab meine Narde ihren Duft.
R. Meir sagte: Bis zum König aller Könige, Gott, dem Hochpreislichen in seinem himmlischen Sitze verbreitete Israel durch das angebetete Kalb s. Ex. 32, 8 einen üblen Geruch. Genug, Meir! rief ihm R. Jehuda entrüstet zu, das Hohelied wird nicht zur Schande, sondern nur zum Ruhm für Israel gedeutet und zwar auf diese Weise: Bis zum Könige aller Könige, Gott, dem Hochpreislichen in seinem himmlischen Sitze drang der Duft, als Israel vor dem Berge Sinai sprach Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir tun und gehorchen.“ Wie kam denn R. Meir auf eine so üble Auffassung? Durch eine Überlieferung (Masechta), welche aus dem Exil herrührte, in der es hieß: Die Fertigung des Kalbes war vor der Verfertigung der Stiftshütte.
R. Elieser erklärte den Vers auf diese Weise: Als der König aller Könige, Gott, der Hochpreisliche in seinem himmlischen Sitze (in den höchsten Sphären) sich noch befand, stand schon der Berg Sinai in Flammen s. Deut. 4, 11. R. Akiba sagte: Als der König der Könige, Gott, der Hochpreisliche sich in seinem himmlischen Sitze befand, hatte schon die Herrlichkeit des Ewigen sich auf den Berg Sinai niedergelassen s. Ex. 24, 16. R. Berachja sagte: Als Mose, der König genannt wird s. Deut. 33, 5, sich in göttlicher Umgebung befand, hatte Gott schon „alle diese Worte“ (die zehn Gebote) s. Ex. 20, 1, gesprochen. R. Elieser ben Jacob sagte: Als der König der Könige, Gott, der Hochpreisliche noch in seinem himmlischen Kreise sich befand, war schon der Engelfürst Michael vom Himmel herabgekommen und hatte unseren Vater Abraham aus dem Glutofen gerettet. Die Rabbinen sagen: Gott stieg herab, um ihn zu retten s. Gen. 15, 7. Wann kam Michael herab? In den Tagen Chananjas, Mischaels und Asarjas.
R. Tabjumi sagte: Als unser Vater Jacob noch auf seinem Bette lag, kam ein Funke des heiligen Geistes über ihn in den Worten zu seinen Kindern: „Gott wird mit euch sein“ s. Gen. 48, 21 d. i. er wird seine Schechina unter euch ruhen lassen.
R. Nachman sagte: Es steht Gen. 46, 1 geschrieben: „Israel (d. i. Jacob) brach auf mit allem, was er hatte und kam nach Berseba.“ Wohin ging er? Um die Zedern zu fällen, die unser Vater Abraham in Berseba gepflanzt hatte s. Gen. 21, 33. Von daher, sagte R. Levi, kamen die dreißig Ellen langen Bretter, die für den Augenblick zum Bau der Stiftshütte gebraucht wurden s. Ex. 26, I5. 16.
R. Levi bar Chija sagte: Die Akazienbäume wurden in Magdela Zibaja (der Färber) gefällt nach Ägypten gebracht und hatten weder Knoten noch Spalt. Solche Bäume befanden sich noch an dem erwähnten Ort, die man aber aus Rücksicht wegen der Heiligkeit der von ihnen gemachten Bundeslade nicht zu gemeinen Zwecken verwenden sollte. Es fragten dieserhalb den Rab Chananja die Genossen der Rabbinen und er tat den Ausspruch: Ändert nicht die Sitte eurer Väter!
R. Pinchas erklärte im Namen des R. Hosaja obigen Vers dahin: Während der König aller Könige, Gott, der Hochpreisliche in seinem himmlischen Kreise noch weilte, waren schon am dritten Tage mit Tagesanbruch Donnerstimmen, Blitze, schweres Gewölk und starker Posaunenschall auf dem Berge Sinai wahrzunehmen s. Ex. 19, 16. Gleich einem Könige, welcher seinen Entschluss bekannt werden ließ, dass er an einem bestimmten Tage in der Provinz eintreffen werde, allein er fand bei seiner Ankunft die Einwohner die ganze Nacht in Schlaf versunken und er liess Trompeten und Posaunen erschallen. Da weckte der Statthalter sie und führte sie dem König entgegen, und derselbe ging vor ihnen her, bis er an seinem Palaste anlangte. So hatte auch Gott bekannt gemacht, dass er am dritten Tage sich vor den Augen des Volkes herablassen werde s. das. V. 2. Die Israeliten schliefen die ganze Nacht in Folge deren Kürze und der angenehmen Feststimmung so, dass sie, wie R. Judan bemerkt, sogar die Flohstiche nicht empfanden. Da kam Gott und fand sie schlafend und er weckte sie durch Trompeten und Donnerstimmen, und Mose führte sie darauf dem König der Könige, Gott, dem Hochpreislichen entgegen s. V. 17, welcher nun vor ihnen herzog, bis er an den Berg Sinai gelangte s. V. 18. R. Jizchak sagte: Diesen Leichtsinn wirft Jesaia ihnen mit den Worten vor (s. Jes. 50, 2): „Warum kam ich und fand niemand, rief und niemand antwortete“ u. s. w. R. Judan sagte: Als Chiskia und sein Kollegium ihre Pessachlämmer in Jerusalem verzehrten, hatte Gott schon den Engel in der Nacht gesandt, welcher eine große Niederlage im assyrischen Lager anrichtete s. Jes. 37, 36.
R. Abuhu sagte: Während Mose und die Israeliten ihre Pessachlämmer noch in Ägypten aßen, hatte der Ewige schon alle Erstgebornen der Ägypter erschlagen s. Ex. 12, 29. Da dieses Blut nach der Meinung des R. Abuhu (welche mit der des R. Meir s. oben, übereinstimmt) einen unerträglichen Geruch verursachte, ließ Gott einen Duft aus dem würzigen Garten Eden sich verbreiten, dass die Israeliten Esslust verspürten und zu Mose sprachen: Mose, unser Lehrer! gib uns etwas zu essen. Mose antwortete s. das. V. 43: „So hat Gott mir gesagt: Kein Fremdling soll davon“(vom Pessach) essen.“ Sie entfernten alle Fremdlinge aus ihrer Mitte und wollten nun „essen. Sie sprachen: Mose, unser Lehrer! gib uns etwas zu essen. Allein Mose entgegnete ihnen: So hat Gott mir gesagt s. das. V. 44: „Jeder für Geld gekaufte Knecht muss erst beschnitten werden, dann mag er essen.“ Als sie auch dieser Vorschrift genügt und ihre Knechte beschnitten hatten, bekamen sie Lust zu essen, sie wiederholten daher ihre Bitte: Mose, unser Lehrer! gib uns etwas zu essen. Mose sprach zu ihnen: Gott hat mir kurz (in Summa) gesagt s. das. V. 48: „Kein Unbeschnittener darf davon essen.“ Jeder legte hierauf sein Schwert an seine Hüfte und beschnitt sich. Wer hat sie beschnitten? R. Berachja sagte: Mose machte den Schnitt, Aaron riss und Josua gab zu trinken aus dem geweihten Becher. Nach anderen beschnitt Josua und Aaron riss und Mose reichte den geweihten Becher s. Jos. 5, 2. Warum heißt es: „Zum zweiten Mal?“ Weil er sie bereits das erste Mal beschnitten hatte. „Da machte sich Josua scharfe Messer und beschnitt die Kinder Israels am Hügel Araloth (der Vorhäute) s. das. V. 3. Warum am Hügel Araloth? R. Bibi sagte: Weil sie mit den Vorhäuten einen Hügel gemacht hatten.

V. 13. Ein Myrrhenbündel ist mir mein Geliebter.

R. Asarja deutete im Namen des R Jehuda diesen Vers auf unsern Vater Abraham. Wie diese Myrrhe die erste (beste) aller Gewürzarten ist, so war auch Abraham das Haupt aller Gerechten; wie diese Myrrhe nur im Lichte duftet, so wurden auch Abrahams Taten erst dann bekannt, als er in den Glutofen geworfen worden war, und wie nach der Myrrhe die Hände desjenigen bitter riechen, der sie aufliest, so hat auch Abraham sich das Leben verbittert und durch Leiden gepeinigt.
das zwischen meinen Brüsten übernachtet.
Abraham erschien gleichsam als Vermittler zwischen der Schechina und dem Engel, welchem er entgegenlief s. Gen. 19. 2, wo der Sinn ist: er sah die Schechina und lief dem Engel entgegen.

V. 14. Eine Cypertraube ist mir mein Geliebter
d. i. Jizchak, der gebunden wie ein Traubenkamm auf dem Altar lag, rpkh zur Sühne der Sünden Israels (larsy ls ,hytvnvi rpkms).
aus den Weinbergen Engedis d. i. unser Vater Jacob, als er furchterfüllt und mit Scham, die Hände mit einem Ziegenfell bedeckt, vor seinem Vater erschien und die Segnungen, diese ewige Quelle (,lvi ]yi) davon trug.
R. Hunja sagte im Namen des R. Acha: Dem Weibe ist nichts lieber, als ein Gewürzbündel. Wohin birgt sie dasselbe? Zwischen ihre Brüste.
Ferner sagte derselbe Rabbi im Namen des Resch Lakisch: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Herr der Welt! du hast Not über die Ägypter durch den Tod ihrer Erstgebornen gebracht, du hast ihnen Bitteres verursacht, mich aber bewahrtest du sorgfältig. Wie denn? Wenn ein Ägypter zu einem Israeliten sprach: Verbirg mir diesen Erstgebornen (meiner Kinder) unter deinen Kindern, so tat es der Israelit, allein der Engel drang ein und erschlug jenen, mich aber verschonte er.
R. Berachja sagte: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Selbst wenn du Drangsal und Bitteres mir zuschickst, so bist du mein Freund, welcher sieht, ob nicht ein großer Mensch da ist, der zu der strafenden Gerechtigkeit sprechen kann: „Es ist genug!“ Diesen nimmst du und bewahrst ihn als Unterpfand für mich. Was bedeutet lvksa Traubenkamm? Einen Mann, in dem alles enthalten ist (vb lkhs sya), Schrift, Mischna, Talmud, Tosephta und Haggadot. rpkh,weil er die Sünden Israels sühnt (,hytvnvi rpkms larsy ls).
aus den Weinbergen Engedis d. s. die Väter der Welt, welche wie Zicklein hinter dir herziehen und Segnungen davontragen, die eine ewige Quelle für sie sind.
R. Jochanan legte den Vers auf das vom Hause Abtinus bereitete Räucherwerk (für den Tempelgebrauch) aus, wovon die Myrrhe einer von den elf Bestandteilen war, aus denen es bereitet wurde. R. Huna verweist dabei auf Ex. 30, 34, wo es heißt: „Und der Ewige sprach zu Mose: „Nimm dir Wohlgerüche (,ymc)“ das sind 2, „Stakte, Räucherklaue und Galban“, das sind 5, „Wohlgerüche“. Solltest du sagen, dass diese beiden (Bestandteile) schon in dem (vorangegangenen) Worte ,ymc enthalten sind, so folgt: „zu gleichen Teilen soll es sein“ Das gibt 5 gegen 5 d. i. 10, „und reinen Weihrauch“ d. i. 11. Darum forschten die Gelehrten und fanden, dass für das Räucherwerk nur 11 Bestandteile vorteilhaft wären. „Zwischen meinen Brüsten übernachtet es“ d. i. der Duft des Räucherwerks beschränkte sich (am Versöhnungstage) auf den Zwischenraum zwischen den beiden Stangen der Bundeslade. lvksa rpkh, weil es als Sühne für die Sünden Israels diente.
R. Jizchak sagte: Die Traube, weil sie schlank in die Höhe steigt, bis an die Decke, und nachher sich ausbreitet wie eine Traube. rpkh d. i. sie sühnt die Sünden Israels. R. Jizchak sagt: Es heißt Lev. 16, 13: „Und er tue das Rauchwerk auf das Feuer vor dem Ewigen, dass die Wolke des Rauchwerks den Deckel auf dem Gesetze bedecke.“ Wir wissen nicht, was die Wolke des Räucherwerks bedecken soll, bis David kam und es erklärte s. Ps. 85, 3: „Du hast bedeckt alle ihre Sünden.“
aus den Weinbergen Engedis d. i. in Folge des Vertrages, den ich mit eurem Vater Abraham zwischen den Stücken abgeschlossen habe s. Gen. 15, 1. u. 18, denn dieser hatte, wie R. Levi im Namen des R. Chama bemerkt, nachgedacht und vor Gott gesprochen: Herr der Welt! du hast mit Noach einen Bund, geschlossen, dass du seinen Samen nicht von der Erde vertilgen wollest, nun bin ich aufgetreten, habe mich durch gute Werke vor dir hervorgetan, dass der mit mir eingegangene Bund seinen Bund verdrängte (und ich jene vier Könige, die von Noach abstammten, überwand), vielleicht steht ein Mensch auf und zeichnet sich durch pflichtmäßige Handlungen und gute Werke mehr als ich aus, und es verdrängt sein Bund meinen Bund? „Fürchte dich nicht“, sprach Gott zu ihm, „ich bin dir ein Schild“, von Noach habe ich keine Beschützer und gerechte Männer hervorgehen lassen, aber von dir werde ich Beschützer und Gerechte stellen, und nicht nur das, wenn deine Kinder in Sünden und Laster verfallen, werde ich einen großen Mann ersehen, der zur strafenden Gerechtigkeit zu sprechen vermag: „genug!“ diesen nehme ich als Unterpfand für sie, wie es heißt: lvksa d. i. ein Mann, in dem alles enthalten ist (lkhs sya vb), Schrift und Mischna, Talmud, Thosephtot und Haggadot; rpkh d. i. (ein Mann), der die Sünden Israels sühnt. „Aus den Weinbergen Engedis“ d. i. ich nehme ihn und mache ihn zum Unterpfand für sie.
Oder: lvksa. Ben Gesera sagte: Unter der Traube (lvksa) ist Gott zu verstehen, der alles (alle Vollkommenheiten) in sich vereinigt. rpkh, weil er die Völker der Welt, verleugnete (rpks) und sich zu den Israeliten bekannte. Wann verleugnete er die Völker der Welt? In dem Kriege des Königs Josaphat gegen die Moabiter und Ammoniter s. 2 Chron. 1 – 30. Du findest, die Israeliten kommen von der Kraft Abrahams, dagegen die Ammoniter und Moabiter von der Kraft Lots und letztere bekriegten erstere und sie fielen durch sie. Josaphat besiegte sie durch göttlichen Beistand, woraus sich ergibt, dass Gott die Völker der Welt verleugnet hat. Sollte dir der Einwand gemacht werden, dass die Schrift hier nicht auf Josaphat anspiele, so verweise auf den Namen Engedi (ydg ]yi), der hier sowohl wie dort (bei Josaphat s. 2 Chron. 20, 2) vorkommt. Wie hier der Name sich auf den Krieg Josaphats bezieht, so auch dort. R. Levi bar Sacharja zieht daraus den Schluss: Wenn schon in dieser Welt, wo es von Gott heißt Deut. 4, 24:
„Denn der Ewige, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, er ist ein eifervoller Gott“, Gott die Völker der Welt verleugnet und sich zu Israel bekennt, um wie viel mehr wird er sich einst (gnädig) bezeigen, da er mit dem Tau verglichen wird und es von ihm Hos. 14, 6 heißt: „Ich werde Israel wie Tau sein.“

V. 15. Siehe du bist schön, meine Freundin.
Du bist schön durch die Ausübung der religiösen Vorschriften, du bist schön durch die Liebeswerke (,ydcx tvlymgb), du bist schön durch Befolgung der Gebote, du bist schön durch Beachtung der Verbote, du bist schön in deinem häuslichen Leben durch die Entrichtung der Heben und Zehnten, du bist schön in der dir empfohlenen Mildtätigkeit gegen die Armen und Fremden, nämlich in Bezug auf die Nachlese, die vergessene Garbe und die Früchte des Eckfeldes (oder Eckbaumes) und den Armenzehnten und das Freigeben, du bist schön in der Beobachtung des Gemischten (Kilaim), du bist schön durch das Tuch mit den Schaufäden (Zizith) du bist schön im Pflanzen, du bist schön durch die Vorhaut des Baumes (Lev. 19, 23. 24), du bist schön durch die vierjährige Pflanzung, du bist schön durch die Beschneidung, du bist schön durch das Reißen, du bist schön durch das Gebet, du bist schön durch das Keriath Schema, du bist schön durch die Mesusa, du bist schön durch die Thephillin, du bist schön durch die Laubhütte, du bist schön durch Lulab und Ethrog, du bist schön durch Busse, du bist schön durch gute Werke, du bist schön in dieser Welt und du bist schön in jener Welt.
deine Augen gleichen den Tauben.
Unter den „Augen“ ist das Synedrium zu verstehen, welches die Augen der Gesamtheit darstellt s. Num. 15, 24. Wie die 248 Glieder des menschlichen Körpers nur den Augen folgen, so folgen auch die Israeliten nur der Entscheidung dieses Gerichtshofes. Wie „die Taube“ erscheinen auch die Israeliten lieblich bei ihrem Pilgern nach Jerusalem hinauf zur Festzeit. Wie diese Taube sind auch die Israeliten äußerlich durch Scheren, Beschneidung und Zizith gekennzeichnet. Sowie die Taube sind auch die Israeliten züchtig. Wie die Taube ihren Hals dem Streiche hinstreckt, so auch Israel s. Ps. 44, 23. Wie diese Taube die Sünden sühnt, so sühnt auch Israel die Völker, denn die 70 Farren, welche am Feste geopfert wurden, entsprechen den 70 Völkern, damit nicht die Welt von ihnen verwüstet werde, worauf die Worte des heiligen Sängers Ps. 109, 4 hindeuten: „Für meine Liebe feinden sie mich an, und ich bete.“ Wie diese Taube ihr Männchen, sobald sie es kennt, nicht gegen ein anderes vertauscht, so hat auch Israel Gott, seitdem es ihn als den wahren erkannt hat, nicht mit einem andern vertauscht. Wie diese Taube zu ihrem Neste zurückkehrt, dasselbe erkennt und den Taubenschlag, die jungen Tauben, ja sogar die Fenster erkennt, so kennen auch die Gelehrten (Schüler der Weisen), die vor ihnen (vor dem Synedrium) in den drei Reihen sitzen, ihren Platz. Wie diese Taube, wenn ihr auch die jungen genommen werden, den Taubenschlag niemals verlässt, so haben auch die Israeliten, trotz der Zerstörung des Tempels, die drei jährlichen Feste nicht aufgehoben. Wie diese Taube jeden Monat brütet, so erneuern auch die Israeliten jeden Monat die Beschäftigung mit dem Gesetze und den guten Werken. Wie diese Taube ausfliegt und zu ihrem Taubenschlage wieder zurückkehrt, so auch Israel s. Hos. 2, 2: „Sie eilen herbei wie Vögel aus Ägypten“ d. i. das Geschlecht der Wüste, ,,und wie Tauben aus dem Lande Assyrien“ d. s. die zehn Stämme, „und ich lasse sie wohnen in ihren Häusern, spricht der Ewige.“
Rabbi sagte: Es gibt eine Taubengattung, zu welcher ihre Genossen, wenn man ihr zu essen gibt und diese es riechen, zu ihnen in ihren Taubenschlag kommen. Ebenso finden sich bei einem Alten, wenn er Lehrvorträge hält, viele Proselyten ein, wie beispielsweise Jethro, der, als er die den Israeliten geschehenen Wunder vernommen hatte, zu Mose kam. Ebenso verhielt es sich mit Rachab, Chananja, Mischael und Asarja, viele Proselyten wurden durch sie gewonnen, wie Jes. 29, 23 geschrieben steht vergl. daselbst V. 24.
Rabbi hielt einmal seinen Vortrag und es war die Versammlung (Zuhörerschaft) eingeschlafen. Um sie zu wecken (ermuntern), sprach er: Eine Frau in Ägypten brachte 600000 Menschen auf einmal zur Welt. Wer war sie? fragte ein Schüler Namens R. Ismael bar R. Jose. Der Rabbi antwortete: Es war Jochebed, die den Mose gebar, der soviel wie das ganze aus 600000 Personen bestehende Volk Israel gilt s. Ex. 15, 1; Num. 1, 54; Deut. 34, 10.
„Deine Augen gleichen den Tauben.“ Wie diese Taube, so bringt auch Israel Licht in die Welt s. Jes. 60, 3. Wann brachte eine Taube Licht in die Welt? In den Tagen Noachs, wie es Gen.8, 11 heißt: „Und es kam zu ihm die Taube zur Abendzeit und trug ein abgepflücktes Ölblatt in ihrem Schnabel.  Wenn sie es nicht getötet hätte, wäre ein großer Baum daraus geworden. [ru ist soviel wie lyuq getötet vergl. Gen. 37, 33: Joseph ist zerrissen worden. Vergl. Ber. r. Par. 33 u. Math. Keh. R. Berachja sagte: Woher brachte sie es? Nach R. Levi von den Schösslingen im israelitischen Lande, weshalb auch die Leute sagen, dass dieses Land von den Wassern der Flut verschont geblieben sei, wie in Ezech. 22, 24 geschrieben steht. R. Jochanan sagte: Sogar die Mühlsteine wurden durch die Wasser zerrieben.
Nach R. Tirja waren der Taube die Pforten des Paradieses geöffnet worden, und von da brachte sie das Blatt. Hätte sie denn aus dem Paradiese, fragte R. Ibo, nicht etwas Besseres, wie Zimt oder Balsam bringen können? Nein, sie wollte damit dem Noach andeuten und zu ihm sagen: Mein Herr Noach! lieber etwas Bitteres wie dieses aus Gottes Hand, als Süßes aus deiner Hand!

V. 16. Sieh mein Freund, du bist schön, auch lieblich.

R. Abuhu sagte: Er (der Liebende d. i. Gott) preiset seine Geliebte (d. i. Israel) zwiefach mit den Worten: „Sieh schön bist du, meine Freundin, sieh schön bist du“, sie aber preist ihn ganz einfach hier: „Sieh schön bist du“, weil er auch eine andere Nation, sie aber nur ihn allein liebenswürdig finden kann. Allein R. Chanina weist auf obigen Vers hin, wo sie auch ihn zwiefach preist: „Sieh schön bist du, auch lieblich.“ Sie spricht zu Gott: Herr der Welt! Selbst der Zorn, den du über mich kommen lässt, ist mir lieblich. Warum?  weil du mich zur Busse und zur Tugend führst.
Ja unser Lager grünet d. i. das Heiligtum, welches 2 Reg. 11, 2 Schlafgemach genannt wird. Nach R. Eleasar war das Schlafgemach in den Zellen (,yatb), nach R. Samuel bar Nachman in den Söllern, aber sie sind doch nicht verschiedener Meinung; wer sagt: in den Zellen, meint, dass es im Winter war, wer sagt: in den Söllern, meint, dass es im Sommer war.
R. Asarja führte im Namen des R. Jehuda im Namen des R. Simon zur Erklärung des Verses dieses Gleichnis an. Ein König kam nach einer öden Gegend, wo ihm ein kurzes Bett gebracht wurde, was ihm Schmerz verursachte und seine Glieder drückte. Als er in ein bevölkertes Land kam, wurde ihm ein langes Bett bereitet, in welchem er seine Glieder ausstrecken konnte. So war auch die Schechina vor dem Tempelbau auf den Zwischenraum zwischen den beiden Stangen der Bundeslade beschränkt, als aber der Tempel erbaut worden war, erweiterte sich der Raum (eig. verlängerten sich die Stangen).
Oder: Wie dieses Lager nur zur Behaglichkeit gemacht ist, so musste auch die Schechina, bevor der Tempel erbaut war, von einem Orte zum andern wandern s. 2 Sam. 7, 6, nachdem aber der Tempel erbaut war, kam sie zur Ruhe s. Ps. 132, 14.
Oder: Wie das Lager nur zur Gemächlichkeit bereitet ist, so wanderten auch die Israeliten vor der Erbauung des Tempels von einem Orte zum andern, wie es heißt s. Ex. 13, 20: „Sie brachen auf und lagerten“, nach der Erbauung des Tempels aber fassten sie festen Fuß und saßen sicher s. 1 Reg. 5, 5.
Oder: Wie das Lager zur Fortpflanzung und Vermehrung des Menschengeschlechts dient, so heißt es auch vor der Erbauung des Tempels von Israel 1 Chron. 21, 2: „Auf, zählet die Kinder Israel“, nach der Erbauung des Tempels aber heißt es 1 Reg. 4, 20: „Jehuda und Israel waren zahlreich.“
Oder: Wie das Lager nur zur Fortpflanzung und Vermehrung bestimmt ist, so heißt es auch vor der Erbauung des Tempels von Israel Esra 2, 64: „Die ganze Gemeinde war zusammen 42360“, nach der Erbauung des Tempels aber vermehrten sie sich, denn R. Jochanan hat gesagt: Von Gabat bis Antipateris waren 600000 Städte, welche doppelt soviel Einwohner fassten, als aus Ägypten gezogen waren und jetzt finden nicht einmal 600000 Röhren Platz, so ist das jüdische Land eingeengt. R. Chanina sagte: Das Land Israel hat sich zusammengezogen.

V. 17. Das Gebälk unsrer Häuser sind Zedern.
R. Menachma sagte im Namen des R. Berachja: Die Steine, auf welchen unser Vater Jacob schlief, waren wie ein Lager und Pfühl (hmvlp pluma) gemacht, und was erstand von dieser Lagerstätte? „Das Gebälk der Zedern.“ Oder unter „dem Gebälk der Zedern“ sind die frommen Männer und Frauen, Propheten und Prophetinnen zu verstehen, welche von jenem Lager (Jacobs) erstanden.
unser Getäfel sind Zypressen.
Von der Zypresse, sagte R. Jochanan, hat der Mensch keinen Nutzen, weil sie biegsam ist, welche Meinung derselbe auch in seiner Auslegung Hosea 14, 9 bestätigt fand, nämlich: „Ich (Ephraim) werde sein wie eine grünende Zypresse“ d. i. ich bücke mich, das Gebilde der Götzen auszurotten. Wozu mir das Gebilde der Götzen? „ich erhöre es“ d. i. ich demütige es, „und schau es an“ d. i. nicht singen wir dir ein Lied, sondern ich beuge mich, um das Gebilde der Götzen auszurotten.
Oder: „Unser Getäfel“ d. i. der Ort, wo die Priester auf Zypressenholz gingen s. 1 Reg. 6, 15. R. Jochanan sagt: Die Schrift lehrt hier eine Verhaltungsregel, dass man nämlich das Gebälk von Zedern-, das Getäfel von Tannen- oder Zypressenholz machen soll, wie es heißt: „Das Gebälk unseres Hauses sind Zedern, das Getäfel Zypressen.“

 

 

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