Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 2 – Vers 1-7

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V. 1. Ich bin eine Blume zu Sharon.
V. 2. Wie die Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.
V. 3. Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes.
V. 4. Er führt mich ins Weinhaus.
V. 5. Er erquickt mich mit Traubenkuchen
V. 6. Seine Linke liegt unter meinem Haupte und seine Rechte umarmt mich.
V. 7. Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder den Hindinnen auf dem Felde.


V. 1. Ich bin eine Blume zu Sharon.
Die Gemeinde Israel spricht hier: Ich bin es, ich bin beliebt, denn Gott hat mich, den 70 Völkerschaften vorgezogen, ihm durch Bezaleel einen Schatten (lo), eine Bundeslade zu bereiten s. Gen. 37, 1; ]vrsh d. i. auch habe ich ihm durch Mose ein Loblied (rys) gesungen s. Ex. 15, 1.
Oder: Israel spricht: Ich bin es, ich bin bei Gott beliebt, denn ich war im Schatten der Ägypter verborgen (,yrom ls ]lob hyvbx), und in einer kleinen Stunde brachte er mich nach Ramses, erfrischte mich wie eine Lilie durch gute Werke und ich pries ihn in meinem Lobliede s. Jes. 30, 29. Oder: Ich bin es, ich bin beliebt, denn ich befand mich im Schatten des Meeres, und nach einer kleinen Stunde erfrischte ich mich durch Wohltaten als Zeuge für mich wie eine Lilie, und nach meinem Durchzug zeigte ich mit dem Finger auf ihn, ausrufend Ex. 15, 2 „Dieser ist mein Gott, ihn will ich erheben.“
Oder: Ich bin es, ich bin beliebt, denn ich war im Schatten des Sinai geborgen, und nach einer kleinen Stunde erfrischte ich mich durch gute Werke mit meiner Hand und meinem Herzen (d. i. mit allen Kräften) wie eine Lilie und ich sprach vor ihm s. das. 24, 7: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir tun und gehorchen,“
Oder: Ich bin es, ich bin beliebt, denn ich bin verborgen und zertreten (niedergetreten) im Schatten der Fremdherrschaften, aber morgen, wenn mich Gott erlöst und dem Schatten der Knechtschaft entreißt, blühe ich auf wie eine Lilie und stimme ihm ein neues Lied an s. Ps. 98, 1.
Nach R. Berachja legt Salomo obigen Vers der Wüste in den Mund.     Ich bin beliebt, spricht sie, denn alles Gute in der Welt ist in mir verborgen s. Jes. 41, 19; alle die hier genannten Kostbarkeiten sind bei mir aufbewahrt und wenn Gott sie verlangt, gebe ich sie vollständig zurück, ich fördere gute Werke und singe vor ihm ein Loblied s. das. 35, 1.
Nach den Rabbinen spricht die Erde den obigen Vers. Ich bin es, ich bin bevorzugt, spricht sie, denn alle Hingeschiedenen der Welt sind in mir verborgen s. Jes. 26, 19, und wenn Gott sie von mir fordert, gebe ich sie ihm zurück, ich fördere gute Werke, dass sie wie eine Lilie blühen, ich singe ihm ein Loblied s. Jes. 24, 16.
Nach R. Judan ist tlobx und hnsvs eine und dieselbe Blume. So lange die Lilie noch klein ist, heißt sie tlobx, wenn sie aber größer wird, nennt man sie hnsvs. Weshalb heißt sie tlobx? Weil sie in ihrem eigenen Schatten (der um sie gefalteten Blätter) verborgen ist
R. Elieser sagt: Die Gerechten werden mit der vorzüglichsten Blumengattung und mit der vorzüglichsten Art dieser vorzüglichen Blumengattung verglichen; mit der vorzüglichsten Gattung d. i. mit der Lilie, und mit der vorzüglichsten Lilienart d. i. mit der Lilie der Täler; nicht: mit der Berglilie, welche leicht welket, sondern: mit der Lilie der Täler, welche frisch bleibt.
R. Abba bar Kahana sagte: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Ich bin es, ich bin die Begünstigte, ich bin in tiefe Nöte versunken, wenn Gott mich daraus emporhebt, so entfalte ich gute Werke wie die Lilie und feiere ihn im Gesange s. Jes. 26, 16.
Nach R. Acha spricht die Gemeinde Israel vor Gott: Wenn du mich deines tiefen Blickes würdigst, entfalte ich gute Werke wie die Lilie und weihe dir mein Lied s. Ps. 130, 1.
Nach den Rabbinen endlich spricht die Gemeinde Israel vor Gott: „Ich bin es, ich bin beliebt, ich bin in den Tiefen der Hölle versunken, wenn mich Gott daraus befreit vergl. Ps. 40, 3: „Er zieht mich aus der Grube des Verderbens“, so rege ich gute Werke an und spreche vor ihm ein Lied, wie es heißt das. V. 4: „Und er legte in meinen Mund ein neues Lied.“ Diese Auslegung der Rabbinen stimmt auch mit dem überein, was R. Eleasar von Modin gesagt hat. Einst werden die Fürsten der Völker der Welt kommen und die Israeliten vor Gott anklagen und sprechen: Herr der Welt! diese sind ebenso wie jene der Abgötterei, der Wollust und Mordsucht (dem Blutvergießen) ergeben gewesen, warum fahren jene in die Hölle und diese nicht? Gott antwortet ihnen: Wenn dem so ist, so sollen alle Völker mit ihren Göttern in die Hölle hinabfahren s. Micha 4, 5.
R. Ruben sagte: Es steht etwas geschrieben, was sich nicht gut sagen lässt: es heißt nämlich Jes. 66, 16: „Denn im Feuer wird Gott gerichtet (upsn)“, es heißt nicht upvs er richtet, sondern upsn er wird gerichtet. Diese Frage hat David Ps. 23, 4 im heiligen Geiste mit diesen Worten gelöst: „Wenn ich auch wandle im Tale des Todesschattens, so fürchte ich nichts Böses, denn du bist mit mir, dein Stab“ d. i. (deine Zuchtrute) die Leiden „und deine Stütze“ d. i. dein Gesetz „sie trösten mich“ u. s. w. Man könnte glauben, auch ohne Leiden (machst du fett mein Haupt mit Öl)? Darum ist hinzugefügt: ;a „nur.“ Man könnte meinen: Dies sei in dieser Welt. Darum steht das. V. 6: „Nur Gutes und Barmherzigkeit werden mir nachfolgen alle Tage meines Lebens, bis ich einst im Hause des Ewigen wohne auf immerdar.“

V. 2. Wie die Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.
R. Jizchak deutete diesen Vers auf Rebecca, die Tochter Bethuels, des Aramäers von Padan-Aram, die Schwester Labans, des Aramäers s. Gen. 25, 2. Mit allen diesen nicht notwendigen Angaben soll angedeutet werden, dass der Vater, der Bruder und die Ortsbewohner der Rebecca, von welchen sie hervorgegangen, Betrüger waren, sie aber war und blieb die Tugendhafte, sie glich demnach der Lilie unter den Dornen. R. Pinchas sagt: Es heißt das. 28, 5: „Und so entließ Jizchak den Jacob, und er zog nach Padan-Aram zu Laban, dem Sohne Bethuels, des Aramäers“, um anzudeuten, dass alle Betrüger waren.
R. Elieser deutete den Vers auf die Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei, welche ebenso schwer zu bewerkstelligen war, wie eine Lilie zwischen Dornen zu pflücken ist s. Deut. 4, 34. R. Josua im Namen des R. Chanan sagte: Es heißt in dieser Stelle: „Und sich ein Volk zu nehmen aus der Mitte der Völker“, es heißt nicht: ,i brqm yvg, auch nicht: yvg brqm ,i, sondern yvg brqm yvg, weil eines  wie das andere unbeschnitten war, das eine wie das andere sich die Tolle lang wachsen ließ, das eine wie das andere Gemischtes (Kilaim) als Kleidung trug, darum hätte die Gerechtigkeit nicht zugegeben, dass jemals die Israeliten erlöst würden. R. Samuel bar Nachman sagte: Wenn Gott sich selbst nicht durch einen Eidschwur (mit Abraham) gebunden hätte, so wären die Israeliten nie erlöst worden s. Ex. 6, 6. Unter dem Worte ]kl ist nichts anderes als Schwur (hivbs) zu verstehen vergl. 1 Sam. 3, 14 R. Berachja sagte: Es heißt Ps. 77, 16: „Du hast dein Volk erlöst mit starkem Arm“ d. i. mit Herrschermacht (aynvrub). R. Judan sagte: Die Worte Deut. 4, 34 von yvg vl txql abl bis ,ylvdg ,yarvm enthalten 72 Buchstaben und wenn dir jemand entgegnen sollte, dass es 75 Buchstaben seien, so erwidere, dass das zweite Wort yvg von der Zahl ausgeschlossen ist. Damit soll nach R. Abin angedeutet sein, dass Gott die Israeliten mit seinem Namen erlöst hat, der 72 Namen (Attribute) hat. Einem Könige gleich, sagte R. Asarja im Namen des R. Jehuda, dass R. Simon gesagt habe, welcher einen Lustgarten hatte und eine Reihe Feigenbäume, eine Reihe Weinstöcke, eine Reihe Granatäpfelbäume und eine Reihe Äpfelbäume pflanzte und dann einem Winzer übergab und davonging. Nach einiger Zeit kam der König und sah sich im Garten um, um zu wissen, was geschehen war und er fand überall nur Dornen und Disteln. Er ließ dieselben abschneiden und es fand sich eine Lilie darunter. Er nahm sie, roch daran und ergötzte sich. Wegen dieser Lilie, sprach er, soll der Garten verschont werden. So ist auch die Welt nur wegen Israel erschaffen worden. Nach 26 Geschlechtern sah Gott in seiner Welt sich um, um zu sehen, was sich in ihr zugetragen habe und siehe, er fand Wasser in Wasser d. i. das Geschlecht Enosch, das Geschlecht der Sündflut und das Geschlecht der Zerstreuung war durch Wasser vertilgt worden. Er wollte nun die Welt (von allen solchen Auswüchsen) ausrotten s. Ps. 29, 10, da fand er aber eine Lilie d. i. Israel und nahm einen lieblichen Duft an ihr wahr d. i. an den Israeliten, als sie die zehn Gebote so bereitwillig aufnahmen und er ergötzte sich daran, als die Israeliten sprachen: „Wir wollen tun und gehorchen.“ Wegen dieser Lilie, sprach Gott, werde der Garten verschont d. i. wegen des Gesetzes und seiner Pfleger werde die Welt gerettet.
R. Chanan von Sepphoris deutete obigen Vers auf die Werke der Menschenliebe (,ydcx tvlymgb). Es kommen z. B, Zehn Männer in ein Trauerhaus und es vermag nicht einer von ihnen seinen Mund aufzutun, um den Segens-(Trost-) spruch der Leidtragenden ( S. Kethub. fol. 8 b vergl. Midr. Wajikra r. Par. 23.) zu sprechen, da kommt aber einer und tut es, dieser gleicht einer Lilie unter den Dornen. Es kommen ferner Zehn (Männer) zu einem Hochzeitsmahle und keiner von ihnen tut seinen Mund auf, um den Segensspruch zu sprechen, den man am Hochzeitstage für das Brautpaar spricht, da kommt aber einer und tut es, dieser gleicht einer Lilie unter den Dornen. Oder es kommen endlich Zehn (Männer) in das Versammlungshaus (die Synagoge) und nicht einer von ihnen ist im Stande, vor die Lade hinzutreten, die Benedictionen vor und nach dem Schema zu sagen (die Segenssprüche über Schema abgekürzt (Stück, Bissen) sagen: im Gegensatz von: vollständig vorbeten.), da kommt aber einer und tut es, dieser gleicht einer Lilie unter den Dornen.
R. Eleasar kam in einen Ort, da er aufgefordert ward, die Segensprüche über das Schema vorzubeten, was er aber (aus Bescheidenheit) mit den Worten ablehnte: Ich bin nicht gelehrt genug. Was? sprachen die Anwesenden, ist das der Eleasar, von dem man so viel Rühmens macht, umsonst nennt man ihn Rabbi? R. Eleasar erblasste (eig. sein Antlitz wurde gelb) und er ging zu seinem Lehrer R. Akiba. Warum siehst du so kränklich aus? wurde er von diesem gefragt. Er erzählte ihm den Vorfall und bat ihn, ihm doch das Mangelnde zu lehren, was auch geschah. Nach einigen Tagen kam er wieder an denselben Ort. Es erging dieselbe Aufforderung an ihn, der er entsprach und man sagte nun: R. Eleasar wurde befreit (d. i. von seiner früheren Unkenntnis der Gesetzlehre entbundene weshalb man ihn R. Eleasar Chisma nannte. (Vergl. Midr. Wajikra r. Par. 23.)
R. Jona lehrte. seine Schüler die oben erwähnten, Hochzeits- und Trauerbenedictionen, damit sie in allem als Männer erscheinen möchten.
R. Huna deutete den obigen Vers auf die Herrschaften (tvyklmb). Wie die von Dornen umgebene Lilie, wenn auch ein Nordwind sich erhebt, sie peitscht und Dornen sie stechen, trotzdem ihr Inneres nach oben richtet, so auch die Israeliten; obgleich sie von Beköstigungsbeiträgen und andern Steuern aller Art belastet sind, so richten sie dennoch ihr Herz zu ihrem Vater im Himmel, wie es Ps. 25, 16 heißt: „Meine Augen blicken immerdar zum Ewigen auf.“
R. Ibo legte obigen Vers auf die nächste (morgende) Erlösung (rxm  tlvagb) aus: Wie es schwer hält, die Lilie, wenn sie unter Dornen sich befindet, zu sammeln (pflücken), sondern ihr Besitzer erst ein Licht herbeiholt und die Dornen verbrennt und hernach sie sammelt, so heißt es von Israel Thren. 1, 17: „Der Ewige hat gegen Jacob seine Feinde entboten ringsum“, wie Chalmisch bei Gawa, Jericho bei Noadan, Susitha bei Tiberias, Kastra bei Cheipha, Lud bei Ono vergl. Ezech. 5, 5: „So spricht der Ewige: Das ist Jerusalem, die ich mitten unter die Völker gesetzt habe“; wenn aber der bestimmte Zeitpunkt eintritt, was tut da Gott? Er bringt ein Feuer herbei und zündet die Dornen an (d. i. er lässt diese Örter ein Raub der Flammen werden), wie es heißt Jes. 33, 12: „Die Völker werden wie Kalk verbrannt werden“ und Deut. 32, 12 heißt es. „So leitet es der Ewige allein und kein fremder Gott mit ihm.“
R. Abun sagte: Sowie die Lilie, wenn sie von der Glut der Sonne betroffen wird, hinwelkt, wenn aber der Tau auf sie kommt, aufblüht, ebenso welken die Israeliten gleichsam hin, so lange Esau’s Schatten (d. i. die Macht Roms in dieser Welt) währt, in der zukünftigen Welt aber, wenn der Schatten Esau’s geschwunden ist, wird es saftreicher werden, Wie es heißt Hos. 14, 6: „Ich werde Israel wie Tau sein, es wird blühen wie die Lilie und Wurzel schlagen wie der Libanon.“ Wie die Lilie nur zugleich mit ihrem Duft aufhört, so hört auch Israel erst dann auf, wenn die (der Duft der) Ausübung der Gebote und guten Werke aufhört, also ist auch der Fortbestand Israels auf die Beobachtung der religiösen Vorschriften und den Vollzug von guten Werken gegründet. Wie die Lilie nur wegen des von ihr verbreiteten Duftes beliebt ist, so sind auch die Gerechten nur zur Erlösung Israels erschaffen. Was die Lilie auf der königlichen Tafel am Anfange und Schluss ist, das sind auch die Israeliten in dieser und in der künftigen Welt (d. i. in der messianischen Zeit); wie die Lilie unter allen Pflanzen erkannt wird, so wird auch Israel unter den Völkern der Welt erkannt s. Jes. 61, 9; wie die Lilie auf die Shabbathe und Festtage aufbewahrt wird, so ist auch Israel für die künftige (morgende) Erlösung (rxm ls hlvagl) bestimmt.
Nach R. Berachja sprach Gott zu Mose: Geh und sprich zu den Israeliten: Meine Kinder! wie ihr in Ägypten der Lilie unter den Dornen gleich waret, so gleichet auch dort der Lilie unter den Dornen (in dem Lande Kanaan), dahin ihr kommen sollt, sehet euch vor, dass ihr nicht die dortigen Sitten annehmt s. Lev. 18, 13.

V. 3. Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes.
R. Huna und R. Acha sagten im Namen des R. Jose ben Simra: Sowie alle in der Sonnenhitze von dem Apfelbaum fliehen, weil er keinen Schatten bietet, so wollten auch die Völker der Welt am Tage der Gesetzgebung (auf dem Sinai) sich nicht unter Gottes Schatten (Schutz) begeben, aber Israel sprach: „Ich sitze mit Lust unter seinem Schatten und seine Frucht ist meinem Gaumen süß“ d. i. nur ich fand Lust an ihm, nicht aber die andern Völker.
R. Acha bar R. Sera gab zwei Erklärungen zu obigem Verse: 1) Wie der Apfelbaum erst die Blüte und dann die Blätter hervorbringt, so zeigten auch die Israeliten in Ägypten Glauben (Vertrauen), bevor sie noch die Verkündigung vernahmen s. Ex. 4, 31; 2) wie der Apfelbaum erst die Blüte und dann die Blätter hervorbringt, ebenso sprachen die Israeliten am Sinai zuerst: Wir wollen tun und dann hören, wie es heißt: „Wir wollen tun und gehorchen.“
Auch R. Asarja gab zu obigem Verse zwei Vergleichungen: 1) Sowie der Apfelbaum erst im Monat Sivan seine Früchte zur Reife bringt, ebenso verbreitete Israel einen Wohlgeruch in demselben Monat s. Ex. 19, 1. 2; und 2) sowie von der Blüte bis zur Reife der Früchte beim Apfelbaum ein Zeitraum von 50 Tagen ist, ebenso viel Zeit verstrich auch vom Auszuge der Israeliten aus Ägypten bis zur sinaitischen Gesetzgebung s. das. 19, 1.
R. Jehuda bar R. Simon stellte folgende zwei Vergleichungen an: 1) Wie dir mit diesem Apfel für einen (römischen) Assar (oder Ass, einen geringen Preis) mancherlei Düfte geboten werden, so könnt auch ihr, sprach Mose zu den Israeliten, durch etwas Geringes erlöst werden. Gleich einem, der an seinen Füssen litt und zu allen Ärzten ging, um sich heilen zu lassen, aber kein Arzt ihm helfen konnte, da kam ein Mann und sprach zu ihm: Wenn du geheilt sein willst, so kann das durch eine Kleinigkeit geschehen, binde dir nur Kuhmist um die Füße. Ebenso sprach Mose zu den Israeliten: Wollet ihr erlöst sein, so kann das sehr leicht bewerkstelligt werden s. Ex. 12, 22: „Nehmt nur ein Bündel Ysop und taucht es in das Blut im Becken“ u. s. w. Sie fragten: Mose, unser Lehrer! was für ein Bündel? Eins zu vier oder fünf Minen? Es kann selbst eins zu einer Mine sein, antwortete Mose, und ihr werdet dadurch viel Beute machen in Ägypten, am Meere, von Sichon und Og und von den 31 Königen. Und nun erst der Lulab, welcher dem Menschen so teuer zu stehen kommt und in dem so viele Gebote enthalten sind! Deshalb empfiehlt Mose ernstlich den Israeliten: „Nehmt euch ein Bündel Ysop am ersten Tage.“ 2) Gleich einem Könige, der einen Edelstein und Perlen hatte, da kam sein Sohn und sprach zu ihm: Gib mir sie. Sie sind dein, sprach der König, und bleiben dein, ich werde dir sie schon geben. So sprechen auch die Israeliten vor Gott: Meine Macht, mein Lobgesang ist Jah s. das. 15, 2. Ebenso spricht Gott zu den Israeliten: Die Macht (zvi) d. i. das Gesetz, ist nicht mein, es ist euch zugedacht und ich gebe es euch s. Ps. 29, 11.
R. Levi sagte: Drei schöne Hoffnungen nährten die Israeliten am Meere: sie hofften auf das Gesetz, wie es heißt: „In seinem Schatten begehr ich zu sitzen“ und Fahnen zu erhalten, wie es heißt: „ich begehre“ und die Stiftshütte zu errichten, wie es heißt: „zu sitzen“ vergl. Sam. 7, 6, wo dasselbe Wort ytbsy steht; wie auch R. Menachman gesagt hat: Aus den Worten Ex. 15, 22: „Sie zogen hinaus nach der Wüste Schur, sie wanderten in der Wüste drei Tage und fanden kein Wasser“ lässt sich folgern, dass sie sich selbst prophezeiten, sie würden einst Lager, Kohorten und Reihen bilden, wie eine Weinbergpflanzung.
Seine Frucht ist süß meinem Gaumen d. s. nach R. Jizchak die zwölf Monate, welche die Israeliten vor dem Sinai zubrachten, und ihnen die Worte des Gesetzes süß schmeckten, aber nur ihrem Gaumen, nicht dem Gaumen der Völker der Welt, welchem sie wie Wermut schmeckten.
Wenn es Lev. 1, 1 heißt: „Er rief Mose, und der Ewige redete zu ihm vom Stiftszelte aus“, so folgert R. Eleasar daraus, dass die Israeliten, obgleich das Gesetz vom Sinai gegeben worden war, doch nicht eher für die Handhabung desselben verantwortlich waren, als bis es ihnen im Stiftszelte erläutert worden war, gleichwie auch ein mit Unterschrift und Siegel versehenes Edikt (hmguvydl) für die Bewohner eines Landes nicht eher eine bindende Kraft hat, als bis es ihnen erläutert worden ist, was auch mit den Worten angedeutet wird: „Bis ich ihn bringe in meiner Mutter Haus“ d. i. der Berg Sinai, „in meiner Mutter Kammer“ d. i. das Stiftszelt, wo die Israeliten erst für die Befolgung der Lehre verpflichtet wurden.
Josua ben Levi sagte: Wenn die Völker gewusst hätten, dass das Stiftszelt ihnen so von Nutzen wäre, so würden sie es mit Zelten und Lagern umgeben haben. (Vergl. Midr. r. Wajikra r. Par. 1) Solange das Stiftszelt noch nicht stand, liefen sie aus ihren Palästen, wenn sie den Wortlaut vernahmen s. Deut. 5, 23. Das Wort ging nach R. Simeon zweigestaltig (d. i. verschieden wirkend) aus, lebenbringend für Israel s. das. 4, 33: du hörtest es und lebtest, und todbringend für die Völker der Welt, sie hörten es und kamen dabei um, darum wird Cant. 8, 5 gesagt: „Unter dem Apfelbaum flösste ich dir Liebe ein“ d. i. vom Stiftszelte aus.
R. Chija hat gelehrt: Die Stimme verbreitete sich nicht über das Stiftszelt hinaus.
R. Jizchak sagte: Solange das Stiftszelt noch nicht stand, waltete über den Völkern der prophetische Geist, nachdem aber das Stiftszelt errichtet war, hörte er auf. „Da fand ich ihn, den meine Seele liebt“ (s. Cant. 3, 4). Sollte dir eingewendet werden: Hat nicht Bileam ben Beor geweissagt? so sage: Das geschah zum Ruhme Israels s. Num. 24, 5; 23, 21. 23. 10; 24, 19.

V. 4. Er führt mich ins Weinhaus.
R. Meir sagte: Die Gemeinde Israel spricht: Durch den Wein bemächtigte sich meiner der böse Trieb, so dass ich zum Kalbe sprach: „Dieses ist dein Gott, Israel“ s. Ex. 32, 4; denn wenn der Wein in den Menschen einzieht, verwirrt er ihn. Genug Meir! entgegnete R. Jehuda, das Hohelied wird nicht zur Schande, sondern zum Ruhme Israels ausgelegt. Wie sind denn dann obige Worte zu deuten? Auf diese Weise: Die Gemeinde Israel spricht: Gott brachte mich in den großen Weinkeller, an den Sinai, und gab mir dort mein Panier, das Gesetz, die Gebote, die guten Werke, und ich nahm sie mit großer Liebe an.
R. Abba sagte im Namen des R. Jizchak: Die Gemeinde Israel spricht: Gott führte mich in den großen Weinkeller d. i. zum Sinai und gab mir von dorther das Gesetz, aus welchem das Reine auf 49 Arten und auf ebenso viele Arten das Unreine erörtert wird und ich nahm es mit großer Liebe an, wie es heißt: „Die Liebe ist sein Panier über mir.“
R. Jona sagte: Wenn zwei Genossen einer Gelehrtenschule, die sich mit der Untersuchung einer Halacha beschäftigen und der eine, eine Begründung dazu anzuführen sucht, der andere aber nicht, so spricht Gott in Bezug auf diesen: „Die Liebe ist sein Panier über mir.“
R. Acha sagte: Ein Unwissender (/rah ,i), der anstatt tbhav du sollst lieben, tbyyav du sollst hassen, liest, von dem sagt Gott (obgleich dadurch ein Entgegengesetzter Sinn, eine Blasphemie entsteht) Selbst sein Überspringen (der Buchstaben d. i. die undeutliche Aussprache derselben) ist mir lieb.
R. Issaschar sagte: Wenn ein Kind anstatt Mosche, Masche; anstatt Aaron, Ron und anstatt Ephron, Phron liest, so sagt Gott: Selbst sein unverständliches Sprechen (Schwatzen) gilt mir als Liebe.
R. Hunja sagte: Früher, wenn ein Mann mit dem Finger auf das Bild des Königs wies, machte er sich des Todes schuldig, jetzt gehen die Kinder in die Schule und weisen mit dem Finger auf den Gottesnamen (hrkzah li) und Gott spricht: Sein Daumen (vldvgv) winkt mir Liebe zu.
Die Rabbinen sagen: Selbst wenn ein Kind den Gottesnamen noch so oft überspringt, so erleidet es keinen Schaden, Gott spricht vielmehr: Sein Überspringen (vgvlydv) ist mir lieb!
R. Berachja sagte: Obgleich Jacob sich Täuschungen (]ylvgdh) gegen seinen Vater erlaubte, indem sie (seine Mutter) die Felle der Ziegenböcke um seine Hand legte s. Gen. 27, 16, so spricht doch Gott: Ich lasse darin meine Schechina ruhen, nämlich in den Vorhängen der Ziegenfelle über der Stiftshütte s. Ex. 26, 7, und nicht nur das, sondern seine Täuschung (vlvgydv) flösst mir Liebe ein.
R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Die Gemeinde Israel spricht: Gott brachte mich nach dem großen Weinkeller d. i. zum Sinai, wo ich Michael und seine Schar, Gabriel und seine Schar sah. Als ich nun diese höheren Scharen erblickte, gewann ich sie lieb. Da meine Kinder, sprach Gott zu Mose, gern mit Scharen lagern, so soll auch jeder bei seinem Panier (vlgd), bei den Zeichen ihrer Stammhäuser sich lagern s. Num. 2, 2.

V. 5. Er erquickt mich mit Traubenkuchen d. i.
mit den beiden Feuern, dem Feuer von oben (dem himmlischen) und dem Feuer von unten (dem irdischen). Oder mit den beiden Feuern, dem geschriebenen und dem mündlichen Gesetz. s. Deut. 33, 2 Oder mit den vielen Feuern, als dem Feuer Abrahams (in welchem er seinen Glauben an Gott bewährte und verherrlichte), mit dem Feuer auf dem Berge Moria (welches dem Widder Jizchak galt), mit dem Feuer im Dornbusche, mit dem Feuer, auf dem Berge Carmel zu Elias Zeit s. 1 Reg. 18, 38 und mit dem Feuer, welchem Chananja, Mischael und Asarja übergeben wurden s. Dan. 3, 20. Oder es sind die kräftigen Halachot (tvssvamh tvklhh) gemeint.
Er labt mich mit Äpfeln d. i. mit Haggadot, die so riechen und schmecken wie Äpfel.
Denn ich bin krank von Liebe. Herr der Welt! spricht die Gemeinde Israel vor Gott, alle die Leiden, die du über mich bringst, haben nur den Zweck, mich bei dir beliebt zu machen. Oder: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Herr der Welt! alle die Leiden, welche die Völker mir verursachen, kommen bloß daher, weil ich dich liebe. Oder: Obgleich ich krank bin, werde ich doch von ihm geliebt. Es ist bekannt, dass der gesunde Mensch isst (mit dem sich begnügt), was er vorfindet, erkrankt er aber, dann begehrt er alle Arten von Leckerbissen.
R. Jizchak sagte: In vergangener Zeit wurde das Gesetz als ein vollkommenes Ganze gläubig hingenommen, später aber wollte man das Wort der Mischna und des Talmud hören und jetzt will man nur das Wort der Schrift und der Haggada hören.
R. Levi sagte: In vergangener Zeit, wo die Peruta leicht zu erwerben war, wollte man nur das Wort der Mischna, Halacha und des Talmud hören, jetzt aber, wo keine Peruta zu finden ist und man durch die Unterjochung krank ist, will man nur die Worte der Segnungen (Seligpreisungen) und Tröstungen hören.
R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Als die Israeliten aus Ägypten zogen, glichen sie einem Königssohne, der von einer Krankheit genesen war. Nun kann dein Sohn wieder in die Schule gehen! sprach sein Erzieher zum Könige. Nein, entgegnete dieser, noch hat mein Sohn nicht seine gesunde Gesichtsfarbe, die durch seine Krankheit gelitten, er mag sich noch drei Monate lang durch Speise und Trank erholen, dann erst mag er wieder die Schule besuchen. Ebenso waren die Israeliten, als sie aus Ägypten zogen, durch die schweren Fronarbeiten mit Lehm und Ziegeln gebrechlich geworden. Es ist nun die Zeit gekommen, sprachen die Dienstengel zu Gott, dass du ihnen das Gesetz gibst. Nein, entgegnete Gott, meine Kinder brauchen noch drei Monate Zeit zu ihrer Erholung und Stärkung durch Brunnenwasser, Manna und Wachteln, im dritten Monate werde ich ihnen das Gesetz geben.
Als die Religionsverfolgung endlich überstanden war, kamen unsere Rabbinen, R. Jehuda, R. Nechemja, R. Meir, R. Jose, R. Simeon ben Jochai, R. Elieser ben R. Jose der Galiläer und R. Elieser ben Jacob in Uscha zusammen und forderten die Alten in Galiläa auf, es sollte jeder, der schon unterrichtet sei, dahin kommen, um zu lehren, und wer es noch nicht sei, der sollte dahin kommen, um zu lernen. (Vergl. Berach. fol. 63 b) Es fanden sich viele ein und erfüllten ihre Aufgabe. Als sie auseinander gehen wollten, sprachen sie: Sollen wir einen Ort, wo wir so gastfreundlich aufgenommen worden sind, leer (ohne Segensspruch) verlassen? Die Ehre wurde zuerst dem R. Jehuda zu Teil, nicht etwa darum, weil er ein größerer Gelehrter, sondern weil er Einwohner jener Stadt war, denn der Ort eines Menschen ehrt ihn. (Vergl. dagegen den Ausspruch des R. Jose Taanit fol. 21b: Nicht der Ort eines Menschen macht ihm Ehre, sondern der Mensch macht seinem Orte Ehre, denn so finden wir: Solange die Schechina auf dem Berge Sinai ruhte, befiehlt das Gesetz Ex. 34, 3: „Auch Schafe und Rinder sollen nicht weiden gegen den Berg hin“, nachdem aber die Schechina von ihm gewichen war, befiehlt das Gesetz das. 19, 13: „Beim Blasen des Jobelhorns sollen sie auf den Berg steigen.“ Und ebenso finden wir in Bezug auf das Stiftszelt, so lange es in der Wüste aufgestellt war, heisst es von ihm Num. 5, 2: ,,dass sie aus dem Lager schaffen jeden Aussätzigen“, nachdem aber der Vorhang zusammengewickelt war, durften Blutflüssige und Aussätzige hineingehen.) Er begann mit den Worten Ex. 33, 7: „Mose nahm das Zelt und pflanzte es außerhalb des Lagers weit davon (qxrh) auf und nannte es Stiftszelt, und wer den Ewigen fragen wollte, ging hinaus zum Stiftszelt außerhalb des Lagers.“ Es heißt hier qxrh ebenso dort Jos. 3, 4, wie nun da nichts anderes als eine Entfernung von 2000 Ellen zu verstehen ist, so auch hier. Sodann heißt es hier nicht: Wer Mose, sondern wer „den Ewigen fragen wollte“, woraus wir die Lehre ziehen, dass Gelehrte aufnehmen so viel ist, wie die Schechina aufnehmen. Und ihr unsre Brüder, unsre Lehrer, große Meister im Gesetze, die ihr euch zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Mil bemüht habt, um Vorträge über das Gesetz zu hören, um wie viel mehr wird Gott euch euren Lohn geben in dieser und in der künftigen Welt!
Hierauf nahm R. Nechemja das Wort: Es heißt. Deut. 23, 4: „Die Ammoniter und Moabiter sollen nicht in die Gemeinde des Ewigen kommen“, also zwei große Völkerschaften mussten sich von der Gemeinde des Ewigen fern halten, weil sie den Israeliten nicht mit Brot und Wasser zuvorkamen s. das. V. 5. Brauchten denn die Israeliten die Gaben, sie waren doch während ihrer vierzigjährigen Wanderung in der Wüste mit allem versorgt worden, der Brunnen sprudelte Wasser, das Manna fiel für sie herab, es fanden sich Wachteln, Wolken boten ihnen Schatten, die Wolkensäule diente ihnen als Führer, und du sagst, sie waren ihnen nicht mit Brot und Wasser zuvorgekommen? Jawohl, allein die Lebensart erfordert, bemerkte R. Elieser, dass man dem, der von der Reise kommt, mit Speise und Trank entgegenkomme. Sieh, wie es Gott diesen zwei Völkerschaften bezahlte, er verbot ihnen den Zutritt in die Versammlung des Ewigen. Um wie viel mehr wird Gott euch, Bewohner von Uscha, reichlich belohnen, die ihr unsere Lehrer mit Speise, Trank und Lagerstätten versorgt habt! (Vergl. Midr. Beresch. r. Par. 52.)
Hierauf nahm R. Meir das Wort. Er begann: Es heißt 1 Reg: 13, 2: „Ein alter Prophet wohnte in Bethel.“ Wer war es? Amazia, Priester in Bethel. Meir! rief ihm R. Jose zu, ein Zusammenklopfen von Eiern ist da          (,yob ytvptp d. i. geschmacklose Redensarten), hier liegt eine Verwirrung vor. Es war Jonathan ben Gerschom ben Menasse s. Jud. 18, 30. Der Buchstabe Nun (n) schwebt im Namen Menasse oben (so dass das Wort für hsm gelesen werden kann); wenn der Träger es verdient, so ist er ein Abkömmling Moses, widrigenfalls ist er ein Abkömmling des ruchlosen Manasse.
Es wurde vor R. Samuel bar Nachman die Frage aufgeworfen: Da Amazia ein Götzenpriester war, warum erreichte er ein so hohes Alter? Man antwortete: Weil er es mit dem Götzendienst nicht aufrichtig meinte. Wie so? Wenn Jemand kam, um sich vor ihm (dem Götzenbild) zu bücken, so fragte er ihn: Wie alt bist du? und wenn dieser sagte: 40, 50, 60 oder 70 Jahre, so sagte er dann: Du bist 40, 50, 60, 70, 80 Jahre und zu diesem Götzen bekennst du dich erst seit fünf oder zwölf Jahren. Du willst demnach deinen Gott verlassen und willst dich bücken vor diesem elenden (Bilde)? Welche Gemeinheit! Der Zurechtgewiesene ging in Folge dessen beschämt wieder weg.
Einmal kam ein Zerlumpter (]yxp rb ein Mensch mit zerrissenen Kleidern, ein gemeiner, niedriger Mensch) dahin, welcher ihn fragte: Was machst, du hier, du treibst Götzendienst? Ich bekomme es bezahlt, fürs Geld tue ich alles, ich mache sogar die Augen der Götzen blind. Als David es erfuhr, ließ er ihn zu sich kommen. Du bist ein Enkel eines so frommen Mannes, redete er ihn an, und treibst Götzendienst? Er antwortete: Ich habe die Lehre vom Hause meines Großvaters empfangen: Verkaufe dich zum Götzendienste (z“il ;moi rvkm), nur brauche nicht die Menschen (tvyrbl ;ruot alv). Bewahre! wandte David dagegen ein, so ist es nicht gemeint, sondern: Gib dich lieber zu einem Dienste her, der dir zuwider (;mm hrz fremd) ist, als dass du Menschen in Anspruch nimmst. Da David sah, dass das Geld ihm so lieb war, setzte er ihn als Schatzmeister ein. Er soll aber, heißt es, nach Davids Ableben wieder in seinen früheren Wahn verfallen sein, was auch 1 Reg. 13, 18 angedeutet ist.
Wenn nun schon auf einem Propheten, der eine so arge Täuschung gegen einen anderen seinesgleichen sich zu Schulden kommen ließ (eig. ihm trügerische Kost darbot), der heilige Geist ruhte s. das. V. 20, um wie viel mehr wird Gott euch, ihr Bewohner von Uscha, die ihr unsre Lehrer mit wahrer Nahrung bewirtet habt, einen schönen Lohn zu Teil werden lassen! Ferner ergriff R. Jose das Wort und gab folgende Auslegung. Es heißt 2 Sam. 6, 2: „Die Bundeslade des Ewigen blieb im Hause des Obed Edom, des Gathiters drei Monate und der Ewige segnete den Obed Edom und sein ganzes Haus.“ V. 12: „Und es ward David berichtet, indem man sprach: Der Ewige segnet das Haus Obed Edoms und alles, was sein ist.“ Weshalb? „Wegen der (bei ihm untergebrachten) Lade Gottes.“ Und womit? Mit acht Söhnen und acht Schwiegertöchtern s. 1 Chron. 26, 4. 5 vergl. das. V. 8. Man sagte: Er hat acht Söhne und acht Schwiegertöchter (Bräute), von denen jede monatlich zwei Kinder gebar, ohne dass es Zeit war. Wie ist das möglich? Sieben Tage unrein und sieben Tage rein und dann gebar sie und wieder sieben Tage unrein und sieben Tage rein, das gibt 16 in jedem Monat, in drei Monaten also 48 und sechs von ihm selbst, das sind 54 und von ihr acht, das sind 62, wie es heißt das. V. 8: „62 von Obed Edom“. Die Schüler warfen vor R. Jochanan diese Frage auf, nämlich: Was heißt das „Peulthai der achte?“ Er sprach zu ihnen: Er hieß darum so, weil er zur Verherrlichung des Gesetzes sich durch eine (besonders) große Tat (hlvdg hlvip lips) ausgezeichnet hatte. Was hatte er getan? Er hatte täglich am Morgen wie am Abend (eig. zwischen den beiden Abenden) ein Licht vor der Bundeslade brennen lassen. Wenn nun schon dieser, weil er vor der Lade Gottes, welche doch nicht essen und trinken konnte, sondern nur, weil die beiden steinernen Tafeln in ihr lagen, ein Licht anzündete, würdig war, mit ihrer Herrlichkeit gesegnet zu werden, um wie viel mehr wird euch, unsern Brüdern, Bewohnern von Uscha zu Teil werden.
Hierauf folgte R. Simeon ben Jochai. Er fing an: Es heißt 2 Reg. 4, 8: „Eines Tages kam Elisa nach Sunem, wo eine angesehene Frau war, die in ihn drang, bei ihr zu speisen“, weshalb sie so glücklich war, wie R. Jehuda bar R. Simon zu dem Vortragenden bemerkte, dass ihr Sohn wieder auflebte. Daher sagte R. Judan im Namen des R. Sera und R. Jochanan im Namen des R. Simeon ben Jochai: Die Ernährung ist so wichtig (tut eine große Wirkung), dass sie die Belebung der Toten verursacht, obgleich die Zeit dazu noch nicht da ist. Denn dadurch, dass die Witwe von Zarpath den Elia speiste, war sie so glücklich, dass   ihr Sohn  wieder  zum Leben  erstand. So war es auch mit der Sunemitin. Dadurch, dass sie den Elisa speiste, dass   ihr Sohn  wieder  zum Leben  erstand.
Nach R. Jehuda bar Ilai soll Elia sogar Lichter und Dochte bei sich von einem Orte zum andern geführt haben, um kein Geschöpf bemühen (in Anspruch nehmen) zu müssen. R. Jehuda bar Simon sagte: Hat er denn von dem Ihrigen gegessen? Sie und er haben doch von dem Seinigen gegessen (sie hat somit von ihm, nicht er aber von ihr Genuss gehabt), wie es auch heißt 1 Reg. 17, 15: „Sie und er ass.“ Dadurch aber, dass sie ihn so freundlich aufnahm und bediente, verdiente sie es, dass er ihren Sohn wieder belebte. Um wie viel mehr habt ihr Bewohner von Uscha, ihr Menschenfreunde, von der Zukunft zu erwarten!
Es folgte R. Elieser bar R. Jose, des Galiläers und er trug vor: Es heißt 1 Sam. 15, 6: „Saul ließ den Keniten sagen: weichet und ziehet hinab von den Amalekitern, dass ich euch nicht mit ihnen aufreibe, denn ihr erwieset Gutes den Kindern Israels, als sie aus Ägypten zogen.“ Der hier erwähnte Kenite ist nach R. Eleasar niemand anders als Jethro und dieser bewies sich doch nur gegen Mose freundlich s. Ex. 2, 20 und er war dazu für die ihm geleisteten Dienste noch verpflichtet s. das. V. 19, da er von seinen Töchtern gehört hatte, Mose habe Wasser für sie geschöpft. Weil das Wort hld schöpfen hier zweimal gebraucht ist, so soll nach R. Jehuda damit gesagt sein: Er hat für uns sowohl wie auch für unsere Eltern geschöpft (d. i. er hat uns und sie aus dem Irrwahn gehoben). R. Nechemja sagte: Mose hat für uns und für die Hirten geschöpft. Die Rabbinen sagten: Er hat aus Rücksicht auf unsere Ältern für uns und er hat für die Hirten geschöpft, um den Frieden unter ihnen zu erhalten (und den Neid zu verhüten) und du sprichst von einer an ganz Israel bewiesenen Güte? Es soll damit gelehrt werden, dass das Wohlwollen, welches einem der Grossen Israels bewiesen wird, so anzusehen ist, als sei es dem ganzen Volke bewiesen worden. Und nun unsre Brüder, Bewohner von Uscha, wie hoch ist erst eure Handlungsweise anzuschlagen und dankbar anzuerkennen!
Als letzter Redner trat endlich R. Elieser ben Jacob auf, er fing an: Es heißt Deut. 27, 9: „Mose sprach zu ganz Israel: merk auf und höre zu Israel! Heute dieses Tages bist du ein Volk des Ewigen, deines Gottes geworden.“ Erst heute? Waren sie es nicht schon vor vierzig Jahren geworden, als sie das Gesetz annahmen, und du sagst: heute? Weil Mose das Gesetz ihnen aber an diesem Tage wiederholte und sie es mit Freundlichkeit aufnahmen, so wird das von der Schrift so angesehen, als wenn sie es erst an diesem Tage vom Berge Sinai empfangen hätten. Wie hoch ist nun euch, unsre Brüder, Bewohner von Uscha, die ihr unsre Lehrer so freundlich aufgenommen habt, euer Wohlwollen anzurechnen!

V. 6. Seine Linke liegt unter meinem Haupte und seine Rechte umarmt mich.
Unter jener sind die ersten und unter dieser die zweiten Gesetztafeln, oder unter jener sind die Zizith und unter dieser die Tephillin, oder unter jener ist der mit Schema beginnende Abschnitt und unter dieser das vorgeschriebene Gebet, oder unter jener ist die Laubhütte und unter dieser die wie eine Wolke einst erscheinende Schechina vergl. Jes. 60, 19, oder unter jener ist endlich die Mesusa zu verstehen. R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Ihr sollt schreiben auf die Mesusoth, deines Hauses. Lies nicht: ;tyb deines Hauses, sondern: ;tayb deines Kommens von der Strasse zu deinem Hause. R. Jochanan sagte: Es heißt Ex. 26, 35: „Und stelle den Tisch außen vor den Vorhang, und den Leuchter dem Tische gegenüber an die Seite der Wohnung nach Süden“ u. s. w. Kein Mensch stellt den Leuchter auf die linke Seite, damit nicht die rechte Seite verhindert werde, und kein Mensch legt die Linke unter das Haupt und umarmt mit der Rechten. R. Acha sagte: R. Jochanan beweist es aus Deut. 2, 22: „Den Ewigen sollst du lieben und ihm anhangen.“ Wie geschieht das? Durch seine Linke unter meinem Haupte.

V. 7. Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder den Hindinnen auf dem Felde.
Nach R. Elieser beschwor Salomo sie bei dem Himmel und der Erde und „bei den Heerscharen“ d. i. der Heerschar von oben (des Himmels) und der Heerschar von unten (der Erde). „Bei den Hindinnen des Feldes“ d. i. bei dem Wild des Feldes vergl. Hi. 5, 23.
Nach R. Chanina beschwor er sie bei den Stammvätern und den Stammmüttern, die darum hier Heerscharen genannt werden, weil sie (spricht Gott) meinen Willen (ynvybo) getan haben und ich habe meinen Willen an ihnen getan. „Oder bei den Hindinnen des Feldes“ d. i. bei den Stämmen s. Gen. 49, 21.
R. Jehuda bar R. Simon sagte: Er beschwor sie bei der Beschneidung. „Bei den Heeren“ d. i. beim. (jüdischen) Heer (abob) bei welchem sie als Kennzeichen dient. „Oder bei den Hindinnen des Feldes“ d. i. bei denen, die ihr Blut wie das einer Gazelle und eines Hirsches vergießen:
Die Rabbinen sagten: Er beschwor sie bei dem Geschlechte, das durch die Religionsverfolgung zu leiden hatte; „bei den Heeren“ d. i. bei denen, die in der Welt meinen Willen (ynvybo) getan haben und ich meinen Willen an ihnen erfüllt habe. „Oder bei den Hindinnen des Feldes“ d. i. bei denen, die ihr Blut zur Heiligung meines Namens vergossen haben, als wäre es das Blut einer Gazelle oder eines Hirsches s. Ps. 44, 23.
R. Chija bar Abba sagte: Wenn ein Mensch zu mir spräche: Gib dein Leben zur Heiligung des göttlichen Namens hin, so würde ich es hingeben, jedoch nur, wenn er mich gleich umbrächte, aber die Qualen im Zeitalter der Religionsverfolgung kann ich nicht ertragen. Was geschah (wie verfuhr man) im Zeitalter der Religionsverfolgung? Man brachte eiserne Stangen, und glühte sie weiss im Feuer und legte sie unter ihre Achselhöhlen und nahm ihnen auf diese Weise ihr Leben, oder man brachte zugespitzte Rohrstäbe und trieb sie ihnen unter die Nägel und ließ sie ihr Leben aushauchen. Das ist es, was David Ps. 25, 1 sagt: „Zu dir, Ewiger, erheb’ ich meine Seele.“ Es heißt: aysa ich lasse nehmen, weil sie ihre Seelen zur Heiligung des Namens Gottes sich nehmen ließen.
R. Osaja sagte: Gott sprach zu den Israeliten: Habt Geduld! ich mache euch wie ein Himmelsheer. R. Judan sagte im Namen des R. Meir: Gott sprach zu den Israeliten: Haltet ihr meinen Schwur, so mache ich euch wie ein himmlisches Heer, wo nicht, so mache ich euch wie ein irdisches Heer.
R. Jose bar Chanina sagte: Es handelt sich hier um zwei Schwüre, einer betrifft die Israeliten, der andere die Völker der Welt, jener vereidet die Israeliten, dass sie sich nicht gegen das Joch der Regierungen auflehnen und dieser betrifft die Regierungen, dass sie den Israeliten das Joch nicht zu sehr erschweren sollen, denn wenn sie das tun, führen sie vor der Zeit die Erlösung herbei (eig. vollziehen sie das Ende, ohne dass es Zeit ist).
R. Levi sagte mit Berufung auf Jes. 32, 1: Gott setzt nicht eher einen heuchlerischen König über sein Volk, als bis die Zeit gekommen ist, wo das gesprochene Urteil zur Vollstreckung kommen soll (eig. dass er ihre Rechtssache vorträgt und sie vollzieht).
R. Abuhu sagte im Namen des R. Tanchuma: Die israelitischen Vögte beschwerten sich bei Pharao, dass ihnen kein Stroh mehr geliefert werde und wegen der Ziegeln man zu ihnen spreche „Schafft euch solches“ und so werden deine Knechte gequält und du versündigst dein Volk s. Ex. 5 16 d. i. du versündigst dich an dir und an deinem Volke und an deiner (eigenen) Nation und du trägst selbst die Schuld, wenn die Herrschaft von dir genommen und einem anderen Volke gegeben wird.
R. Chelbo sagte: Vier Schwüre sind hier enthalten, dass nämlich die Israeliten sich gegen die Regierungen nicht empören, nicht auf das Ende (ihrer Leiden) dringen (sondern geduldig ausharren), ihre Geheimnisse den Völkern der Welt nicht enthüllen und endlich nicht alle auf einmal mit Gewalt aus der Gefangenschaft hinaufziehen sollen. Welche Mission hat nun der Messias? Er soll die vertriebenen Israeliten versammeln.
R. Unja sagte: Die vier Schwüre entsprechen den vier Geschlechtern, welche die bestimmte Zeit gewaltsam herbeiführen wollten und gefallen sind; das eine ist das Geschlecht in den Tagen Amrams, das andere das Geschlecht in den Tagen der Richter, und eine in der Zeit des (Eleasar) ben Dinai, eines der zelotischen Bandenführer zur Zeit, als Felix und Festus Procuratoren von Judäa waren, man nannte ihn nach Sota IX, 8 den Mördergesellen (Sicarier). S. auch Sifre zu Schoftim § 20, das Geschlecht in den Tagen Ben Kosiba (d. i. Kochbas) und das vierte das Geschlecht in den Tagen des Schutelach, des Ephraimiten s. Ps. 78, 9. Andere schalten zwischen dem Zeitalter Amrams und Kosebas noch das Zeitalter der Religionsverfolgung ein. Die Genannten berechneten die Zeit, in welcher Gott mit unserm Vater Abraham bei der Bundesschließung zwischen den Stücken geredet und fingen von der Geburt Jizchaks an. Was machten sie? Sie rotteten sich zusammen, zogen in den Krieg und es fielen viele von ihnen als Erschlagene, weil sie nicht auf den Ewigen vertrauten. und auf seine Hilfe nicht zuversichtlich harrten und den Schwur nicht beachteten.
weckt sie nicht auf, regt die Liebe nicht an, bis es ihr gefällt.
R. Judan sagte: Das ist die Liebe, welche Jizchak zu Esau hatte s. Gen. 25, 28. Was heißt das: „Bis es ihnen gefällt?“ Bis der Wunsch des Alten in Erfüllung ging.
R. Berachja sagte: Es ist hier von der Liebe Gottes gegen Israel die Rede, welche der Prophet Maleachi 1, 2 in Erinnerung bringt. Was heißt das: „Bis es ihnen gefällt?“ Die himmlische Macht wird die Erlösung eintreten lassen, wenn die Strafgerechtigkeit es wollen wird.

 

 
 

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