Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 5 – Vers 1-16

V. 1.    Ich bin in meinen Garten gekommen.
V. 2.    Ich schlafe, aber mein Herz wacht.
V. 3. Mein Kleid habe ich ausgezogen, wie soll ich es wieder anziehen?
V. 4. streckte mein Geliebter seine Hand durchs Gitter.
V. 5. Da stand ich auf, meinem Lieben aufzutun
V. 6. Ich tat auf meinem Lieben und mein Lieber war fortgegangen, entwichen
V. 7. Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt umhergehen, sie schlugen und verwundeten mich
V. 8. Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems! wenn ihr meinen Lieben findet, ach, was werdet ihr ihm sagen? dass ich krank vor Liebe bin.
V. 9. Was ist dein Geliebter?
V. 10. „Mein Geliebter“,
V. 11. Sein Haupt das feinste Gold
V.  12.    Seine Augen wie Tauben.
V.  13.    Seine Wangen wie ein Gewürz.
V.  14.    Seine Hände sind goldene Walzen.
V. 15. Seine Schenkel Marmorsäulen.
V.  16.    Sein Gaumen Süßigkeiten.


V. 1.    Ich bin in meinen Garten gekommen.
R. Menachem, der Schwiegersohn des R. Eleasar bar Abuna, sagte im Namen des R. Simeon bar R. Jusna: Es steht hier nicht ]gl in den Garten, sondern yngl in meinen Garten d. i. ynvngl in meinen Trauhimmel zu meinem früheren Aufenthaltsorte, war nicht der Sitz der Schechina ursprünglich bei den Erdbewohnern? wie aus Gen. 3, 8 hervorgeht, wo nach R. Abba nicht ;lhm gehend, sondern ;lhtm steht d. i. immer mehr in die Höhe sich erhebend. Als Adam gesündigt hatte, zog sich die Schechina nach dem ersten Himmel zurück, nach Kains Verbrechen nach dem zweiten, nach Enosch’s Verwirrung nach dem dritten, nach der Entartung des Sündflutgeschlechtes nach dem  vierten,   nach   der   Sünde   des  Turmbauzeitalters   nach   dem fünften, nach den Freveltaten der Sodomiter nach dem sechsten, nach dem Vergehen der Ägypter in den Tagen Abrahams nach dem siebenten; da standen aber sieben Gerechte auf und führten sie wieder herunter auf die Erde. Abraham brachte sie vom siebenten in den sechsten, Jizchak vom sechsten in den fünften, Jacob vom fünften in den vierten, Levi vom vierten in den dritten, Kehat vom dritten in den zweiten, Amram vom zweiten in den ersten Himmel, und Mose zog sie auf die Erde herab, was auch, wie R. Jizchak bemerkte, Ps. 37, 29 geschrieben steht: „Die Gerechten besitzen das Land und wohnen ewig darauf.“ Und die Frevler, was tun sie? Sie schweben in der Luft, da sie die Schechina nicht auf der Erde ruhen lassen, sondern nur die Gerechten? Was ist der Sinn? Die Gerechten machen, dass die Schechina auf Erden ruht (sie lassen die Schechina sich niederlassen), die Frevler bringen sie aber zum Weichen. Wann ließ die Schechina sich wieder nieder? An dem Tage, an welchem das Stiftszelt aufgestellt wurde s. Num. 7, 1. Gleich einem Könige, führte R. Asarja im Namen des R. Jehuda bar R. Simon als Beispiel an, der auf seine Matrone so erzürnt war, dass er sie aus seinem Palaste verwies. Nachher aber wollte er sich wieder mit ihr aussöhnen, allein sie ließ ihm sagen: Der König erweise mir eine neue Gunstbezeigung, dann kann er zu mir kommen. Ebenso hatte Gott bereits die Opfer oben angenommen, wie es heißt Gen. 8, 21: „Und der Ewige roch den süßen Duft“, jetzt nahm er sie unten an, wie es hier heißt: „Komm in meinen Garten, Schwester Braut!“
und ich brach meine Myrrhe samt meinem Balsam d. i. das Räucherwerk und die Hand voll Weihrauch.
ich aß meine Wabe samt meinem Honig d. s. die Glieder und Eingeweide der dargebrachten Opfertiere, und trank meine Weine samt meiner Milch, das sind die Trankopfer und die Eingeweide der geringen Opfer, esset, Freunde d. i. Mose und Aaron, und trinkt und berauscht euch, Geliebte d. i. Nadab und Abihu, die in ihrer Not berauscht waren. R. Idi sagte: David wollte ein solches Opfer wie die Fürsten darbringen s. Ps. 66, 15. Was ist das für ein Opfer, bei dem Farren, Widder und Böcke dargebracht werden? Es ist das Opfer der Fürsten. Warum werden die Fürsten „Freunde“ genannt? fragte R. Simeon ben Jusina. Weil er beabsichtigt sie zu lieben und sich zu nähern.
R. Simeon ben Jusina sagte ferner: Niemals brachte der Einzelne freiwillig Räucherwerk dar, hier (in dem angezogenen Psalm) war es der Fall, niemals brachte er freiwillig ein Sündopfer dar, hier war es der Fall, niemals verdrängt das Opfer eines Einzelnen Verunreinigung und Shabbathheiligung, und hier (bei dem Opfer der Stammfürsten) war es der Fall, niemals brachte der Einzelne ein Sündopfer dar, sondern nur wegen einer begangenen Sünde, hier aber war es der Fall.
Oder: „Esset Freunde“ d. s. die Fürsten, „trinket und berauscht euch, Geliebte“ d. s. die Trankopfer.
Oder: „Esset, Freunde.“ Gleich einem Könige, sagte R. Berachja, der ein Gastmahl veranstaltet und Gäste dazu eingeladen hatte, aber ein Ekel erregendes Tier war in die Schüssel gefallen. Hätte der König seine Hand davon zurückgezogen, so würden es auch die Gäste getan haben, allein er streckte seine Hand darnach aus und sie machten es ihm alle nach.
R. Janai führte dieses Beispiel an: Ein König hatte ein Gastmahl veranstaltet und Gäste dazu eingeladen. Er ging zu ihnen und sprach: Lasset es euch recht wohl schmecken und angenehm duften. R. Abuhu bediente sich dieses Beispiels. Ein König hatte ein Gastmahl veranstaltet und Gäste dazu eingeladen. Nachdem sie gegessen und getrunken hatten, sprach er zu ihnen: Nehmt diese schöne Gabe und reichet sie dem Wirt (eig. dem Herrn des Hauses). So auch hier: „Komm in meinen Garten, meine Schwester Braut“ u. s. w.  d. i. kommt, esset, kommt, trinket, berauschet euch, Geliebte.

V. 2.    Ich schlafe, aber mein Herz wacht.
Die Gemeinde Israel spricht vor Gott: Herr der Welt! ich schlafe und übe nicht die Satzungen, aber mein Herz wacht, es ist erregt von Menschenliebe; ich schlafe, ich spreche nicht von der Wohltätigkeit, mein Herz aber wacht, dieselbe auszuüben; ich schlafe, ich unterlasse die Opfer, aber mein Herz wacht, es ist zur Andacht für das Lesen des Schema und Gebet gestimmt; ich schlafe, betrete nicht den Tempel, mein Herz aber wacht, sehnt sich nach den Versammlungs- und Lehrhäusern; ich schlafe, berechne nicht das Ende (meiner Leiden), mein Herz aber wacht, sehnt sich nach Erlösung und auch das Herz Gottes wacht, mich zu erlösen.
R. Chija bar Abba sagte: Wo wird Gott das Herz Israels genannt? Ps. 73, 26.
Stimme meines Geliebten, er klopft an durch Mose, als er im Namen Gottes sagte: „So spricht der Ewige, um Mitternacht ziehe ich durch Ägypten“ s. Ex. 11, 4. tue mir auf, meine Schwester.
R. Jisa sagte: Gott spricht zu den Israeliten: Meine Kinder! machet mir nur ein Pförtchen zur Rückkehr wie ein Nadelöhr auf, so eröffne ich euch Pforten, die so weit sind, dass Wagen und Karossen hineinfahren können. R. Tanchuma, R. Hunja und R. Abuhu sagten im Namen des Resch Lakisch zur Erklärung von Ps. 46, 11: Gott spricht zu Israel: Lasset ab von euren üblen Werken und erkennet, dass ich Gott bin.
R. Levi sagte: Wenn die Israeliten nur einen Tag Busse tun wollten, so würden sie erlöst werden und der Sohn Davids würde sofort kommen.    Warum? Siehe Ps. 95, 7.
R. Judan und R. Levi sagten: Gott spricht zu Israel: Lasset ab von euren bösen Werken und tut nur einen Augenblick (eig. wie das Zwinkern des Auges) Busse und erkennet, dass ich Gott bin.
meine Schwester d. i. die in Ägypten durch zwei Vorschriften, durch das Blut des Pessachlammes und der Beschneidung, mit mir verschwistert worden sind s. Ezech. 16, 6: „Ich ging an dir vorüber und sah dich in deinen Bluten liegen und sprach zu dir in deinem Blute: Lebe!“ d. i. das Blut des Pessachlammes, und ich sprach zu dir in deinem Blute: Lebe! d. i. das Blut der Beschneidung.
meine Freundin d. i. die am Meere Freundschaft mit mir schloßen, indem sie sangen: „Dieser ist mein Gott, ihn will ich erheben“ s. Ex. 15, 2; „der Ewige wird immer und ewig regieren“ s. das.
mein Täubchen. So zeigten sie sich in Mara, wo sie durch die Befolgung von Pflichtgeboten, Ausübung von wohltätigen Handlungen und guten Werken sich kennzeichneten wie die Taube s. Ex.  15, 25.
meine Fromme. Als eine solche zeigten sie sich mir am Sinai, als sie sprachen: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir tun und befolgen.“
R. Janai liest ytmvat meine Zwillingsschwester, als wenn Gott spräche: Ich bin nicht größer als sie und sie ist nicht größer als ich. Wie ein Zwillingspaar, sagte R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, wenn der eine Teil Kopfschmerz hat, der andere es mit empfindet, so spricht auch Gott Ps. 91, 15: „Ich bin mit ihm in der Not.“
denn mein Haupt ist voll Taues, wie es heißt das. 68, 9: „Da zitterte die Erde und auch die Himmel troffen“; „meine Locken voll Tropfen der Nacht“, darauf heißt es Jud. 5, 4: „Und die Wolken troffen Wasser.“

V. 3. Mein Kleid habe ich ausgezogen, wie soll ich es wieder anziehen?
Was soll damit gesagt sein, sagte R. Jochanan, die Einfältigste weiss ihr Kleid an- und ausziehen und du sagst: „Ich habe mein Kleid ausgezogen?“ Darauf antworteten R. Chanina und R. Jochanan: An dem Tage, an welchem der ruchlose Nebucadnezar mit den Israeliten sich zu schaffen machte, entblößte er sie von den beiden großen Gewändern, von dem der Priester- und Herrscherwürde.
Ich habe meine Füße gewaschen vom Unrat des Götzendienstes, ich wusste, dass der Staub dieses Ortes mich zum Götzendienst verleiten  werde,  und dennoch

V. 4. streckte mein Geliebter seine Hand durchs Gitter.
R. Abba bar Kahana sagte: Das Loch ist doch zu nichts anderem nütze, als kriechendes Gewürm groß zu ziehen? Allein die Gemeinde Israel spricht hier zu Gott: Herr der Welt! wäre es nicht besser gewesen, wenn du mir alle Wunder, die du an mir durch Koresch getan, durch Daniel oder durch sonst einen gerechten Mann erwiesen hättest? und dennoch
war mein Inneres für ihn.
R. Asarja sagte: Gott spricht: Ich meine es gut, ihr sagt: „Mein Inneres ist für ihn“, auch ich sage Jerem. 4, 19: „Mein Inneres, mein Inneres.“
Oder: „Mein Kleid habe ich ausgezogen.“ R. Jochanan sagte im Namen des Resch Lakisch: Selbst die Einfältigste versteht ihr Kleid aus- und anzuziehen, und du sagst: ich habe mein Kleid ausgezogen, wie soll ich es wieder anziehen? Allein der Schlaf der Festversammlung war angenehm (süß), die Nacht kurz, und man wurde nicht, wie R. Judan bemerkte, von Flöhen zerstochen. „Ich habe meine Füße rein gewaschen“ vom Unrat des Götzendienstes, es war mir wohlbekannt, dass der Staub dieses Ortes mich dazu verleiten werde, dennoch „streckte mein Geliebter seine Hand durchs Gitter“, wie ein Armer, sagte R. Ami, der Almosen heischt, bei alledem aber „schlägt für ihn mein Herz“, und er spricht zu mir Jerem. 31, 20: „Mein Herz schlägt für ihn, ich erbarme mich seiner, spricht der Ewige.“

V. 5. Da stand ich auf, meinem Lieben aufzutun d. i.
ich erhob mich, aber die Völker der Welt erhoben sich nicht.
R. Jacob bar Abuna übersetzte vor R. Jizchak Esra 1, 5: „Da machten sich auf die obersten Väter aus Juda und Benjamin und die Priester und die Leviten“, denn vom Stamme Juda ging der König hervor und in Benjamins Gebiet befand sich der Tempel, die Priester zum Tempeldienst und die Leviten zum Duchan“ (nämlich: sie zogen hinauf von wo sie den Segen dem Volke zu erteilen pflegten), „um meinem Lieben“ die Herzen für die Busse „zu öffnen.“
und meine Hände troffen von Myrrhe d. i. sie troffen von den Bitterkeiten, welche Koresch über mich verhängt hatte, da er sagte: Wer über den Euphrat gegangen ist, der ist hinüber, wer es unterlassen hat, der unterlasse es auch ferner. Darum erklärte R. Jochanan die Worte Jes. 13, 10 dahin: Wäre doch jener Tag nicht von der Sonne beschienen worden! Koresch ging einmal in einer Provinz umher und fand sie verödet. Er sagte: Woher kommt es denn, dass diese Provinz so verödet ist? Wo sind denn die Goldschmiede? und wo die Silberarbeiter? Hast du nicht selbst ein Edikt erlassen, entgegnete man ihm, dass alle Juden ausziehen sollen, um den Tempel aufzubauen? Teils sind es Goldschmiede, teils Silberarbeiter, die da fortgingen, um den Tempel zu bauen. Da erließ er den Befehl: Wer bereits den Euphrat überschritten hat, der hat ihn überschritten, wer ihn dagegen noch nicht überschritten hat, der überschreite ihn auch nicht. Daniel, sein Kollegium und seine Genossen zogen hinauf, denn sie dachten: Besser ist eine Mahlzeit im israelitischen Lande und wir sprechen über das Land den Segen. Dagegen Esra, sein Kollegium und seine Genossen zogen damals nicht hinauf und zwar ersterer deshalb nicht, weil er das Erlernte vor Baruch, Sohn Nerja, noch erläutern musste, und dieser zog nicht hinauf, weil er groß und alt war und selbst in einem Tragsessel konnte er nicht getragen werden.
Resch Lakisch sagte: Es war der Heiligkeit des Hauses zuträglich, dass Esra damals an dem Zuge nicht Teil nahm, denn sonst hätte der Satan sein Spiel getrieben, es hätte geheißen: Besser ist es, dass Esra das Hohepriesteramt bekleidet, als dass Josua, Sohn Jehozadok Hoherpriester ist. Josua, Sohn Jehozadok war Hoherpriester und der Sohn eines Hohenpriesters, aber Esra war, trotzdem dass er ein gerechter Mann war, nicht würdig, das Hohepriesteramt zu bekleiden wie er. R. Simon sagte: Es ist schwer vor Gott die Adelskette (das Ansehen der hohen Abkunft) von ihrer Stelle zu entwurzeln; „am Handgriffe des Riegels“ d. i. es fügte sich, dass der Euphrat vor ihnen verschlossen wurde.
Oder: „Ich stand auf“, aber nicht die Völker der Welt, „um meinem Lieben aufzutun“ zur Busse, „meine Hände troffen von Myrrhe“ d. i. von den Bitterkeiten, dass ich zum goldenen Kalbe gesprochen Ex. 32, 8: „Dies ist dein Gott Israel“; „und mein Finger von fließender Myrrhe“ d. i. Gott ging trotzdem über das Bittere (den Ungehorsam) hinweg, er vergab es mir, wie es heißt Ex. 32, 14: „Da reute den Ewigen das Böse, das er geredet, seinem Volke zu tun“, „am Handgriffe des Riegels“ d. i. das verheißene Land wurde für sie verschlossen, es zu betreten.

V. 6. Ich tat auf meinem Lieben und mein Lieber war fortgegangen, entwichen d. i.
er benahm sich (früher) vergnügt, später aber war er gegen mich von Zorn erfüllt. Meine Seele entfloh, als er zu mir sprach d. i. als nämlich Koresch das Edikt erließ, dass der, welcher noch nicht über den Euphrat gegangen sei, den Übergang unterlassen solle. „Ich suchte ihn, aber fand ihn nicht, ich rief ihn, aber er antwortete mir nicht.“
Oder: „Ich tat meinem Lieben auf, aber mein Lieber war fortgegangen, entwichen“ d. i. er benahm sich (früher) vergnügt, später aber war er gegen mich von Zorn erfüllt wie ein schwangeres Weib. „Meine Seele entfloh von mir, als er zu mir sprach“, nämlich als  ich den Laut seines ersten Wortes vernahm, indem er sagte: Ich bin der Ewige, dein Gott. „Ich suchte ihn, aber fand ihn nicht, ich rief ihn, aber er antwortete mir nicht.“

V. 7. Es fanden mich die Wächter, die in der Stadt umhergehen, sie schlugen und verwundeten mich d. i.
Thathnai, der Landpfleger, und seine Anhänger, welche Klageschriften gegen die Bewohner Juda’s und Jerusalems verfassten s. Esra 5, 3 u. 4, 6.
mein Obergewand nahmen mir die Wächter der Mauern d. i. der Mauern von Jerusalem. R. Abba bar Kahana sagte: Dieselben waren ehemals aus acht und zehn Ellen großen Steinen gebaut vergl. 1 Reg. 7,  10.
Oder: ,,Die Wächter“ d. s. die Leviten, „fanden mich“, welche die Wächter des Gesetzes genannt werden s. Deut. 33, 9, „und die um die Stadt zogen“ d. i. von einem Thore bis zum andern, und die Kalbanbeter niedermachten s. Ex. 32, 27. 28, „sie nahmen mir mein Obergewand“ d. i. die Waffen. R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: In den Waffen, welche den Israeliten am Horeb gegeben wurden, war der Gottesname eingegraben, der aber in Folge ihrer Sünde ihnen wieder genommen wurde. Auf welche Weise? R. Ibo sagte: Ein Engel kam herab und schälte ihn ab, nach den Rabbinen aber ist das von selbst geschehen. „Die Wächter der Mauern“ d. s. diejenigen, welche die Mauern der Thora bewachen.

V. 8. Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems! wenn ihr meinen Lieben findet, ach, was werdet ihr ihm sagen? dass ich krank vor Liebe bin.
Wie der Kranke der Genesung (Heilung) sehnlichst entgegensieht, so sah auch das Geschlecht in Ägypten seiner Erlösung entgegen.

V. 9. Was ist dein Geliebter?
Die Völker sprechen zu Israel: Was ist dein Geliebter anders als der unsrige? was dein Gott anders als unsere  Götter? was dein Schutzherr
(Patron) anders als der unsrige?

V. 10. „Mein Geliebter“,
erwiderten die Israeliten, „ist weiss und rot“, weiss erschien er mir in Ägypten und rot den Ägyptern; weiss mir in Ägypten s. Ex. 12, 12, und rot den Ägyptern s. das. 14, 27, weiss mir am Meere s. das. V. 22 und rot mir am Meere s. das. V. 27, weiss mir in der künftigen Welt und rot in dieser Welt.
R. Levi bar Chaitha gab drei Erklärungen darüber. Weiss erscheint er mir  am Sabbath, rot an den Wochentagen, weiss am Neujahrstage, rot im ganzen Jahre, weiss in der künftigen Welt, rot in dieser Welt.
„hervorragend von Zehntausend.“
Ein König von Fleisch und Blut, sagte R. Abba bar Kahana, wird an seiner Kleidung erkannt, aber mein Freund, er wie seine Diener sind Feuer, begleitet von Myriaden Heiligen d. i. kenntlich unter den Myriaden von Heiligen.

V. 11. Sein Haupt das feinste Gold d. i.
das Gesetz s. Prov. 8, 22. R. Hunja sagte im Namen des Resch Lakisch: Das Gesetz war schon 2000 Jahre vor der Weltschöpfung vorhanden s. das. 8, 30, da tausend Jahre bei Gott nur wie ein Tag sind s. Ps. 90, 4, dem „feinsten Golde“ gleichen die Worte des Gesetzes Ps. 19, 11.
seine Locken Hügel an Hügel d. i. das Lineal; schwarz wie der Rabe d. s. die Buchstaben.
Oder unter den „Locken“ sind die Hügel (,ylyt ylyt) von Halachot zu verstehen. Selbst die Dinge, sagte R. Asarja, die du für Dornen im Gesetze ansiehst, sind Hügel an Hügel. Durch wen werden sie erhalten? Durch denjenigen, welcher schwarz wie der Rabe früh und abends (d. i. vom Morgen bis Abend) sich damit beschäftigt.
R. Jochanan sagte: Die Zeit der Einheimsung der Thora (wie man die Frucht auf die Tenne bringt), ist nur Nachts. (hnr ist das Studium des Gesetzes) s. Prov. 31, 15 und Thren. 2, 19. R. Simeon sagt: Auch der Tag passt dazu, wie es heißt Josua 1, 8: „Denke darüber nach am Tage und in der Nacht.“ Resch Lakisch sagte: R. Jochanan hat mich trefflich belehrt, die Zeit der Einheimsung der Thora ist nur Nachts.
R. Simeon ben Lakisch sagte: „Als ich mich bei Tag mit der Thora beschäftigte, erleuchtete sie mich in der Nacht.“ (hlylb yl arhnm) d. i. was ich tags gelernt hatte, ward mir nachts klar.
R. Jochanan von Sepphoris legte den Vers auf diese Weise aus: Wir haben vor uns einen hohen Erdhaufen, der beseitigt werden soll. Der Unbesonnene spricht: Wer kann es? Was spricht der Kluge? Er sagt: Ich schaffe zwei Körbe voll am Tage und zwei des Nachts hinweg, morgen ebenso, bis der Platz geräumt ist. Ebenso spricht der Unbesonnene: Wie kann ich das ganze Gesetz samt den Abhandlungen darüber, als die 30 Kapitel des Traktates Nesikin, die 30 Kapitel des Traktates Kelim erlernen? der Besonnene aber sagt: Ich lerne heute zwei Halachot, morgen wieder soviel u. s. w., bis ich sie endlich alle innehabe.
R. Janai nimmt mit Anknüpfung an Prov. 24, 7 dieses Beispiel an. Eine gelöcherte Masse hängt sehr hoch im Raum (in der Luft) eines Hauses.   Der Narr spricht: Wer kann sie herabnehmen? Der Kluge aber spricht: Hat sie nicht einer hinauf gehängt? Ich nehme zwei Röhren, binde sie aneinander und hole sie herab. Ebenso spricht der Unbesonnene: Wer kann die Thora erlernen, die der Rabbi weiss? der Kluge aber spricht: Hat er es nicht auch von einem andern erlernt? Heute lerne ich zwei Halachot, morgen wieder soviel, bis ich mir die Thora dieses Gelehrten angeeignet habe.
R. Levi sagte: Gleich einem durchlöcherten Korbe, dessen Besitzer Arbeiter gedungen hatte, um ihn zu füllen. Der Narr sagt: Was hilft es mir, was ich auf dieser Seite hineinschütte, läuft auf der anderen wieder heraus; der Kluge aber sagt: Erhalte ich nicht meinen Lohn und empfange ich nicht Lohn für jedes Fass (das ich hineinfülle) vom Besitzer des Fasses? Ebenso sagt der Thor: Siehe, ich lerne das Gesetz, vergesse es aber wieder, was nützt es mir? Der Kluge aber spricht: Gibt mir Gott nicht Lohn für die Mühe? denn R. Levi hat gesagt: Selbst die Dinge in der Thora, die dir nur wie bloße Strichlein (geringfügig) vorkommen sollten, sind so erheblich, dass sie die Welt zu zerstören und in einen Schutthaufen zu verwandeln vermögen (d. i. sie großen Schaden anrichten können) z. B. wenn du aus dem Buchstaben d in dxa Deut. 6, 4 ein r machen, oder wenn du das r in rxa Ex. 34, 4 in d verwandeln, oder wenn du Lev. 22, 2 anstatt des x in vllxy aly und sie sollen meinen Namen nicht entheiligen ein h, oder anstatt des x in ytykxv Jes. 8, 17 ein h, oder anstatt des h in llht Ps. 150, 6 ein x, oder anstatt des k in vsxk Jerem. 5, 12 ein b, oder anstatt des b in vdgb Hos. 5, 7 ein k, oder anstatt des k in hvhyk 1 Sam. 2, 3 ein b setzen wolltest, so würdest du die Welt zerstören (d. i. ein großes Unheil verursachen).
R. Abuhu bar Kahana sagte mit Bezug auf die zuletzt angezogene Stelle: Alles wird hinfällig, du aber wirst nicht hinfällig, es gibt nichts, was dich hinfällig macht (überdauert).
Schwarz wie der Rabe.
R. Alexandri bar Haderin und R. Alexandri Karuba sagten: Wenn sich auch alle Weltbewohner zusammentun wollten, um einen Rabenflügel weiss zu machen, sie vermöchten es nicht, ebenso wenig werden alle Weltbewohner, wenn sie sich zusammentun wollten, den kleinsten Buchstaben im Gesetze, das 1 ausreißen können, was du vom König Salomo lernen kannst, der, weil er diesen kleinsten Buchstaben im Gesetze nicht achtete, sich eine schwere Anklage zuzog. Wer klagte ihn an? Nach R. Josua klagte ihn das y im Worte hbdy Deut. 17,  16 an.
R. Simeon ben Jochai sagte: Das Deuteronomium stieg hinauf (zum Himmel), warf sich vor Gott nieder und sprach vor ihm: Herr der Welt! du hast in deinem Gesetze gleichsam ein Testament niedergelegt, das, wenn ein Teil aufgehoben wird, ganz ungültig wird. Der König Salomo will den Buchstaben y im Gesetze entfernen. Gott antwortete: Eher wird der König Salomo und hundert seines Gleichen vergehen, als du in der Welt.
R. Josua ben Karcha sagte: Die y im Namen Sarais stieg hinauf und warf sich vor Gott nieder und sprach: Herr der Welt! du hast mich aus dem Namen dieser Tugendhaften, der Gattin unseres frommen Vaters Abraham herausgerissen und ihr den Namen Sara gegeben. Er antwortete: Geh, früher warst du der letzte Buchstabe (in jenem) und dazu noch in einem weiblichen Namen, jetzt werde ich dich einem männlichen Namen einverleiben und zwar im Anfange (als ersten Buchstaben) darin, welcher sogar ein Gerechter in der Welt sein wird, wie es heißt Num. 13, 16: „Und Mose nannte Hosea ben Nun Josua.”
R. Eleasar bar Abuna sagte im Namen des R. Acha: Im sechsundzwanzigsten Zeitalter beschwerte sich der Buchstabe a vor Gott. Herr der Welt! sprach er, du hast mich zum ersten der Buchstaben gemacht und doch fängt die Schöpfungsgeschichte mit dem zweiten an (eig. und doch nicht mit mir die Welt erschaffen, sondern mit b), wie es heißt: vgv tysarb „im Anfange schuf Gott die Himmel und die Erde?” Gott antwortete: Meine Welt und was sie füllt, habe ich nur wegen des Gesetzes erschaffen s. Prov. 3, 19, morgen werde ich mich offenbaren und den Israeliten das Gesetz geben, in welchen du im Anfange der Gebote (Worte) stehen sollst, und ich werde mit dir beginnen, wie es Ex. 20, 2 heißt: ykna „ich bin der Ewige, dein Gott.”
Bar Chuta sagte: Warum heißt der Buchstabe Aleph? Weil er vom tausendsten Geschlechte angenommen worden ist s. Ps. 105, 1.
R. Jehuda legte den Vers auf die Schüler der Weisen (Gelehrten) aus. Obgleich sie in dieser Welt hässlich und schwarz wie der Rabe erscheinen, so werden sie einst wie Blitz und Flamme leuchten s. Nach. 2, 5.
R. Samuel bar Jizchak legte den Vers auf die Abschnitte des Gesetzes aus, welche Satzungen enthalten; obgleich sie hässlich und schwarz wie der Rabe sind und zu öffentlichen Vorträgen sich nicht eignen, so spricht doch Gott: sie sind mir angenehm s. Mal. 3, 4, was du daraus erkennen kannst, weil die Abschnitte Lev. 15, 24 und 25—33 nicht zusammen, sondern jeder für sich gesagt worden sind.
R. Simeon ben Lakisch sagte: Das Fell (Hülle) des Gesetzes, das Gott gegeben, bestand aus weißem Feuer, die Schrift (die eingezeichneten Buchstaben) in schwarzem Feuer, es selbst war Feuer, ausgehauen aus Feuer, gemischt mit Feuer und gegeben im Feuer s. Deut. 33, 2: „Von seiner Rechten kam das Feuergesetz an sie.”

V.  12.    Seine Augen wie Tauben.
D. s. die Synedrien, welche die Augen der Gemeinde sind vergl. Num. 15, 24. Wie die 248 Glieder des menschlichen Körpers dem Auge folgen, so können auch die Israeliten nichts anderes tun, als was ihnen das Synedrium befiehlt. An Wasserbächen d. i. sie (die Synedristen) sind stark auf den Wassern des Gesetzes, wie R. Chama bar Ukba gesagt: Die Worte des Gesetzes stärken jeden, der sich gehörig mit ihnen beschäftigt.
badend in Milch. Das sind die Halachot, welche durch angestellte, gemeinschaftliche Erörterungen und Sichtungen so rein wie Milch sich gestalten, und „in Fülle wohnend” d. i. in der Fülle des Gesetzes stehen, oder auf der Fülle Jerusalems d. i. auf Gerechtigkeit beruhen s. Jes. 1, 2. In dieser Stadt, sagte R. Pinchas im Namen des R. Hosaja des Grossen, gab es 480 Versammlungshäuser (soviel als das Wort ytalm Jes. 1, 21 in der Zahl hat). R. Tanchuma sagte: Der eine Gelehrte fügte zur Gotteslehre etwas hinzu und der andere Gelehrte fügte zur Gotteslehre etwas hinzu, bis die Halacha (so klar und zutreffend) wie eine Art Libanon oder wie die beiden aneinander gereihten Wangen hervorging.

V.  13.    Seine Wangen wie ein Gewürz.
R. Janai sagte: In den Tagen meines Lenzes, als wir zwei Gelehrtengesellschaften eingeladen hatten, zogen wir hinaus auf die Strasse und besprachen uns über Gegenstände des Gesetzes, bis wir zu einem einhelligen Beschluss gekommen waren.
Erhöhungen von Spezereipflanzen.
Wie diese, sagte R. Tanchuma, allerlei Gewürzarten enthalten, so muss auch der Gelehrte Schrift, Mischna und Talmud, Halachot, Haggadot inne haben.
seine Lippen sind Lilien, triefend von fließender Myrrhe, nämlich die Lippen des fleißigen Gelehrten, aber die des nachlässigen triefen Bitteres, wenn auch nur vorübergehend, denn wenn er sich dem Studium wieder zuwendet, läutert er sein Wissen (und es fehlt ihm nichts an Klarheit).

V.  14.    Seine Hände sind goldene Walzen.

Das sind die Bundestafeln, dieses Gotteswerk s. Ex. 32, 16; oder es sind die Worte des Gesetzes s. Ps. 19, 11. Die Bundestafeln waren nach R. Josua bar Nechemja ein Wunderwerk, es waren Rollen von Saphir und gehauen, wie R. Menachma im Namen des R. Abun bemerkte, aus der Sonnenkugel. Wie waren die zehn Aussprüche geschrieben? Fünf auf der einen und fünf auf der anderen Tafel, weil es heißt: „Seine Hände sind goldene Walzen.” So meint R. Chanina ben Gamliel unter Hinweis auf Deut. 4, 13: „Und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.” Nach den Rabbinen standen auf der einen wie auf der anderen Tafel zehn Worte s. das. V. 13: „Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu tun, die zehn Worte auf zwei steinernen Tafeln.” Nach R. Simeon ben Jochai standen auf jeder Tafel zwanzig Worte, wie es heißt das.: „Und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln”, zwanzig auf die eine und zwanzig auf die andere Tafel. Nach R. Simai standen vierzig auf jeder Tafel s. Ex. 32, 15: „Tafeln beschrieben auf ihren beiden Seiten” d. i. von dieser und jener Seite (d. i. auf jeder Seite einer jeden Tafel standen je 40 Gebote), vierwinklig (d. i. auf jeder Seite war ein Viereck beschrieben, dessen jede Kathete die ganzen zehn Gebote  enthielt).
R. Chananja, Bruderssohn des R. Josua sagte: Zwischen jedem Ausspruche befanden sich Erläuterungen und die feinsten Forschungen des Gesetzes. Als R. Jochanan mit seiner Schrifterklärung an die Worte kam:
„besetzt mit Tarsissteinen”
sprach er: Der Bruderssohn des R. Josua hat mich gut belehrt, nämlich wie bei den Wellen zwischen der einen und anderen großen noch kleine sind, so befanden sich auch zwischen jedem Ausspruche seine Erläuterungen und genauen Forschungen geschrieben.
Oder unter den Tarsissteinen ist der Talmud zu verstehen, welcher dem Weltmeer (großen Meer) gleicht. Das ist das Tarsis (im Propheten Jona). Das ist es, was gesagt ist Koh. 1, 7: „Alle Ströme ergießen sich ins Meer.”
Sein Bauch ein elfenbeinernes Kunstwerk d. i. die Priesterthora (Thorat Kohanim d. i. das 3. Buch Mose). Wie der Bauch zwischen dem Herzen und Schenkeln sich befindet (eig. wie der Bauch das Herz von der einen und die Schenkel von der andern Seite hat), so hat die Priesterthora zwei Bücher an jeder Seite und sie ist in der Mitte, und wie du aus Elfenbein vielerlei Dinge, als Pflöcke, Spitzen machen kannst, so sind auch in der Priesterthora vielerlei Vorschriften, Genauigkeiten, Leichtes und Schweres, Unreines, Überflüssiges. „Bedeckt mit Saphiren” d. i. die Kraft der Menschenkinder ist verhüllt, welche schwer wie der Saphir ist. R. Judan sagte: Wenn du etwa glauben solltest, dass der Saphir weich sei, so komm und siehe! Ein Mann brachte einen Saphir nach Rom zum Verkaufe. Es fand sich auch ein Käufer, der ihn aber erst erproben und prüfen wollte, ob er ein kleines Stückchen davon abbrechen könnte. Er legte ihn auf den Ambos, schlug mit dem Hammer darauf, der Ambos spaltete sich, der Hammer teilte sich, der Saphir aber blieb unverletzt, wie hier gesagt ist: „bedeckt mit Saphiren.” Ebenso fest wird auch der, sagte R. Abba bar Mamal, der mit den Worten der Thora sich einhüllt, und die Halacha ist das Ergebnis, welches durch sie als Entscheidung sich herausstellt. Die Rabbinen sagten: Wer es in der Untersuchung der Worte der Thora bis zur Entscheidung gebracht hat, der verdient durch sie König zu werden s. Prov. 16, 10.
Zu R. Eleasar bar R. Simeon kamen in sein elterliches Haus Eseltreiber,  um Getreide von  der Stadt Hamunja zu  kaufen. Derselbe saß am Ofen und seine Mutter nahm Brot heraus, das aber ihr Sohn, so oft dies geschah, sogleich aß, bis er das ganze gebackene Brot (den Backtrog voll) aufgegessen hatte. Wehe! riefen die Eseltreiber, der muss eine giftige (böse) Schlange im Leibe haben, es scheint, dass er Hungersnot in die Welt bringt. Er hörte ihre Worte. Als sie fortgehen wollten, um Vorrat einzukaufen, soviel wie sie nur laden konnten, nahm er ihre Esel und trug sie auf das Dach hinauf. Sie suchten ihre Esel, fanden sie aber nicht. Als sie ihre Augen aufhoben, da sahen sie dieselben auf dem Dache. Sie wandten sich an seinen Vater (an R. Simeon) und erzählten ihm den Vorgang. Vielleicht habt ihr euch, erwiderte derselbe, gegen ihn übel ausgelassen. Nein, mein Herr! entgegneten sie, die Tatsache wiederholend. Warum habt ihr ihm seinen gesunden Appetit nicht gegönnt? entgegnete er, hat er vielleicht vom eurigen gegessen? Liegt euch sein Lebensunterhalt ob, oder schafft nicht der, der ihn geschaffen, auch seine Nahrung? Geht und sagt ihm in meinem Namen, dass er eure Lasttiere herabbringe. Dieses letztere (eig. das letztere Wunder) war schwerer, als das erstere; denn hinauf hatte er jedes Tier einzeln gebracht, herunter brachte er sie aber paarweise (um seine große Körperkraft zu zeigen); sobald er aber mit der Thora sich beschäftigte, war ihm sogar sein Gewand lästig (konnte er selbst sein Gewand nicht tragen), um zu bestätigen, was geschrieben steht: „Bedeckt mit Saphiren.“
Einer von Rabban Gamliels Hausgenossen trug gewöhnlich eine Kiste mit 40 Sea Mehl gefüllt zum Bäcker. Du bist so kräftig, sprachen die Leute zu ihm, und beschäftigst dich nicht mit dem Gesetz? Er folgte diesem Winke, aber seine Körperkraft nahm allmählich so ab, dass er nur noch 30, 20, 12 und 8 Sea tragen konnte. Als er das Buch beendet hatte, vermochte er nicht einmal mehr eine Kiste mit einem Sea zu tragen. Ja man sagt, dass er nicht mehr sein leinenes Kleid tragen konnte, sondern andere es ihm ausziehen mussten. So hatte sich das Wort an ihm bestätigt: „bedeckt mit Saphiren.“

V. 15. Seine Schenkel Marmorsäulen.
„Seine Schenkel“ d. i. die Welt, „Marmorsäulen“, denn die Welt wurde in den sechs Schöpfungstagen gegründet s. Ex. 20,  11.
„auf güldenen Füssen fest.“ Unter diesen sind die Abschnitte des Gesetzes zu verstehen, von welchen jeder nach seinem Zusammenhange mit dem ihm vorausgehenden und nachfolgenden erforscht und ausgelegt wird. Und warum gleichen sie einer Säule? Weil diese unten eine Basis (ein Postament) und oben ein Kapital hat; ebenso verhält es sich mit den Abschnitten des Gesetzes, man gewinnt aus deren Zusammenhang mit den vorangehenden und nachfolgenden Verordnungen und mancherlei Lehrsätze. Bezüglich der vorangehenden s. Lev. 19, 20-22, wo von der Schändung einer Frau u. s, w. die Rede ist. Darauf folgt von V. 23-25 das Verhalten gegen neu gepflanzte Fruchtbäume. Wie passen diese Bestimmungen zu einander? Durch das Ein- und Ausgehen des Gärtners im Hause des Grundstücksbesitzers findet er Zutritt im Hause des letzteren, wird bei der Magd desselben verdächtig und spricht: Was wird es weiter kosten, doch nicht mehr als ein Sünd- und Schuldopfer? ich werde ein Sünd- und Schuldopfer darbringen. Diejenigen, die im Umgange mit Mägden in dieser Welt es nicht so streng nehmen, sagte R. Judan im Namen des R. Levi, werden es einst mit den Scheiteln ihrer Köpfe büssen s. Ps. 68, 22: „Ja Gott zerschmettert seiner Feinde Haupt, den Haarscheitel dessen, der wandelt in seiner Schuld.“ Was heißt: vymsab ;lhtm der wandelt in seiner Schuld? Mit ihm ist seine Schuld. Von einem solchen leichtfertigen Menschen sagen die Leute: Der Mann mag mit seiner Schuld gehen. Dieselbe Verordnung hinsichtlich des Verhaltens gegen die jungen Fruchtbäume wird auch in Verbindung mit dem folgenden Verbot des Blutgenusses und der Zauberei s. das. V. 26 so ausgelegt. Gott spricht: Wie du in Bezug auf die ‘Orla des jungen Baumes drei Jahre wartest, willst du nicht auch in Bezug auf dein Weib warten, bis sie vom Blute der Nidda (Menstruation) rein ist? und wie du in Bezug auf die ‘Orla des Baumes drei Jahre wartest, willst du nicht auch warten, bis das Blut des geschlachteten Tieres ausgedrückt ist? Wer hat sich vorschriftsmässig gegen letztere Vorschrift (nichts mit Blut zu essen) verhalten? Saul, er machte in dieser Beziehung den Anfang s. 1 Sam. 14, 33. 34: „Und man berichtete es Saul und sprach: Siehe das Volk sündigt gegen den Ewigen, indem es mit Blut isst. Und Saul sprach: Zerstreuet euch unter das Volk und sprechet zu ihnen: Bringet zu mir ein jeglicher seinen Ochsen und ein jeglicher sein Schaf und schlachtet es allhier und esset.“ Was heißt das? Mit diesem (hzb)? Er zeigte ihnen ein vierzehn Finger langes Messer. Wieso vierzehn Finger lang? b ist 2, z ist 7 und h ist 5, was zusammen 14 macht. Und nach dieser Ordnung sollt ihr schlachten und essen. Und wo hat es ihm Gott vergolten? Im Kriege mit den Philistern, wie es heißt das. 13, 22: „Und es geschah am Tage des Streites, da ward kein Schwert noch Spieß gefunden in der Hand des ganzen Volkes, das mit Saul und Jonathan war; aber bei Saul und Jonathan, seinem Sohne, wurden sie gefunden.“ Einmal heißt es: „Es wurde nicht gefunden“ und dann heißt es wieder: „Es wurde gefunden?“ Und wer hat es ihn finden lassen? Nach R. Chaggi im Namen des R. Jizchak hat es ihn ein Engel, nach den Rabbinen hat es ihn Gott selbst finden lassen, wie es heißt das. 14, 35: „Und Saul baute einen Altar dem Ewigen. Das ist der erste Altar, den er dem Ewigen zu bauen anfing.“ Wie viele Altäre haben (nicht schon) die Altvordern gebaut; Noach baute einen Altar, Abraham einen, Jizchak einen, Jacob einen, Mose einen, Josua einen, und du sagst: „er fing an zu bauen?“ Es will sagen: Er war der erste der Könige, der zu bauen anfing. R. Judan sagte: Weil er sein Leben für die Sache hingab, so rechnet es ihm die Schrift so an, als hätte er überhaupt angefangen einen Altar zu bauen. R. Simeon bar R. Jose bar Lakunja sagte: Was der eine hier in dieser Welt baut, reißt ein anderer ein, was der eine pflanzt, davon genießt ein anderer die Frucht, aber einst wird es anders sein, und zwar wie Jes. 65, 22 u. 23 geschrieben steht: „Nicht sollen sie bauen und ein anderer bewohnen, nicht pflanzen und ein anderer essen u. s. w., nicht vergebens sollen sie sich abmühen und nicht zeugen für den Schrecken; denn ein Same Gottgesegneter sind sie und ihre Sprösslinge bleiben ihnen“, ebenso heißt es das. 61, 9: „Denn es ist bekannt ihr Same unter den Heiden und ihre Sprösslinge unter den Völkern; alle, die sie sehen, erkennen, dass sie ein Same sind, vom Ewigen gesegnet.“

V.  16.    Sein Gaumen Süßigkeiten.
Gibt es wohl größere Süßigkeiten, als die Worte Am. 5, 4: ,,So spricht der Ewige zum Hause Israel: suchet mich, so werdet ihr leben?“ und gibt es wohl einen Gaumen, der größere Süßigkeiten fließen ließe, als der da spricht Ezech. 33, 11: „Bei meinem Leben! spricht der Ewige, Gott, ich habe kein Wohlgefallen am Tode des Frevlers“ u. s. w.? Oder gibt es ferner wohl einen süßeren Gaumen, als der da spricht das. 18, 23: „Habe ich denn Wohlgefallen am Tode des Frevlers? spricht der Ewige, Gott, und nicht vielmehr daran, dass er sich kehre von seinem Wandel und lebe?“ Oder gibt es einen süßeren Gaumen, als der da spricht s. das. V. 27: „Wenn aber der Frevler sich kehret von seinem Frevel, den er geübt, und übet Recht und Gerechtigkeit, so wird seine Seele leben?“ Gibt es also einen süßeren Gaumen als diesen? Resch Lakisch sagt: Er muss aber die früheren Sünden bereuen. Wie so? Von R. Simeon ben Jochai ist gelehrt worden: Wenn ein Mensch in seinem Leben (in seinen Tagen) ein vollkommner Frevler war, am Ende aber ein vollkommner Gerechter wird, so sagt die Schrift über ihn Ezech. 33, 12: „Und durch seinen Frevel wird der Frevler nicht stürzen am Tage, wo er sich bekehrt von seinem Frevel.“ Und nicht nur das, bemerkte R. Jochanan, sondern alle die Vergehungen, die er begangen, rechnet ihm Gott zu seinen Gunsten. Das steht auch Ps. 45, 9: „Myrrhe und Aloe und Kasia sind all deine Kleider“ d. i. alle deine Treulosigkeiten, welche du gegen mich begangen, sind wie Myrrhe und Aloe vor mir. Es ist gelehrt worden: Im wievielten Jahre seines Lebens erkannte Abraham seinen Schöpfer? Nach R. Chanina und R. Jochanan geschah es im 48. Jahre,  nach R. Simeon  ben Lakisch  im 3. Jahre,   denn das Wort bqi Gen. 26, 5 hat 172 in der Zahl (und Abrahams Alter war 175 Jahre). R. Levi sagte: Es geschah zurzeit, sobald er die Ferse von der Erde erheben konnte (in so zartem Kindesalter, da er gehen konnte). Nach R. Samuel bar Nachman rechtete Gott an drei Orten mit Israel. Die Völker der Welt empfanden darüber eine große Freude und am Ende gingen sie beschämt davon. 1) Als der Prophet Jesaja zu ihnen sprach s. Jes. 1, 18: „So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der Ewige“, da freuten sich die Völker der Welt und sprachen: Wie können sie mit ihrem Schöpfer rechten? Wer vermag das? Jetzt wird er sie von der Welt vertilgen. Als Gott diese Freude der Völker der Welt sah, gab er der Sache eine günstige Wendung mit den Worten s. das.: „Wenn eure Sünden gleich blutrot sind, so sollen sie doch schneeweiß werden“ u. s. w. Die Völker der Welt wunderten sich und sprachen: ist das auch eine Antwort (auf das Vorhergehende: ,,wir wollen rechten“), dass er sagt: „eure Sünden sollen weiss werden, sie sollen euch verziehen werden? und ist das eine Zurechtweisung (ein Tadel)? Er treibt nur Scherz mit den Kindern. 2) Als Gott sprach Mich. 6, 2: „Höret ihr Berge den Rechtsstreit des Ewigen, samt den starken Grundfesten der Erde, denn der Ewige will mit seinem Volke streiten, mit Israel rechten“, da freuten sich die Völker der Welt und sprachen: Wie können sie sich mit ihrem Schöpfer in einen Streit einlassen? Wer kann es? Jetzt droht ihnen der Untergang. Als Gott aber die Freude der Völker der Welt sah, wandte er es ihnen zum Guten, wie es heißt s. das. 3 u. 5: „Was habe ich dir getan, mein Volk? und womit habe ich dich belästigt? Antworte mir! Mein Volk! gedenke doch, was Balak, König von Moab, ratschlagte, und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete. Die Völker staunten und sprachen: Was ist das? er treibt nur Scherz mit seinen Kindern. 3) Als der Prophet Hosea die Mahnung vernehmen ließ s. Hos. 12, 3: „Ein Rechtsstreit ist dem Ewigen mit Juda, dass er an Jacob ahnde seinen Wandel, nach seinen Handlungen wird er ihm vergelten“, da freuten sich die Völker der Welt und sprachen: Wie werden sie vor ihrem Schöpfer bestehen können, wer wagt es, mit seinem Schöpfer zu streiten? Jetzt wird er sie aus der Welt vertilgen. Als Gott die Freude der Völker der Welt sah, wandte er es ihnen zum Guten und sprach s. das. V. 4: „Im Mutterleibe überlistete er seinen Bruder und mit seiner Kraft kämpfte er mit Gott.“
Letzteres kommt mir so vor, sagte R. Judan, wie jene Witwe, die ihren Sohn bei dem Richter anklagen wollte. Als sie den Richter sah, dass seine Urteile auf Feuer und Pech gingen und auf Stockschläge, sprach sie: Ich trage dem Richter die üblen Taten meines Sohnes nicht vor, er könnte ihn sonst hinrichten lassen. Als der Richter seine Sache erledigt hatte, fragte er sie: Ist das dein Sohn? Sodann fragte er: Was hat dein Sohn gegen dich begangen? Sie sprach: Mein Herr! er hat mich in meinem Leibe getreten. Hat er sich jetzt gegen dich vergangen? Nein, war ihre Antwort. Geh, sprach der Richter, hier liegt kein Grund zu einer Klage vor, denn es heißt: „Im Leibe fasste Jacob seinen  Bruder.“ Ebenso hat Gott, sagte R. Eleasar bar Simon, unserm Vater Jacob Ehre erwiesen.
„Sein Gaumen ist Süßigkeiten.“ R. Asarja und R. Acha sagten im Namen des R. Jochanan: Als die Israeliten am Berge Sinai das Wort: „Ich bin“ hörten, floh die Seele von ihnen, wie Deut. 5, 22 geschrieben steht und was auch Cant. 5, 6 gesagt wird: „Meine Seele ging aus, als er mit mir sprach.“ Das Wort trat wieder vor Gott hin und sprach: Herr der Welt! du lebst ewig, dein Gesetz besteht ewig, abgesandt hast du mich an Tote. Darauf machte Gott ihnen das Wort süß s. Ps. 29, 4: „Die Stimme des Ewigen mit Kraft, die Stimme des Ewigen mit Majestät.“ R. Chama bar R. Chanina erklärte diese Stelle dahin: Die Stimme des Ewigen ist mit Kraft für die jungen Männer, sie ist mit Majestät für die Schwächlinge. Die Thora, welche Gott Israel gegeben, führte ihnen, wie R. Simeon ben Jochai sagt, ihre Seelen zurück; nach Ps. 19, 8: „Die Thora des Ewigen ist vollkommen, sie führt die Seele wieder zurück.“
„Sein Gaumen ist Süßigkeiten.“ Einem Könige gleich, welcher zu seinem Sohne redete und dieser, von Furcht übermannt, dadurch wie entseelt wurde. Als der König diese Veränderung wahrnahm, herzte und küsste er ihn und redete ihm zu und sprach: Was ist dir? Bist du nicht mein einziges Kind, und bin ich nicht dein Vater? So war es auch am Sinai. Als Gott die Worte sprach: „Ich bin der Ewige, dein Gott“, entflohen ihnen (den Israeliten) die Seelen. Da fingen die Engel an sie zu umarmen und zu küssen (d. i. sie flössten ihnen durch Liebkosungen und freundliches Zureden Mut ein) und sprachen zu ihnen: Was ist euch? Fürchtet euch nicht, ihr seid Kinder des Ewigen, eures Gottes. Gott versüßte ihren Gaumen d. i. das Wort, und sprach zu ihnen: Seid ihr nicht meine Kinder und bin ich nicht der Ewige, euer Gott? Ihr seid mein Volk und seid mir lieb und wert, und er fing an ihnen so zuzureden, dass ihr Leben (eig. ihre Seele) von neuem zu ihnen zurückkehrte und sie fingen an vor ihm zu beten: Wie ist sein Gaumen voll von Süßigkeiten!
Oder das Gesetz flehte Gottes Erbarmen über die Israeliten an und sprach vor ihm: Herr der Welt! vermählt wohl ein König seine Tochter und tötet dann seinen Eidam (eig. seinen Haussohn)? Die ganze Welt ist um meinetwillen erfreut und deine Kinder sollen sterben? Sofort kehrte ihr Leben in sie zurück, wie der Sänger Ps. 19, 8 sagt: „Die Lehre des Ewigen ist vollkommen, sie führt die Seele zurück.“
R. Acha und R. Tanchum bar R. Chija sagten im Namen des R. Jochanan:
Es heißt Ezech. 20, 20: „Und meine Shabbathe sollt ihr heiligen.“ Wodurch? Durch Speise, Trank und reine Kleider s. Ex. 31, 13. Ich bin beglaubigt, euch dafür gut zu belohnen. Gewöhnlich, setzte R. Chija bar Abba beispielsweise hinzu, wenn ein Mensch mit dem Hausherrn arbeitet, so belohnt ihn der Hausherr, weil er sich mit Lehm besudelt hat, ich aber, spricht  Gott, tue nicht so, sondern ich warne die Israeliten und spreche zu ihnen: Besudelt euch nicht mit einer schlechten Sache, so gebe ich euch guten Lohn s. Lev. 11, 43. 44, denn ich bin beglaubigt, euch guten Lohn in der künftigen Welt zu geben. R. Judan sagte im Namen des R. Chama bar R. Chanina und R. Berachja im Namen des R. Abuhu: Es heißt Lev. 20, 26: „Ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, der euch abgesondert hat von den Völkern.“ Wenn es hieße: ich sonderte die Völker von euch ab, so gäbe es keinen Bestand für die Feinde Israels, so aber steht: Ich sonderte euch von den Völkern ab d. i. wie man das Schlechte vom Schönen ausscheidet, und er braucht die Sonderung nicht mehr zu wiederholen, wer es umgekehrt macht und das Schöne vom Schlechten ausscheidet, wird die Sonderung mehrmals wiederholen müssen. Ebenso hier, wenn gesagt wäre: ich sonderte die Völker von euch, da gäbe es keinen Bestand für die Feinde Israels, allein es heißt: ich sonderte euch von den Völkern, daraus geht hervor, schließt R. Acha, dass Gott zu den Völkern der Welt sprach, dass sie sich bekehren (Busse tun) möchten, damit er sie unter seine Fittiche nehme. R. Levi sagte: In allen Hantierungen zeichnen sich die Israeliten von den Völkern der Welt aus, beim Pflügen, Säen, Pflanzen, Ernten, Garbenbinden, Dreschen, durch ihre Tennen, Keltern, Dächer, an ihren Erstgeborenen, ihrem Fleische, am Scheren und Zählen. Bei ihrem Pflügen, wie es heißt Deut. 22, 10: „Du sollst nicht pflügen mit Ochsen und Eseln zugleich“, bei ihrem Säen s. das. V. 9: „Du sollst deinen Weinberg nicht besäen mit zweierlei Samen (Gemischtem)“, bei ihrem Pflanzen s. Lev. 19, 23: „Und achtet als Vorhaut ihre Früchte“, beim Ernten s. das. 19, 9: „Wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, so sollst du nicht die Ecken deines Feldes ganz abernten“, bei ihrem Garbenbinden s. Deut. 24, 19: „Und vergaßest deine Garbe auf dem Felde, so sollst du nicht umkehren“, bei ihrem Dreschen s. das. 25, 4: ,,Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt“, durch ihre Tennen und ihre Keltern s. Ex. 22, 29: „Mit der Fülle und dem Ausflusse sollst du nicht zögern.“ Und was von dem Ertrage ihrer Tennen geschrieben steht, das steht auch vom Ertrage ihrer Keltern geschrieben. Durch ihre Dächer s. Deut. 22, 8: „So du ein Haus bauest, so mache ein Geländer um dein Dach“, durch ihr Scheren s. Lev. 19, 27: „Und du sollst nicht die Ecken deines Bartes abscheren“, und bei ihrem Zählen s. Ex. 30, 12: „Wenn du die Summe der Kinder Israel aufnimmst“ u. s. w.  Die Israeliten zählen (das Jahr) nach dem Monde, die Völker der Welt nach der Sonne. R. Berachja gab zwei Erklärungen, die eine im Namen des R. Kahana, die andere im Namen des R. Levi. Die im Namen des R. Kahana lautet: Die Israeliten preisen Gott und dieser preiset sie, sie preisen ihn von oben nach unten, er preist sie von unten nach oben; sie preisen ihn von oben nach unten, dass er, obwohl er in den höchsten Sphären wohnt, doch seine Schechina bei den Unteren wohnen lässt, und er preist sie von unten nach oben, sie (die Gemeinde Israel), welche auf der niedersten Stufe (des  Glückes) steht, und er wird sie erhöhen. Gleich einem Könige, wurde im Namen des R. Levi gesagt, der sich mit einer Matrone vermählen, aber zuvor dieselbe sehen wollte. Als er sie zu sehen bekam, fing er an sie zu loben und zu preisen, wie es heißt Cant. 7, 8: „Dieser dein Wuchs gleicht der Palme.“ Auch sie sprach: ich will ihn sehen. Als sie ihn sah, fing sie an ihn zu preisen: „Sein Gaumen Süßigkeit, sein ganzes Leben Lieblichkeit.“