Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 4 – Vers 7-16

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V. 7.   Ganz schön bist du, meine Freundin.
V. 8. Mit mir vom Libanon komme, o Braut!
V. 9. Du hast mein Herz getroffen, meine Schwester Braut! Du hast mein Herz getroffen mit deiner Blicke einem, mit einem Kettlein deines Halsschmuckes.
V. 10.    Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester Braut.
V.  11.    Seim träufeln deine Lippen, Braut.
V. 12.    Ein verschlossner Garten  ist meine Schwester Braut.
V. 13. Deine Gewächse im Paradies von Granaten
V. 14.    Narde und Krokus, Kalmus und Zimmt.
V. 15. Ein Gartenquell, ein Brunnen lebendigen Wassers.
V.  16.    Auf Nord, komme Süd.


V. 7.   Ganz schön bist du, meine Freundin.
Diese Worte lassen sich auf unsern Vater Jacob anwenden, da seine Lagerstätte makellos war und nichts Verwerfliches darin sich fand. Was heißt das: „Ganz schön bist du, meine Freundin?” R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Als die Israeliten, am Berge Sinai stehend, sprachen Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir tun und gehorchen”, befanden sich keine Blutflüssigen, Aussätzigen, Lahmen, Blinden, Stummen, Tauben, keine Verrückten und Wahnsinnigen, keine Unbesonnenen und Zweifler unter ihnen, und auf diesen Zeitpunkt lassen sich obige Worte anwenden. Mit der Fertigung und Anbetung des goldenen Kalbes nach wenigen Tagen aber stellten sich alle die genannten Übel ein, da erhielten die Israeliten den Befehl s. Num. 5, 2, alle Aussätzigen aus dem Lager zu entfernen.
R. Chelbo fragte: Warum macht die Schrift Num. 7, 12 Jehuda zu einer Nebenperson? Damit er sich nicht brüste und spreche: Weil ich zuerst (am ersten Tage) geopfert habe, so bin ich der Größte unter euch allen. Gott wollte aber zeigen, dass er es so ansehe, als hätten alle am ersten und am letzten Tage geopfert.
R. Eleasar sagte: Es heißt das. V. 84: „Das waren die Gaben zur Einweihung des Altars, am Tage als er gesalbt wurde.“ Brachte nicht jeder von ihnen eine Schale, einen Becher u. s. w. dar? Warum heißt es noch einmal: zwölf silberne Schüsseln, zwölf silberne Schalen, zwölf goldne Becher? Allein damit nicht Jehuda sage: Da ich zuerst dargebracht habe, so bin ich größer als ihr alle; Gott wollte eben zeigen, dass er es so ansehe, als hätten alle am ersten und am letzten Tage geopfert. R. Berachja sagte: Weil nach dem Segen, den der sterbende Vater Jacob jedem seiner Söhne erteilte, geschrieben steht Gen. 49, 28: „Alle diese sind die zwölf Stämme Israels“ u. s. w., so folgt daraus, dass er sie alle nochmals insgesamt segnete. Vorher hatte er sie mit Tieren verglichen, Jehuda mit dem Löwen s. das. V. 9, Dan mit der Schlange s. V. 17, Naphthali mit einer Hindin s. V. 21, Benjamin mit einem Wolfe s. V. 27, zuletzt verglich er sie alle mit den erwähnten Tieren, was du auch daran erkennen kannst, dass Dan hier eine Schlange und auch ein junger Löwe genannt wird s. Deut. 33, 22.
R. Idi sagte: Wir finden bei den Opfern, dass alle Stammfürsten ohne Unterschied ein und dieselben Gattungen dargebracht haben, nämlich Brandopfer, Speisopfer, Sündopfer, Friedensopfer, woraus sich schließen lässt, dass sie alle vollkommen und von gleichem Range waren. Warum hebt nun die Schrift (Ex. 6, 14-27) die drei Männer Ruben, Simeon und Levi noch besonders hervor? Darüber sind R. Chanina und R. Levi geteilter Meinung. Der eine sagte: Weil ihr Vater sich gegen sie heftig ausgelassen hatte s. Gen. 49, 1-7, der andere sagte: Um die Abstammung Moses und Aarons hervorzuheben. Da R. Judan im Namen des R. Jehuda bar R. Simon im Namen des R. Huna auf die angegebenen Stämme den Spruch Salomos Prov. 15, 31 angewendet hat: „Das Ohr, welches auf Zurechtweisung des Lebens merkt, findet einst mitten unter den Weisen seine Stätte“, so muss der erste Grund dem Huna angehören, weil sie also die Ermahnung ihres Vaters beherzigten, so wird ihr Geschlechtsverzeichnis neben dem des Mose und Aaron niedergeschrieben und darum heißt es hier: „Du bist ganz schön,“
R. Jehuda gibt für die besondere Erwähnung der angegebenen Stämme Ruben, Simeon und Levi diesen Grund an: Weil nur sie allein und nicht auch die anderen ihre Abstammung in Ägypten bewahrt hatten. R. Nechemja sagte wieder: Weil alle Stämme Götzendienst in Ägypten getrieben hatten, nur Ruben, Simeon und Levi nicht. Die Rabbinen endlich sagen: Weil nur sie und nicht auch die anderen Stämme eine gewisse Herrschaft über Israel ausübten. Starb Ruben, so ging die Herrschaft auf Simeon über, starb dieser, so ging sie auf Levi über, als sie aber an Jehuda kommen sollte, rief eine Tochterstimme: „Lasset sie auf sich beruhen, bis der rechte Zeitpunkt wird eingetreten sein!“ Wann war das? Nach dem Tode Josuas s. Jud. 1, 2. Othniel (welcher der erste war, der nach Josuas Tod in den Krieg zog) hatte drei Namen: Jehuda, Othniel und Jabez d. i. nach R. Berachja und R. Levi im Namen des R. Chama bar R. Chanina: Boas. Allein R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Jabez ist Othniel und verweist dabei auf Ezech. 22, 18. 19, wo es heißt: „Das ganze Haus Israel ward mir zum Gemisch von Kupfer, Zinn“ u. s. w. und Sacharja sagte: Ich sah sie (die Gemeinde Israels) ganz aus Gold s. Sach. 4, 2. 3. Über die Bedeutung des in letzterem Verse vorkommenden Wortes hlvg sind zwei Amoräer verschiedener Meinung. Der eine sagt: hlvg bedeute soviel wie Verbannung, der andere liest hlavg Erlösung. Nach demjenigen, welcher sagt, dass das Wort soviel wie Verbannung bedeute, ist der Sinn: sie zogen nach Babylon und die Schechina zog mit ihnen; derjenige dagegen, welcher das Wort im Sinne von Erlösung (hqvrp Befreiung) nimmt, verweist auf Jes. 47, 4. Dennoch spricht Gott: Du bist ganz schön, meine Freundin, es ist kein Makel an dir.

V. 8. Mit mir vom Libanon komme, o Braut!

Das sagt Gott. Es ist gelehrt worden: Einer Jungfrau werden von dem Augenblicke an, wo der Mann um ihre Hand angehalten hat, zwölf Monate zu ihrer Vorbereitung mit allem Nötigen bewilligt, ich aber (spricht Gott) habe anders gehandelt, als ihr noch mit Lehm und Ziegeln zu tun hattet, habe ich euch schon erlöst (mich eurer angenommen); Achaschverosch dagegen ließ das Mädchen, das er an Vaschti’s Stelle zur Gemahlin nehmen wollte, erst dann vor sich, nachdem sie sich sechs Monate zuvor mit Myrrhenöl d. i. nach R. Jehuda bar Ezechiel mit Stakte, oder nach R. Janai mit Omphacinum vorbereitet hatte, welches das Haar beseitigt und die Haut des Körpers glättet und ich habe nicht so getan. R. Berachja  und R. Jeremja  sagten im Namen  des R. Chija bar Abba, dass R. Levi bar Sisi in Neharda vorgetragen habe: Es steht Ex. 24, 10 geschrieben: „Sie (Mose, Aaron, Nadab, Abihu und die 70 Ältesten) sahen den Gott Israels, und unter seinen Füssen war es wie Arbeit von schönem Saphir. Dies sahen sie unter Gottes Füssen, so lange sie nicht erlöst waren, dann aber, als sie erlöst waren, lag der Ziegelstein an dem Orte, wohin er gelegt zu werden pflegt.
R. Berachja sagte: Es steht hier nicht hsim das Werk, sondern hsimk d. i. es (das Werk) und sein ganzes Werkzeug (hyylgra) wie Korb, Schaufel u. s. w.
Bar Kapra sagte: Vor dem Auszuge der Israeliten aus Ägypten war ein Zeichen am Himmel sichtbar, welches nach ihrem Auszuge aber nicht mehr in dem Gewölk sichtbar war. Was ist der Sinn der Worte s. das. V. 10: „Und wie der Himmel selbst an Klarheit?” Der Himmel war rein von Wolken. Gott sprach zu den Israeliten: Als ich euch nach Babylon vertrieb, war ich mit euch s. Jes. 43, 14, wenn ihr wieder zu der erwählten Wohnstätte zurückkehrt, was bald geschehen wird, werde ich auch mit euch sein, wie es heißt: „mit mir vom Libanon, o Braut, sollst du kommen.” R. Levi sagte: So hätte die Schrift nicht sagen sollen, sondern: „Mit mir nach dem Libanon, o Braut”, warum heißt es: vom Libanon? Allein vom Heiligtum macht Gott sich auf und zieht dann die Völker der Welt zur Rechenschaft. Nach R. Berachja zieht Gott in drei Stunden den ruchlosen Esau und seine Stammfürsten zur Rechenschaft. Warum? S. Ps. 12, 6 d. i. nach R. Simeon bar R. Janai, in der Zeit, wo Jerusalem mit Asche bestreut ist vergl. Jes. 52, 2. „In dieser Zeit sei alles Fleisch stille vor dem Ewigen” (vergl. Sach. 2,13). Warum? Denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Stätte, wie die Henne, sagte R. Acha, welche vom Flügel den Staub (d. i. den Staub von den Flügeln) abschüttelt.
Schau vom Gipfel Amanas.
R. Hunja sagte im Namen des R. Justa: Einst werden die Rückkehrenden aus der Verbannung, wenn sie an den Taurus Amanus kommen, den 98. Psalm singen, und die Völker der Welt werden sie als Lictoren (Scharfrichter) dem Messias zuführen. Das Wort yrvst bedeutet nichts anderes als die Geschenke, welche dem Messias dargebracht werden s. 1 Sam. 9, 7, wie es bereits in den Zeiten Chasaels mit dem Propheten Elisa sich zugetragen hat s. 2 Reg. 8, 9: „Und so ging ihm Chasael entgegen und nahm Geschenke mit sich und alle Güter von Damaskus, eine Last für vierzig  Kamele.” R. Jehuda tat die Frage: Betrugen denn alle Güter von Damaskus   nur eine Last von vierzig Kamelen? Allein es soll dir gelehrt werden, dass er einen Edelstein und Perlen hatte, für deren Geld alle Güter von Damaskus hingegeben werden konnten, und du sagst: er nahm Geschenke mit sich und   alle Güter von Damaskus? Allein sie selbst werden einst Geschenke dem Messias darbringen vergl. Jes. 66, 20. Was bedeutet das Wort tvrkrkbv? Es sind Tragen (Bahren), wie jene Greise, bemerkte R. Berachja im Namen des R. Jehuda, die in keinen Reisewagen (carruca) geführt werden  können,  weshalb man sie auf einer Bahre trägt vergl. Ps. 29, 7, wo es nach R. Acha nicht heißt: Völker, bringt dem Ewigen die Familien, sondern: Familien, bringt dem Ewigen die Völker, die Israeliten zurück, und zwar nicht auf eine verächtliche, sondern auf ehrenvolle, würdige Weise. Weshalb? Weil sie ein Lob- und Danklied am Meere gesungen haben. R. Nachman aber sagt:  Wegen des „Glaubens (hnma)”,  den Abraham bewiesen hat  s. Gen. 15, 6. R. Chelbo sagte im Namen des R. Jochanan: Es steht Gen. 14, 13 geschrieben: „Die Israeliten sahen die große Macht, die der Ewige an Ägypten bewiesen und sie  glaubten an  den  Ewigen”,  soeben hatte sie Gott (durchs Meer) geleitet, sie aber glaubten dennoch nicht. Glaubt denn ein Mensch das nicht, was er sieht? Gewiss, allein hier ist der Glaube zu verstehen, den sie in Ägypten gezeigt haben s. Ex. 4, 31. Oder: „Schau vom Gipfel Amanas” d. i. des Glaubens (hnvma), auf welchen Abraham gestanden.
vom Haupte Senirs und Hermons d. i. Jizchak, der, sowie „der Senir” sich nicht umpflügen und besäen lässt, für Versuchung nur ein einziges Mal empfänglich war; und „Hermon” d. i. Jacob, von dem, sowie der Hermon alle seine Güter in seinem Grunde birgt, alle Würden des Priester-, Leviten- und Königtums stammten.
von Lagerstätten der Löwen d. i. von dem Sitze der Völkerschaften Sichon und Og, welche wie die Löwen wild und stark waren und, obschon sie nur um eine Tagereise von einander getrennt waren, sich dennoch nicht gegenseitigen Beistand leisteten.
von Bergen der Leoparden, nämlich der Kanaaniter, die wie der Leopard so frech waren s. Jos. 8, 17. Nach R. Berachja im Namen des R. Eleasar hätten die Israeliten über den Fall Sichons und Ogs ein Siegeslied singen sollen und ebenso Chiskia über den Fall Sancheribs, allein dieser unterließ es aus Stolz s. 2 Chron. 34, 25. Du siehst doch aber Chiskia als König und Gerechten, wie kannst du sagen: sein Herz war stolz? Allein er war zu stolz, um ein Siegeslied anzustimmen. Der Prophet Jesaja kam zu ihm und seinem Kollegium und forderte sie zum Singen auf s. Jes. 12, 5, er erhielt aber die Antwort: Das Grosse was geschehen, ist bereits auf der ganzen Erde bekannt (s. das.). Nach R. Abba bar Kahana soll Chiskia gesagt haben: Das Gesetz, mit dem ich mich beschäftige, sühnt das (unterlassene) Lied. Nach R. Levi gab Chiskia zur Antwort: Wozu brauchen wir die Wunder und Grosstaten Gottes zu preisen? Dieselben sind schon bekannt von einem Ende der Welt bis zum andern. Hat nicht schon die Sonnenkugel mitten am Himmel still gestanden? Haben sie nicht die Wunder und Grosstaten Gottes bis ans Ende der Welt gesehen? R. Ismael bar R. Jose im Namen des R. Abba sagte: Haben nicht Pharao, König von Ägypten und Thirhaka, König von Äthiopien, ein solches Wunder erfahren und sind gekommen, um Chiskia beizustehen? Dies hatte Sancherib bemerkt. Und was tat dieser Frevler? Am Abend fesselte er sie, und mitternachts zog ein Engel aus und schlug Sancheribs Heere s. Jes. 37, 36; am frühen Morgen fand Chiskia sie in Fesseln. Es dünkt mich, sprach er, dass sie mir zu Hilfe gekommen sind, er löste ihre Fesseln und sie erzählten die Wunder- und Grosstaten Gottes s. Jes. 45, 14: „So spricht der Ewige: Der Erwerb Ägyptens und der Gewinn Äthiopiens“ u. s. w. „Der Erwerb Ägyptens“ d. i. Pharao, „und der Gewinn Äthiopiens“ d. i. Thirhaka, König von Äthiopien, „und der Sabäer, Leute von großer Länge“ (s. das.) d. s. ihre Heere, „wird zu dir übergehen“ d. i. Chiskia und sein Kollegium, „und dein sein“ d. i. sie sind dir bereits übergeben, „dir folgen sie, in Fesseln einherziehend“ d. i. in Ketten und eisernen Fesseln, „sie huldigen dir“‘ d. i. Jerusalem, „zu dir flehen sie“ d. i. das Heiligtum, und was sprechen sie? „Nur bei dir ist Gott und keiner mehr, keine Gottheit weiter.“ Da sprach Jesaja vor Gott (s. das. 45, 5): „Führwahr, du bist ein verborgner Gott.“ Was bedeutet das Wort ]ka? Soviel wie ]kya, wie bist du ein verborgner Gott? Fürwahr (]ka), du besitzest die Macht zu helfen (eig. in dir ist Kraft und Stärke), aber du verbirgst dich. Gott sprach zu ihm: „Der Gott Israels ist ein Retter“, ich werde umkehren und Rache üben. R. Josua ben Levi sagte: Wenn Chiskia wegen Sancheribs Fall ein Danklied gesungen hätte, so wäre er zum König Messias und Sancherib als Gog und Magog erklärt worden, so aber bediente er sich nur der Worte des Psalmisten 20, 7—10: „Nun weiss ich, dass der Ewige seinem Gesalbten hilft u. s. w. Ewiger, hilf dem Könige! Er erhört uns, wenn wir zu ihm rufen.“

V. 9. Du hast mein Herz getroffen, meine Schwester Braut! Du hast mein Herz getroffen mit deiner Blicke einem, mit einem Kettlein deines Halsschmuckes.
Gott spricht hier: In Ägypten hatte ich nur ein Herz für euch, ihr aber gabt mir zwei Herzen“, „du hast mein Herz getroffen mit einem deiner Blicke“, nämlich mit dem Blute des Pessachlammes und mit dem Blute der Beschneidung, „mit einem Kettlein von deinem Halsschmuck“ d. i. Mose, der Auserkorene und mächtigste unter deinen Stämmen.
Oder Gott spricht: Am Meere zeigte ich nur ein Herz für euch, ihr aber gabt mir zwei Herzen (d. i. ihr wäret geteilten Sinnes), „du hast mein Herz getroffen mit einem deiner Blicke“, nämlich dass ihr standet vor mir am Sinai und spracht Ex. 24,  7: „Alles, was der Herr gesprochen, wollen wir tun und gehorchen.“ (Schluss wie oben).
Oder Gott spricht: In der Wüste hatte ich nur ein Herz für euch und ihr gabt mir zwei Herzen, „du hast mein Herz getroffen durch einen deiner Blicke“ d. i. ihr versöhntet mich durch die Errichtung der Stiftshütte durch Mose s. Num. 9, 1.   (Schluss wie oben).
Manche sagen: Die Weiber des Wüstengeschlechts waren tugendhaft. Als das goldene Kalb gefertigt werden sollte, berieten sie sich und gaben nichts von ihren Ringen zu dem bewussten Zweck her, und da sie hörten, dass sie mit ihren Männern (weil sie der Abgötterei verfallen) sich nicht einlassen dürften, verschlossen sie denselben ihre Pförtchen.
Oder Gott spricht: Ich hatte nur ein Herz für euch bei den Kundschaftern, ihr aber gabt mir zwei Herzen, nämlich Josua und Kaleb u. s. w. s. Num. 14, 6.
Oder Gott spricht: In Schittim hatte ich nur ein Herz für euch, ihr aber gabt mir zwei Herzen, „du nahmst mich ein durch einen deiner Blicke“ d. i. durch Pinchas s. Ps. 106, 30. 31, „und durch ein Kettlein deines Halsschmuckes“ d. i. durch Mose.

V. 10.    Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester Braut.
R. Berachja und R. Chelbo  sagten im Namen des R. Samuel bar Nachman: An zehn Stellen, sechsmal hier und viermal in den Propheten wird Israel eine Braut genannt; sechsmal hier, nämlich: „Komm vom Libanon, o  Braut“, „du hast mein Herz getroffen, meine Schwester Braut“,  „wie schön   sind deine Brüste, meine Schwester Braut“, „Seim träufeln deine Lippen,   Braut“, „ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut“,  „ich ging in meinen Garten, meine Schwester, Braut“; viermal in den Propheten, nämlich Jerem. 7, 34: „Stimme der Freude, Stimme der Fröhlichkeit, Stimme des Bräutigams, Stimme der Braut“, Jes. 61, 10: „Des Segens Mantel legt  er mir um, wie ein Bräutigam den prächtigen Kopfschmuck und wie die Braut ihr Geschmeide anlegt“, das. 49, 18: „Du sollst sie dir anlegen wie die Braut“,  das. 62, 5:  „Wie ein Bräutigam sich freut über die Braut“;  entsprechend  den zehn Gewändern, mit denen sich Gott bekleidet, nämlich Ps. 93, 1: „Der Ewige ist König mit Hoheit bekleidet“, das.: „Mit Macht gekleidet“, das.:  „umgürtet“, Jes. 59, 17: „Er ziehet Gerechtigkeit an wie den Panzer“, das.: „Er ziehet der Rache Kleider an“,  das.: „er ist angetan“, das,: „er hüllt sich in den Mantel des Eifers“, das. V. 63: „Er ist geschmückt in seinem Gewande“,  das. V. 2:  „Warum ist rot dein Gewand?“ Ps. 104, 1: „Mit Glanz und Pracht bekleidet“, um die Völker der Welt zu bestrafen, welche die  Israeliten von der Ausübung der zehn Gebote abgehalten haben, durch welche sie wie eine Braut verhüllt erschienen.
wie viel lieblicher deiner Salben Duft als alle Gewürze.
R. Samuel bar Nachman sagte: Wie dieses Öl, wenn du es bereitest, vielerlei Düfte verbreitet, so wirst du, wenn du diesen Vers auslegst, viele schöne Gedanken darin finden.

V.  11.    Seim träufeln deine Lippen, Braut.
R. Darusa und R. Jeremja sagten im Namen des R. Samuel bar Jizchak: 600000 Propheten traten in der Zeit des R. Elia unter den Israeliten auf. Nach R. Jacob im Namen des R. Jochanan waren es 1200000, denn letzterer hat diese Berechnung gemacht: Von Gibea bis Antipatris waren 600000 Städte und keine von allen waren so berüchtigt wie Bethel und Jericho, welche Josua verflucht hat. Daselbst standen die beiden Kälber Jerobeams, und dennoch heißt es von ihr: Es kamen junge Propheten von da zu Elisa s. Reg. 2, 3, welche doch mindestens zwei gewesen sein müssen, ihre prophetischen Reden (]tavbn) sind aber nicht veröffentlicht (niedergeschrieben), weil es deren für die zukünftigen Geschlechter nicht bedurfte. R. Berachja sagte im Namen des R. Chelbo: Es sind auch ebensoviel Prophetinnen unter den Israeliten aufgetreten, welche Salomo hier (in obigen Worten) bekannt werden lässt.
R. Huna und R. Chalaphtha von Cäsarea sagten im Namen des R. Simeon ben Lakisch: Wie die Braut mit 24 Zierraten (die Jes. 3, 18-23 angegeben sind) sich schmückt und nichts daran fehlt, so soll auch der Schriftgelehrte mit dem Inhalt aller 24 Bücher vertraut sein, und es soll ihm keins davon fehlen. Und wenn eine davon fehlt, so ist es so, als wenn alle nicht da wären, so wenn ihm ein Buch daran (an seiner Kenntnis) fehlt, ist es so, als wenn er sie alle nicht kennte
R. Huna sagte im Namen des R. Simeon ben Lakisch: Wie die Braut soll auch der Gelehrte bescheiden (ivno) sein.
R. Chalaphtha sagte im Namen des Resch Lakisch: Wie die Braut sitzend im Tragsessel spricht (ayrvpb): Seht, dass ich rein bin, und hier ist mein Zeugnis, das für mich zeugt, so soll auch der Gelehrte keinen Makel an sich haben.
R. Eleasar bar R. Simeon sagte: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, die den Zuhörern nicht wie das feine Mehl im Siebe, oder wie Seim angenehm sind, der sollte lieber nicht reden. Ganz ähnlich äußerte sich auch R. Jose bar Chanina: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, die nicht ihren Zuhörern so süß wie Honig sind, welcher aus der Honigzelle kommt, der sollte lieber nicht reden. Die Rabbinen sagten: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, welche den Zuhörern nicht so angenehm sind wie Honig und Milch vermischt, der sollte lieber nicht reden. R. Jochanan sagte: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, welche den Zuhörern nicht so gefallen, wie eine Braut unter dem Trauhimmel den Menschenkindern gefällt, der sollte lieber nicht reden. Resch Lakisch sagte: Wer öffentliche Vorträge über die Worte der Thora hält, die den Zuhörern nicht so gefallen wie die Braut ihrem Manne in der Stunde der Trauung, der sollte lieber nicht reden.
unter deiner Zunge ist  Milch  und Honig.
R. Berachja sagte: es ist doch keine Feuchtigkeit so eklig, wie die unter der Zunge (der Speichel), und du sagst: unter deiner Zunge ist Milch und Honig? Es liegt aber den Worten dieser Sinn zu Grunde: Wenn schon die stumpfen (unverständlichen) Halachot unter deiner Zunge dem Honig und der Milch gleichen, wie erst die fest begründeten! R. Levi sagte: Auch auf den, welcher einen Vers mit Verständnis und gehöriger Betonung liest, lässt sich sagen: Milch und Honig ist unter deiner Zunge.
Und deine Gewänder sind wie des Libanons Duft.
Es steht Gen. 27, 27 geschrieben: „Jacob trat hinzu und küsste ihn (seinen Vater Jizchak) und er roch den Geruch seiner Kleider, und er segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der Ewige gesegnet hat.“ Es verbreitet doch aber, fragte R. Jochanan, nichts einen so üblen Geruch wie Ziegenhaar, und du sagst: er roch den Duft seiner Kleider? Allein mit unserem Vater Jacob zog ein Duft aus dem Paradiese ein. Das stimmt mit dem überein, was Jizchak zu ihm sagte: Der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, welches der Ewige gesegnet hat. Als aber der ruchlose Esau zu seinem Vater kam, zog mit ihm der Duft der Hölle ein. Warum? S. Prov. 11, 18: „Kommt Übermut, so kommt Schmach.“ Das stimmt wieder mit dem überein, was Jizchak zu ihm sagte: „Wer bist du (avp ym)?“ d. i. wer wird in diesem Ofen (d. i. in der Hölle) gebacken (verbrannt  hpab ym) Darauf antwortete der heilige Geist: Der Jäger.
R. Eleasar bar R. Simeon fragte den R. Simeon bar R. Jose ben Lakunja: Haben die Israeliten Webegeräte in der Wüste mit sich geführt? Nein, war die Antwort. Wovon haben sie sich denn während ihrer 40jährigen Wanderung gekleidet? Von dem, womit die Dienstengel sie bekleidet haben, wie es heißt Ezech. 16, 10: „Ich kleidete dich mit Gesticktem?“ R. Simai sagte: mit Purpur. R. Akilas übersetzt das Wort hmqr mit ]yuylqpa. Sind denn aber die Kleider nicht mit der Zeit zerfallen? Hast du nicht gelesen, was Deut. 8, 14 geschrieben steht? Haben sie die Kleider nicht ausgewachsen? Geh und lerne von der Schnecke, mit der ihr Gehäuse zugleich wächst. Mussten sie dieselben nicht waschen? Die Wolke reinigte und glättete sie. Wurden sie nicht verbrannt? Geh und lerne vom Amiant, der nur im Feuer gereinigt (poliert) wird. Erzeugten sie nicht Ungeziefer? Wenn sie es nicht nach ihrem Tode machten, sollte es bei ihren Lebzeiten der Fall gewesen sein? Verbreitete der Schweiß ihres Körpers nicht einen üblen Geruch? Die Kleider rieben sich an den Kräutern (im Grase) des Brunnens und wurden von deren Duft durchzogen, wie es heißt Ps. 23, 2: „Auf grünen Angern lässt er mich lagern“, und ihr Duft verbreitete sich von einem Ende der Welt bis zum andern. Da kam Salomo und erklärte: „Der Geruch deiner Kleider ist wie der Duft vom Libanon.“

V. 12.    Ein verschlossner Garten  ist meine Schwester Braut.
R. Jehuda bar R. Simon im Namen des R. Josua ben Levi stellte dieses Gleichnis auf: Ein König hatte zwei Töchter, eine große und eine kleine, die er nicht verheiraten wollte. Deshalb verließ sie der König mehrere Jahre und er unternahm eine Seereise. Die Töchter vermählten sich aber gegen den väterlichen Willen, und jede ließ sich von ihrem Gemahl sein Petschaft und seinen Kopfbund geben. Nach langer Zeit kehrte der König von seiner Seereise zurück und hörte die Leute von seinen Töchtern übel sprechen. Sie sagten: Die Töchter des Königs haben Buhlerei getrieben. Was tat der König? Er ließ das ganze Volk durch einen Herold auffordern, auf einen großen freien Platz (seines Palastes) zu kommen und begab sich auf den Vorhof und sprach zu ihnen: Meine Töchter! ihr habt eine Schandtat begangen (eig. ihr habt euch besudelt). Sogleich zog jede das Petschaft und den Kopfbund ihres Gemahls hervor. Er rief nun den einen Schwiegersohn herbei und fragte ihn: Wessen Schwiegersohn bist du geworden? Ich bin dein erster Schwiegersohn, der Gemahl deiner ältesten Tochter. Der König fragte: Wodurch legitimierst du dich? Der Schwiegersohn antwortete: Dieses hier ist mein Siegel, dieses mein Kopfbund. Auf gleiche Weise verfuhr er mit seinem zweiten Schwiegersohn. Meine Töchter haben, sprach der König nun zu der Versammlung gewendet, sich der Buhlerei enthalten, ihr habt sie verleumdet, bei eurem Leben! ich werde es an euch ahnden. Ebenso höhnen die Völker die Israeliten und sprechen: Sie sind Sklaven der Ägypter gewesen s. Ex. 1, 13. „Wenn die Ägypter ihre (der Israeliten) Personen bezwangen, umsomehr herrschten sie über ihre Leiber und über ihre Weiber.“ Da sprach aber Gott: (nein!) meine Schwester Braut ist ein verschlossner Garten, und doch spricht man übel  von ihr. Was bedeutet ?lvin ]g Mein Garten ist verschlossen (bildlich für die Keuschheit Israels) und wird dennoch geschmäht. R. Pinchas sagte: In dieser Stunde befahl Gott dem Engel, der über die Schwangerschaft gesetzt ist, und sprach zu ihm: Geh und bilde ihre Gestalt gleich der ihrer Väter, dass sie den würdigsten Familien ähnlich sehen, wie gesagt wird von Ruben Num. 26, 5. 14: „Das waren die Geschlechter der Rubeniter“ d. i. nach R. Hosaja: Ruben der Rubenite, Simeon der Simeonite. R. Merinos bar R. Hosaja sagte: Wie wenn jemand sagen möchte: Mein Söhnchen, meine Hoffnung, meine Sehnsucht (ynvykc ynvrbc ynvrb). R. Huna sagte im Namen des R. ldi: Der Buchstabe h am Anfange und der Buchstabe y am Ende des Wortes, also (der Gottesname) hy (Jah) bezeugen, dass sie die Kinder ihrer (israelitischen) Väter sind.
R. Pinchas sagte: Unter „wohlverwahrter Garten (lvin ]g)“ sind die Jungfrauen (tvlvtbh), unter „verschlossenem Born (lvin lg)“ die Eheweiber (tvlvibh) und unter „versiegelter Quelle (,vtx ]yim)“ die Männer zu verstehen.
Im Namen des R. Nathan wurde gelehrt: Es steht einmal lvin lg und einmal lvin ]g, weil es zwei Weisen des Beischlafes mit einem Weibe gibt, einen gewöhnlichen und einen ungewöhnlichen. R. Huna sagt im Namen des Bar Kapra: Wegen vier Tugenden wurden die Israeliten aus Ägypten erlöst: Sie veränderten ihren Namen nicht und ebenso nicht ihre Sprache, sie verleumdeten nicht und man fand keinen Ausschweifenden unter ihnen. Sie veränderten nicht ihren Namen, als Ruben, Simeon u. s. w. zogen sie nach Ägypten hinab und unter demselben Namen wieder herauf, Ruben nannte man nicht Rufus, Simeon nicht Julian, Joseph nicht Justus und Benjamin nicht Alexander. Sie veränderten nicht ihre Sprache. Es heißt Gen. 14, 13: „Da kam ein Entronnener und berichtete es Abraham, dem Hebräer“ und ebenso heißt es Ex. 5, 3: „Der Gott der Hebräer ist uns entgegen gekommen“; desgleichen heißt es Gen. 45, 12: „Dass mein Mund mit euch redet“ nämlich in der heiligen Sprache. Sie haben nicht verleumdet, wie es heißt Ex. 11, 2: „Rede doch zu dem Volke, das sie entlehnen ein jeder von seinem Nächsten.“ Du findest, dass dieses Wort bei ihnen zwölf Monate aufbewahrt war und es gab einer den andern nicht an. Und nicht einer von ihnen war ausschweifend, wie es heißt Num. 25, 6: „Da kam ein Mann von den Söhnen Israels“ u. s. w. um das Lob der Israeliten bekannt zu machen, dass nur ein einziger Fall sich finde, welchen dazu die Schrift noch namentlich aufführe. R. Abba bar Kahana sagte: Sara ging nach Ägypten hinab und enthielt sich der Buhlerei und alle Weiber in ihrem Verdienste, und Joseph ging nach Ägypten hinab und enthielt sich der Wollust und alle Männer in seinem Verdienste. R. Pinchas im Namen des R. Chija sagte: Weil sich die Sara der Buhlerei enthielt, wurden die Israeliten aus Ägypten erlöst. Das ist der Sinn von: „Ein verschlossner Garten meine Schwester Braut.“ Was folgt darauf? „Deine Sprösslinge sind ein Lusthain von Granatäpfeln,“
R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: So wie derjenige, der einen geerbten wüsten Platz aus Trägheit nicht bebaute und ihn lieber zu einem niedrigen Preise verkaufte. Bei der Bearbeitung desselben fand aber der neue Besitzer einen großen Schatz darin, so dass er sich einen großen Palast bauen und wenn er auf die Strasse ging, sich von Dienern begleiten lassen konnte. Als der Verkäufer das sah, ärgerte er sich (eig. ward er erwürgt) und brach in die Worte aus: Wehe, um welchen Reichtum habe ich mich gebracht! Ebenso wurden die Israeliten, als sie mit Lehm und Ziegeln zu tun hatten, von den Ägyptern mit Verachtung behandelt, als sie aber dieselben als Kohorten gelagert am Meer nach Ordnung der Könige sahen, brachen sie vor Ärger in die Worte aus: Wehe uns! dass wir die Israeliten aus unserm Lande ziehen ließen, wie es heißt Ex. 14, 5: hirp xlsp yh(yv). R. Jonathan sagte: Gleich dem, welcher ein Feld zur Aussaat eines Kor Getreide für einen niedrigen Preis verkaufte, in welchem der Käufer aber Quellen grub und Gärten und Parke anlegte. Als der Verkäufer diese neuen Anlagen sah, ärgerte er sich und sprach: Wehe! um was habe ich mich gebracht. So sprachen auch die Ägypter voll Ärger, als sie die Israeliten, die sie in Folge der niedrigen Arbeit mit Lehm und Ziegeln gering schätzten, als Kohorten am Meer gelagert nach Ordnung der Könige erblickten. Wehe! riefen sie, dass wir sie aus unserm Lande ziehen ließen, wie es heißt Ex. 14, 5: hirp xlsb yh(yv). R. Jose sagte: Gleich dem, welcher gefällte Zedern für einen geringen Preis verkaufte, von welchen der Käufer Laden, Schränke, Kasten fertigte, als jener dieselben sah, rief er voll Ärger: Wehe! was habe ich verloren! Dasselbe fand bei den Ägyptern statt. Als sie die Israeliten unterjocht in Lehm und Ziegeln arbeiten sahen, so kamen sie ihnen verächtlich vor; als sie aber hierauf dieselben als Kohorten am Meere nach Ordnung der Könige gelagert erblickten, so riefen sie voll Ärger aus: Wehe! dass wir sie aus unserm Lande haben ziehen lassen, wie es heißt Ex. 14, 5: hirp xlsb yh(yv).

V. 13. Deine Gewächse im Paradies von Granaten d. i.
er vergleicht sie mit Granaten im Paradiese, wie die Leute zu sagen pflegen: Was hat N. N. seiner Verlobten gesendet? Granatäpfel. R. Chanina und R. Simon. Der eine sagte: Die Gemeinde Israel brachte Gott dreizehn verschiedene Gaben zu, die er mit gleicher Zahl erwiderte. Die dreizehn Gaben, welche die Israeliten Gott darbringen, sind nach Ex. 25, 3 ff Gold, Silber, Kupfer, blauer Purpur, roter Purpur, Karmesin, Byssus, Ziegenhaare, rote Widderfelle, Taschaschfelle, Akazienholz, Onychsteine und gefasste Steine, und die dreizehn Gaben, welche Gott den Israeliten darbringt, sind nach Ezech. 16, 10-13: Ich kleidete dich mit Buntgewirktem d. i. nach R. Sisi mit Purpur, dagegen Akilas übersetzt ]yuylqpa (Buntgewirktes), und beschuhte dich mit Taschaschfell, entsprechend den Taschaschfellen, ich hüllte dich mit Byssus ein, entsprechend dem Byssus und Ziegenhaaren, ich bedeckte dich mit Seide. R. Ibo sagte: Er machte sie zu etwas Wesentlichem in der Welt. R. Jehuda bar R. Simon sagte: Er umgab sie mit Wolken der Herrlichkeit s. Ex. 13, 23. Ich schmückte dich mit Waffen (ydi) d. i. mit ]yz Waffen, in welchen, wie R. Simeon ben Jochai gelehrt hat, der ganze Gottesname (srvpmh ,s) eingegraben war, die ihnen aber, als sie gesündigt hatten, genommen wurden.   Wie denn? Nach R. Ibo schälte sich die Schrift von selbst ab, nach den Rabbinen kam ein Engel herab und schälte sie ab.
Unter „den Armbändern” Ezech. 10, 11 sind die zwei Bundestafeln zu verstehen, auf welchen die zehn Gebote geschrieben waren und die ein Werk Gottes genannt werden s. Ex. 32, 16 und unter „der Halskette” sind die Worte des Gesetzes zu verstehen, die man stets an das Herz knüpfen soll s. Prov. 6, 21. Der „Nasenring” geht auf das heilige Diadem des Hohenpriesters s. Ex. 29, 6, die „Ohrringe” bedeuten das Stirnblech, welches, wie gelehrt worden ist, einem goldenen Blech (Platte) ähnlich und zwei Finger breit war und von einem Ohr bis zum andern reichte; unter „dem prächtigen Kranze auf dem Haupte” ist die Schechina zu verstehen s. Jes. 62, 3 und Mich. 2, 13. Was sind aber die drei andern Dinge (die an den oben erwähnten dreizehn noch fehlen)? Es sind die, welche Ezech. 16, 13. 14 angegeben sind, nämlich: „Du warst geschmückt mit Gold und Silber, und dein Ruhm erscholl unter den Völkern.”
Kophern mit Narden. R. Huna sagte: Die Israeliten brachten Gott dreizehn Gaben dar und erhielten sechsundzwanzig dafür, denn gewöhnlich verdoppelt der Bräutigam das Mitgebrachte der Braut. Nach R. Acha führten sie ihm Gerätschaften und Gewürze zu und sie erhielten auch solche wieder und zwar Gerätschaften durch Mose und Gewürze durch Salomo s. 1 Reg. 10, 10: „Und sie (die Königin von Saba) gab dem Könige 120 Talente Goldes und Spezereien, sehr viel, und köstliche Steine; es ist nicht mehr Spezerei in solcher Menge gekommen, wie die Königin von Saba dem Könige Salomo gab.”
Nach R. Simon brachten sie ihm Gerätschaften und Gewürze in einer bestimmten Zahl und erhielten dafür solche ohne Zahl, die Salomo nun hier mit den Worten angibt: „Kophern mit Narden.
Oder: „Deine Schösslinge im Paradies von Granaten.” Diese Worte wollen sagen: Einst wird Gott für dich etwas wie einen Lustgarten von Granaten machen. Was wird das sein? Der Brunnen, von dem die Israeliten sich vierzig Jahre hindurch in der Wüste erhielten und der ihnen nach R. Jochanan den meisten Genuss gewährte, denn derselbe brachte mancherlei Arten Grünes, Arten von Sämereien und Bäumen für sie hervor. Als Beweis kann dir dienen, dass die Israeliten, als derselbe mit dem Tode Mirjams versiegte, sprachen Num. 20, 5: „Es finden sich hier weder Sämereien noch Feigenbäume, Weinstöcke und Granatbäume.” Auch die Traube, sagte R. Levi, die sie von dort abgeschnitten hatten s. Num. 13, 23, reichte doch wohl nicht für einen jeden durch die vierzig Jahre hindurch  hin.
R. Abba bar Kahana meint zwar, dass die Früchte zu der Zeit groß gewesen seien. Die Rabbinen aber nehmen an, dass fremde Kaufleute   ihnen   solche verkauften, denn es ist von R. Ismael gelehrt worden, dass damals den Israeliten der Wein von Heiden noch nicht verboten war.
Oder: „Deine Schösslinge“ u. s. w. Einst wird Gott etwas wie einen Lustgarten mit Granatbäumen für dich machen. Was wird es sein? Der Strom, an dessen Ufern auf beiden Seiten allerlei fruchtbare Bäume wachsen und deren Blätter nicht verwelken, noch ihre Früchte verfaulen werden, und sie werden alle Monate neue Früchte bringen, denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum. Ihre Frucht wird zur Speise dienen und ihre Blätter zur Arznei (hpvrtl) s. Ezech. 47, 12. Was ist hpvrtl? R. Jochanan sagte: zur Arznei (]vyprtl), man saugt an den Blättern. Heißt denn aber aprt Nahrung (anvzm [rtv)? vielmehr heißt [ru Nahrung. Darauf sagt Rab: sie (die Blätter) dienen zur Lösung des oberen Mundes, und Samuel sagt zur Lösung des unteren Mundes. Auch R. Chanina und R. Josua ben Levi sind darüber geteilter Meinung. Der eine sagte: zur Lösung des Mundes der Stummen, der andere sagte: zur Lösung des Mundes der Unfruchtbaren.
Oder: „Deine Schösslinge“ u. s. w. Einst wird Gott für dich etwas wie einen Lustgarten mit Granatbäumen machen. Wer wird es sein? Elia, seligen Andenkens; denn es ist dort gelehrt worden: Jenseits des Jordans war eine Familie Beth Keripha, welche die Bene Zion mit Gewalt näherte, und eine andere, welche sie mit Gewalt entfernte; sowie diese wird auch Elia verfahren, er wird unrein und rein sprechen, entfernen und nähern. Nach R. Jehuda wird Elia nur nähern, aber nicht entfernen (trennen). Nach R. Simeon wird er die Streitigkeiten ausgleichen. Die andern Gelehrten sagten: Er wird weder entfernen noch nähern, sondern nur den Frieden in der Welt herstellen s. Mal. 3, 23. 24.

V. 14.    Narde und Krokus, Kalmus und Zimmt.

drn  ist ]vnydrn Narde, cmrk ist nach seinem Wortlaute indischer Safran, hnq ist Gewürzrohr s. Es. 30, 23 und ]vmnq ist Zimt. Letzteres wuchs nach R. Huna im Namen des R. Jose im Lande Israel in solcher Menge, dass Ziegen und Gazellen davon aßen.
Weihrauchbäume allerlei.
rvm ist Myrrhenwein, und tvlha ist nach R. Jisa aulyp Balsam. Warum hat es den ersten Namen? Weil es nach R. Abba bar Judan im Namen des R. Jehuda durch die Zelte kommt, oder weil es sich, wie die Rabbinen sagen, im Zelte verbreitet. Damit putzten sich die Töchter der Israeliten während ihrer vierzigjährigen Wanderung in der Wüste und erfreuten damit ihre Männer. Nach R. Jochanan geschah dies durch den Brunnen, wie es Cant. 4, 15 heißt: „ein Gartenquell, ein Brunnen lebendigen Wassers.“ Nach R. Abuhu geschah es vom Manna, wie Ps. 45, 9 geschrieben steht. Die sittsamen und frommen Israelitinnen schmückten sich und erfreuten ihre Gatten von dem, was unter den Zahn kommt, also vom Manna, alle diese 40 Jahre.
Es steht Arnos 6, 11 geschrieben: „Denn siehe, der Ewige hat geboten, dass man das große Haus schlage, dass es Trümmer und das kleine, das es Spalten bekomme.“ Nicht gleicht diese Dachrinne jener Spalte, denn von der Dachrinne gewinnt man Pflöcke, von der Spalte aber gewinnt man keine Pflöcke.

V. 15. Ein Gartenquell, ein Brunnen lebendigen Wassers.
R. Jochanan sagte: Achtundvierzigmahl steht das Wort rab Brunnen in der Thora, gegen die 48 Eigenschaften, durch welche die Thora erworben wird. (S.  Pirke Abot  VI,  6)
und Gießbäche vom Libanon.
R. Asarja sagte: Wenn der eine Gelehrte nur etwas zur Gotteslehre hinzufügt und ebenso der andere Gelehrte, so bildet sich eine Halacha, die dem Libanon gleicht. R. Tanchuma sagte: Wenn jeder Schriftgelehrte nur etwas zur Gotteslehre hinzufügt, so geht dann eine Halacha (so klar und zutreffend) hervor, wie die beiden aneinander gereihten Wangen.

V.  16.    Auf Nord, komme Süd.
Nach R. Eleasar haben die Noachiden Friedensopfer, nach R. Jose bar R. Chanina aber Ganzopfer dargebracht. Es heißt doch Gen. 4, 4 aber, wandte R. Eleasar gegen R. Jose ein, „Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Schafe und von ihren Fetten dar?“ Was macht R. Jose mit dieser Stelle? Antw.: Unter letzteren sind fette Schafe zu verstehen. Allein aus Ex. 24, 5 geht doch hervor, entgegnete R. Eleasar dem R. Jose, dass auch Friedensopfer dargebracht worden sind? Was macht R. Jose mit dieser Stelle? Also opferten sie nur Brandopfer, aber vollständig d. i. unzerstückt und unenthäutet. Jethro hat doch aber Ganz- und Friedensopfer dargebracht s. Ex. 18, 12? Was macht R. Jose mit diesem Verse? Er sagte: Zwei Amoräer sind darüber verschiedener Meinung. Der eine nimmt an, dass dieses nach und der andere nimmt an, dass dieses vor der sinaitischen Gesetzgebung geschehen sei. Nach demjenigen, welcher meint, dass Jethro vor der sinaitischen Gesetzgebung kam, brachten die Noachiden Friedensopfer dar und nach demjenigen, welcher meint, dass Jethro nach der sinaitischen Gesetzgebung kam, brachten die Noachiden Ganzopfer dar. Der Meinung des R. Jose  steht  auch  die Auslegung obigen Verses zur Seite, welche lautet: Auf (erwache wieder), Nord d. i. das Brandopfer, welches im Norden geschlachtet wurde. Und was ist yrvi? Etwas was schläft und erweckt wird; „und komme Süd“ d. s. die Friedensopfer, welche im Süden dargebracht wurden. Was ist yavbv? Etwas Neues. R. Abba bar Kahana und R. Chanina bar Papa und R. Josua im Namen des R. Levi sagten: Auch die Stelle Lev. 6, 2 ist für die Ansicht des R. Jose eine Stütze, weil es daselbst nicht      vbyrqh rsa, sondern vbyrqy rsa heißt. Welchen Sinn legt nun R. Eleasar diesem Verse: „Auf, Nord und komme Süd“ unter? Er legt ihn entweder auf die im Norden (dem mitternächtlichen Lande) Exilierten aus, dass sie kommen und im Süden lagern, wie es heißt Jer. 31, 8: „Siehe, ich bringe sie aus dem Lande des Nordens und sammle sie vom Äußersten der Erde“, oder auf die im Norden wohnenden Völkerschaften Gog und Magog, wie es heißt Ezech. 39, 2: „Ich wende dich und führe dich her und bringe dich herauf aus dem äußersten Norden“, oder endlich auf den König Messias aus, der in einer nördlichen Gegend sich befindet, dass er komme, das Heiligtum wieder aufzubauen, dem eine südliche Gegend angewiesen ist, wie es heißt Jes. 41, 25:- „Ich erweckte ihn von Mitternacht her und er kam.“
„Durchwehe meinen Garten, dass seine Würzen fließen.“
R. Huna sagte im Namen des R. Josua bar R. Benjamin bar Levi: In dieser Welt weht entweder bloß der Nordwind, oder bloß der Südwind, aber einst bringt Gott den Agrestes (ein reißender, schneller Wind) in die Welt und beide Winde werden zugleich darin ihre Funktion verrichten s. Jes. 43, 6.
so gehe mein Geliebter in seinen Garten. Hier wird dir eine Anstandsregel gegeben, sagte R. Jochanan, dass der Bräutigam nicht eher das Hochzeitsgemach betreten soll, als bis ihm die Braut die Erlaubnis hierzu erteilt hat.

 

 
 

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