Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 3 – Vers 1-11

No Comments
 
 

V. 1. In den Nächten auf meiner Lagerstätte
V. 2. Wohlan, so will ich aufstehen und umhergehen  in der Stadt, in den Märkten und in den Strassen
V. 3. Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt herumgehen
V. 4. Kaum war ich weg von ihnen, da fand ich ihn,  den meine Seele liebt, nämlich Mose. Ich erfasste ihn und ließ ihn nicht, bis ich ihn brachte in meiner Mutter Haus
V. 6. Wer ist diese, die aus der Wüste dort emporsteigt?
V. 7. Siehe da, Salomos Bett, sechzig Starke rings umher.
V. 9. Ein Prachtbett hat sich König Salomo gemacht. 
V. 10. Seine Säulen hat er gemacht von Silber s. Ex.  27, 10, von Gold seine Lehne s. das. 26, 29, das Inwendige ist gepolstert mit Liebe
V. 11. Gehet heraus und sehet, ihr Töchter Zions

 



V. 1. In den Nächten auf meiner Lagerstätte d. i.

nach R. Abba bar Kahana: auf meinem Schmerzenslager (auf dem Lager  meiner Krankheit) s. Ex. 21, 18.
R. Levi sagte: Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Herr der Welt! in vergangenen Zeiten hast du mir zwischen den Nächten d. i. zwischen der ägyptischen und der babylonischen, zwischen dieser und der medischen, zwischen dieser und der griechischen,  zwischen dieser und der edomitischen geleuchtet, jetzt aber, wo ich  schlafe (ruhe) von der Thora und der Ausübung religiöser Vorschriften, drängen sich die Nächte aneinander. R. Alexander sagte: Sowie ich schlafe und deine Gesetze und Vorschriften nicht übe,  drängen sich die Nächte aneinander.
Oder: Die Worte „auf meinem Lager in den Nächten“ wollen  sagen: Die Nächte sind gekommen; in der ägyptischen Nacht „suchte ich den, welchen meine Seele liebt“ d. i. Mose, „ich suchte  ihn und fand ihn nicht.“
V. 2. Wohlan, so will ich aufstehen und umhergehen  in der Stadt, in den Märkten und in den Strassen d. i. in  den Dörfern und Städten und ihn suchen, welchen meine Seele  liebt d. i. Mose. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
V. 3. Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt herumgehen d. i. der Stamm Levi s. Ex. 32, 27, den meine Seele  liebt d. i. Mose.
V. 4. Kaum war ich weg von ihnen, da fand ich ihn,  den meine Seele liebt, nämlich Mose. Ich erfasste ihn und ließ ihn nicht, bis ich ihn brachte in meiner Mutter Haus  d. i. der Sinai, und in die Kammer meiner Gebärerin d. i. das Stiftszelt, von wo aus die Israeliten zu der Beobachtung der Lehre verpflichtet worden sind.

Oder: „Auf meinem Lager in den Nächten“ d. i. in der babylonischen Nacht, „suchte ich den, welchen meine Seele liebt“, nämlich Daniel, „ich suchte ihn und fand ihn nicht“ d. i. ich will mich aufmachen, die Stadt durchziehen, die Marktplätze und die Strassen, Städte und Länder, ich will ihn suchen, „den meine Seele liebt“, nämlich Daniel, „ich suchte und fand ihn nicht.“ „Es fanden mich die Wächter“ d. i. die Chaldäer. „Den meine Seele liebt“ d. i. Daniel. Wohin war er gegangen? Der eine sagt: um zu fasten,  denn er flehte um Erbarmen wegen der Zerstörung des Heiligtums  s. Dan. 9, 17; ein anderer sagt: er war zu Belschazars Gastmahl  gegangen, um die bedeutungsvolle Schrift: „Gezählt, gezählt, gewogen  und geteilt“ daselbst zu erklären s. das. 5, 25. Nach R. Chija dem Grossen lauteten ursprünglich jene Schriftzeichen  ]rlaa ypqnn cvtmm anm, nach R. Simeon ben Chalaphtha umxgvp ;da tuy tuy,  nach den Rabbinen vprcyn tql ,na ,na, nach R. Meir wie der Wortlaut ist                      ]ycrpv lqt anm anm und zwar bedeutet hnm: „Gezählt  hat Gott deine Regierung und macht ihr ein Ende“, lqt: „Gewogen bist du auf der Wage und zu leicht befunden“, ]ycrpv „Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben“ (s.  Dan. 5, 26. 27).
Zu derselben Zeit versammelten sich alle Israeliten bei Daniel und sprachen: Daniel, unser Meister! alle bösen und schweren Weissagungen Jeremias sind eingetroffen, nur die eine gute noch  nicht, dass vor Ablauf von 70 Jahren der Ewige unsrer gedenken  und die gute Verheißung in Erfüllung bringen wird s. Jerem. 29, 10. Bringet mir, antwortete ihnen Daniel, das Buch des Propheten Jesaia. Er las ihnen daraus vor bis an das Kapitel 21, 1: „Auftrag  an die Wüste am Meer. Wie ein Wetter von Mittag kommt.“  Wenn es Meer heißt, wozu Wüste und wenn Wüste, wozu Meer?  fragte er. Allein es sind Winke für die vier Königreiche, welche  den wilden Tieren gleichen s. Dan. 7, 3-8. Diese Tiere sowohl, wie auch die von ihnen angerichteten Schäden, sagte R. Jochanan, sind verschieden. Seid ihr es würdig, so kommen sie vom Meere, wo nicht, so kommen sie vom Walde. Das vom Meere kommende Tier ist nicht schädlich, wohl aber das, was vom Walde kommt.  So auch, wenn ihr es würdig seid, wird keine Nation Gewalt über euch haben s. Ps. 80, 14. Das i in dem Worte riym ist schwebend (d. i. es ist über die Zeile hinausgeschrieben, damit man es  raym lesen könne), um anzudeuten: ist euer Verhalten geziemend,  so kommt über euch der zahme Eber aus dem Flusse (rayh ]m),  wo nicht, so kommt der (wilde) Eber aus dem Walde (riym) Und  wie mit den Tieren, so verhält es sich auch mit den Wettern. Es  gibt keinen schlimmern Sturmwind, bemerkte R. Levi, als den von  Mitternacht, welcher die Geschöpfe, die in den mittägigen Gegenden wohnen, blass macht. Wer ist denn unter dem mitternächtlichen Sturmwind zu verstehen? Kein anderer als Nebucadnezar, der von Mitternacht kam und das Heiligtum zerstörte, welches im Süden sich befand. Woher kam er? R. Chanina sagte: Aus der Wüste d. i. aus einem Lande, über welchem schwere Gesichte drohten s. Jes. 21, 2.
Die Prophetie hat 10 Namen: ]vzx, havbn, hpuh, rvbyd, hryma, yvvo, asm,  lsm, hoylm, hdyx. Welche ist die schwerste von allen? R. Elieser sagte: ]vzx ist die schwerste, denn es heißt Jes. 21, 2: „Ein schweres Gesicht ist mir verkündet worden.“ Nach R. Jochanan aber ist rvbyd die schwerste, wie es Gen. 42, 30 heißt: „Der Herr des Landes redete hart mit uns.“ Nach den Rabbinen ist die mit asm bezeichnete Weissagung die härteste, wie schon der Wortlaut besagt, denn asm ist soviel wie  dbk schwer.
Es heißt Jes. 21, 2: „Der Plünderer plündert und der Verwüster verwüstet. Zieh heran, Elam! belagere Medien!“ d. i. die von Elam über uns gebrachte Trübsal ist bereits vorüber, es entsteht nun eine von Medien, „alles Seufzen“ nämlich das von Babylon „bring ich zum Schweigen.“ V. 3: „Deshalb sind meine Lenden voll Schmerzes.“ Wenn schon unsere Vorfahren (Väter), sagte R. Simeon ben Gamliel, bei einem Teile solcher Drangsale verzagten, als sie nämlich das Land Edom umgehen mussten s. Num. 21, 4 vergl. Thren. 5, 9 und Dan. 7, 15, um wie viel mehr wir, die wir so viele Jahre in einer so bedrängten Lage uns befinden. „Darum sind meine Lenden voll Schmerzes, Wehen ergreifen mich wie der Gebärerin Wehen, ich krümme mich, wenn ich es höre“ d. s. die Schmähungen und Lästerungen des Frevlers s. Dan. 5, 3, „und werde erschreckt, wenn ich es sehe“ d. i. die Gemächlichkeit dieses Verruchten, als er ein so großes Gastmahl gab s. Dan. 5, 1. Was heißt br? R. Chama bar R. Chanina sagte: ,yhvla lsm ein Gastmahl (,xl) größer, als das Gastmahl für Gott. Er fragte sie (Daniel und Genossen): Durch wie viele Siebe geht das Mehl, wovon ihr den Omer auf den Altar niederlegt? Sie antworteten: Durch dreizehn. Das Brot, welches auf meine Tafel kommt, ist durch vierzehn Siebe gegangen. V. 4: „Mein Herz zittert“ d. i. der Gerichtshof hat sich um einen Tag in seiner Berechnung geirrt, „Grauen hat mich erschreckt“ d. i. nach R. Pinchas im Namen des R. Josua: ich habe bei der Phiole mich gelabt. Oder tvolp heißt soviel wie ein Mund, der Spottreden ausstreut. Oder der Sinn ist: Durch diejenigen, welche spotten, werde ich erschreckt. „Der Abend meiner Lust wird mir zum Schrecken“ d. i. den Abend (am Pessachfeste), an welchem ich meiner Erlösung mit Lust entgegen sah, hat er mir zum Schrecken gemacht.

 

V. 5: „Angerichtet ist der Tisch“

d. i. der Tisch ist geordnet (arvtp trdc ), „die Wache wacht“ d. i. sie hat den Leuchter aufgestellt, sie zündet das Licht an, „macht euch auf, ihr Fürsten“ d. i. Cyrus und Darius, „salbet den Schild“ d. i. übernehmt die Regierung. Cyrus sprach zu Darius: Regiere du vor mir! Hat nicht Daniel, antwortete letzterer, ausdrücklich erklärt: Dir wird die Herrschaft genommen und an Medien und Persien gegeben werden (s. Dan. 5, 28)? „Medien zuerst und nachher Persien, folglich regiere du.“ Als der Frevler das hörte, ließ er seinen Heeren bekannt machen: Über jede Nation, über jedes Reich, das sich wider mich auflehnt, fallen wir her. Du Frevler! sprach Gott, an alle hast du gesendet, vielleicht auch an mich? Bei deinem Leben! dein Sturz (deine Bestrafung) wird von keinem anderen Orte erfolgen, als von mir, wie auch Ps.  75, 7. 8 geschrieben steht: „Weder vom Aufgang, noch vom Niedergang, noch vom Gebirge in der Wüste; denn Gott ist Richter, der diesen – Belschazar – erniedrigt, und jenen – Cyrus und Darius – erhöht“ und letztere waren des ersteren Thorhüter. Als Belschazar Daniels Weissagungen vernommen hatte (nämlich dass jene ihm das Reich entreißen würden), gab er den Befehl: ,,Jedem, der in dieser Nacht hier gesehen wird, wenn er euch auch sagt: ich bin der König, haut den Kopf ab; (wenn er euch auch sagte, er sei der König).“ In jener ganzen Nacht hatte er den Durchfall (Diarrhö) und ging hinaus. Wie er hinausging, bemerkten sie ihn nicht, aber wie er wieder hineinging, bemerkten sie ihn, und sie sprachen zu ihm: wer bist du? Er sprach zu ihnen: ich bin der König. Sie antworteten ihm; Hat nicht also der König befohlen: Jedem, der sich hier diese Nacht sehen lässt, selbst wenn er euch sagt: ich bin der König, haut den Kopf ab. Was taten sie? Sie nahmen das Gestell eines Leuchters und spalteten ihm damit sein Gehirn, wie Dan. 5, 30  geschrieben steht. In welcher Stunde wurde er erwürgt? Nach R. Eleasar in der Stunde des süßen Schlafes, nach R. Samuel bar Nachman in der Stunde zwischen Wolf und Hund (d. i. in der Zeit der ersten Morgendämmerung). Es besteht zwischen diesen beiden Ansichten keine Meinungsverschiedenheit, denn derjenige, welcher behauptet, dass er in der Stunde des süßen Schlafs ermordet wurde, nimmt an, er wälzte sich den ganzen Tag, so viele Zeit, als für ihn noch von der Regierung erfordert ward oder gebührte, (so lange war ihm von Gott zu regieren bestimmt), und derjenige, welcher sagt, dass er zwischen Wolf und Hund ermordet wurde, nimmt an, dass er jene ganze Nacht (in Folge der Angst) halb bewusstlos war, so viel, als er noch zu regieren hatte. Der Regierungswechsel vollzog sich, sagte R. Benjamin ben Levi, in einem solchen Zeitraume, wie zwischen einem und dem andern Bechertrunke stattfindet s. Ps. 75, 9, worauf auch der Prophet (s. Jes. 47, 1) (beißend) anspielt: „Lass dich herab, setze dich auf den Staub, jungfräuliche Tochter Casdim“ d. i. Maß gegen Maß. Dort (Thren. 2, 10) heißt es: „Sie setzen sich schweigend auf die Erde, die Alten der Tochter Zion“, hier heißt es: „Lass dich herab und setze dich auf den Staub.“ R. Hunja sagte: Jerusalem spricht zur Tochter Babels so: fort mit dir, du alte Sünderin, steige herab, o Buhlerin! Du wähnst eine Jungfrau zu sein, du bist schon ein altes Weib (eine Greisin), setze dich auf die Erde, es gibt keinen Thron, das Verdienst jenes Thrones hat aufgehört. Welches? S. Jes. 39, 1: „In derselben Zeit sandte Merodach Baladan, König von Babylon, Brief und Geschenke an Chiskia, da er gehört hatte, dass derselbe krank und wieder stark geworden sei.“ Man sagte; Merodach Baladan betete die Sonne an und pflegte in der sechsten Stunde zu essen und bis in die neunte zu schlafen. Allein an jenem Tage Chiskias, des Königs von Juda, wo die Sonnenkugel zurückgegangen war, da schlief er und als er aufstand, war es Morgen. Er wollte alle seine Heere (Diener) umbringen lassen. Ihr habt mich, sprach er zu ihnen, einen ganzen Tag und eine ganze Nacht schlafen lassen. Sie antworteten: Der Tag ist zurückgegangen. Er fragte sie: Welcher Gott hat das bewirkt? Sie antworteten: Der Gott des Chiskia. Gibt’s denn einen größeren Gott als den meinigen? Jawohl! Chiskia’s Gott ist größer als dein Gott. Sogleich sandte er Briefe und Geschenke an Chiskia, wie es heißt: „In dieser Zeit sandte Merodach Baladan“ u. s. w. Was stand in den Briefen geschrieben? Friede dem Chiskia, Friede dem großen Gotte, Friede Jerusalem! Als die Briefe abgesandt waren, besann er sich, dass er nicht recht getan habe, erst Chiskia und dann dessen Gott gegrüßt zu haben. Er stand von seinem Throne auf, tat drei Schritte, ließ die Briefe zurücknehmen und schrieb andere mit den Eingangsworten: Friede dem großen Gotte Chiskia’s, Friede dem Chiskia und Friede Jerusalem! Da sprach Gott: Du bist mir zu Ehren von deinem Thron aufgestanden und hast drei Schritte getan, bei deinem Leben! ich werde drei Könige, Weltbeherrscher, von dir erstehen lassen, die von einem Ende der Welt bis zum andern herrschen. Dieselben sind: Nebucadnezar, Evil Merodach und Belschazar. Da diese aber (Gott) gelästert, rottete Gott ihren Stamm aus der Welt aus, und setzte andere statt ihrer ein. R. Levi sagte: er öffnete ihnen die Bundeslade und zeigte ihnen die Gesetztafeln und sprach: mit diesen ziehen wir in den Krieg und siegen. (Die letzten Worte sind aus Pirke  de R. Elieser zu ergänzen). Es heißt: „Chiskia war über die Gesandtschaft erfreut und zeigte ihr das Schatzhaus.“ Was ist das? Es sind nach R. Imi die von Sancherib erbeuteten Schätze. Nach R. Jochanan ist es eine Waffe, welche eine Waffe vernichtet. Nach R. Simeon ben Lakisch zeigte er der Gesandtschaft mit Elfenbein wie mit Wachs ausgelegte Paläste s. Am. 3, 15, nach R. Jehuda, wie Stein verhärteten Honig (eig. Honig so fest wie Stein). R. Levi sagte: Er zeigte ihr etwas mit den Worten: Dieses gebrauchen wir im Kriege und siegen.
Es heißt Jes. 47, 2 weiter: „Nimm die Mühle und mahle Mehl.“ Alle Leute mahlen Weizen, fragte R. Josua ben Levi und du sagst: Nimm die Mühle und mahle Mehl? Allein Jerusalem sprach zur Tochter Babels: Wäre ich nicht von oben bekriegt worden, so hättest du wider mich nichts vermocht; hätte der von oben nicht Feuer in mein Gebein gesandt s. Thren. 1, 13, so würdest du mir nicht haben beikommen können, jetzt aber hast du bereits gemahlenes Mehl gemahlen, einen getöteten Löwen erschlagen, einen brennenden Holzstoss angezündet.
Oder der Sinn der Worte: „Nimm die Mühle“ u. s. w. ist dieser: Früher haben andere für dich gemahlen, jetzt nimm du selbst die Mühle und mahle Mehl. „Deck auf deinen Schleier“ d. i. breite aus dein Verborgenes, nämlich den König, der innerhalb sieben Gemächer sich aufhält (also der vor aller Welt verborgen ist); „heb auf die Schleppe“ d. i. mache dir die Wege frei von Wasser; „durchwate die Ströme“ d. i. früher fuhrst du in silbernen und goldenen Wagen, jetzt entblöße den Schenkel und durchwate die Ströme; „es werde aufgedeckt deine Scham“ d. i. Maß gegen Mass. Wie dort alle ihre Verehrer sie gering schätzten, weil sie ihre Scham an ihr gesehen s. Thren. 1, 8, so decke auch hier deine Scham auf. R. Josua ben Levi sagte: Gott sprach: ich werde einst Strafen über die Tochter Babels bringen und wenn Daniel auch für dieselbe um Erbarmen beten sollte, wie für Nebucadnezar s. Dan. 4, 24 „so gebe ich ihm kein Gehör.“ Warum? (So spricht) Unser Erlöser, der Ewige, Zebaoth sein Name s. Jes. 47, 4

V. 6. Wer ist diese, die aus der Wüste dort emporsteigt?
Von der Wüste kam Israels Erhebung, dessen Zwietracht, der Tod s. Num. 14, 29, die Gotteslehre, das Stiftszelt, das Synedrium, das Priestertum, das Levitentum, die Königswürde s. Ex. 19, 6 und alle guten Gaben Gottes an Israel. (In der Wüste beluden sie sich mit den von den Engeln ihnen gegebenen Kronen), in der Wüste nahmen sie dieselben ab (nach Verfertigung des Kalbes) s. Schabb. fol. 86b. Von der Wüste kam die Prophetie, folglich die Erhebung.
„wie Säulen von Rauch.“
R. Eleasar sagte im Namen des R. Jose ben Simra: Als die Israeliten von Lager zu Lager wanderten, stieg eine Wolkensäule hernieder und eine Feuersäule ging auf. Der Rauch vom Altare stieg auf wie zwei feurige Pfeile, hervorgehend vom Raume zwischen den beiden Stangen der Bundeslade kamen zwei Feuerfunken hervor und verbrannten die Schlangen, Seraphe und Skorpione vor ihnen, was die Völker der Welt sahen und sprachen: Es sind göttliche Wesen, die nur mit Feuer zu tun haben und es überfiel sie Angst und Schrecken vor den Israeliten s. Ex. 15, 16, weshalb es hier nicht hlpn sondern lvpt heißt d. i. jetzt und in der Zukunft.
Durchräuchert von Myrrhe d. i. unser Vater Abraham. Wie die Myrrhe das Haupt aller Gewürze ist, so war unser Vater Abraham das Haupt aller Gerechten; wie diese Myrrhe den Händen, die sie pflücken, Bitterkeit mitteilt, so ertrug auch unser Vater Abraham Bitteres und quälte sich durch Leiden; wie die Myrrhe nur durch Licht ihren Wohlgeruch verbreitet, so gab auch Abraham seine guten Werke im Glutofen zu erkennen.
und Weihrauch d. i. unser Vater Jizchak, der wie eine Handvoll Weihrauch auf dem Altare dargebracht werden sollte.
von allen Spezereien der Krämer d. i. unser Vater Jacob, dessen Bett durchaus makellos und nichts Verwerfliches darin war. Wie in der Krämerbüchse alle Gewürzarten sich befinden, sagte R. Tanchuma, so rührt von Jacob das Priester-, Leviten- und Königtum her. Unser Vater Abraham gab all das Seine an Jizchak s. Gen. 25, 5, aber Jacobs Güter kamen nur von dem, mit dem er gerungen hatte s. das. 32, 25-29. R. Judan sagte: Die Israeliten haben all das Glück, womit sie ihren Handel in dieser Welt betreiben, nur dem Ringen unseres Vaters Jacob zu danken. Ferner sagte R. Judan: Alle Geschäfte, welche die Israeliten mit Glück in dieser Welt machen, sind nur dem Ringen unseres Vaters Jacob zu danken. R. Asarja schreibt diesem Kampfe auch alles Kriegsglück und die Gotteserkenntnis der Israeliten in dieser Welt zu. Nach R. Berachja und R. Simon im Namen des R. Abuhu soll Gott den Staub, den dieser Kampf erregt hatte, genommen und unter den Thron seiner Herrlichkeit gelegt haben s. Nach. 1, 3. R. Berachja sagte im Namen des R. Chelbo: Wenn es heißt Gen. 32, 25: „Es rang ein Mann mit ihm“, da wissen wir nicht: War der Engel in Jacobs Gewalt oder umgekehrt? Weil aber die Worte folgen: „Der Engel sprach: Entlass mich, denn der Morgen ist aufgegangen“ s. das. V. 27 d. i. es ist die Zeit gekommen, dass ich den Schöpfer preisen muss, so erhellt, dass der Engel in unsers Vaters Jacobs Gewalt gewesen sein muss. In welcher Gestalt erschien er ihm? Als der Schutzherr des frevelhaften Esau, wie aus 33, 10 zu ersehen ist, wo der Sinn ist: Du siehst deinem Schutzherrn ähnlich.
Gleich einem Könige, welcher einen gezähmten Löwen (S. Midr. Beresch. r. Par. 77.) und einen ungezähmten wilden Hund hatte. Was tat er? Er suchte den Löwen gegen seinen Sohn zu hetzen; denn er dachte, wenn der Hund meinen Sohn anfallen sollte, kann dieser sprechen: Konnte ich dem Löwen beikommen und sollte dir nicht beikommen können? So spricht auch Gott zu den Völkern der Welt, welche die Israeliten befeinden: Euer Schutzherr konnte vor ihrem Vater nicht bestehen und ihr wollt sie bezwingen? Nach R. Huna erschien der Engel dem Jacob als Hirt, der wie jener Schafe und Kamele hatte. Führe du die deinigen, sprach er zu ihm, und ich führe die meinigen hinüber. (S. Midr. Beresch. r.  Par. 77.) Als unser Vater Jacob die seinigen hinüber gebracht hatte, sprach er: wir wollen zurückgehen und nachsehen, vielleicht haben wir etwas vergessen. Bei seiner Rückkehr rang ein Mann mit ihm. R. Chija der Grosse und R. Simeon bar Rabbi handelten mit groben seidenen Stoffen und gingen deswegen nach Tyrus und besorgten ihre Geschäfte. Als sie wieder zum Tore hinaus waren, sprachen sie: Wir wollen noch einmal umkehren und nachsehen, ob wir nicht etwas vergessen haben. Sie kehrten um und fanden ein ganzes Gebund seidener Stoffe. Sie sprachen: So war auch die Art und Weise unseres alten Jacob. Nach den Rabbinen endlich erschien ihm der Engel als Räuberhauptmann. Einer wie der andere hatte Schafe und Kamele. Jener sprach: Führe die meinigen hinüber über den Fluss und ich will die deinigen hinüberbringen. In einem Augenblick brachte der Engel Jacobs Schafe hinüber und letzterer kehrte mehrmals in derselben Nacht zurück und fand jedes Mal noch andere. Was tat Jacob? Er nahm nach R. Pinchas ein wollenes Tuch und band es sich um den Hals. Du bist ein Zauberer, sagte der Engel, und ein solcher hat des Nachts kein Glück. Nach R. Huna sprach der Engel zu Jacob: Ich will ihm zeigen, mit wem er es zu tun hat. Was tat er? Er legte seinen Finger auf ein Felsstück und dieses sprühte Feuer. (S. Midr. Beresch. r. Par. 77.) Du willst mich dadurch in Furcht setzen, sprach Jacob, ich vermag mehr, wie es heißt Obad. V. 18: „Und das Haus Jacobs wird ein Feuer, und das Haus Josephs eine Flamme, aber das Haus Esaus Stroh werden.“ R. Chanina bar Jizchak sagte: Gott sprach zu dem Engel, dem Schutzherrn Esaus: Was stehst du da? Er kommt über dich mit fünf Schutzmitteln (Amuletten), mit seiner Tugend und mit der seines Vaters, seiner Mutter, seines Großvaters und seiner Großmutter, miss dich mit ihm, du kannst nicht einmal vor seiner Tugend bestehen. Da sah derselbe ein, dass er ihm nicht beikommen konnte s. Gen. 32, 26. Nach R. Levi sah der Engel die Schechina. Sowie ein Räuberhauptmann, welcher mit dem Sohne eines Königs rang, der, als er dessen Vater, den König, in der Nähe stehen sah, sich in seiner Gegenwart unterwarf, ebenso verhielt es sich auch hier mit dem Engel; als er die Schechina oben vor Jacob stehen sah, unterwarf er sich, sowie Gen. 32, 26 geschrieben steht: „Als er sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, berührte er den Ballen seiner Hüfte“ d. i. die frommen Männer und Frauen, die Propheten und Prophetinnen, die einst von ihm und seinen Söhnen hervorgehen sollten. Welche sind es? Das Zeitalter der Religionsverfolgung. „Und das Gelenk Jacobs war verrenkt“ d. i. nach R. Elieser geschlagen, nach R. Berachja im Namen Rabsa’s gespalten wie ein Fisch, nach R. Nachman bar Jacob von seiner Stelle gerückt vergl. Ezech. 23, 17
R. Jochanan deutete den Vers: „durchräuchert von Myrrhe und Weihrauch“ auf das Räucherwerk der Familie des Euthinos. (s. Joma III, 11.) Die Myrrhe war eines von den elf Bestandteilen des heiligen Räucherwerkes. R. Huna deutet diese Worte auf das in Ex. 30, 34 bezeichnete Räucherwerk. Wohlgerüche d. s. zwei; Stakte, Onyx und Weihrauch d. i. fünf; Wohlgerüche. Wenn du aber sagen solltest, dass die letzteren bereits mitgezählt seien, so heißt es weiter: „Zu gleichen Teilen soll es sein“; das gibt fünf gegen fünf, also zehn. „Und reinen Weihrauch“ d. i. der elfte Bestandteil. Von hier aus haben die Gelehrten untersucht und gefunden, dass es gut für das Räucherwerk sei, wenn es nur aus diesen elf Bestandteilen bestehe. Es ist gelehrt worden: die Familie Euthinos war in der Zubereitung des Räucherwerks derart geschickt, dass der Rauch gerade in die Höhe stieg, sie wollte aber die Kunst nicht andern lehren. Die Gelehrten ließen Meister in diesem Fache von Alexandrien kommen, welche zwar in der Verfertigung geschickt waren, aber in der erwähnten eigentümlichen Wirkung stand das von ihnen gelieferte Räucherwerk dem von der Familie Euthinos bereiteten zurück, der Rauch stieg nicht wie eine Traube empor, und fiel nicht wie ein Stock herunter, sondern er fiel gleich herunter. Als die Gelehrten das wahrnahmen, sprachen sie: Alles, was Gott geschaffen hat, gereicht zu seiner Verherrlichung s. Jes. 43, 7. Die genannte Familie wurde wieder berufen, sie wollte aber ihre Tätigkeit nicht fortsetzen, bis ihr Lohn verdoppelt worden wäre. Derselbe belief sich anfangs nach R. Meir täglich auf 12, dann auf 24, nach R. Juda aber anfangs täglich auf 24, später auf 48 Minen. Als die Familie gefragt wurde, warum sie ihre Kunst nicht lehren wolle, gab sie zur Antwort: Wir besitzen eine Überlieferung von unseren Vorfahren, dass das Heiligtum einst zerstört werden wird, damit nun unsere Geschicklichkeit nicht zu götzendienerischen Zwecken in der Weise missbraucht werde, wie wir sie vor Gott dem Heiligen im Heiligtum verwenden, teilen wir sie nicht mit. Aus diesem Grunde wurde die Familie belobt, und es ging auch kein Weib und Kind derselben mit dem Wohlgeruch des Räucherwerkes aus, und bei einer Verheiratung von einem andern Orte wurde es der Neuvermählten zur Bedingung gemacht, dass sie sich auf dieselbe Weise führen müsse, damit es unter den Israeliten nicht heiße, sie dufte vom heiligen Räucherwerke, um zu bestätigen, was geschrieben steht Num. 32, 22: „Ihr sollt vor dem Ewigen und vor Israel unsträflich sein vergl. Prov. 3, 4
R. Akiba sagte: Simeon ben Luga hat mir erzählt: Ich und ein Kind aus der Familie Euthinos suchten einmal Kräuter auf einem Felde auf. Da sah ich das Kind bald weinen, bald lachen. Ich fragte: Mein Sohn, warum weinst du? Ich weine darum, antwortete das Kind, weil die Ehre meines Vaterhauses abgenommen (sich vermindert) hat. Warum lachst du? Weil eine schöne Zukunft für die Tugendhaften bestimmt ist, und Gott seine Kinder bald erfreuen wird. Was hast du gesehen? Einen Rauch wie mir entgegen aufsteigend. Lass mich ihn sehen. Das verbietet mir unsre Überlieferung. Es vergingen nur wenige Tage, so geht die Sage, da starb das Kind.
R. Jochanan ben Nuri erzählt: Ich sah einmal auf meinen Reisen einen Greis aus dem Hause Euthinos, welcher eine mit Kräuternamen beschriebene Rolle in der Hand hatte. Ich fragte ihn: Was hast du in deiner Hand? Er antwortete: So lange die Glieder meines väterlichen Hauses fromm (bescheiden) waren, teilten sie diese Rolle nur unter sich mit, jetzt aber – hier hast du sie, allein gehe vorsichtig damit um, es ist eine Rolle mit Kräuternamen. Als ich diesen Vorfall vor R. Akiba erzählte, fielen Tränen aus seinen Augen und er sprach zu mir: Von jetzt an dürfen wir diese Familie nicht mehr schimpflich erwähnen.
Das Haus Garmo (S. Joma fol. 38a.) war bei der Fertigung der Schaubrote und ihrem Herausnehmen geschickt, es wollte aber diese Geschicklichkeit niemand lehren. Die Gelehrten beriefen deshalb Bäckermeister von Alexandrien. Diese wussten wohl das Brot zu bereiten, aber in dem Herausnehmen derselben waren die Alexandriner nicht geschult; denn diese heizte den Ofen von außen, jene aber heizten ihn von innen und buken von außen, wodurch das Brot, wie manche meinen, verschimmelte. Als die Gelehrten es bemerkten, sprachen sie: Alles, was der Ewige gemacht hat, hat er seinetwegen gemacht s. Prov. 16, 4. Sie wollten daher die Familie Garmo wieder in ihre Tätigkeit einsetzen, sie schickten nach ihr, allein sie leistete nicht eher Folge, als bis ihr Lohn verdoppelt worden war. Sie erhielten nach R. Meir anfangs täglich 12, dann 24, oder, wie R. Jehuda meint, anfangs täglich 24, dann 48 Minen. Auf die Frage, warum sie die Kunst nicht lehren wollten, antworteten sie: Das väterliche Haus wusste, dass das Heiligtum einst zerstört werden wird, da könnte ein Unwürdiger mit unsrer Kunst Missbrauch treiben und sie zu götzendienerischen Zwecken verwenden. Aus diesem Grunde wurde das Haus rühmlich erwähnt. Auch wurde weder bei den männlichen noch weiblichen Gliedern der Familie jemals reines Brot (hyqn tp) gefunden, damit die Israeliten nicht sprechen könnten, sie nährten sich von Schaubroten, und einer solchen Verdächtigung soll man sich, wie Num. 32, 22 geschrieben steht, nicht aussetzen vergl. Prov. 3, 4.
Und diese Alle (Euthinos, Garmu) fanden eine (treffende) Antwort auf die Fragen (warum sie ihre Kunst nicht lehrten); nur die Familie Kamzar fand keine Antwort auf deren Frage (das mit Federn in der Hand ein aus vier Buchstaben bestehendes Wort auf einmal schreiben konnte,) fand man keinen hinreichenden Grund. Man fragte sie: Warum wollt ihr es uns nicht lehren, allein sie gaben keine Antwort. Weil dieses Haus auf seine Ehre mehr hielt, als auf die Ehre Gottes, so nahm dieselbe ab und das Himmelreich (,yms tvklm) besteht noch; auch pflanzte die Familie sich nicht fort, sie hatte weder Spross noch Enkel in Israel. Auf die ersten Häuser wurde angewendet Prov. 10, 7: „Des Gerechten Andenken dauert zum Segen, auf letzteres: „Des Frevlers Name verwest mit ihm.“ Daher hat Ben Asai gesagt: Von dem Deinigen wird dir gegeben, bei deinem Namen wird man dich rufen, an deinen Platz dich setzen, Vergesslichkeit ist von Gott fern, und kein Mensch rührt (kann rühren) an das, was seinem Nächsten (von Gott) bestimmt ist; und eine Regierung rührt auch nicht ein Haarbreit an die andre (d. i. nicht eine Sekunde später, als bestimmt ist von Gott, hört das Regiment des einen Königs auf, und nicht eine Sekunde früher kann das andre anfangen).
Hugdas (Agdes), ein Levite, war wieder geschickt in der Sangkunst, geschickter als seine Brüder, er wollte seine Fertigkeit aber nicht lehren. Wenn er nämlich den Mund zum Singen auftat, steckte er den einen Daumen in den Mund, den andern in den Fußboden, die anderen Finger setzte er zwischen die Saiten und erhob so seine angenehme Stimme in verschiedenen Tönen, dass seine Mitbrüder, die Leviten beschämt zurücktraten. Pinchas, der über die Priestergewänder gesetzt war, zog das Gewand des Oberpriesters gegen Bezahlung einem Feldherrn (Strategen) an.
Wer ist diese, die aus der Wüste dort emporsteigt? Diese Worte lassen sich auf Elischeba, die Tochter Aminadabs anwenden. Dieselbe sah (erlebte) fünf Freuden an einem Tage: sie sah ihren Schwager (Mose) als König, ihren Bruder (Nachschon) als Fürsten, ihren Mann als Oberpriester, ihre zwei Söhne als dessen Stellvertreter und ihren Enkel Pinchas als gesalbten Krieger. Ihre Freude aber wurde bald in Trauer und sie selbst wie in eine Rauchsäule verwandelt; denn als ihre Söhne zum Altare, das Opfer darzubringen, hintraten, wurden sie von einer Flamme verzehrt.
Oder der ganze Vers wurde auf R. Eleasar bar Simeon, als derselbe entschlummert (verschieden) war, insofern angewandt, als er ein Schrift- und Mischnahkundiger, ein Redner und Dichter genannt zu werden verdiente.

V. 7. Siehe da, Salomos Bett, sechzig Starke rings umher.
R. Bibi legte im Namen des R. Eleasar bar R. Jose den Vers auf den Priestersegen aus. „Das Bett“ stellt die Stäbe und Stämme des Volkes vor vergl. Habak. 3, 9; „Salomos“ d. i. desjenigen Königs, der über den Frieden zu gebieten hat; „sechzig Helden“ d. s. die sechzig Buchstaben im Priestersegen, welche darum Helden genannt werden, weil sie die Israeliten stark machen; „alle schwertgerüstet“ d. i. die Worte sind, wie R. Asarja bemerkte, mit Macht umgeben (denn in jedem Satze befindet sich der Name Gottes); „alle kriegskundig“ d. i. sie streiten gegen alle Arten von Strafgerichten, die es in der Welt gibt; „jeder an der Hüfte sein Schwert vor Schrecknis in den Nächten“ d. i. selbst wenn ein Mensch im Traum ein Schwert in seine Hüften einschneiden sieht, was soll er tun? Er gehe in die Synagoge, lese den mit den Worten Schema beginnenden Abschnitt, verrichte sein Gebet, höre den Priestersegen und stimme mit Amen! ein und kein Übel wird ihm schaden, weshalb auch die Söhne Aarons veranlasst wurden, dem Volke den Priestersegen zu erteilen s. Num. 6, 23
R. Simlai legte den Vers auf die 24 Priester- und 24 Levitenwachen und die zwölf Teilungen aus. „Sein Bett“ d. s. die Stäbe und Stämme, „Salomos“ d. i. des Königs, dem der Friede gehört; „sechzig Helden ringsum“ d. s. die 24 Priester- und Levitenwachen und die zwölf Teilungen; „von den Helden Israels“ d. i. diejenigen, welche das Volk bewachen ; „alle schwertgerüstet“ d. i. die Gelehrten (Schüler der Weisen), welche den Priestern nach R. Seira und nach R. Jehuda im Namen des Samuel die Anleitung zu den ihnen obliegenden Verrichtungen des Schlachtens, Sprengens, Empfangens und Nehmens (Vergl. Pes. VII, 2 und Menach. I, 1 f.) geben, oder es sind diejenigen gemeint, wie R. Jizchak im Namen des R. Ami bemerkt, welche die Mängel der Opfertiere untersuchen und dafür eine Vergütung aus der Tempeleinnahme erhalten. R. Gidol bar Benjamin im Namen des R. Jisa sagte: Es gab zwei Kriminalrichter in Jerusalem, welche ihren Lohn aus der Tempeleinnahme empfingen. R. Samuel denkt dabei an die Frauen, welche die Vorhänge webten und ebenfalls aus der Tempeleinnahme besoldet wurden. Nach R. Huna erhielten die Frauen die Zahlung für ihre Arbeit, weil er dieselbe für einen Bau ansieht, aus der Kasse für die Tempelausbesserungen; nach R. Samuel dagegen, der die Arbeit wie Opfergaben betrachtet, empfingen sie ihren Lohn aus der angegebenen Kasse. „Kriegskundig“ d. s. diejenigen, welche die Priester lehrten, wie sie ihren Dienst verrichten sollten: „jeder sein Schwert an der Hüfte“ d. s. diejenigen, welche die Priester beim Schlachten warnten, dass sie ja kein Opfer verwerflich und durch Liegenlassen unbrauchbar machen sollten.
R. Jochanan deutete den Vers auf die Synedrien, „die aus sechzig Männern“ bestanden und die Nebusaraddon aus der Mitte des Volkes genommen hatte s. 2 Reg. 25, 19; „von den Helden Israels“ d. s. die elf Männer s. das. 25, 18. 19: „Und es nahm der Oberste der Scharfrichter Seraja u. s. w. Und aus der Stadt nahm er einen Hämling (cyrc)“ d. i. der Ausgezeichnetste des Gerichtshofes. Warum heißt er cyrc? Weil er die Halacha scharf entscheidet. „Und fünf Männer von denen, welche vor dem König standen“ d. s. elf. Wenn es dort nur „sieben“ heißt, so sind die beiden beisitzenden Gerichtsschreiber hinzuzuzählen. Oder unter „den Starken Israels“ sind diejenigen zu verstehen, welche die Israeliten mit Heldenmut ausrüsten; „ein jeder mit dem Schwert an der Hüfte“ d. i. nach R. Meir sie lehrten die Halacha der Art, dass sie so scharf wie ein Schwert war, so dass, wenn eine einschlagende Frage vor sie  kam, sie nicht stumpf (zweifelhaft) war. Oder sie behandelten dieselbe mit großer Umsicht und Gründlichkeit, um ein richtiges  Urteil zu ermitteln und mit einer Ängstlichkeit, als wenn ein  Schwert an ihrer Seite und die Hölle vor ihnen geöffnet wäre, der  sie zu entrinnen suchen müssten.
R. Menachem, der Schwiegervater des R. Eleasar bar Abuna sagte im Namen des R. Jacob bar Abina: Wenn eine Frau zu dir in das Lehrhaus kommt, um dich über den Blutfleck und die Menstruation zu fragen, so betrachte sie, als stamme sie von dir  ab (als sei sie deine eigne Tochter), sieh sie nicht an, und fürchte  dich vor dem Gerichte der Hölle (welche der Nacht gleich ist).
Die Rabbinen legten den Vers auf diejenigen aus, welche aus Ägypten zogen. „Sein Bett“ d. s. die Stäbe und Stämme, „Salomos“ d. i. des Königs, dem der Friede gehört, „sechzig Helden“  d. s. die 600000, welche aus Ägypten zogen von zwanzig Jahren  und darüber; „von den Helden Israels“ d. s. die 600000, welche  aus Ägypten zogen von zwanzig Jahren und darunter; „sie alle  schwertumgürtet, kriegsgeübt, jeder sein Schwert an seiner Hüfte“  d. i. in der Stunde, als ihnen Mose im Namen Gottes kurz und  unumwunden (cvmyunvc) gesagt hatte, kein Unbeschnittener dürfe vom Pessachlamm essen s. Ex. 12; 48, da nahm jeder sein Schwert  an die Hüften und beschnitt sich. Wer beschnitt sie? Nach R. Berachja beschnitt Mose, Aaron riss und Josua gab zu trinken s.  Jos. 5, 23, wo aus dem Worte tyns zum zweiten Mal erhellt, dass er,  Josua, es auch das erste Mal verrichtet haben muss.
Es ist gelehrt worden: Bevor der Mensch sich eines Vergehens  schuldig macht, flösst er andern Schrecken und Furcht ein, sowie er sich aber ein Vergehen zu Schulden hat kommen lassen, bemächtigt sich seiner Schrecken und Angst vor andern, was du aus  dem schließen kannst, was Rabbi gesagt hat: Ehe Adam sündigte, vernahm er die Stimme (Gottes) stehend auf seinen Füssen und er fürchtete sich nicht, nachdem er aber gesündigt hatte, fürchtete er sich vor der Stimme und versteckte sich s. Gen. 3, 10. R. Ibo  sagte: In dieser Stunde wurde die Höhe der Statur Adams um hundert Ellen verkürzt. R. Levi sagte: Ehe Adam sündigte, hörte er die Stimme Gottes sanft (mit Ruhe), dann aber, nachdem er  gesündigt hatte, wild (mit Unruhe). Bevor die Israeliten sündigten, sahen sie die Kohorten oben und unten ohne Furcht, Zittern  und Angst, dann aber konnten sie nicht einmal auf das Angesicht  des Vermittlers (Moses) schauen s. Ex. 34, 30. Auch dieser Vermittler machte dieselbe Erfahrung, sagten R. Pinchas und R. Abun im Namen des R. Chanin, er erbebte mit ihnen in der Stunde der Übertretung. Ehe die Israeliten sündigten, da heißt es Ps. 68, 13 von ihnen: „Die Könige der Heerscharen flohen, sie flohen.“ R. Ibo sagte: Es heißt nicht tvabo ykalm die Engel der Heerscharen, sondern tvabo yklm die Könige der Heerscharen d. i. die Könige der Engel. Wer sind diese? Michael und Gabriel, sie  konnten selbst das Angesicht Moses nicht ansehen, als sie aber  gesündigt hatten, vermochte Mose nicht einmal den Anblick ihrer  Schildknappen (Galearen) zu ertragen, nämlich des Zorns und des  Grimms s. Deut. 9, 19. Ehe sich David von der Leidenschaft (zu  Bathseba) hinreißen ließ, sprach er Ps. 27, 1: „Der Ewige ist mein Licht, mein Heil, vor wem soll ich mich fürchten?“ Dann aber heißt es 2 Sam. 17: „Ich überfalle ihn (will ihn überfallen), während er müde und schlaff ist.“ Bevor Salomo sich dem Hochmut hingab, hielt er Sänger und Sängerinnen, wie es heißt Koh. 2, 8: „Ich  verschaffte mir Sänger und Sängerinnen“ d. i. männliche und weibliche Saitenspieler, „und Lustbarkeiten der Menschenkinder“ d. i. Badehäuser, „Tragsessel und Sänften“ d. i. männliche und weibliche Dämonen, welche sie (die Badehäuser) heizten. Dann aber musste  er von sechzig Helden, von den Starken Israels seine Lagerstätte  bewachen lassen, wie hier gesagt wird, weil er sich vor den Geistern fürchtete.

V. 9. Ein Prachtbett hat sich König Salomo gemacht. 
R. Asarja im Namen des R. Jehuda im Namen des R. Simon  deutete den Vers auf die Stiftshütte. Gleich einem Könige, bemerkte  R. Jehuda bar Ilai, welcher eine kleine Tochter hatte, ehe sie noch erwachsen war und zu den Zeichen (der Reife) gelangt war, sah  er sie auf der Strasse und redete mit ihr öffentlich in der Durchgangshalle und im Gehöfte; als sie aber herangewachsen war und  die Zeichen der Jungfrau erlangt hatte, sprach er: Es ist nicht  rühmlich für meine Tochter, dass ich mit ihr im Freien spreche,  bereitet ihr einen Pavillon, denn wenn ich ein Bedürfnis  habe, mit ihr zu reden, will ich mit ihr aus dem Pavillon reden,  wie es heißt Hos. 11, 1: „Als Israel noch jung war, da liebte ich es“, in Ägypten sahen sie ihn (Gott) öffentlich s. Ex. 12, 23,  ebenso am Meer s. das. 14, 31, die Lallenden wiesen mit ihren  Fingern auf ihn und sprachen s. das. 15, 2: „Dieser ist mein Gott, ihn will ich verherrlichen“, am Sinai sahen sie ihn von Angesicht zu  Angesicht s. Deut. 33, 2; als sie aber am Sinai das Gesetz empfangen und erklärt hatten Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir befolgen“, da wurden sie eine vollständige  Nation. Gott sprach: Es ist nicht rühmlich für meine Kinder, dass  ich öffentlich mit ihnen spreche, sie mögen mir eine Wohnung bereiten, wenn ich ein Bedürfnis habe, mit ihnen zu sprechen, will ich mit ihnen aus der Wohnung sprechen s. das. 34, 34. So ließ  auch der König Salomo d. i. der König, dem der Friede gehört, eine Wohnstätte aus den Bäumen des Libanon aufführen s. das. 26, 15.

V. 10. Seine Säulen hat er gemacht von Silber s. Ex.  27, 10, von Gold seine Lehne s. das. 26, 29, das Inwendige ist gepolstert mit Liebe d. i.
nach R. Judan der Verdienst wegen der Thora und der Verdienst der Frommen, die sich mit ihr beschäftigen. Nach R. Asarja im Namen des  R. Juda im Namen des R. Simeon ist damit die Schechina gemeint.  Es heißt einmal 1 Reg. 8, 11: „Die Priester konnten dort nicht  stehen, um den Dienst zu verrichten“, und ein anderesmal heißt  es Ezech. 10, 4: ,,Der Hof war voll vom Glanz der Herrlichkeit  des Ewigen.“ Wie lassen sich diese beiden Verse ausgleichen (da  nach dem ersten nur das Haus, nach dem zweiten der ganze Hof  von der göttlichen Herrlichkeit erfüllt war)? R. Josua von Sichnin  sagte im Namen des R. Levi: Das Stiftszelt glich einer Höhle, nahe am Meere. Tritt das Meer aus, so überschwemmt es die Höhle, und diese wird voll Wasser, jenem aber fehlt nichts. Das Stiftszelt war voll vom Glanze der Schechina, die Welt aber hatte darum nicht weniger von der Schechina.
Wann ließ sich die Schechina in die Welt nieder? An dem  Tage, an welchem das Stiftszelt aufgestellt wurde s. Num. 7, I.
R. Jehuda bar R. Ilai deutete den Vers auf die Bundeslade,  welche unter dem Bilde eines Tragsessels hier dargestellt ist. Was  ist ]vyrpa? amvyrp Tragsessel. Einem Könige gleich, welcher eine einzige Tochter hatte, die lieblich, fromm und lobenswert war. Für diese meine Tochter, sprach er zu seinen Dienern, fertigt ihr  keinen Tragsessel? Macht ihr einen solchen, dass die Schönheit meiner Tochter aus dem Tragsessel sichtbar werde! So sprach auch  Gott: Meine Thora ist so lieblich, ausgezeichnet und vortrefflich, und ihr tut nichts für ihre Aufbewahrung? Fertigt ihr eine Lade, dass die Schönheit meiner Thora aus der Bundeslade erkannt werde! Ebenso ließ der König Salomo d. i. der König, dem der Frieden gehört, „von den Bäumen des Libanon“ sich eine Lade machen s.  Ex. 25, 10; 37, 1. „Seine Säulen von Silber“, die zwei nämlich, welche im Innern standen, waren von Silber; „seine Lehne von  Gold“, wie es heißt das. V. 2: „Und er überzog sie mit reinem  Golde;“ „sein Polster von Purpur“ d. i. nach R. Tanchuma der Vorhang, nach R. Bibi aber die Decke, welche wie Purpur aussah:  „sein Inneres ausgelegt mit Liebe von den Töchtern Jerusalems“  d. i. nach R. Judan die Tugendkraft des Gesetzes und seiner Pfleger,  nach R. Asarja im Namen des R. Juda im Namen des R. Simon  die Schechina.
R. Abba bar Kahana sagte: Nach Ex. 29, 43 war sogar der Raum hinter dem Deckel nicht leer von der Schechina. Ein Heide  fragte den R. Josua ben Karcha: Warum sprach Gott aus dem Dornbusche und nicht aus einem andern Baume zu Mose? Wenn  es aus einem andern Baume, wie aus einem Johannisbrotbaum oder einer Sykomore geschehen wäre, so würdest du auch dieselbe Frage getan haben, und ich hätte dir geantwortet, jedoch um dich nicht  leer ausgehen zu lassen, gebe ich dir hiermit die Antwort: Es soll  dir zeigen, dass kein Ort auf Erden, selbst nicht der Dornbusch, leer von der Schechina ist; selbst aus dem Dornbusch sprach Gott mit ihm.
Oder unter ]vyrpa ist das Heiligtum (der Tempel) zu verstehen, welchen der wirkliche König Salomo (yadv hmls) aus Bäumen vom Libanon erbaute s. 2 Chron. 2, 7. „Seine Säulen waren von Silber“ s. 1 Reg, 7, 21; „seine Lehne von Gold“, wie gelehrt worden ist: Das ganze Haus war, mit Ausnahme der Hinterseiten der Türen, mit Gold überzogen. Allein nach R. Jizchak bezieht sich das nur auf den zweiten Tempel, beim ersten Tempel waren  selbst die Hinterseiten der Türen mit Gold überzogen. Es wurden,  wie angegeben wird, sieben Arten von Gold dabei verwendet:  1) gutes Gold vergl. Gen. 2, 12, wo das Gold gut genannt wird; denn nach R. Jizchak ist derjenige glücklich, der es in seinem Hause, sowie derjenige, der es zum Geleite (auf Reisen) hat. 2) reines Gold d. i. solches, an dem, wenn es in den Ofen gebracht worden war, nichts fehlte. R. Juda im Namen des R. Ami sagte: Salomo ließ 1000 Talente Gold tausendmal ins Feuer bringen, bis dieselben  auf ein Talent zu stehen kamen. Es ist aber doch gelehrt worden,  dass R. Jose bar R. Jehuda gesagt hat: An dem Leuchter im salomonischen Tempel, obgleich er 80 mal ins Feuer gebracht war,  fehlte gegenüber dem in der Wüste gefertigten Leuchter nicht mehr  an Gewicht als ein gordianischer Denar beträgt? Das war dort der  Fall, allein hier fehlte sehr wenig daran. 3) getriebenes (gestrecktes) Gold, was dehnbar wie Wachs ist; hadrianisches hatte das Gewicht  eines Ei, diocletianisches dagegen das Gewicht eines gordianischen  Denars. 4) „verschlossnes Gold“, weil es verschlossen war vor allen Goldbesitzern (denn keiner derselben besaß ähnliches). Es heißt doch aber 1 Chron. 29, 4: „7000 Zentner geläutertes Silber war zur Überziehung der Wände  gebraucht worden“, war es denn Silber, es war doch Gold? Allein  es wird hier Silber genannt, weil es alle Goldinhaber beschämte (als  gering erscheinen ließ) und aus ihm waren alle Gerätschaften gefertigt, wie Schwerter, Sägen, Schaufeln, Messer, Opferschalen,  Fleischgabeln, Löffel und Feuerpfannen. Nach R. Jizchak von Magdala sind es Schlüssel. R. Simai sagte: Es ist das Loch, worin die Türangel sich bewegt, um dir zu lehren, dass selbst eine geringfügige Sache im Heiligtum nicht fehlte. 5) geschiedenes Gold,  welches, wie R. Patriki, der Bruder des R. Derusa im Namen des  R. Abba bar R. Buna sagte, dem Schwefel gleicht, der im Feuer funkelt. Nach R. Abun hat es den Namen von seinem Lande Uphas  (zpva) ( Vergl. Dan. 10, 5.). 6) geläutertes Gold. Es ist solches, sagte man bei R.  Janai, welches wie Ölbeeren geschnitten werden kann und womit  man die Straussen füttert und es geht geläutert fort. Bei R. Judan  bar R. Simeon dagegen wurde gesagt: es ist solches Gold, das, wenn es auch sieben Jahr im Mist vergraben war, trotzdem geläutert herauskommt. 7) Gold von Parvaim s. 1 Chron. 3, 6. Diesen  Namen hat es nach Resch Lakisch daher, weil es dem Stierblute  ähnlich sieht, nach anderen, weil es fruchtbar war, denn als Salomo  den Tempel baute, bildete er davon alle Arten von Bäumen und zur  Zeit, wo die Bäume des Feldes Früchte trugen, trugen auch die im Heiligtum stehenden Bäume Früchte und sie ließen dieselben herabfallen und man sammelte sie und verwandte sie zur Ausbesserung des Hauses. Diese Bäume verdorrten zurzeit, als Manasse das Götzenbild im Tempel aufstellen ließ s. Nach. 1, 4, aber einst wird Gott sie wieder bringen s. Jes. 35, 2.
„Sein Polster von Purpur“ s. 2 Chron. 3, 14; „sein Inneres ausgelegt mit Liebe“ d. i. nach R. Judan das Verdienst der Thora und der Gerechten, die sich mit ihr beschäftigen. Nach R. Asarja im Namen des R. Juda im Namen des R. Simon ist dabei an die Schechina zu denken.
Oder „das Prachtbett“ stellt die Welt vor, welches „der König Salomo“ d. i. der König, dem der Friede gehört, „aus den Bäumen  des Libanon“ d. i. aus dem unteren (irdischen) Allerheiligsten erbaute; denn so ist gelehrt worden: Als die Bundeslade genommen  war, fand sich daselbst ein Stein aus den Zeiten der ersten Propheten vor, welcher hyts genannt wurde, weil er als Grundstein der Welt galt s. Ps. 50, 2. „Die Säulen von Silber“ bedeuten die  Adelskette (]ycxy tlsls), „die Lehne von Gold“ geht auf die Erd- und Baumfrüchte, welche für Gold verkauft werden, „betreffs des Polsters von Purpur“ s. Deut. 33, 26; „sein Inneres mit Liebe geschmückt“ d. i. nach R. Judan das Verdienst der Thora und der Gerechten, welche sich mit ihr beschäftigen, oder nach R. Asarja im Namen des R. Juda im Namen des R. Simon die Schechina.
Oder unter ,,dem Prachtbett“ ist der Thron der göttlichen Majestät zu verstehen, „welchen sich der König Salomo“ d. i. der König des Friedens „von den Bäumen des Libanon“ d. i. das obere  (überirdische) Allerheiligste machte, das dem unteren (irdischen) Allerheiligsten entsprach s. Ex. 15, 17; „seine Säulen von Silber“ vergl.  Hi. 26, 11; „seine Lehne von Gold“ d. i. von den Worten des Gesetzes s. Ps. 19, 11 ; „sein Polster von Purpur“ vergl. Ps. 68, 34;  „sein Inneres ausgelegt mit Liebe.“ R. Berachja und R. Bun sagten  im Namen des R. Abuhu: Vier majestätische Geschöpfe gibt es, es ist der Adler unter den Vögeln, der Ochs unter den Landtieren,  der Löwe unter den Waldtieren, das höchste unter allen aber ist der Mensch, und alle hat Gott der Heilige, gebenedeiet sei er, genommen und in den Thron der Herrlichkeit gegraben, wie es Ps. 103, 19 heißt: „Der Ewige hat seinen Thron in den Himmeln errichtet“ d. i. über alle Hohen, woraus du erkennen kannst, dass er  über alles herrscht.

V. 11. Gehet heraus und sehet, ihr Töchter Zions d. i.
ihr Söhne, die ihr für mich so mannigfach gekennzeichnet seid durch Haarscheren, Beschneidung und Schaufäden.
und seht euch an Salomo, den König d. i. den König, der alle seine Schöpfungen so vollkommen eingerichtet hat. Er hat Sonne und Mond in ihrer Fülle, die Sterne und den Tierkreis in  ihrer Fülle geschaffen. Bar Kapra sagte: Adam und Eva wurden erschaffen, als wären sie zwanzig Jahre alt. „Den König Salomo“  d. i. den König, dem der Friede gehört.
Oder unter „dem Könige“ ist derjenige gemeint, welcher seine  Werke für seine Geschöpfe unschädlich gemacht hat (vytvyrbl  vysim ,ylshs), wie beispielsweise das Feuer für unsern Vater Abraham, das Schwert für Jizchak, den Engel für Jacob. Oder unter „dem Könige“ ist der König gemeint, welcher Frieden zwischen seinen Geschöpfen stiftete, wie R. Simeon ben Jochai gelehrt hat: Die Veste besteht aus Schnee, und die Tiergestalten sind von Feuer s. Ezech.  1, 13. 22 und jener löscht diese und diese löschen jenen nicht aus.  Michael ist der Fürst des Schnees, Gabriel der Fürst des Feuers, und jener löscht diesen und dieser jenen nicht aus, und einer schadet dem andern nicht. Nicht nur zwischen einem Engel und dem andern,  sagte R. Abin, sondern sogar zwischen einem Engel, der halb Schnee  und halb Feuer ist und fünf Gesichter hat, macht Gott Frieden. Er hat fünf Gesichter, denn es heißt Dan. 10, 6: „Sein Leib war  Chrysolith und sein Gesicht wie das Ansehen des Blitzes“ u. s. w., und das eine schadet nicht dem andern. Einmal heißt es Ps. 104, 3: „er wölbt in Wassern seine Söller“ und ein anderesmal heißt es  Deut. 4, 24: „denn der Ewige, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer“, ebenso Dan. 7, 9: „sein Stuhl war Feuerflammen und dessen Räder lodernd Feuer“, und dennoch vernichtet das eine nicht das andere.  R. Jochanan sagte: Es heißt Hi. 25, 2: „Er macht Frieden in seinen Höhen“ d. i. die Veste besteht aus Wasser und die Sterne sind von Feuer und sie tun sich einander keinen Eintrag; niemals hat die Sonne die Risse des Mondes (d. i. die Hörner des abnehmenden  Mondes) gesehen.
Jacob vom Dorfe Chanin sagte: Es steht Hi. 25, 2 geschrieben: „Ist nicht die Herrschaft und Furcht bei ihm?“ d. i. jene wird von Michael, diese von Gabriel vertreten; „bei ihm“ d. i. bei ihm sind beide einig (;ymlsvm).
R. Levi sagte: Kein Gestirn steigt vor dem andern in die Höhe,  kein Stern blickt vor dem andern nach dem, was über ihm, sondern nach dem, was unter ihm ist, Wie dieser Mensch, der von einer Leiter berabsteigt und nicht hinter sich sieht. Auch bei den Plagen Ägyptens über Pharao machte Gott Frieden, wie beispielsweise beim Hagel, welcher mit flammendem Feuer vereinigt war  s. Ex. 9, 24. Nach R. Juda ist der Sinn der Stelle dieser: Wie  Flaschen von Hagelstücken voll Feuer, und das eine löschte nicht  das andere aus. R. Chanin sagte: Dieser Vergleich des R. Juda ist der Schale eines Granatapfels ähnlich, die einen Einblick in das Innere der Frucht gestattet. Nach R. Nechemja war das Feuer und der Hagel miteinander vermengt. Dieser Vergleich des R. Nechemja, bemerkte R. Chanin, ist einer Lampe gleich, in welcher Wasser und Öl sich befinden und die Flamme brennt fort und eins löscht nicht das andere aus. Nach den Rabbinen ist das Wort txqltmv zusammengesetzt aus atym und ahlqtm d. i. die Plage vereinigte in sich zwei feindselige sich aufreibende Wesen, um den Willen ihres Schöpfers zu erfüllen. Gleich einem Könige, sagte R. Acha, der zwei harte Legionen hatte, die sich gegenseitig hassten, die aber, als sie sahen, dass ein schwerer Krieg gegen den König ausbrach, sich aussöhnten (Frieden schlossen), damit sie den Krieg für ihren König führen könnten. So sind auch Feuer und Hagel Feinde gegen einander, die aber, als sie sahen, dass es einen Kampf des Königs der Könige, nämlich Gottes des Heiligen, gebenedeiet sei er, gegen die Ägypter galt, Frieden schlossen, damit sie den Krieg Gottes gegen die Ägypter führen könnten. Es war demnach ein Wunder im andern.
In der Krone, womit seine Mutter ihn krönte. Nach R. Jochanan fragte R. Simeon ben Jochai den R. Eleasar bar R. Jose: Hast du vielleicht von deinem Vater gehört, mit welcher Krone seine Mutter ihn (den Salomo) geschmückt hat? Ja, antwortete derselbe Wie war es denn? R. Eleasar antwortete: Gleich einem Könige, welcher eine einzige Tochter hatte, die er allzu sehr (eig. mehr als genug) liebte, er nannte sie meine Tochter und er ließ von seiner Liebe nicht ab, bis er sie meine Schwester, ja sogar meine Mutter nannte. Ebenso liebte Gott die Israeliten allzu sehr, er nannte sie meine Tochter s. Ps. 45, 11 und er ließ von seiner Liebe nicht ab, bis er sie meine Schwester s. Cant. 4, 10, ja sogar bis er sie meine Mutter nannte s. Jes. 51, 4, wo ymaly steht, ohne v, was daher auch ymal meine Mutter gelesen werden kann. R. Simeon erhob sich hierauf und küsste den R. Eleasar am Haupte mit den Worten: Hätte ich nur diese Erklärung aus deinem Munde gehört, so wäre ich schon befriedigt gewesen.
R. Chanina bar Jizchak sagte: Wir haben in der ganzen Schrift gesucht und nicht gefunden, dass Bathseba ihrem Sohne Salomo eine Krone aufgesetzt hat, und du sagst: „mit der Krone, mit welcher ihn seine Mutter schmückte?“ Demnach kann unter der Krone nur das Stiftszelt gemeint sein, das, sowie die Krone mit Edelsteinen und Perlen besetzt ist, mit himmelblauen, purpurfarbenen und karmesinfarbenen Stoffen und Byssus geschmückt war.
R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Du findest, als Gott zu Mose sprach: Mache mir ein Stiftszelt, so hätte er vier Stäbe aufstellen und eine Decke darüber ausbreiten können, so wäre die Wohnung fertig gewesen, aber Gott verfuhr nicht so, sondern er hob ihn in die Höhe und zeigte ihm rotes, grünes, schwarzes und weißes Feuer und sprach zu ihm: „Sowie dieses mache sie.“ Herr der Welt! entgegnete Mose vor Gott, woher soll ich Feuer von so verschiedenen Farben nehmen? Mache sie, sprach Gott, nach dem Muster, was du auf dem Berge gesehen hast s. Ex. 24, 40. Gleich einem Könige, sagte R. Abun, der ein kostbares Bild hatte und von seinem Haussohn (Vertrauten) verlangte, er möge ihm auch ein solches machen, und als dieser vorstellte: Mein Herr König! wie kann ich ein solches Bild machen? „Du erscheinst in deinen Farben, ich aber in meiner Herrlichkeit. So sprach auch Gott zu Mose: Sieh und mache mir ein solches. Herr der Welt! stellte dieser vor, wie kann ich es? Nach dem Muster, antwortete Gott. R. Berachja sagte im Namen des R. Bezaleel: Gleich einem Könige, welcher vor seinem Haussohne (seinem Vertrauten) in einem mit Perlen besetzten schönen Gewande erschien und zu ihm sagte: Mache mir ein ähnliches und die Antwort erhielt: Mein Herr König! wie vermag ich es denn? Ebenso sprach Gott zu Mose: Mache mir ein Stiftszelt! worauf dieser entgegnete: Kann ich denn ein solches machen? Sieh und mache es! entgegnete Gott. Kann ich es denn? sprach wieder Mose. Sowie das, sprach Gott, was du oben siehst, mache das unten. Es steht Ex: 26, 15 geschrieben: „Und mache die Bretter von Akazienholz.“ Es heißt nicht: dymih ,yus yoi sondern: ,ydmvi ,yus yoi d. i. die Akazienbäume „standen“ wie die, welche der oberen Strasse einverleibt sind. Machst du diese von oben unten nach, so verlasse ich meine Ratsherren hier oben, lasse mich herab und beschränke meine Schechina unter euch unten (auf Erden). Wie so? Wie oben Seraphim stehen s. Jes. 6, 2, so sollen auch unten Akazienbäume stehen und wie oben sollen auch unten Sterne sein. Hieraus ergibt sich, sagte R. Chija bar Abba, dass die goldenen Haken im Stiftszelte wie die Sterne am Himmel erschienen.
am Tage seiner Hochzeit d. i. am Tage, wo die Israeliten am Sinai dem Bräutigam glichen.
am Tage seiner Herzensfreude d. s. die Worte des Gesetzes vergl. Ps. 19, 9.
Oder unter „dem Tage seiner Hochzeit“ ist das Stiftszelt und unter „dem Tage seiner Herzensfreude“ ist der Tempel zu verstehen.

 

 

More from our blog

See all posts