Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 7 – Vers 1-14

V. 1. Kehr um, kehr um, o Sulamith.
V. 2. Wie schön sind deine Tritte in den Schuhen, Fürstentochter.
V. 3. Dein Nabel ein rundes Becken.
V. 5. Dein Hals gleicht einem Turm von Elfenbein.
V. 6. Dein Haupt auf dir wie der Karmel.
V. 7. Wie schön bist du, wie so lieblich bist du.
V. 8. Dein Wuchs gleicht der Palme.
V. 9. Ich sprach:  Lass mich klimmen wie die Palme.
V. 10. Und dein Gaumen wie der beste Wein.
V. 11. Ich bin meines Geliebten und nach mir geht sein  Verlangen.
V. 12. Auf, mein Geliebter, aufs Feld hinaus lass uns ziehen!
V. 13. Früh wollen wir in die Weinberge gehen
V. 14. Schon duften die Mandragoren


V.  1.    Kehr um, kehr um, o Sulamith.
R. Samuel bar Chija bar Judan sagte im Namen des R. Chanina: Viermal steht hier das Wort ybvs kehr um! entsprechend den vier Reichen, welche über Israel geherrscht haben, und die Israeliten sind in Frieden in sie hinein- und in Frieden auch wieder herausgegangen. Sulamith ist die Nation, welcher der Friede des Ewiglebenden überall hinfolgt s. 2 Sam. 7, 6, oder die Nation, welcher die Priester täglich am Schlusse Frieden zurufen s. Num. 6, 26, oder die Nation, zu der Gott spricht: ich werde einst ihren Nachkommen die Wohnung des Friedens zu Teil werden lassen s. Jes. 32, 18, oder die Nation, zu der Gott spricht: ich neige über sie den Frieden wie einen Strom s. das. 66, 12, oder die Nation, sagte R. Eleasar bar R. Maron, welche den Posten der Welt aufrecht erhalten wird in dieser und in der zukünftigen Welt, oder die Nation, sagte R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, durch welche alles Gute in der Welt kommt s. Gen. 27, 28. Gott wird dir geben vom Tau des Himmels“ u. s. w., „dir“ d. i. deinethalben (wird Gott den Tau des Himmels spenden). Wandle in deiner Tugend (deinem Verdienst), an dich ist die Sache gehängt (von dir hängt die Sache ab) s. Deut. 28, 12. Oder es ist nach R. Samuel bar Tanchum und R. Chanan bar R. Berachja aus Bozra im Namen des R. Jeremja die Nation, von der Gott sagt: Sie hat den Frieden zwischen mir und meiner Welt hergestellt, hätte sie mein Gesetz nicht angenommen, so würde ich meine Welt wieder in eine Wüste und Öde verwandelt haben; denn R. Huna hat im Namen des R. Acha den Vers Ps. 75, 4: „Die Erde und alle ihre Bewohner zerrinnen“ dahin erklärt: wenn nicht die Israeliten vor mir am Berge Sinai gestanden und gesprochen hätten Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir tun und gehorchen.“ so wäre die Welt sofort ganz zerflossen. Und wer machte die Welt fest (wer gab ihr eine feste Basis)? Das Wort ykna (das erste Wort des Decalogs), wie es heißt Ps. 75, 4: ,,lch stelle fest ihre Säulen“ vergl. Ex. 20, 2: „Ich bin der Ewige, dein Gott.“
dass wir dich sehen.
Die Völker der Welt sprechen zu den Israeliten: Wie lange noch kommt ihr für euren Gott um? wie lange gebt ihr euch ihm hin s. Cant. 1, 3: „Darum lieben sie dich in alle Ewigkeit.“ Wie lange lasst ihr euch für ihn umbringen? wie es heißt Ps. 44, 23: „Ja um dich werden wir gemordet den ganzen Tag.“ Wie lange zeigt ihr euch ihm dankbar für das Übel, das er euch auferlegt? Kommt zu uns, wir wollen euch zu Heerführern, Eparchen und Kriegsherrn machen. „Dass wir dich sehen“ d. i. kommt, ihr seid der Augenschein der Welt vergl. Ex. 18, 21. Darauf erwiderten ihnen die Israeliten: Was wollt ihr schauen an Sulamith? „Wie Reigentanz der Lager?“ Habt ihr jemals gehört, dass Abraham, Jizchak und Jacob Götzen angebetet hätten, so dass ihre Kinder nach ihnen Götzen anbeten sollten? Unsere Väter haben es nicht getan, und wir nach ihnen sollten es tun? Allein könnt ihr uns so einen Reigentanz veranstalten, wie unserm Vater Jacob bei seiner Rückkehr von Labans Hause zu Teil geworden (s. Gen. 32, 3)? R. Berachja im Namen des R. Levi sagte: Damals tanzten und hüpften 600000 oder nach den Rabbinen 1200000 s. Gen. 32, 2 vor unserm Vater Jacob. Zu einem Lager gehören 600000, da Jacob aber den Ort Mahanaim (Doppellager) nannte, so waren es 1200000. Oder könnt ihr uns vielleicht einen solchen Reigentanz aufführen, wie unsern Vorfahren am Meere widerfahren s. Ex. 14, 19? Oder könnt ihr uns einen solchen Reigentanz aufführen, wie dem Elisa zu Teil wurde s. 2 Reg. 6, 8 — 23? Oder könnt ihr uns endlich einen solchen Reigentanz aufführen, wie ihn Gott einst den Gerechten (Frommen) in der künftigen Welt aufführen wird? R. Berachja und R. Chelbo und Ula Berea und R. Eleasar im Namen des R. Chanina sagten: Einst wird Gott den Gerechten in der künftigen Welt einen Reigentanz aufführen s. Ps. 48, 14: „Richtet euer Herz auf den Reigentanz“, wo nicht hlyxl, sondern hlvxl steht,  und  sie  werden  mit Fingern  auf ihn  zeigen  und  sprechen s. das. 15: „Dieser ist unser Gott! er wird uns leiten“ tvmli d. i. wie die Jungfrauen im Reigen (hlvxmb) der Gerechten.

V. 2. Wie schön sind deine Tritte in den Schuhen, Fürstentochter.
R. Judan sagte: Auch wenn ein ungebildeter Mensch mit diesen Worten lobt, ist es ungeziemend für ihn und hier heißt es: „Wie schön sind deine Schritte?“ Allein hier sind nur die Schritte der Wallfahrer gemeint, und sind diese zuweilen nicht frei, zuweilen verdeckt? Der Sinn der Worte ist somit dieser: Wie schön sind deine Fersen in den Schuhen, Tochter meines Geliebten (Abrahams, der sagte: „Weder Faden noch Schuhriemen.“ Dafür gab Gott seinen Nachkommen das Gebot der Schaufäden und des Schuhausziehens d. i. Chaliza statt der Leviratsehe)).
R. Berachja sagte: Die zwei Berge der Welt, R. Elieser und R. Josua, haben den Vers auf diese Weise ausgelegt. Was war die Schönheit deiner Schritte in den Schuhen (bei der Wallfahrt nach Jerusalem)? Wie schön waren deine Pilgerfahrten, welche allen Drangsalen den Eingang verschlossen haben.
Ein Festpilger hatte einmal vergessen, die Türen seines Hauses zu verschließen. Als er zurückkam, fand er eine Schlange an den Ringen seiner Türen gebunden.
Ein anderer hatte seine Hühner nicht ins Haus gebracht, bevor er die Wallfahrt antrat, und er fand bei seiner Rückkehr zerrissene Katzen bei denselben.
Wieder ein anderer Pilger hatte vergessen, einen Weizenhaufen in sein Haus zu führen, als er von Jerusalem zurückkam, fand er denselben von Löwen umgeben.
R. Pinchas erzählt: Zwei reiche Brüder zu Askalon hatten böse Nachbarn von den Völkern der Welt. Dieselben verabredeten sich, wenn jene zur Anbetung nach Jerusalem hinaufziehen, so brechen wir in ihre Häuser ein und zerstören alles. Als die Festzeit gekommen war, schlossen die Brüder sich dem Festzuge an. In ihrer Abwesenheit aber sandte Gott Engel, die ihnen ähnlich sahen, welche in ihren Häusern ein- und ausgingen. Bei ihrer Rückkehr teilten die Brüder Geschenke unter alle ihre Nachbarn aus. Wo seid ihr denn gewesen? fragten diese. In Jerusalem, war die Antwort. Wann reistet ihr dahin? An dem und dem Tage. Wann kehrtet ihr zurück? An dem und dem Tage. Preis dem Gotte der Juden! weil sie und er den Anschlag nicht zur Ausführung kommen ließen. Jene Männer wollten, wenn die Juden nach Jerusalem zur Anbetung ziehen würden, in eure Häuser einbrechen und alles zerstören, er (Gott) hat aber Engel gesandt, die euch ähnlich sahen und die in euren Häusern ein- und ausgingen, um euch vor Schaden zu bewahren, um zu bestätigen, was hier gesagt ist: „Wie schön sind deine Schritte!“
R. Chama bar R. Chanina sagte: Es verhält sich wie mit zwei Kaufleuten, die miteinander nach einer Stadt reisten. Dort angekommen, sprach einer  zum andern:  Wenn wir beide zugleich unsre Ware hier ausbieten, so sinkt sie im Werte, biete du deine Ware in dieser Woche aus und ich will die meinige in der andern Woche ausbieten.
R. Chananja bar R. Ibi sagte: Es heißt nicht: „Wie schön sind deine Schritte im Schuh“, sondern: in den Schuhen.“ Es sind damit die beiden Schuhe am Pessach- und Laubhüttenfeste gemeint. Gott spricht nämlich zu den Israeliten: Ihr schließet vor mir am Laubhüttenfeste und ich schließe vor euch am Pessach; wenn ihr vor mir am Laubhüttenfeste schließt, so öffne ich, ich lasse nämlich Winde wehen, Wolken aufsteigen, Regen herabströmen, lasse die Sonne aufgehen, ziehe Gewächse groß und gebe Saft den Früchten und richte vor jedem den Tisch an und versehe jeden mit dem nötigen Lebensunterhalt und es fehlt an nichts. Hiermit schließe ich vor euch am Pessach und ihr ziehet dann hinaus, schneidet, drescht, windschaufelt, verrichtet alle erforderlichen Feldarbeiten und findet Segen in Fülle.
R. Josua ben Levi sagte: Eigentlich sollte das Schlussfest des Laubhüttenfestes um 50 Tage entfernt sein vom Schluss des Pessach, weil aber in jener Zeit der Übergang vom Sommer zum Winter stattfindet, so sind diese Tage für das Reisen nicht günstig. Gleich einem Könige, welcher viele Töchter hatte, von welchen einige in seiner Nähe, einige in der Ferne verheiratet waren. Eines Tages kamen alle zu ihrem Vater zum Besuch. Da sprach der König: Diejenigen, welche in meiner Nähe verheiratet sind, haben Zeit, mich zuweilen zu besuchen, diejenigen aber, welche von mir weit entfernt leben, nicht, weil ihr aber jetzt einmal alle bei mir seid, wollen wir uns alle einen guten Tag machen und miteinander uns freuen. So sprach auch Gott: Weil man am Schlusse des Pessach vom Winter in den Sommer  tritt, wo man eine Reise unternehmen kann, aber am Schlusse des Laubhüttenfestes, wo der Übergang vom Sommer in den Winter stattfindet, das nicht der Fall ist, indem der Staub der Wege hart ist und die Wege beschwerlich sind, so sei hier nicht ein Zwischenraum von 50 Tagen, sondern da ihr einmal beisammen seid, so wollen wir uns alle einen Festtag machen und uns freuen, weshalb auch Mose den Israeliten Num. 29, 35 einschärft, den achten Tag als Schlussfest festlich zu begehen.
Fürstentochter d. i. Tochter Abrahams, welcher Fürst genannt wird, wie es Ps. 47, 10 heißt: „Der Völker Fürsten versammeln sich zum Volk des Gottes Abrahams“, weil er unter den Menschen zuerst Gott erkannte, aus freien Stücken sich Gott zuwandte
deiner Hüften  Wölbungen.
R. Jochanan sagte: Alle Ergötzlichkeiten in dieser Welt haben die Israeliten der Beschneidung zu verdanken, welche (an dem Gliede) zwischen den Hüften vorgenommen wird.
R. Chija sagte: Warum haben die Weisen der Bitte um Genesung die achte Stelle (in dem 18 gliedrigen Gebete) angewiesen? Entsprechend der Beschneidung, welche am achten Tage stattfindet vergl.  Mal.  2, 5.
wie Kettenwerk von Künstlerhänden.
Wie viele Krankheiten sind Folge der Beschneidung! wie viele Kinder, die beschnitten worden sind, sterben nicht! Als ich einmal nach Kappadocien kam, erzählt R. Nathan, starben einer Frau daselbst vier Söhne daran, der erste wurde beschnitten und er starb, ebenso der zweite und der dritte. Man brachte den vierten vor mich, ich fand sein Fleisch frisch (eig. grün), ich besichtigte es und fand nicht an ihm das Blut des Bundeszeichens. Man sprach zu mir: Sollen wir es beschneiden? Wartet und lasset es, sprach ich zu ihnen, bis das Blut des Bundes sich bei ihm zeigt, denn es ist dort gelehrt worden: Ein kleines Kind, das krank ist, wird nicht eher beschnitten, als bis es gesund (kräftig) ist. (Dieser Anordnung kam man nach,) sie ließen es, beschnitten es und es ergab sich, dass es ein lebensfähiger Knabe war, und er erhielt meinen Namen Nathan.
Was bedeutet ,yalx? R. Hunja sagte: Wie der gewundene Knopf (Teil, Vorsprung) einer Säule (dvmi ls aylvxl). Die Rabbinen sagten: Wie ein Perlenring. Und wer hat ihn gefertigt? R. Menachma sagte: Das Werk „von Meisterhänden“ d. i. es war das Werk des göttlichen Meisters in der Welt. Gleich einem Könige, sagte R. Samuel, welcher einen Lustgarten hatte, in welchen er ganze Reihen von Nuss-, Apfel und Granatbäumen gepflanzt hatte. Er übergab ihn seinem Sohne mit den Worten: Mein Sohn! ich verlange dafür von dir nichts weiter, als dass du von den Früchten, wenn sie reif geworden sind, mich kosten lässt, damit ich das Werk meiner Hände sehe und mich an ihm erfreue. So sprach auch Gott zu den Israeliten: Meine Kinder! ich verlange von euch weiter nichts, als wenn einem von euch das erste Knäblein geboren worden ist, es meinem Namen zu weihen s. Ex. 13, 2 und wenn ihr zu den Festen nach Jerusalem pilgert, dass auch alles Männliche mit euch vor mir erscheine, weshalb Mose dem Volke dringend empfiehlt, dreimal des Jahres dort zu erscheinen s. das. 23,  17.

V.  3.    Dein Nabel ein rundes Becken.
Unter Ersterem sind die Synedrien zu verstehen. Wie das Kind die ganze Zeit, wo es im Leibe seiner Mutter ist, nur durch seinen Nabel lebt, so können auch die Israeliten ohne die Synedrien nichts tun. Unter dem „runden Becken“ ist der Sitz (Tenne) des Synedriums zu verstehen, von dem die   Belehrung ausgeht. Abun bar Chasdi sagte: Es gibt Orte, wo man den Mond hrhc anstatt hrhz nennt.
dem Mischwein nicht gebricht d. i. das Synedrium durfte nicht weniger als 23 Mitglieder zählen. Oder: es fehlte dem Synedrium nicht an einer Oberleitung (alpvm), Oder es fehlte dem Synedrium nicht an dem, von  dem die Halacha sich herleitet, wie dort gelehrt worden ist: Man mischt aus zwei Teilen Wasser und einem Teile Wein vom Weine Scharon [size=x-small](vom saronitischen Wein. Deutlicher wird der Sinn der Stelle durch Midr. Bamidbar r. Par. I: Wer eine richtige Weinmischung vornimmt, gießt in den Becher ein Drittel Wein und zwei Drittel Wasser, Ebenso war es beim Synedrium, das sich von der Zeit des Morgenopfers bis zur Zeit des Abendopfers in der Tempelhalle aufhielt, ohne dass ein Mitglied desselben seiner Privatbeschäftigung nachging. Wenn jedoch einer von ihnen hinauszugehen benötigt war, so entfernte er sich nur dann, wenn noch ein Drittel vom großen aus 71 Mitgliedern bestehenden Synedrium zurückblieb, also 23 Mitglieder, die ein kleines Synedrium bilden konnten.).[/size] Oder es fehlte dem Synedrium nicht der Ernährer der Welt vergl. Ps. 23,  1.
dein Leib ein Weizenhügel d. i. die Priesterthora (Thorat Kohanim). Wie der Bauch das Herz von dieser und die Schenkel von jener Seite hat, er selbst aber in der Mitte ist, so hat auch die Priesterthora zwei Bücher zu jeder Seite und sie selbst ist in der Mitte. Oder der Ausdruck ,yux tmri geht auf die Opfer der Sünder (,yaux ls tmri).
umsteckt mit Lilien d. i. die Worte der Thora, welche so fein (zart) wie Lilien sind. Wie viele Vorschriften, Feinheiten, wie viel Leichtes und Schweres, Unreines und Überschüssiges  [size=x-small](das sind die Vorschriften betreffs der Opfer, die nicht in der gesetzten Zeit ganz gegessen waren, und deshalb verbrannt werden mussten) [/size] gibt es nicht in der Priesterthora! Gleich einem Mann, sagte R. Levi, welcher im 30. oder 40. Jahre seines Alters heiratet und nachdem er alle nötigen Ausgaben bestritten hat, sich seiner Neuvermählten nun hingeben will, diese aber spricht zu ihm: ich sah etwas rot wie eine Lilie, in welchem Falle er sich von ihr fern halten muss. Was ist schuld daran, dass er sich nicht nahet? Welche eiserne Wand oder eiserne Säule ist zwischen ihnen? Welche Schlange hat ihn gebissen, welcher Skorpion ihn gestochen, dass er sich ihr nicht nahet? Die Worte der Thora, die so zart wie die Lilien sind s. Lev. 18, 19. Oder einem wird eine Schüssel mit Fleischstücken vorgesetzt, er hört aber, dass ein Stück Unschlitt hineingefallen ist, da zieht er sogleich seine Hand davon zurück und will nicht davon kosten. Wer hindert ihn daran, dass er es nicht kostet? Welche Schlange hat ihn gebissen, welcher Skorpion hat ihn gestochen, dass er dem Gerichte nicht nahen und es kostet? Nichts anderes, als die Worte der Thora, welche so zart wie Lilien sind s. Lev. 7, 23.
Oder: „Dein Bauch ist ein Weizenhügel.“ Warum aber ein Weizenhügel und nicht ein Haufe von Pinienäpfeln, die doch schöner als Weizen sind? Weil die Welt eher die Pinienäpfel entbehren kann, als den Weizen. R. Idi sagte: Wie das Weizenkorn gespalten ist, so ist auch Israel durch die Beschneidung gespalten.
R. Jose bar Chanina sagt: Wie der Weizen Wasser einsaugt, so saugen auch die Israeliten die Güter der Völker der Welt ein s. Deut. 7,  16 vergl. Jes. 61, 6.
R. Simon ben Levi sagte: Wie mit dem Weizen auch das Geringe, der Abfall (die Spreu) gemessen wird, so wird auch der Holzhauer und Wasserschöpfer mit zu den Israeliten gezählt s. Deut. 29,  11.
R. Jizchak sagte: Wie der Weizen beim Säen sowohl, wie bei dem Einführen auf die Tenne gezählt wird, so wurden auch die Israeliten bei ihrem Einzug wie bei ihrem Auszug aus Ägypten gezählt s. Ex. 1, 5 und 12, 37.
R. Hunja setzt zu dem, was R. Jizchak gesagt, noch das hinzu. Wie der Hausherr seine Aufmerksamkeit nicht auf Körbe von Dünger, auf Körbe Stroh, nicht auf die Stoppel und Spreu richtet, weil sie keinen Wert haben, so blickt auch Gott nicht auf die Völker der Welt (er würdigt sie nicht einer solchen Obhut), weil sie nichts sind s. Jes. 40, 17, wie er auf Israel blickt s. Ex. 30, 13 und Num. 1, 2. R. Nechemja sagte im Namen des R. Abun: Nicht auf die Völker der Welt, wohl aber auf das Volk Israel wurden die Ausdrücke: Pflanzen, Säen, Wurzeln angewendet, welche alle drei in einem Verse vorkommen, näml. Jes. 40, 24: „Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum wurzelt in der Erde ihr Stamm, so bläst er sie an, und sie verdorren, und ein Sturmwind rafft sie hinweg wie Spreu“; aber für Israel gilt das Pflanzen s. Jer. 32, 41 vergl. Am. 9, 15, ebenso das Säen s. Hos. 2, 25 und Wurzeln s. Jes. 27, 6.
Das Stroh, die Spreu und die Stoppeln stritten einmal miteinander, ein jedes behauptete: Meinetwegen ist das Feld besät worden. Wartet bis zu der Zeit, sprach der Weizen, dass ihr auf die Tenne kommt, da wird sich’s zeigen, wer von euch Recht hat. Als sie auf die Tenne eingeführt waren, kam der Hausherr und windschaufelte. Die Spreu wurde vom Winde verweht, das Stroh auf die Erde geworfen, die Stoppel verbrannt, der Weizen aber aufgeschüttet und wer ihn sah, küsste ihn s. Ps. 2, 12. Ebenso streiten sich auch die Völker der Welt, ein jedes behauptet: Wir sind Israel und um unsertwillen ist die Welt erschaffen worden. Wartet bis der von Gott (bestimmte) Tag kommt, sprechen die Israeliten zu ihnen, dann wird sich’s entscheiden, um wessen willen die Welt erschaffen worden ist s. Mal. 3, 19: „Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen: dann sind alle Übermütigen und Frevelübenden Stoppel“ u. s. w. Ebenso heißt es Jes. 41, 16: „Du sollst sie wurfeln, dass sie der Sturm wegführt und der Wirbelwind zerstreut.“ In Bezug auf Israel aber heißt es das.: „Du aber wirst frohlocken über den Ewigen, des Heiligen Israels dich rühmen.“

V. 5.    Dein Hals gleicht einem Turm von Elfenbein.
Von Esau heißt es Gen. 33, 4: „Er lief ihm (Jacob) entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Alle Buchstaben des Wortes vhqsyv sind punktiert. Überall, wo die Buchstabenzahl mehr als die Zahl der Punkte beträgt, sagte R. Simeon ben Eleasar, so greife nach jener und lasse diese unbeachtet, wo aber die Punktzahl mehr als die Buchstabenzahl beträgt, so erfasse jene und beachte diese nicht, aber hier bei dem Worte vhqsyv er küsste ihn, sind beide an Zahl einander gleich, und es soll dir dadurch angedeutet werden, dass Esau nicht gekommen war, den Jacob zu küssen (vqsnl), sondern zu beißen (vksnl). Allein der Hals unseres Vaters Jacob wurde in Marmor verwandelt und die Zähne des ruchlosen Esau wurden stumpf und zerschmolzen wie Wachs. Es heißt doch aber: „und sie weinten?“ Allerdings jener weinte um seinen Hals und dieser um seine Zähne.
R. Abuhu im Namen des R. Eleasar verwies zum Verständnis der obigen Worte auf Ex. 2, 15, wo es heißt: Als Pharao den von Mose begangenen Todschlag erfuhr, wollte er ihn hinrichten lassen, allein Mose nahm die Flucht vor dem König. Ist denn das möglich? Kann denn ein Mensch vor einem König fliehen (sich ihm entziehen)? Daraus kannst du lernen, dass er ihn an demselben Tage zur Enthauptung verurteilte, allein das Schwert glitt, wie R. Abithar bemerkte, von seinem Halse ab und traf den des ruchlosen Scharfrichters, was auch dadurch angedeutet ist, dass Mose dem einen Sohne den Namen Elieser gab, indem er sagte Ex. 18, 4: „Denn der Gott meines Vaters war in meiner Hilfe und rettete mich vom Schwerte Pharaos“ d. i. er rettete mich, aber nicht den Scharfrichter. R. Bun wandte darauf den Spruch Salomos Prov. 11, 18 an: „Der Gerechte entgeht der Gefahr und der Ungerechte kommt an seine Stelle.“ R. Berachja wandte Prov. 21, 18 an: „Ein Lösegeld für den Gerechten ist der Ungerechte.“ Nach Bar Kapra wurde Moses Errettung auf diese Weise bewirkt. Es kam ein Engel in Moses Gestalt herab, welchen der Henker für Mose ergriff und Mose entfliehen ließ.
R. Abba bar R. Papi und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi: Alle Senatoren, Räte Pharaos waren in dieser Stunde teils stumm, teils taub, teils blind, teils lahm geworden. Man fragte die Stummen, wo ist Mose? allein sie konnten keine Antwort geben (sie konnten nicht reden), die Blinden, allein sie konnten nicht sehen, die Tauben, allein sie konnten nicht hören, die Lahmen, allein sie konnten nicht gehen, wie es auch heißt Ex. 4, 11: „Wer gab dem Menschen einen Mund? Wer macht stumm oder taub, sehend oder blind? Bin ich es nicht, der Ewige?“ d. i. bin ich es nicht, der alles dieses macht? „So gehe nun hin“, ich will dich zu Pharao senden.
deine Augen Teiche zu Cheschbon.
Unter jenen sind die Synedrien zu verstehen, welche der Gemeinde als Augen dienen vergl. Lev. 4, 13. Der Mensch hat 248 Glieder und sie alle folgen den Augen. So können auch die Israeliten nichts ohne das Synedrium tun, welches darum „Teiche zu Cheschbon“ genannt wird, weil es die Stimmen zu zählen (berechnen) hat, ob 36 frei und 35 schuldig sprechen.
am Thor der volkreichen Tochter d. i. die Halacha, welche vom Platze vor dem inneren Thore d. i. vom Sitze des hohen Gerichtshofes ausgeht und sich unter viele verbreitet.
R. Jehuda bar Rabbi sagte: Es bezieht sich darauf, dass man sich nach  der Mehrheit richten soll.
Deine Nase wie der Turm des Libanon.
Unter ersterer ist der Tempel zu verstehen. Sowie die Nase auf der Höhe des Menschen steht, ebenso steht der Tempel auf der Höhe der Welt, und sowie die Umgebung der Nase mit den meisten Zierraten behängt ist, ebenso kam auch die Priester-, Leviten- und Herrscherwürde von Jacob.
„wie der Turm des Libanon“, wie Deut. 3, 25 gesagt ist. Er heißt darum Libanon, erklärt R. Tabjumi, weil der Tempel die Sünden Israels bleicht (weiss macht) wie Schnee vergl. Jes. 11, 18. Nach R. Simeon ben Jochai heißt er deshalb so, weil alle Herzen sich an demselben erfreuen s. Ps. 48, 3, nach den Rabbinen, weil Gott gesprochen hat: „Mein Auge und Herz wird zu aller Zeit dort sein“ s. Reg. 9, 3.
„der gegen Damaskus schauet.“
R. Jochanan sagte: Jerusalem wird sich einst bis an die Thore von Damaskus ausdehnen s. Sach. 9, 1. Was heißt das Wort: ;rdx ? Nach R. Jehuda ist es der Name eines Ortes. Ich kann dir zuschwören, sagte R. Jose, der Damaszener, da ich von Damaskus bin, dass es daselbst einen Ort gibt, der Chadrach heißt. Nach R. Nechemja ist Chadrach der Name des Königs Messias, denn derselbe ist scharf (dx) und sanft (;rv); scharf gegen die Völker, sanft gegen die Israeliten.
Oder: Chadrach ist der König Messias, der einst alle Weltbewohner in der Busse vor Gott leiten wird und Damaskus wird sein Ruheort sein. Wie? Es gibt doch keinen anderen Ruheort für ihn als den Tempel s. Ps. 132, 14? Allein Jerusalem wird sich einst nach allen Seiten so ausdehnen, bis es an das Thor von Damaskus reicht; und die aus ihrer Heimat Vertriebenen werden daselbst Ruhe finden, um zu erfüllen, was gesagt ist: „Damaskus ist sein Ruheort.“ Wie steht es nun aber mit Jeremias Weissagung s. 30, 18? fragte R. Jochanan. Wie der Feigenbaum unten von engem, oben aber von weitem Umfange ist, so wird auch Jerusalem sich nach allen Seiten erweitern, und die Vertriebenen werden daselbst eine Ruhestätte finden, damit erfüllt werde, was Jes. 54, 3 geschrieben ist: „Zur Rechten und zur Linken wirst du dich ausbreiten.“ Das gilt in Bezug auf die Länge, in Bezug auf die Breite heißt es Sach. 14, 10: „Vom Turme Chananel bis zu den Königskeltern“ d. i. nach R. Saccai dem Grossen bis an die riphäischen Gebirge,   bis zu den Keltern  (weiten Räumen), die der König der Könige, Gott, ausgeweitet hat. So steht es mit der Länge und Breite. Betreffs der Höhe aber vergl. Ezech. 41, 7: „Es werden die Seitenzimmer immer breiter nach oben zu“ u. s. w. Es ist gelehrt worden: Jerusalem wird sich weit erstrecken und wird auch eine Höhe bis zum Throne der Herrlichkeit erreichen, so dass du sprechen wirst: Der Ort ist mir eng. Was die Vortrefflichkeit Jerusalems betrifft, so lässt sich diese nach R. Jose bar R. Jeremja schon an ihren Mauern erkennen, wie es heißt Sach. 2, 5: „Ich werde ihr sein, spricht der Ewige, eine Feuermauer ringsum.“

V. 6.    Dein Haupt auf dir wie der Karmel.
Gott spricht zu Israel: „Dein Haupt auf dir wie der Karmel“ d. i. die Armen unter euch sind mir so lieb und wert wie Elia, welcher den Karmel bestieg s. Reg. 18, 42. Warum senkte er sein Gesicht zwischen seine Knie? Er gab damit Gott zu verstehen: Es steht uns kein Verdienst zur Seite, siehe aber auf das Bundeszeichen (hier an mir).
eines Hauptes Locken wie Purpur.
Selbst die Geringen und Armen in Israel, spricht Gott, sind mir so lieb und wert wie David s. Sach. 12, 8, oder nach andern wie Daniel s. Dan. 5, 29.
ein König gefesselt durch die Locken.
Unter dem Könige ist kein anderer als der König der Könige, Gott, zu verstehen s. Ps. 93, 1. „Gefesselt durch die Locken“, weil er sich durch einen Eid gebunden hat, seine Schechina auf Israel, „auf die Locken“ unsers Vaters Jacob ruhen zu lassen. In wessen Verdienst? Darüber sind R. Abba bar Kahana und R. Levi geteilter Meinung. Der eine sagte: Im Verdienste unseres Vaters Abraham s. Gen. 18, 7, der andere sagte: Im Verdienste unseres Vaters Jacob s. das. 30, 38. R. Berachja will unter dem König Mose verstanden wissen, welcher Deut. 33, 5 so bezeichnet wird, über den „bei den Tränkrinnen“ d. i. bei dem Haderwasser verhängt wurde, dass er nicht in das verheißene Land Israel kommen sollte s. Num. 20, 13. R. Nechemja versteht unter „dem König“ ebenfalls Mose, weil er Deut. 33, 5 „König von Jeschurun“ heißt. Gott sprach nämlich zu Mose: Ich habe dich als König über die Israeliten gesetzt, und es ist die Weise des Königs, dass er beschließt und die anderen ihm Folge leisten; so beschließe du über die Israeliten und sie werden dir Folge leisten s. Lev. 24, 2: „Befiehl den Kindern Israel.“

V. 7.    Wie schön bist du, wie so lieblich bist du.
Wie schön bist du durch die Ausübung der Vorschriften, wie lieblich durch Menschenfreundlichkeit, wie schön bist du durch die Beobachtung der Gebote, wie lieblich bist du durch die Beobachtung der Verbote, wie schön bist du durch die Beobachtung der Vorschriften im häuslichen Leben, bei der Entrichtung der Hebe und Zehnten, wie lieblich durch die Beobachtung der Vorschriften auf dem Felde, beim Einsammeln der vergessenen Garbe, dem Eckstücke, dem Armenzehnten und dem Freigeben der Früchte; wie schön bist du in der Beobachtung des Gebotes betreffs des Gemischten, wie lieblich bei der Beobachtung des Gebotes betreffs des Anheftens der Zizith an das Kleid; wie schön erscheinst du beim Pflanzen, wie lieblich in deinem Verhalten gegen die jungen Bäume; wie schön in der Pflanzung des vierten Jahres (in der Beobachtung des vierten Jahres), wie lieblich in der Beschneidung; wie schön im Reißen, wie lieblich beim Gebet; wie schön beim Lesen des Schema’s, wie lieblich bei der Mesusa; wie schön in den Thephillin, wie lieblich in der Laubhütte; wie schön mit dem Lulab, wie lieblich in der Bußfertigkeit; wie schön in den guten Werken, wie lieblich in dieser Welt; wie schön in der künftigen Welt, wie lieblich in den Tagen des Messias.
Liebe unter den Ergötzlichkeiten.
Gemeint ist jene Liebe Abrahams, mit welcher er sich gegen den König von Sodom, Melchisedek, gütig zeigte, indem er sprach Gen. 14, 23: „Ich werde nichts von dem deinigen annehmen.“ Oder es ist jene Liebe gemeint, mit welcher Daniel gegen Belschazar sich wohlwollend zeigte, wie es heißt Dan. 5, 17: „Deine Geschenke sollen dir bleiben“ u. s. w. und mit welcher er die glänzenden Anerbietungen von Geschenken und Ehrenstellen        zurückwies. Nach R. Berachja sprach Daniel: „Deine geplünderten Güter (gib einem andern)“, denn ihr seid Räuber, Nachkommen der Räuber, das Sprichwort lautet: Nimm (Geschenke) von dem, welcher geerbt und nicht von dem, der geplündert hat.

V. 8.    Dein Wuchs gleicht der Palme.
R. Hunja sagte im Namen des R. Dosa bar Tabat: Zwei Triebe hat Gott in seiner Welt erschaffen, den zum Götzendienst und den zur Buhlerei, jener ist bereits entwurzelt, dieser aber besteht noch. Gott spricht: Wer der Buhlerei widerstehen kann, den sehe ich dafür an, als hätte er beiden widerstanden. Gleich einem Schlangenbeschwörer, sagte R. Jehuda, der von zwei Schlangen nur die große in Gebrauch nahm, weil er dachte: Wer es mit dieser aufnimmt, den sehe ich so an, als nähme er es mit beiden auf. Ebenso hat Gott den Trieb zum Götzendienst entwurzelt, den zur Buhlerei jedoch hat er bestehen lassen. Er sprach nämlich: Wer dem Triebe der Buhlerei widersteht, der gilt mir so viel, als wenn er beiden widerstanden hätte. Wann ist der Trieb zur Abgötterei entwurzelt worden? Nach R. Banja in der Zeit Mordechais und der Esther, nach den Rabbinen in der Zeit Chananjas, Mischaels und  Asarjas. Ist denn jener Trieb durch Einzelne entwurzelt worden? wandten die Rabbinen gegen R. Banja ein. Hierauf antwortete dieser: Sind denn Mordechai und Esther die einzigen gewesen, heißt es nicht, viele haben Säcke und Asche angelegt s. Esther 4, 3, was doch beweist, dass die meisten der damaligen Zeit Gerechte waren. Das ist ein Beweis für die Rabbinen. R. Pinchas und R. Chilkia im Namen des R. Samuel dagegen berufen sich auf Ezech. 6, 9: „Eure Entronnenen werden meiner unter den Völkern gedenken, wo sie gefangen sind“, wo unter den Entronnenen Chananja, Mischael und Asarja zu verstehen sind, die dem Feuerofen glücklich entkamen. Es heißt nicht: ,s vbs rsa ,yvgb, sondern  ,s vbsn rsa ,yvgb. Gott spricht zu Israel Hos, 14, 9: „Ephraim, was soll es mir noch weiter mit den Götzen?“ d. i. was soll mir der Trieb zum Götzendienst? „ich erhör es“ d. i. ich hasse ihn (er ist mir zuwider). „Schau ich es nicht an?“ d. i. haben wir nicht vor dir im Liede unsere Huldigung dargebracht? Hieraus kannst du sehen, dass ich den Trieb zum Götzendienst entwurzelt (unterdrückt) habe. Wenn dem so ist, warum gerieten denn aber die Israeliten in den Tagen Hamans in Gefahr? Nach den Rabbinen geschah es deshalb, weil sie sich dem Götzendienste ergeben, nach R. Simeon ben Jochai, weil sie von den Speisen (dem Gekochten) der Heiden gegessen hatten. Die Rabbinen sprachen zu R. Simeon: Dieses ließen sich aber die Männer doch nur in der Burg Susa zu Schulden kommen? s. Esther 1, 5. Dieser erwiderte ihnen   darauf: Werden denn nicht alle Israeliten für einander verantwortlich gemacht? s. Lev. 26, 37: „Und sie stürzen einer über den andern“ d. i. einer durch die Schuld seiner Brüder. Er sprach ferner zu ihnen: Wenn eure Meinung richtig wäre, so erklärtet ihr ganz Israel der Vernichtung schuldig s. Ex. 22, 20: „Wer andern Göttern opfert, der soll verbannt werden.“ Sie sprachen: Trotzdem haben sie dem Götzen nicht mit ganzem Herzen gedient, wie es Thren. 3, 33 heißt: „denn nicht von seinem Herzen plagt er“, obgleich es heißt das.: „Er betrübet die Menschenkinder“ (d. i. er straft sie nicht nach Gebühr). Er setzte aber doch einen harten Menschen, den Nebucadnezar, über sie, um sie zu versuchen, und dieser erhob sich und brachte ihre Wunde zum Vorschein. R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: An zwei Orten haben die Israeliten sich gegen Gott vergangen, es komme der Mund am Sinai und sühne den Mund von  Babel. Am Sinai mit ihren Munde, aber nicht mit ihren Herzen s. Ps. 48, 36, in Babylon mit ihrem Herzen, aber nicht mit ihrem Munde, wie es heißt Thren. 3, 33: „Nicht von seinem Herzen plagt er“, obgleich es heißt: „Er betrübet die Menschenkinder.“ Er brachte aber einen großen Mann über sie, nämlich den Haman, einen rachsüchtigen Feind, und er brachte ihre Wunde zu Vorschein s. Esth. 7, 6. Nach der Meinung der Rabbinen trieben die Israeliten zurzeit Nebucadnezar’s Götzendienst, eine Ansicht, welche von R. Simeon ben Jochai aber nicht geteilt wird. Nach der Meinung der Rabbinen hatte Nebucadnezar nämlich ein Götzenbild errichten und hierzu 23 aus seinen Völkerschaften  und 23  aus  der Mitte Israels ausgehoben. Nach der Meinung des R. Simeon ben Jochai aber ließ Nebucadnezar ein Götzenbild aufstellen, von jeder seiner Völkerschaften drei und ebensoviel von den Israeliten ausheben, nämlich Chananja, Mischael und Asarja. Diese aber weigerten sich und beteten das Bild nicht an, sie gingen vielmehr zu Daniel und sprachen: Unser Meister Daniel! Nebucadnezar hat ein Götzenbild aufstellen und von jeder Nation drei aussondern lassen, uns hat er von Israel ausgesondert, was rätst du uns? sollen wir uns vor ihm niederwerfen oder nicht? Er antwortete ihnen: Sieh, vor euch ist der Prophet, geht zu ihm! Sie gingen zu Ezechiel und richteten an ihn dieselbe Frage und erhielten von ihm die Antwort: Ich habe bereits von meinem Lehrer Jesaja den (bedeutsamen) Wink erhalten: „Verbirg dich auf einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorüber ist s. Jes. 26, 20 (d. i. verbergt euch, ergreift die Flucht). Willst du, entgegneten sie, dass man sage, alle Völker haben das Bild angebetet? Was meint ihr? fragte er. Wir möchten dasselbe bemängeln und uns nicht vor demselben niederwerfen, damit man sage: Vor dem Bilde haben alle ihre Knie gebeugt, nur die Israeliten nicht. Wenn das eure Meinung ist, sagte er, so wartet nur, bis ich die Gottheit (hrvbgb) befragt habe, wie geschrieben steht Ezech. 20, 1: ,,Es kamen Männer von den Ältesten Israels, Gott zu befragen und setzten sich vor mir nieder.“ Wer waren sie? Chananja, Mischael und Asarja. Und Ezechiel sprach vor Gott: Herr der Welt! Chananja, Mischael und Asarja wollen ihr Leben zur Heiligung deines Namens hingeben, wirst du ihnen beistehen oder nicht? Nein, war die Antwort, sage ihnen, wie geschrieben steht das. V. 3: „So spricht der Ewige, ihr kommt, mich zu befragen“ d. i. nachdem ihr die Zerstörung meines Hauses, den Brand meines Heiligtums und die Zerstreuung meiner Kinder unter den Völkern verschuldet habt, kommt ihr mich zu befragen? „So wahr ich lebe, wenn ich mich von euch befragen lasse!“ In dieser Stunde brach Ezechiel in Klagen und Jammer aus und rief: Wehe den Feinden Israels! Wehe! der Überrest Jehudas ist nun bis auf diese Männer verloren s. Dan. 1, 6. Diese Antwort wurde ihm und er weinte und ging hinweg. Als er       zurückkam, fragten sie ihn: Was hat dir Gott eröffnet? Er billigt euer Vorhaben nicht. Dennoch wagen wir es und geben zur Heiligung seines Namens unser Leben hin. Dass es so war, kannst du an dem erkennen, was sie, ehe sie zu Ezechiel kamen, sagten. Sie erklärten vor Nebucadnezar: Wir kehren uns nicht an deinen Befehl, der Gott, den wir anbeten, kann uns aus den Flammen und aus deiner Hand erretten s. Dan. 3, 16. 17. Und nachdem sie bei Ezechiel gewesen waren und seine Antwort gehört hatten, sprachen sie zu Nebucadnezar: Wenn aber nicht, so sei dir kund, o König d. i. mag er uns retten oder nicht, deinen Gott beten wir nicht an und vor dem von dir errichteten Bilde fallen wir nicht nieder s. das. V. 18. Als sie Ezechiel verlassen hatten, erschien ihm Gott und sprach: Ezechiel! du  meinst, ich werde ihnen  meinen Beistand versagen? Nein, er soll ihnen nicht fehlen s. Ezech. 36, 37. Entlasse sie ohne Bescheid (eig. sage ihnen nichts von mir), lass sie nach ihrem Gutdünken handeln, ohne sich auf eine Verheißung von mir stützen zu können, so wird ihre Belohnung umso größer sein, wie Prov. 10, 9 geschrieben steht: ,,Wer in Frömmigkeit wandelt, geht sicher.“ Was taten sie? Sie zerstreuten sich unter die Volksmengen und sprachen: Wenn er auch nicht uns rettet. so wisse! darum schwören auch die Leute bei dem, der die Welt auf drei Säulen gestützt hat d. i. wie manche sagen, auf Abraham, Jizchak und Jacob, oder wie andere meinen, auf Chananja, Mischael und Asarja.
Dein Wuchs gleicht der Palme (rmtl).
Wie über die Thamar (rmt), so war auch über jene drei Männer der Feuertod verhängt worden und sie haben ihn nicht erlitten. Welche Gestalt hatte das Feuer? Es war nach R. Eleasar wie eine Art von Glashaus,  nach R. Samuel wie eine Art Glanz.

V. 9.    Ich sprach:  Lass mich klimmen wie die Palme.
Ich dachte, dass ich mich in der ganzen Nation erheben würde, allein ich bin nur durch euch (Chananja, Mischael und Asarja) erhoben worden.
„ergreifen ihre Zweige’’ d. i. die Zweige dieser Palme, die, wenn sie auch nicht Früchte trägt, doch drei Weihrauchbäume liefert. Abun bar Chasdi sagte: In unserm Orte nennt man die Weihrauchbäume Sansanim. So steht auch geschrieben Dan. 3, 21: „In der Zeit wurden jene drei Männer, gebunden in ihren Beinkleidern in den Feuerofen geworfen“ d. i. nach R. Judan in ihren Mänteln, oder nach R. Huna in ihren Turbanen. Nach R. Abdimi von Chajepha geschahen an demselben Tage drei (sechs) Wunder: Der Kalkofen hob sich (damit er von allen gesehen werde) und stürzte ein, vier Könige wurden ein Raub der Flammen und Nebucadnezar verbrannte sich halb (hemis), und der Wind warf das aufgestellte Bild um, und Ezechiel belebte die Toten im Tal Dura. Woher lassen sich diese Wunder in der Schrift beweisen? Aus Daniel 3, 24-26. Nach R. Pinchas im Namen des R. Ruben kam der Engel Michael in diesem Augenblicke herab und schlug den Nebucadnezar auf den Mund mit den Worten: Wehe über dich Frevler! hat Gott wohl einen Sohn? Nimm deine Worte zurück! Er tat es, denn es heißt das. 3, 28: „Nebucadnezar sagte nicht: Preis dem Gotte! der seinen Sohn, sondern: der seinen Engel gesandt hat, diejenigen zu retten, die ihm vertraut haben.“ Auf diese Weise hat Nebucadnezar nach R. Ruben seine Unbesonnenheit teuer bezahlen müssen. Dass der Kalkofen einstürzte, erhellt aus Dan. 3, 2. 3, wo es nicht heißt vtav vqrp, sondern vtav vqvp. Dass ferner vier Könige verbrannt wurden, beweist nach R. Jizchak Dan. 3, 27, wo unter ayrzgrda die Eparchen, unter ayrbdg die Kriegsobersten, unter ayrbtd die Archischolastici zu verstehen sind. Warum nennt sie die Schrift ayrbtd? Weil sie die Worte (der Ankläger) brechen (oder weil sie die Worte willkürlich versetzen). Unter aytpt endlich sind die Mimarii (Mimi, Buhler, die das Haus der Unzucht, lupunar besuchen) zu verstehen. Warum nennt sie die Schrift aytpt? Weil sie ihren bösen Trieb zur Buhlerei verleiten (eig. überreden, von htp). Das sind erst diese, woher aber lässt sich beweisen, dass auch viele Fürsten (duces), Präfekten und Hegemonen dabei waren? Weil es heißt das.: „Und alle Amtleute der Stadt.“ Nun ist mir erst bewiesen, dass es bei ihrem Sinken so war, woher lässt sich aber beweisen, dass es auch bei ihrem Steigen so ist? Weil es heißt das. V. 27: „Und es versammelten sich die Satrapen, Vorsteher und Landpfleger und die Räte des Königs.“ R. Acha versteht unter aynprdsxa die Archonten, weil sie im Verdachte standen, das Recht nach allen Seiten hin zu wenden, oder, wie die Rabbinen sagen, weil sie auf die Gesichter Rücksicht nehmen (d. i. weil sie das Ansehen der Person ehren) und das Recht wenden. Unter ayngc sind die Scholastici und unter atvxp die Schatzmeister und unter aklm yrbdh die Astrologen zu verstehen. Und dass Nebucadnezar zur Hälfte verbrannt wurde, erhellt nach R. Jizchak daraus, dass er selbst sagt das. V. 32: „Ich habe geruht, die Zeichen und Wunder, welche der höchste Gott an mir getan, kund zu tun“, nämlich dasjenige, was er an meinem Körper getan hat. Woher lässt sich ferner beweisen, dass der Wind das Götzenbild umgeworfen hat? Nach R. Jizchak aus Jes. 46, 1: „Es sinket Bel, es fällt Nebo.“ Und woher lässt sich beweisen, das Ezechiel die Toten belebt hat? Nach R. Jizchak aus Ezech. 37, 9: „Von den vier Winden komme, Geist, und wehe diese Erschlagenen an, dass sie lebendig werden.“ R. Pinchas sagte: Der Wind, welcher das Götzenbild umwarf, war es, welcher auch die Toten belebte. Das erwähnte Ereignis soll sich nach R. Eleasar am Shabbath und am Versöhnungstag zugetragen haben. Die Rabbinen sagen: Wie sehr hat Nebucadnezar den Daniel zu überreden gesucht! Bezeigst du nicht, sprach er zu ihm, dem Bilde deine Ehrerbietung, es hat Wesentliches (Herrscherkraft) in sich? Komm und sieh, was es vermag und du wirst dich von selbst vor ihm beugen. Was tat der Frevler? Er nahm das Stirnblech des Hohenpriesters und gab es dem Bilde in seinen Mund, ließ alle Spielleute zusammenkommen, die es durch ihre Kunst vor ihm priesen und es sprach: „Ich bin der Ewige, dein Gott!“ Als Daniel dieses Schauspiel sah, fragte er den Urheber: Erlaubst du mir wohl hinaufzusteigen und den Mund des Bildes zu küssen? Warum seinen Mund? dieser lieblich reden macht. Es wurde ihm gestattet, er stieg hinauf,  beschwor das Stirnblech und sprach zu ihm: Ich bin ein menschliches Wesen, ein Abgesandter Gottes, hüte dich, dass nicht Gottes Name durch dich entheiligt werde, ich gebiete dir, dass du mir folgest. Darauf küsste er es und zog das Verschlungene heraus. Als Daniel herabkam, versammelten sich wieder die Spielleute, priesen es, aber da war es untätig. In diesem Augenblick warf der Wind das Bild um. Da die Völker der Welt die Wunder und Krafttaten sahen, die Gott mit Chananja und seinen Genossen getan, nahmen sie ihre Götzen, zerbrachen sie und machten Schellen daraus, und hingen sie ihren Hunden und Eseln um und klingelten damit und sprachen: Sehet, riefen sie, was wir angebetet haben! um zu erfüllen, was Jes. 46, 1 gesagt ist: „Es sinket Bel, es fällt Nebo, ihre Bilder legt man auf das Wild und das Vieh.“
Lass deine Brüste mir sein wie am Weinstock die Trauben d. i. wie Perez und Serach, die Söhne der Thamar; wie über diese, so war auch über jene drei Männer der Feuertod beschlossen, er kam aber nicht zur Ausführung.
Deiner Nase Hauch wie Apfelduft.
R. Eleasar sagte: Nachdem von ihnen (den drei Männern) gesagt ist: „Der Geruch des Feuers kam nicht an sie“, wie kannst du da noch sagen: Der Duft deiner Nase gleicht dem Apfelduft? Aber welchem Duft war derselbe ähnlich? Dem Dufte eines Apfelfeldes (war er ähnlich).

V. 10.    Und dein Gaumen wie der beste Wein.

R. Jochanan sagte: Damals rief Gott alle Dienstengel zusammen und sprach zu ihnen: Fahret hinab und küsset die Lippen der Väter dieser Männer, wie diese durch Feuer vor mir gewirkt haben, so haben auch sie vor ihren Kindern durch Feuer gewirkt. R. Asarja sagte im Namen des R. Jehuda bar R. Simon: Gott berief damals die Dienstengel zusammen und sprach zu ihnen: Fahret hinab und küsset sie auf die Lippen, denn hätten sie meine Lehre und Regierung am Sinai nicht angenommen, so wäre ich ein Feind derer geworden, die in der Doppelhöhle schlafen.
der regsam macht Schlafender Lippen.
Hieraus folgerte R. Jochanan ben Thurtha, dass die Lippen des Verstorbenen sich noch im Grabe regen (wenn in seinem Namen etwas Treffliches gesagt wird). Was heißt das: „Der erregt Schlafender Lippen?“ Samuel sagte: Es ist das wie der Saft reifer Trauben, der ihnen von selbst ausfließt. R. Chanina bar Papa sagte: Wie der, welcher gewürzten Wein trinkt. R. Simon sagte: Wie der, welcher alten Wein getrunken hat, und noch lange nachher den Geschmack und Geruch davon behält.

V. 11. Ich bin meines Geliebten und nach mir geht sein  Verlangen.
Dreien legt die Schrift ein Verlangen bei: Den Israeliten nach ihrem himmlischen Vater s. hier, dem Weibe nach ihrem Manne s. Gen. 3, 16, dem bösen Trieb nach einem Kain und seinesgleichen s. das. 4, 7. R. Josua zählt im Namen des R. Acha noch den Regen hinzu, welcher ein Verlangen zur Erde zeigt s. Ps. 68, 1 und der die Menschen reich macht, wenn sie es verdienen, im andern Falle ihnen aber ihre Habe bis auf den zehnten Teil vermindert. Oder der Sinn der obigen Worte ist dieser: Obgleich wir schwach sind, hoffen und harren wir doch auf Gottes Hilfe an jedem Tage, huldigen seinem Namen täglich zweimal mit den Worten: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist einzig!

V. 12. Auf, mein Geliebter, aufs Feld hinaus lass uns ziehen!

Der heilige Geist ruft: Wir wollen im Vergnügen (Gemeindewesen ,lvi ls ]ycvmydb) der Welt wandeln!
Wir wollen auf Dörfern (,yrpkb) übernachten d. i. bei den Gottesleugnern (,yrpvkb) d. i. in den Städten der Völker der Welt, welche Gott verleugnen und wäre es auch nur, sagte R. Abba bar Kahana, ein Stündlein.

V. 13. Früh wollen wir in die Weinberge gehen d. i.
zu Israel, das ein Weinberg genannt wird s. Jes. 5, 7; schauen, ob der Weinstock ausschlägt d. i. ob der mit Schema beginnende Abschnitt Deut. 6, 4-10 gelesen wird; ob er Träublein ansetzt d. i. ob die Versammlungs- und Lehrhäuser besetzt sind; ob die Granaten knospen d. i. ob die Schulkinder sitzen und sich mit dem Gesetz beschäftigen.
Dort schenk ich dir alle meine Liebe d. i. dahin versetzte ich die frommen Männer und Frauen, die Propheten und Prophetinnen, die in Israel erstanden sind.

V. 14. Schon duften die Mandragoren d. i.
die israelitischen Jünglinge, welche die Sünde nicht geschmeckt haben (die in Unschuld wandelten), und über unsren Türen sind edle Früchte allerlei. Darunter sind die Töchter Israels zu verstehen, die nur an ihrem Gatten hängen und einen Fremden nicht erkennen. Komm und sieh, sagte R. Judan, wie lieb die Dudaim vor dem sind, der da sprach und die Welt ward, ihnen haben zwei große und ausgezeichnete Stämme, der Stamm Issaschar und der Stamm Sebulon ihr Dasein zu verdanken s. Gen. 30, 14. 18. 20. Beide, sowohl die Rahel wie die Lea, sagt R. Eleasar, hatten Vorteil und Nachteil von den Dudaim. Die Lea büsste die Dudaim ein, gewann dagegen die Stämme und ein Grab (in der Doppelhöhle), Rahel wieder gewann die Dudaim und büsste dagegen die Stämme und ein Grab (wie  das  erwähnte) ein s. Gen. 35. 19. R. Samuel  sagte  dasselbe, aber mit dem Unterschiede: Lea verlor die Dudaim und gewann dagegen die Stämme, büsste aber das Erstgeburtsrecht ein, Rahel gewann die Dudaim und das Erstgeburtsrecht, büsste aber die Stämme ein. R. Levi bemerkt bei dieser Gelegenheit in Beziehung auf Jerem. 24, 1, wo ebenfalls von Dudaim die Rede ist: Es lässt sich nicht sagen, dass die mit dem Könige Jechonja nach Babylon Verbannten Busse getan, dagegen die mit dem König Zedekia Verbannten keine Busse getan hätten, weil es hier heißt: die Dudaim duften d. i. die guten sowohl wie die schlechten.
und über unsern Türen sind edle Früchte allerlei.
Die Schule des R. Schila sagte: Gleich einem frommen Weibe, deren Mann ihr wenig zurückgelassen hatte, sie teilte es aber ein und machte wenig Ausgaben. Als ihr Gemahl (von der Reise) zurückkehrte, sprach sie zu ihm: Siehe, was du mir zurückgelassen und was ich dir gesammelt und wie ich es noch vermehrt habe! Die Rabbinen führen dieses Beispiel an: Ein König hatte einen Lustgarten, welchen er einem Pächter übergab. Was tat dieser? Er füllte Körbe mit Feigen aus dem Garten und setzte sie an den Eingang desselben. Als der König im Vorbeigehen die vortrefflichen Erzeugnisse sah, sprach er: Wie vortrefflich muss es erst im Garten bestellt sein! Ebenso wie in den früheren Geschlechtern die Männer der großen Synagoge, ferner Hillel und Schamai, R. Gamliel der Alte, waren (oder lebten), so in den späteren Geschlechtern R. Jochanan ben Saccai, R. Elieser, R. Josua, R. Meir, R. Akiba und ihre Schüler. Was stand nun noch zu erwarten? Auf sie lässt sich daher der Spruch anwenden V. 14: Neue und auch alte Früchte, die ich für dich, mein Geliebter, aufbewahrt. Gott spricht zu den Israeliten, sagte R. Abba bar Kahana: Ihr bewahrt mir und ich bewahre euch, ihr bewahrt mir die Ausübung der Pflichten und guten Werke, und ich bewahre euch Schätze, welche alle irdischen Güter an Wert übertreffen. R. Abba bar Kahana im Namen des Bar Judan setzte hinzu: Nur mit dem Unterschiede, dass diese jene an Zahl überragen s. Ps. 31, 20.