Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 1 – Vers 5-11

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V. 5. Ich bin schwarz, aber lieblich
V. 6. Seht mich nicht an, dass ich so schwarz bin.
V. 7.  O künde mir, du den, meine Seele liebt.
V. 8.  So gehe doch den Spuren der Schafe nach.
V. 9.  Einem Rosse am Gespanne Pharaos vergleiche ich dich, meine Freundin.
V. 10. Deine Wangen stehen lieblich in den Ketten.
V. 11. Wir wollen dir goldene Kettchen machen mit silbernen Pünktlein.


V. 5. Ich bin schwarz, aber lieblich
d. i. ich erscheine schwarz in meinen Taten, lieblich aber in denen meiner Väter. Die Gemeinde Israel spricht: Ich erscheine schwarz an mir selbst, lieblich an meinem Schöpfer s. Amos 9, 7, wo der Sinn ist: Ihr kommt euch wie Kinder von Mohren vor, mir aber wie die Kinder Israel, spricht der Ewige.
Oder: Schwarz erschien ich in Ägypten durch Widerspenstigkeit und Ungehorsam s. Ezech. 20, 8, aber auch lieblich durch das Blut des Pessachlamms und der Beschneidung s. das. 16, 9; schwarz erschien ich am Meere s. Ps. 106, 7, aber auch lieblich, als ich sang Ex. 15, 2: „Das ist mein Gott, ihn will ich erheben“; schwärz erschien ich in Mara s. das. 15, 24, aber auch lieblich s. das. V. 25; schwarz erschien ich in Rephidim s. das. 17, 7, aber auch lieblich s. das: 17, 15; schwarz erschien ich am Horeb s. Ps. 106, 19, aber auch lieblich s. Ex. 24, 3;. schwarz erschien ich in der Wüste durch Widerspenstigkeit s. das. 78, 40, aber auch lieblich durch Errichtung der Stiftshütte s. Num. 9, 15; schwarz erschien ich durch die Berichterstattung der Kundschafter s. Num. 13, 32, aber auch lieblich in Josua und Caleb s. das. 32, 24; schwarz erschien ich in Schittim durch meine Ausschreitungen s. Num. 25, 1, aber auch lieblich durch Pinchas s. Ps. 106, 30; schwarz erschien ich durch Achan, der am Banngut sich vergriff s. Jos. 7, 1, aber lieblich durch Josua s. das. V. 19; schwarz erschien ich in den Königen Israels, aber lieblich in den Königen Judas und gar in den Propheten; schwarz erschien ich durch Achab s. Reg. 21, 27. (Wie lange hat dieser gefastet? R. Josua ben Levi sagte: Drei Stunden; wenn er sonst in der dritten Stunde des Tages zu essen pflegte, aß er an diesem Tage erst in der sechsten Stunde und wenn er in der sechsten Stunde zu essen pflegte, aß er an diesem Tage erst in der neunten Stunde s. das. und ging barfuss (ua d. i. [xy). Wie heißt es aber von Jehoram? „Und das Volk sah und siehe, er hatte Sacktuch an seinem Leibe unter den Kleidern“ s. 2 Reg. 6, 30); schwarz bin ich in den Wochentagen, lieblich aber am Sabbath; schwarz bin ich durch alle Tage des Jahres, lieblich aber am Versöhnungstage; schwarz bin ich in dieser Welt, aber lieblich werde ich in der künftigen Welt sein.
ihr Töchter Jerusalems. Die Rabbinen sagen: Lies nicht ,lsvry tvnb Töchter Jerusalems, sondern ,lsvry tvnvb Erbauende Jerusalems, worunter die Mitglieder des großen Synedriums von Israel gemeint sind, welche in ihren Sitzungen über alle vorkommende Fragen und Rechtsfälle nachdenken, um sie nach Gerechtigkeit zu entscheiden.
Oder: Jerusalem wird einst nach R. Jochanan die Metropole aller Länder werden. Alles wird ihrer Herrlichkeit zuströmen s. Jos. 15, 47, denn derselbe erklärte das Wort tvnbl Ezech. 16, 61 zu erbauen zu Dörfern (]ynrpvkl) und nicht von deinem (;tyrbm alv), sondern von meinem Eingebrachten (ydyd ]ynrp ]m ala ;ynrp ]m al).
R. Bibi sagte im Namen des R. Ruben: Es steht Jes. 54, 1 geschrieben: „Juble Unfruchtbare!“ Kann eine Unfruchtbare jubeln? Allein der Sinn ist dieser: Juble Unfruchtbare, die nicht Kinder für die Hölle geboren hat.
R. Berachja sagte im Namen des R. Samuel bar Nachman: Die Israeliten werden mit einem Weibe verglichen, wie dieses den zehnten Teil vom väterlichen Nachlass erhält und auszieht, so hat auch Israel das Land der 7 Völker (der 7 kanan. Völker), den zehnten Teil von den siebenzig Völkerschaften in  Besitz genommen, und weil sie wie ein Weib geerbt haben, so heißt auch das von ihnen nach ihrem Durchzuge durch das Meer gesungene Lied hrys (gen. fem.) s. Ex. 15, 1, einst aber werden sie wie ein Mann alle väterlichen Güter erben s. Ezech. 48, 3, darum heißt das Lied, welches sie dann singen werden, nicht weiblich hsdx hrys, sondern männlich sdx rys s. Ps. 96, 1.
R. Berachja und R. Josua ben Levi sagten: Warum wird denn Israel mit einem Weibe verglichen (s. Jes. 54, 1)? Weil, wie bei diesem Tragen (Schwangerschaft) und Entbindung abwechselt, so auch bei Israel nach der Unterjochung die Befreiung folgt, und diese letztere den Schluss bildet, und weil Israel wie das Weib Beschwerlichkeit hier in dieser Welt zu ertragen hat, so heißt auch das Lied, was es dann singt, hrys (gen. fem.), aber einst, wo es dieser Leiden überhoben sein wird, heißt das Lied rys (gen. masc.) s. Jes. 26, 1.
Wie die Zelte Kedars, wie die Teppiche Salomos.
Wie jene, obgleich sie von außen garstig, schwarz und lumpig erscheinen, in ihrem Innern aber Edelsteine und Perlen bergen, so auch die Gelehrten (Schüler der Weisen), obgleich sie in dieser Welt hässlich, schwarz (und lumpig) aussehen, so tragen sie doch in sich die Thora, die ganze heilige Schrift, Mischna, Midraschot, Halachot, Talmud, Thosephta und Haggadot. Wenn du aber annehmen solltest, dass sie, wie die Zelte Kedars, der Waschung nicht bedürfen, so folgt darauf „wie die Teppiche Salomos.“ Wie diese, wenn sie schmutzig geworden sind, gewaschen werden müssen, so kommt auch für die Israeliten, wenn sie ein ganzes Jahr hindurch von Sünden besudelt sind, der Versöhnungstag und reinigt sie s. Lev. 16, 36 vergl. Jes. 1, 18. Oder solltest du glauben, dass wie die Zelte Kedars von einem Orte nach dem andern versetzt werden, so sei es auch mit Israel der Fall, so wird gleich hinzugefügt: „wie die Teppiche Salomos“ d. i. desjenigen, dem der Friede gehört, der durch das Wort die Welt ins Dasein rief und die, seitdem dies geschehen, nicht von ihrer Stelle gewichen ist.
R. Elieser ben Jacob legte Jes. 33, 20 dahin aus, dass die Israeliten gleich den Zelten Kedars einst kein Joch zu tragen haben werden. R. Chija erklärte das Wort tvymmvq 26, 13 mit „aufgerichteter (stolzer) Statur (aufrechtem Gang)“, der Furchtlosigkeit verrät.
R. Judan sagte: Wie Joseph an die Zelte Kedars d. i. an die Ismaeliten verkauft wurde s. Gen. 37, 28, und er dann seine Käufer kaufte s. das. 47, 20, so wird es auch denen ergehen, welche Israel in die Gefangenschaft abführen.

V. 6. Seht mich nicht an, dass ich so schwarz bin.
R. Simon begann mit Anknüpfung an Prov. 30, 10. Die Israeliten werden Knechte genannt s. Lev. 25, 55, ebenso auch die Propheten s. Am. 3, 7.  Die Gemeinde Israel spricht zu den Propheten: Beschämt mich nicht wegen meiner Missgestalt (Schwärze), keiner hat sich mehr an meinen Kindern erfreut als Mose, aber, (und doch) weil er sie Widerspenstige genannt s. Nume, 20, 10, nicht in das verheißene Land kam. Es hat sich ferner keiner an meinen Kindern mehr erfreut, als Jesaia und doch weil er sagte (s. Jes. 6, 5): „Unter einem Volke unreiner Lippen wohne ich“, sprach Gott zu ihm: Das kannst du wohl von dir sagen (s. das. V. 5), aber nicht von deinem Volke. Und was geschah? Es flog einer von den Seraphim zu ihm mit einer glühenden Kohle in seiner Hand (hpor vdybv) s. das. V. 6, was nach R. Samuel sagen will: der Mund werde zerschellt (hp /vor, hp /vr), weil er gegen meine Kinder Verläumderisches spricht. So war es auch mit Elia der Fall, welcher die Israeliten vor Gott anklagte s. 1 Reg. 19, 14: „Die Israeliten haben deinen Bund, verlassen.“ Meinen Bund entgegnete Gott, etwa deinen Bund? „Sie haben deine Altäre niedergerissen.“ Meine Altäre entgegnete Gott, etwa deine Altäre? „Sie haben deine Propheten mit dem Schwerte hingewürgt.“ Meine Propheten, was liegt dir daran? „Ich bin nur übrig geblieben und nun trachten sie nach meiner Seele, sie zu nehmen.“ Was steht das. 19, 6 geschrieben? „Da er sich umschaute, stand ein auf Kohlen gebackener Kuchen zu seinen Häupten.“ Was bedeutet mypor? R. Samuel bar Nachman sagt: Der Mund werde zerschellt (tvyp /vor, hp /r), der gegen meine Kinder Verleumderisches spricht. R. Jochanan berief sich dagegen auf das Orakel wider Damaskus s. Jes. 17, 1 u. 2: Ausspruch über Damaskus. Siehe Damaskus wird entfernt aus den Städten u. s. w. Verlassen sind die Städte der Aroer! Was ist das? Er (Jesaja) steht (d. i. spricht von) bei Damaskus und erwähnt Aroer! liegt nicht diese Stadt im moabitischen Gebiete? Allein es waren in Damaskus 365 Götzentempel, soviel wie ein Sonnenjahr Tage zählt. An jedem Tage war der Dienst in einem andern Tempel, aber an einem gewissen Tage fand er in allen statt, an welchem auch die Israeliten Teil nahmen s. Jud. 10, 6. In dieser. Zeit brachte Elia seine verleumderische Anklage vor. , Was klagst du die Israeliten an? Klage jene an. Darum erhielt er die Weisung, nach der Wüste von Damaskus zurückzukehren s. I Reg. 29, 15.
R. Abuhu und Resch Lakisch gingen hinauf nach der Landschaft Cäsarea. Was ist, sprach R. Abuhu zu Resch Lakisch, dass wir nach einer so verrufenen und beschimpften Gegend ziehen? Dieser stieg vom Esel, nahm eine Hand voll Sand und kehrte sie nach dem Munde des R. Abuhu. Dieser fragte: Was soll das? Dich lehren, dass Gott an verleumderischem Munde gegen Israel Missfallen hat.
dass mich die Sonne so verbrannt hat.
R. Abba bar Kahana sagte im Namen des R. Chija: Es steht Jerem. 2, 13 geschrieben: „Denn zwei Übel hat mein Volk begangen.“ Wie, nur zwei, dasgeschah ja im Übermasse (bis zu Tausenden). Allein es soll dich lehren, dass die eine Sünde, welche sie begangen, so schwer wie zwei wiegt, da sie sich vor Götzen bückten und vor dem Heiligtum sich (unanständig) entblößten vergl. Ezech. 8, 16.
Oder „dass mich die Sonne so verbrannt hat“, weil ich Krippen für die Pferde (zum Dienste) für die Sonne eingerichtet habe s. 2 Reg. 23, 11.
R. Jizchak legte obige Worte auf den Krieg gegen Midian aus. Du findest, als die Israeliten gegen Midian zu Felde zogen, ging man paarweise zu der Frau (der Krieger), ein Teil russte ihr das Gesicht mit einer Kohle ein, der andere nahm ihr ihre Ringe ab und sie sprach: Sind wir nicht auch Geschöpfe Gottes, ist es recht, dass ihr mit uns so umgehet? Ist’s euch nicht genug, sprachen die Israeliten, dass das unsrige von euren Händen genommen worden ist, dass die Häupter unseres Volkes vor der Sonne aufgehängt worden sind s. Num. 25, 4 und weshalb? Weil es dem Dienste des Baal Peor sich angeschlossen hat s. das. V. 3.
R. Jizchak erzählte: Eine Städterin hatte eine äthiopische Magd, welche mit einer andern nach einer Quelle ging, um Wasser zu holen. Unterwegs sprach eine zu der andern: Morgen entlässt mein Herr sein Weib und heiratet mich. Warum scheidet er sich von ihr? Weil er berußte (schwarze) Hände an ihr gesehen hat. Du Närrin! entgegnete ihre Gefährtin, möchten deine Ohren hören, was dein Mund spricht. Wenn er sein Weib, das ihm doch gewiss sehr lieb ist, schon darum von sich entfernt, weil er nur eine Stunde lang Russflecken an ihren Händen gesehen hat, wie wird er sich mit dir verbinden, da du schon von Mutterleibe an, und am ganzen Körper schwarz bist? Ebenso antworten die Israeliten den Völkern, welche sie necken und sprechen: „Sie haben ihre Ehre gegen einen Kraut fressenden Ochsen vertauscht“ s. Ps. 106, 20. Wenn wir schon durch diesen kurzen Wahn, sprechen die Israeliten zu ihnen, eine so große Schuld auf uns geladen haben, um wie viel mehr ihr. Ferner sprechen die Israeliten zu den Völkern der Welt: Es ist euch gesagt worden: Wir gleichen einem Königssohne, der zur Stadt hinaus ins Freie ging und die Sonne stach (verwundete) seinen Kopf und sein Gesicht wurde gebräunt, als er wieder in die Stadt kam, wusch und badete er sich und sein Körper und sein Gesicht ward wieder so weiss wie vorher. Ihr aber seid schon von Mutterleibe an verbrannt d. i. seit ihr aus dem Leibe eurer Mutter seid, habt ihr Götzendienst getrieben, denn als eure Mutter mit euch schwanger war, ging sie in den Götzentempel, kniete nieder und betete mit ihrem Sohne gemeinsam den Abgott an.
Meiner Mutter Kinder zürnen mir.
R. Meir will unter den yma ynb nicht die Kinder meiner Mutter, sondern die meiner Nation (ytmva ynb) d. i. Dathan und Abiram verstehen,  welche den Richter zu heftigem Zorn auch gegen mich erregt haben (denn sie sollen Mose bei Pharao verleumdet haben, dass dieser jenem nach dem Leben trachtete).
Sie haben mich zur Hüterin der Weinberge gesetzt d. i. sie haben mich, spricht Mose, zum Schiedsrichter der Töchter Jethros, meines Schwiegervaters, gemacht, „aber meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet“ d. i. der Sache meiner Brüder in Ägypten habe ich mich nicht annehmen können.
R. Jose, welcher auch wie der Vorige „die Kinder meiner Nation“ versteht, denkt an die Kundschafter, welche den Grimm gegen mich angefacht haben und Schuld tragen, dass ich durch zweiundvierzig Züge in der Wüste aufgehalten und behindert wurde, in das Land Israel einzuziehen, um „meinem Weinberg, eine Hüterin zu sein.“
Oder unter „den Söhnen meiner Mutter“ ist Jerobeam ben Nebat zu verstehen. Dieser hat mich zur Hüterin der Weinberge d. i. des von ihm eingeführten Kälberdienstes gemacht, dass ich in Folge dessen meinen Weinberg, den Priester- und Levitendienst, vernachlässigte.
R. Levi sagte: An dem Tage, an welchem Salomo sich mit der Tochter des ägyptischen Königs Necho vermählte, kam der Engelfürst Michael (Nach Schabbat fol. 56b war es Gabriel vergl. Sanhedr. fol. 21b), der große Herr, vom Himmel herab, steckte ein großes (langes) Rohr ins Meer an, welches sich von dieser und jener Seite Feuchtigkeit ansetzte, eine Stelle, welche die Form von Walddickicht annahm, und daraus entstand die Stadt Rom.
An dem Tage, an welchem Jerobeam ben Nebat die zwei goldnen Kälber errichtete, wurden zwei Hütten (]ypyro) in Rom gebaut, welche einstürzten, wieder hergestellt wurden und abermals wieder einstürzten. Es war aber ein alter Mann dort, Namens Abba Kolon, dieser sagte: Wenn ihr nicht Wasser vom Euphrat holt und damit den Lehm zubereitet und damit baut, wird der Bau keinen Bestand haben. Man sprach: Wer bringt es uns herbei? Abba Kolon erbot sich dazu. Er stellte sich, als wenn er ein Weinhändler wäre, zog von einer Stadt nach der andern und von einem Land nach dem andern, bis er endlich den Euphrat erreichte. Als er an das Ziel gekommen war, holte er Wasser aus dem Euphrat, füllte die leeren Weinfässer, knetete damit den Lehm und baute damit und der Bau war dauerhaft. Seitdem hieß es Jedes Land, das nicht einen Abba Kolon hat, verdient nicht den Namen Land, und die zwei Hütten erhielten den Namen: das babylonische Rom.
An dem Tage, an welchem Elia, dessen Andenken in Segen sei, in den Himmel fuhr, wurde ein König in Rom eingesetzt s. 1 Reg. 22, 48.
Oder: „Die Kinder meiner Mutter“ d. i. die Söhne meiner Nation, worunter Achab zu verstehen ist, haben den Richter wider mich aufgebracht, mich zur Hüterin fremder Weinberge d. i. zur Ernährerin Zedekias und seiner Genossen gemacht, dass ich meinen Weinberg d. i. den einen wahren Propheten, den ich gehabt, Michajehu, der bei kümmerlicher Kost erhalten wurde, vernachlässigt habe s. das. V. 27.
Oder die Klage ist gegen Isebel gerichtet, welche die Propheten des Baal und der Aschern mästete und den wahren Propheten Elia mit dem Tode bedrohte s. 1 Reg. 19, 2.
Oder die Klage geht gegen den König Zedekia, welcher den Paschur ben Malkijah und seine Genossen mästete (unterhielt), aber einen wahren Propheten hatte ich an Jeremja, den er übel behandelte und kümmerlich mit Gerstenbrot ernährte s. Jerem. 37, 21: „Und er gab ihm einen Laib Brot täglich aus der Strasse der Bäcker.“ Was heißt das? R. Jizchak sagte: Das ist kleienartiges Brot, welches nicht auf dem Markte (außerhalb des Marktes) verkauft ward; da es schwärzer als Gerstenkleie war. Meinen Weinberg habe ich nicht gehütet, d. i. weil ich meinen Weinberg nicht gehütet habe.
R. Chija sagte im Namen des R. Jochanan: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Herr der Welt! weil ich es mit einem Opferfladen nicht gehörig nach der Vorschrift (s. Num. 15, 20), im Lande Israel gehalten habe, entrichte ich nun zwei in Syrien, in der Meinung, dass ich, für zwei Lohn empfangen werde, allein ich werde nur für einen belohnt werden.
R. Bo sagte im Namen des R. Jochanan: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Weil ich nicht einen Festtag im Lande Israel gehörig gehalten habe, feiere ich nun in der Gefangenschaft im Auslande zwei Festtage, empfange aber nur Lohn für einen. R. Jochanan wandte darauf den Spruch Ezech. 20, 25 an: „Auch ich gab ihnen nicht gute Gesetze.“

V. 7.  O künde mir, du den, meine Seele liebt.
Diesen Satz deutete R. Jehuda bar R. Simon auf Mose, als Gott zu ihm sprach: „Geh, ich sende dich zu Pharao“ s. Ex. 3, 10. Wie vermag ich, Herr der Welt! Entgegnete Mose, alles dieses auszurichten? Wie kann ich für alle diese Volksmengen sorgen, unter welchen so viele Wöchnerinnen, so viele Schwangere, und so viele Kinder sich befinden? Wie viele Arten von Nahrungsmitteln hast du für die Wöchnerinnen unter ihnen? wie viele Arten Öl bestrichene Brote für die Schwangeren unter ihnen? wie viele Arten von Samen und Nüssen für die Kinder unter ihnen? Künde mir, wo die Nation, für die ich mein Leben gewagt, die meine Seele liebt, im Winter weiden, in den Sommertagen und am Mittage, zur Regenzeit, ruhen soll, dass ich nicht hin- und hergehen muss, bei den Herden meiner Gesellen, dass ich nicht, wie R. Chelbo im Namen des R. Huna bemerkte, dem Trauernden gleiche, der bis an das Kinn gehüllt s. Lev. 13, 45, weinend umhergeht, oder dem Hirten, dem Wölfe in seine Herde gedrungen sind, der sich in sein Kleid hüllt s. Jerem. 43, 12 und davonschleicht; wenn ich zu deinen Anhängern komme und diese mich nach ihren Herden fragen, was soll ich ihnen antworten?
R. Berachja legte obige Schriftstelle in Verbindung mit Num. 24, 16 dahin aus, dass Mose vor Gott sprach: Herr der Welt! da du mich aus der Welt nehmen willst, so gib mir die Hirten an, welche du über deine Kinder setzen wirst, mache mir bekannt, wie und wo die Nation, für die ich mein Leben gewagt, welche meine Seele liebt und für die ich mein Leben gewagt, in den Tagen der Gewaltherrschaft weidet, wo sie in der Mittagsglut, in der Knechtschaft ruht, denn warum soll ich sein wie eine Verhüllte? R. Asarja sagte: Das Wort hmls bedeutet: dass ich nicht etwas tue, was in den Augen deiner Genossen für ihre Herden eine Entweihung Gottes ist, weil deine Kinder in bedrängtem Zustande sind, während die Herden deiner Genossen sich in Behaglichkeit befinden? R. Judan bar Simon sagte: Damit nicht die Völker sprechen: Es fehlte die Gerechtigkeit, er wusste, dass er sie in der Wüste schlachten wollte, darum schlachtete er sie in der Wüste s. Num. 14, 16. Die Rabbinen sagen: Damit deine Kinder nicht die wahre Not erleben, von dir sich abwenden und den Herden deiner Genossen folgen, wie Ps. 94, 20 geschrieben steht. Darauf sprach Gott zu Mose: Du fragst, wo und wie mein Volk einst weiden und weilen wird? Bei deinem Leben! wenn du es nicht erkannt hast, zuletzt wirst du es erkennen eig. dein Ende wird sein, dass du es erkennen wirst, wie es heißt: „Wenn du es nicht weißt, du schönste unter den Frauen.“ Oder: „Wenn du es nicht weißt“, du schönster und hervorragendster unter den Propheten. R. Jose bar Jeremja sagte: Warum werden die Propheten mit Frauen verglichen? Um dir zu sagen, sowie die Frau sich nicht schämt, die Bedürfnisse ihres Hauses von ihrem Manne zu erbitten, ebenso schämen sich auch die Propheten nicht, die Bedürfnisse der Israeliten von ihrem Vater im Himmel zu erbitten.

V. 8.  So gehe doch den Spuren der Schafe nach.
R. Elieser sagte: Von dem Kuchen, welchen die Israeliten aus Ägypten mitgenommen hatten, zehrten sie 31 Tage (nämlich vom 15. des Nisan bis zum 15. des Ijar), denn R. Schila hat gesagt: Zweiundsechzig Mahlzeiten machten sie davon, woran du erkennen kannst, was in der Folge ich noch für sie tun werde s. Ps. 72, 16. R. Akiba sagte: Gott sprach: An den Wolken der Herrlichkeit, mit denen ich sie umgab s. Ex. 13, 22, kannst du erkennen, was ich einst noch für sie tun werde s. Jes. 4, 6.
Die Rabbinen sagten: An der Speise, mit welcher ich sie in der Wüste versorgt habe, die wohlschmeckender als Honig und Milch war, kannst du sehen, was ich ferner für sie tun werde s. Joel 4,18.
Oder: „Folge den Spuren der Schafe“ d. i. die Schafe haben voran zu gehen und du hast hinter ihnen herzugehen. Mose war nicht etwa nachlässig, nein, während die Israeliten mit der Beute beschäftigt waren, führte er Josephs letzten Willen pflichtmäßig aus s. Ex. 13, 19.
Oder der Sinn obiger Worte ist dieser: Das Geschlecht wird endlich umkommen und du wirst ein gleiches Geschick erfahren. Woraus konnte er das schließen? Vom Dornbusche, sagte R. Samuel bar Nachman, denn an allen sieben Tagen redete Gott dem Mose zu, dass er die Sendung nach Ägypten übernehme, Mose sträubte sich aber und machte Gegenvorstellungen s. Ex. 4, 10, und zuletzt sagte er: „Sende, wen du willst.“ Bei deinem Leben! erwiderte Gott, und ich werde es dir in deine Rocksäume einbinden d. i. ich werde es dir gedenken. Und wann bezahlte Gott es ihm? R. Berachja sagte: An den sieben Tagen der Einweihung versah Mose das Hohepriesteramt in der Meinung, es gehöre ihm, es wurde ihm aber endlich eröffnet: Das Amt soll deinem Bruder Aaron sein s. Lev. 9, 1. R. Chelbo sagte: An den sieben Tagen des Monats Adar flehte Mose zu Gott, er möchte ihn in das verheißene Land kommen lassen, zuletzt wurde ihm jedoch eröffnet: Du sollst nicht über diesen Jordan gehen s. Deut. 3, 27.
Und weide deine Zicklein d. i. die Zicklein (die jungen), nicht aber die Böcke (die alten) sollen in das Land kommen.
bei den Wohnungen der Hirten.
Geh, sprach Gott zu ihm, wie lange willst du bei meinem Volke bleiben und es weiden bei den Wohnungen der Hirten gegen diese Dornen – Sichon und Og.

V. 9.  Einem Rosse am Gespanne Pharaos vergleiche ich dich, meine Freundin.
R. Papus lehrte mit Anknüpfung an Hi. 23, 13: Gegen den, der einzig und allein alle Weltbewohner richtet, der da sprach und die Welt ward, lässt sich nicht ein Einwand erheben. Damit hast du genug gesagt, Papus, sprach R. Akiba zu ihm, weil alles in der Wahrheit, im Rechte begründet ist, wie es Jes. 6, 1 heißt: „Er sitzt auf einem hohen und erhabnen Thron“ d. i. der Thron, welcher nach R. Simon zwischen Tod und Leben scheidet, „und alle Himmelsscharen stehen zu seiner Rechten und Linken.“ Gibt es denn oben eine Linke, ist nicht alles zur Rechten (s. Ex. 15, 6)? Es sind damit die Geister gemeint, von denen die zur Rechten für: nicht schuldig! und die zur Linken für: schuldig stimmen.
R. Jochanan führte im Namen des R. Acha Daniel 10, 1 als Beweis an, wo gleichsam gesagt ist: Wahrheit ist das Wort (tma rbdh), wenn es ein großer Ausspruch geworden ist, wie Jerem. 10, 10 geschrieben steht: „Der Ewige ist ein Gott der Wahrheit.“ Was ist Wahrheit? R. Ibun sagt: dass er ein lebendiger Gott, ein ewiger König ist. Überall, wo (yyy) steht: „Und der Ewige“, ist, bemerkte R. Eleasar, ist Gott und sein Gerichtshof gemeint. Als Hauptbeweis dafür kann 1 Reg. 22, 23 und Jerem. 11, 17 gelten. Wie wendet aber R. Eleasar den von Papus angeführten Vers aus Hiob an? Auf diese Weise: Er allein und kein Geschöpf mit ihm untersiegelt für alle Weltbewohner. Welches ist Gottes Siegel? R. Bibi im Namen des R. Ruben sagte: Die Wahrheit s. Dan. 10, 21: „Doch will ich dir berichten, was verzeichnet ist im Buche der Wahrheit.“ Wenn es Wahrheit (tma) ist, wozu dann noch „verzeichnet (,vsr)“, und wenn es „verzeichnet“ ist, warum noch der Ausdruck „Wahrheit?“ Allein das Urteil ist erst dann Wahrheit, wenn es untersiegelt ist. R. Lakisch sagte: Das Wort tma ist darum aus dem ersten (a), mittelsten (m) und letzten Buchstaben (t) des Alphabets zusammengesetzt, um damit anzudeuten: „Ich bin der Erste, ich bin der Letzte und außer mir ist kein Gott“ s. Jes. 44, 6; ich bin der Erste, weil ich meine Herrschaft nicht von einem andern in der Welt empfangen habe, und ich bin der Letzte, weil ich sie auch nicht auf einen andern übertrage, und außer mir ist kein Gott, weil ich sie nicht mit einem zweiten teile.
Papus hielt ferner einen Vortrag über Gen. 3, 22 in der Weise: Nun ist Adam wie der Einzige der Welt (,lvi ls vdyxyk) geworden! Halt ein,  Papus! rief ihm R. Akiba zu, und jener fragte ihn: Wie verstehst du die Worte? Er ist wie einer der Dienstengel geworden. Die Weisen stimmen weder jenem noch diesem bei, es soll vielmehr mit den angeführten Schriftworten, gelehrt werden, dass Gott dem Adam zwei Wege eröffnete, den Weg des Lebens und den Weg des Todes, und er wählte sich den Weg des Todes und ließ den Weg des Lebens bei Seite.
Ferner hielt R. Papus einen Vortrag über Ps. 106, 20: „Und sie vertauschten ihre Ehre mit dem Bildnis eines Ochsen, der Gras frisst.“ Wozu der Zusatz: „Der Gras frisst“? Weil ich sonst unter dem Ochsen einen von den oberen (heiligen) Tieren (]lim ls rvsb) verstehen könnte. Genug, Papus! rief ihm R. Akiba zu. Wie begründest du jenen Vers? entgegnete Papus. Ohne jenen Zusatz würde ich einen ganz gewöhnlichen Ochsen verstehen. Darum folgt die nähere Bezeichnung: „Der Gras frisst.“ Es ist nichts hässlicher und widriger, als einen Ochsen in der Stunde, wo er Gras frisst. Die Bilderschriftkenner Ägyptens, sagte R. Judan im Namen des R. Acha, trieben Zauberkünste mit ihm, dass er vor ihnen zu erbeben schien vergl. Jerem. 49, 24, wo das Wort uur steht.
Ferner hielt R. Papus einen Vortrag über den obigen Vers des Hohenliedes, welchen er, weil er das Wort ytccl ohne v las, dahin erklärte: Gott spricht: Sowie ich mich über den Untergang der Ägypter gefreut habe, so freue ich mich auch über den Untergang der Feinde Israels. Und wer verursachte, dass sie gerettet wurden „aus ihrer Rechten und aus ihrer Linken?“ (Aus ihrer Rechten) wegen der Thora, die sie einst aus der Rechten Gottes empfangen sollten s. Deut. 33, 2: „Zu seiner Rechten Feuer, ihnen zum Gesetz.“ Und aus ihrer Linken wegen der Mesusa (die sie zu ihrer Linken haben werden). Oder: Aus ihrer Rechten d. i. das Keriath Schema s. Deut. 6, 4 und aus ihrer Linken d. i. das Gebet. Genug, mit deiner Deutung, Papus! rief ihm R. Akiba zu, an jener Stelle steht das Wort hsys mit s geschrieben, hier aber mit c. Was verstehst du unter dem Worte: „Der Stute am Wagen Pharaos?“ Pharao fuhr (zuerst) auf einem Hengste, und Gott, wenn man es sagen könnte, zeigte sich über ihm auf einem Hengste s. Ps. 18, 11. Da dachte Pharao: der Hengst tötet im Krieg seinen Herrn, ich will lieber eine Stute reiten; dann bestieg Pharao ein rotes, weißes, dann ein schwarzes Ross, und wenn es sich sagen ließe, Gott zeigte sich ihm auf einem roten, weißen, dann auf einem schwarzen Ross; so steht ja auch (eig. das ist’s, was in der Schrift steht) Hab. 3, 15: „auf verschiedenen Rossen.“ Pharao zog aus mit Panzer und Helm, wenn es erlaubt wäre, zu sagen, Gott ebenso s. Jes. 59, 17; Pharao brachte Naphta, wenn es sich sagen ließe, Gott ebenso s. Jes. 18, 13; Pharao brachte Schleudersteine, wenn es sich sagen ließe, Gott ebenso s. Ex. 9,  13, Pharao rückte mit Schwertern und Lanzen bewaffnet aus, Gott schoss Blitze s. Ps. 18, 16; Pharao sandte Pfeile ab, ebenso Gott s. das. V. 15. R. Levi sagte: Gott sandte Pfeile und zerstreute sie d. i. seine Pfeile zerstreuten die Pfeile Pharaos „und Blitze schoss er und brachte sie in Wirrwarr“ d. i. sie vermischten sich mit den Pfeilen der Feinde. Gott nahm ferner die Feldzeichen des Feindes und sie wussten nicht, was sie tun sollten. Pharao zog geharnischt aus, ebenso auch Gott s. Jes. 42, 13; Pharao donnerte, ebenso auch Gott s. 2 Sam. 22, 14; Pharao zog zornentbrannt aus, ebenso auch Gott s. Hab. 3, 12; Pharao zog mit Bogen und Schild gerüstet aus, ebenso auch Gott s. das. V. 11. Pharao zog aus mit der Schärfe der Lanze, wenn es sich sagen liesse, Gott ebenso s.  Hab.  3, 12. R. Berachja im Namen des R. Samuel bar Nachman sagte: Nachdem Pharao alle seine Waffengeräte erschöpft hatte, fing Gott an, sich gegen ihn zu erheben. Er sprach nämlich zu ihm: Stehen dir, Frevler, auch Winde, Cherubim und Flügel zu Gebote? Woher hat Gott diese fliegen lassen? und er ließ sie fliegen. Nach R. Judan von den Rädern des göttlichen Thronwagens, er machte sie los und warf sie über das Meer. R. Chanina bar Papa sagte: Der Mensch reitet auf seinem Lasttier auf etwas, an dem etwas Wesentliches ist, allein Gott trägt sein Gespann, sein Gerittenes und reitet auf etwas, an dem nichts Wesentliches ist s. Ps. 18, 11. Hier heißt es adyv er flog, 2 Sam. 22, 11 aber heißt es aryv er erschien, wie ist die Differenz dieser zwei Schriftstellen auszugleichen? Daraus ist zu schließen, sagte R. Acha, dass Gott Welten hatte, in welchen er sich zeigen wollte. ich vergleiche dich, meine Freundin.
R. Elieser sagte: Gleich einer Königstochter, die in Gefangenschaft geraten war und die ihr Vater loskaufen wollte, sie winkte aber denen, die sie gefangen genommen hatten und sprach zu ihnen: Ich gehöre euch an, ich folge euch überall hin. Glaubst du denn, sprach ihr Vater zu ihr, dass ich dich nicht zu befreien vermag? Schweige (hmvd) verhalte dich still! Ebenso winkten die Israeliten, als sie am Meere lagerten und sich von den Ägyptern verfolgt und erreicht sahen s. Ex. 14, 14, diesen aus Furcht und sprachen zu ihnen: Wir ergeben uns euch, folgen euch überall hin, allein Gott sprach zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich euch nicht befreien kann? Schweiget! Heißt es nicht das. V. 14: „Der Ewige wird für euch streiten, und ich habe dich schweigen geheißen“.
Oder die Rabbinen sagen: Weil die Israeliten (hier) mit Stuten, die ruchlosen Ägypter aber mit schmutzigen Hengsten verglichen werden, die ihnen nachliefen, bis sie im Meere untersanken. R. Simeon aber sagte: Bewahre! nicht die Israeliten, sondern die Meereswogen glichen den Stuten, denen die Ägypter, die schmutzigen Hengste, nachliefen, bis sie im Meere untersanken. Da sprach der Ägypter zu seinem Rosse: Gestern lenkte ich dich zum Nil hin und du folgtest mir nicht, jetzt stürzest du mich ins Meer, und das Ross sprach zu seinem Reiter: Herab ins Meer d. i. siehe, was im Meere ist (hmr = ,yb hm har), ein Angriff. (cycytpa) geschieht gegen euch im Meere!
Von R. Ismael ist gelehrt worden: Es stehet Ex. 14, 27 geschrieben: „Der Ewige schüttete die Ägypter in die Mitte des Meeres“, daraus geht hervor, das Pferd warf einen Reiter in die Höhe, dieser fiel herab und das Pferd fiel auf ihn, ungefähr so wie einer, der einen Topf umrührt, bemerkte R. Levi, wo das Untere nach oben steigt und das Obere nach unten stürzt.
Meine Freundin. Was heißt das? R. Jonathan versteht darunter: meine Versorgerinnen (ytcnrpm), die mich an jedem Tage mit den zwei beständigen Opfern s. Num. 28, 48 versehen; denn R. Jehuda bar Simon hat gesagt: Zwei beständige Opfer brachten die Israeliten an jedem Tage dar, das eine am Morgen und das andere in der Dämmerung (eig. zwischen den beiden Abenden). Das Morgenopfer wurde dargebracht für die des Nachts begangenen und das Abendopfer für die am Tage begangenen Sünden, so dass kein Mensch in Jerusalem übernachtete, welcher von einer Schuld belastet war s. Jes. 1, 21.
Die Rabbinen legten die Worte: „Ich vergleiche dich, meine Freundin“ dahin aus: Die Erhalterin meiner Welt, weil sie meine Thora angenommen haben, denn wenn sie dieselbe nicht angenommen hätten, so würde ich meine Welt wieder in Öde und Leere verwandelt haben, denn R. Chanina im Namen des R. Acha hat die Worte Ps. 75, 4: „Es bebet die Erde und alle ihre Bewohner, ich stelle ihr feste Säulen“, auf diese Weise ausgelegt: Wenn die Israeliten, als sie am Berge Sinai standen, nicht gesprochen hätten: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir tun und gehorchen“ s. Ex. 24, 7, so wäre die Welt wieder in Öde und Leere zerflossen, und wer befestigte sie durch ein Fundament? „Ich befestigte ihre Stützen“. Das heißt: durch das Verdienst des Dekalogs, der beginnt mit: Ich bin der Ewige, dein Gott! habe ich ihre Stützen befestigt.

V. 10. Deine Wangen stehen lieblich in den Ketten.
Sowie diese Wangen nur zum Reden geschaffen sind, so sind auch Mose und Aaron nur zum Reden geschaffen worden, nämlich zum Vortrage der beiden Gesetze (tvrvt ytsb), des geschriebenen und mündlichen, oder zum Vortrage der vielfachen Verordnungen (hbrh tvrvtb) die Lev. 6, 1. 11. 37 angegeben sind. Oder ,yrvtb geht auf die beiden Gestalten    (,yrvt ynsb) d. i. auf die beiden Brüder Mose und Aaron, die gut zu einander passten (hbvu ]ravts hz li hz, eig. deren Form trefflich war, die eine zur andern) und der eine freute sich über die Größe des andern.
R. Pinchas sagte: Es steht Ex. 4, 6 geschrieben: „Er (Aaron) soll für dich zum Volke reden, er soll dein Mund und du sollst ihm zum Gott sein.“ Sollte denn Mose ein Abgott für Aaron sein, dass du sagst: Und du sollst ihm zum Gott sein? Nein, Gott sprach zu Mose: Mose, sowie du mich verehrst, so soll dein Bruder dich verehren. Allein Mose verhielt sich anders, wie es heißt das. V. 29 u. 30: „Und Mose und Aaron gingen und versammelten die Ältesten der Kinder Israels und Aaron redete alle diese Worte“ d. i. er stellte sich seinem Bruder gleich (eig. er reihte seine Schulter an die Schulter seines Bruders), weil der eine sich über die Größe des andern freute. Woher lässt sich aber beweisen, dass Aaron über Moses Größe sich gefreut hat? Weil es heißt das. V. 14: „Er geht dir entgegen und wird dich sehen und sich freuen in seinem Herzen.“
R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Das Herz, welches über die hohe Würde Moses, seines Bruders, so erfreut war, sollte dann auch mit den Urim und Thummim bekleidet werden s. Ex. 28, 29. 30. Dass aber auch Mose über die hervorragende Stellung Aarons sich gefreut hat, ist aus Ps. 132, 2 zu schließen, wo zwei Bärte erwähnt werden, welche doch Aaron, wie R. Acha bemerkt, nicht gehabt haben kann. Der Sinn der Stelle muss daher dieser sein: Als Mose das Salböl auf den Bart seines Bruders Aaron herabfließen sah, war es ihm, als wenn das Öl auf seinen Bart herabflösse und er freute sich. Darum also heißt es: „auf den Bart, den Bart Aarons.“
Dein Hals in Perlenschnüren. Unter ,yzvrx sind die 70 Mitglieder des Synedriums zu verstehen, welche wie einen Faden mit aufgezogenen Perlen (die Gesetzlehren) aneinander reihten. Oder unter „den Wangen in Ketten“ sind die Schrift- und Mischnakundigen und die gewissenhaften Schullehrer und unter „den Perlenschnüren“ die Kinder zu verstehen. Oder unter jenen sind die Rabbinen und unter diesen die Schüler zu verstehen, welche ihre Hälse aneinander reihen (d. i. Kopf an Kopf sitzen), um die Worte der Thora (von den Gelehrten) zu vernehmen, wie ein Mensch, der noch nie die Worte des Gesetzes vernommen hat.
Oder mit „den Wangen in Ketten“ werden die bezeichnet, welche die Halacha gegeneinander eifrig erörtern, wie z. B. Abba bar Mimi und seine Genossen und unter „dem Halse in Perlenschnüren“ ist die Unterrichtsweise zu verstehen, wenn sie die Worte der Thora aneinanderreihen und von den Worten der Thora auf die Propheten und von den Propheten auf die Hagiographen übergehen und das Feuer um sie herumflammt und die Worte eine solche Freude erregen, wie damals, als sie vom Berge Sinai aus dem Feuer gegeben wurden s. Deut. 4, 11.
Ben Asai saß und hielt Lehrvorträge, die Flammen um ihn her verbreiteten. Dieses wurde dem R. Akiba hinterbracht und er befragte deshalb den Ben Asai darüber, welcher den Vorgang nicht in Abrede stellte. Warst du vielleicht, fragte ihn R. Akiba, über die Geheimnisse der Merkaba     (hbkrm yrdxb des göttlichen Thronwagens) in den Gesichten Ezechiels beschäftigt? Nein, ich reihte die Worte des Pentateuchs aneinander, kam von da auf die Propheten und von den Propheten auf die Hagiographen, auf diese Weise erfreuten (leuchteten) die Worte so wie damals, als sie vom Sinai gegeben wurden, der doch bei der Gesetzgebung im Feuer stand s. Deut. 6, 11.
R. Abuhu hielt Vorträge von gleicher Wirkung. Vielleicht, sprach er, reihe ich nicht nur die Worte der Thora nach ihrer Ordnung aneinander, denn R. Levi hat gesagt: Mancher versteht (die Perlen) aneinander zu reihen, versteht aber nicht sie kunstfertig zu durchbohren, mancher wiederum versteht sie zu durchbohren, aber nicht sie aneinander zu reihen, ich hingegen war stets ebenso geschickt im Anreihen, wie im Durchbohren der Perlen (d. i. ich verstand die Gesetzlehren nicht nur zusammenzustellen, sondern auch für die Praxis gefügig zu machen
Oder die Worte: „Lieblich sind deine Wangen in den Ketten“ lassen sich auf die Zeit anwenden, wo die Worte der Thora mit ihren Verordnungen zum Vortrag kommen, wie z. B. die Halachot des Pessach am Pessach, die Halachot des Wochenfestes (Schawuoth) am Wochenfeste und die Halachot des Laubhüttenfestes am Laubhüttenfeste vergl. Esth. 2, 12.
„Dein Hals in Perlenschnüren.“ Nach R. Levi im Namen des R. Chama bar R. Chanina sind darunter die Abschnitte der Thora gemeint, welche trefflich aneinander gereiht sind, sich einander ergänzen und zueinander überspringen, sich ähneln und miteinander verwandt sind. R. Menachma führt als Beispiel Num. 26, 53 und 27, 1-7. 12 an, wo der Zusammenhang dieser ist: In dem ersten Kapitel wird die Verteilungsweise des Landes vorgeschrieben, gegen welche die Töchter Zelaphchads Vorstellungen machten, um auch für sich ihren Teil zu nehmen. Mose   hat  sich  der  Entscheidung   des  Falles   entzogen (weil er es nicht wusste, er brachte sie also vor Gott); da sagte Gott zu ihm: Mose! der  Entscheidung  ihres  Falles  kannst  du dich entziehen, mir kannst du dich nicht entziehen. „besteige den Berg Abarim“, besieh das Land, das ich den Israeliten geben will, „du sollst aber nicht hineinkommen“ s. das. 7, 12. 13. Herr der Welt! wenn du mich aus der Welt nehmen willst, entgegnete Mose, so mache mir die bekannt, welche du zu Verwesern der Israeliten bestellst! Du willst mir, fuhr Gott fort, wegen meiner Kinder, meines Händewerkes, Befehle erteilen? Erteile solche meinen Kindern! Hierauf folgt Cap. 28. Es verhält sich wie mit der Gemahlin eines Königs, welche im Begriffe war, aus der Welt zu scheiden. Mein Herr und König sprach sie zu ihm, ich will dir nun Verhaltungsmaßregeln gegen meine Kinder geben. Wie, erwiderte er, du willst mir Befehle wegen meiner Kinder erteilen, gib solche meinen Kindern (die sie gegen mich beobachten sollen). So sprach auch Mose vor Gott (in seiner Sterbestunde): Herr der Welt! du willst mich aus der Welt nehmen, mache mir die Verweser kund, die du über die Israeliten setzen willst.

V. 11. Wir wollen dir goldene Kettchen machen mit silbernen Pünktlein.
Unter „den goldenen Ketten“ ist die Beute am Meere, unter „den silbernen Pünktlein“ ist die in Ägypten gemachte Beute zu verstehen, sowie ein Unterschied besteht zwischen Silber und Gold, so ist auch die Beute am Meere vorzüglicher, als die Beute in Ägypten. Vergl. Ezech. 16, 7 (wo unter ydib ebenfalls die Beute in Ägypten und unter ,yydi die Beute am Meere zu verstehen ist).
Oder „die goldenen Kettchen“ bedeuten das Gesetz, welches der Sturmwind mit dem Willen Gottes gelehrt hat, und „die silbernen Pünktlein“ bedeuten, wie Abba bar Kahana meint, die Buchstaben oder wie R. Acha sagt, die Worte.
Oder unter „den goldenen Kettchen“ ist die Schrift und unter „den silbernen Pünktlein“ die Linie gemeint.
Oder unter „den goldenen Kettchen“ ist die Stiftshütte gemeint s. Ex. 26, 29 und unter „den silbernen Pünktlein“ sind die Säulen und Stangen zu verstehen, welche von Silber waren s. das. 27, 10. R. Berachja legte den Vers auf die Bundeslade aus, und zwar deuten „die goldenen Kettchen“ insofern auf die Bundeslade hin, als dieselbe mit Gold überzogen war s. das. 25, 24 und „die silbernen Pünktlein“ gehen auf die aus Silber gemachten Säulen, die gleichsam eine Art Altan (avvuca einen balkonartigen Vorsprung) bildeten.
Wie war denn die Lade gemacht? R. Chanina sagte: Es wurden drei Kisten gemacht, zwei aus Gold und eine aus Holz, die hölzerne wurde auf die goldene gesetzt und die goldene auf die hölzerne und der äusserste Rand mit Gold belegt. Resch Lakisch aber sagte: Es war nur eine Kiste, welche von Innen und von Außen mit Gold überzogen war s. Ex. 25, 11. Wie wendet nun R. Chanina die Beweisstelle des Resch Lakisch an? R. Pinchas sagt: Er meint, dass der Rand zwischen dem einen und dem andern Brette mit Gold befestigt war. R. Jehuda bar Rabbi sagte: Unter „den goldenen Kettchen“ ist das Gesetz, unter den „Perlenschnüren“ sind die Propheten, oder unter den „goldenen Kettchen“ sind die Hagiographen, unter „den silbernen Pünktlein“ ist das Hohelied zu verstehen. Das ist eine geschlossene und vollendete Rede.

 

 

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