Judentum – Schir ha-Schirim – Hohes Lied Salomon – Kapitel 1 – Vers 1-2

V. 1. Das Lied der Lieder
V. 2.  Er küsse mich mit Küssen seines Mundes


Die Quellen des Midrasch zum Hohenliede.

Nachdem das Hohelied als eine Allegorie zwischen Gott und der Gemeinde Israel aufgefasst und in Folge dessen dem Kanon einverleibt worden war, fing man an, es wie die übrigen Hagiographen in öffentlichen Vorträgen auszulegen. Sowohl in den beiden Talmuden, wie im Midr. Bereschit r., Wajikra r., der Pesikta des Rab Kahana, in Sifre, Sifra und in der Mechilta sind noch viele Bruchstücke solcher alter Vorträge über Texte des Hohenliedes erhalten. Salfeld (a. a. O. S. 5ff.) verzeichnet alle Erklärungen und Deutungen über diejenigen Verse des Hagiographon, welche in Sifre, Sifra und der Mechilta vorkommen. Eine grosse Anzahl solcher Erklärungen liegen der Komposition des Midrasch zum Hohenliede zweifelsohne zu Grunde. Der Autor oder Redakteur unseres Midrasch stellte dieselben zum Zwecke einer fortlaufenden Auslegung aber nicht nur zusammen, sondern machte auch, um das Ferne nahe zu bringen und zu vereinen, hier und da Umänderungen und Einschaltungen. Es ist nicht alles nur Exzerpt aus Talmud und alten Midraschwerken, was wir im Midrasch zum Hohenliede lesen, sondern wir merken noch zuweilen die Spuren der Tätigkeit der schaffenden Haggada, selbst.
Dass es mehrere Midraschim zum Hohenliede gegeben habe, wie Dr. Jellinek in einer Nota über das Verhältnis von Schir ha-schirim rabba zur Pesikta des Rab Kahana an Dr. I. Theodor ausführt, nämlich einen Midrasch über den Auszug aus Ägypten, einen über die Gesetzgebung, einen im Sinne des Stiftszeltes und einen auf den Tempel und aus diesen allen ein einziger und zwar der uns jetzt vorliegende komponiert und im Laufe der Jahrhunderte durch verschiedene Zusätze vermehrt worden sei, will uns nicht einleuchten. Wir können schon aus dem Grunde der Ansicht dieses Gelehrten auf dem Gebiete der Midraschliteratur nicht beitreten, weil die Auslegungen des ganzen Textes auf die erwähnten geschichtlichen Vorgänge und Tatsachen in unserem Midrasch nicht durchgeführt sind, sondern nur bei einzelnen Versen hervortreten. Und selbst wenn viele Bestandteile jener Deutungen sollten verloren gegangen sein, so stellen   sich   der   Hypothese   Jellineks   immer   noch   so   viele   andere Schwierigkeiten entgegen, dass sie sich schlechterdings nicht aufrechterhalten lässt. Um vieles einfacher und natürlicher gestaltet sich die Sache, wenn wir annehmen, der Redakteur habe die zahlreichen in alten Quellen vorhandenen Auslegungen über einzelne Verse des Hohenliedes zum Zwecke einer zusammenhängenden Auslegung verwendet und  mit Eigenem  bereichert.
So urteilt auch Dr. Theodor (s. Grätz, Monatsschrift a. a. O. S. 341 f.). „Der Autor des Cant. r. wollte“, so lauten seine Worte, „einen fortlaufenden Midrasch zum Hohenliede zusammenstellen, und er nahm aus Quellen, die ihm zugänglich waren, oder mit denen er vertraut war, die Auslegungen für die einzelnen Verse, wo er diese Verse in irgend welcher Beziehung und in irgend welchem Zusammenhange angeführt und gedeutet auffand; daher die äußere deutliche Verschiedenheit in dem Umfange und dem Charakter der einzelnen Auslegungen; bestimmt erkennbare Proömien, ganze Predigten mit vielen Variationen über Texte aus mehreren Versen, und kurze, abgerissene Wort- und Satzerklärungen; daher auch die Erscheinung, die in späteren Midraschim noch vielmehr hervortritt, dass zu gleichen oder ähnlichen Versteilen dieselben Auslegungen zwei- oder dreimal sich wiederholen.“ Auf solche Wiederholungen stoßen wir öfters im Midrasch zum Hohenliede. So kehren die Erörterungen zu 1, 13 in 3, 6, die zu 1, 16 in 4, 1a und mit passenden Abänderungen in 7, 7 und die zu 3, 6 in 8, 5 wieder. In 4, 13, 5, 7 und 8, 5 begegnet uns eine Boraitha mit der daran geknüpften Erklärung (wohl aus dem ersten Proöm des R. Jochanan über Jes. c. 22 in Echa r.). Die Auslegung des R. Jizchak zu 1, 16 lesen wir auch in 4,  1b.
Als besonders nachweisbare Quellen für den Midrasch zum Hohenliede verzeichnet schon Zunz (s. Die gottesdienstl. Vorträge der Juden S. 263) mit kritischem Seherblick nächst dem Bereschit rabba, dem jerusalemischen und babylonischen Talmud vornämlich Wajikra rabba und die Pesikta, so dass über diese Frage die Akten so gut als wie geschlossen betrachtet werden können. Nur die Entlehnungen aus dem babylonischen Talmud dürften vielleicht zu beanstanden sein, da sie sehr unbedeutend sind und sich nur auf einzelne Aussprüche und größere oder geringere Anklänge beziehen, welche sich aber auch in anderen Quellen vorfinden, und der Redakteur sie ebenso gut aus diesen exzerpiert haben kann. Theodor gibt in seiner vortrefflichen Abhandlung: Zur Komposition der agadischen Homilien (s. a. a. O. S. 346 f.) eine dankenswerte Zusammenstellung der betreffenden Stellen, welche mit dem babylonischen Talmud entweder übereinstimmen oder an ihn anklingen. Aus alledem geht hervor, dass die Annahme, der Redakteur habe aus dem babylonischen Talmud wenig oder nichts geschöpft, große Berechtigung hat. Sehr richtig bemerkt Theodor (a. a. O. S. 343): „Im Jad Joseph wird zwar sehr oft auf den babylonischen Talmud verwiesen, aber die betreffenden Stellen bieten alle nichts mehr als geringere oder größere Anklänge, und wenn auch mehrere Deutungen im Cant. r. und im babylonischen Talmud sachlich übereinstimmen, so erklärt es der alte Ursprung so vieler Auslegungen, dass im babylonischen Talmud sich die Gedanken finden, welche den viel späteren und sehr verschiedenen, doch sicherlich palästinischen Quellen entstammenden Ausführungen im Cant. r. zu Grunde liegen. Sollte auch einzelnes auf den babylonischen Talmud zurückzuführen sein, so ist es gewiss nicht unmittelbar aus demselben in Cant. r. geflossen.“
Umso schlagender lassen sich dagegen zahlreiche Entlehnungen aus dem jerusalemischen Talmud, aus Midr. Bereschit r., Wajikra r. und der Pesikta des Rab Kahana nachweisen, ja ihr Umfang beträgt mehr als den vierten Teil des Umfanges unseres Midrasch, wie er in den Textausgaben uns vorliegt. Welche Stücke aus den oben bezeichneten Quellen nun speziell in den Midrasch zum Hohenliede übergegangen sind, hat Theodor gleichfalls in seiner Abhandlung: (a. a. O. S. 344 ff.) schlagend nachgewiesen. Wir lassen auch diese von ihm  aufgeführten  Entlehnungen in  Kürze hier  folgen:

1) Aus dem jerusalemischen Talmud:

zu 1, 1 s. j. Schabb. I, 3c:,
zu 1, 2 s. j.  Aboda .sara II,  41c,
zu 1, 3. (7,  1) s. j. Meg. II, 73b; j. Moed. katan III. 83b,
zu 1,  6 s. j.  Succa V, 55c; j. Aboda sara 1, 39c; (mit Einschaltungen vergl.
Sifre Deut.  Piska 52); j.  Erubin   III,  21c,
zu 1, 9 s. j. Sanh. 1,  18a,
zu 1, 11 s. j. Schek. VI, 49d,
zu 1, 12 s. j. Pesach. IV, 30d,
zu 3, 6 s. j. Joma III, 41a; j. Schek. V, 48d,
zu 3, 7. 8 s. j. Schek. IV, 48a,
zu 3, 10 S. j.  Joma IV,  4 d,
zu 3, 11 s. j. Rosch haschana II, 58a,
zu 4, 1b – 4 s. das. IV, 59c;  j. Joma VII, 44b  (vergl. Midr.  Wajikra r. Par.
10); j. Berach. IV, 8bc,

zu 4, 8 s. j. Succa IV, 54c; j. Chall. IV, 60a,
zu 4, 13 s. j. Schek. IV, 50 a,
zu 4,  16 s. j. Meg. II, 72b vergl. Midr. Beresch. r. Par. 22 und 34 und
Wajikra r. Par. 9,
zu 5, 11 s. j. Sanh. II, 20c;  j.   Schek.  VI, 49d  (vergl.  Midr.  Wajikra r.
Par. 19),
zu 5, 14 s. j. Schek. VI, 49d,
zu 5, 16 s. j. Pea I,  16b,
zu 6, 9 s. j. Berach. I, 2c,
zu 6, 10 s. das.,
zu 7, 2 s. j. Pea III, 17d,
zu 7, 5 s. j. Berach. IX,  13a,
zu 7, 11 s. das. II, 4b,
zu 8, 9 s. j. Taan. II, 65a,
zu 8, 14 s. das. I, 63d.

2) Aus dem Midrasch Bereschit r.:

zu 1, 1 im ersten Proöm. s. Ber. r. Par. 87,
zu 1, 3 s. Ber. r. Par. 39,
zu 1, 14b s. Ber. r. Par. 44,
zu 1, 15 (und 4,  1) aus Ber. r. Par. 33  (vergl. Wajikra r. Par. 31),
zu 1, 17 s. Ber. r. Par. 68,
zu 2, 14 s. Ber. r.  Par.  45,
zu 2, 16 s. Ber. r. Par. 32 u. 34,
zu 3, 6 mit vielfachen Umstellungen aus Ber. r. Par. 77,
zu 4, 6 s. Ber. r. Par. 47,
zu 4, 11 s. Ber. r. Par. 65 vergl. Par. 67,
zu 7, 5 s. Ber. r. Par. 78,
zu 7, 11 s. Ber. r. Par. 20,
zu 7, 14 s. Ber. r. Par. 72,
zu 8, 8-10 s. Ber. r. Par. 39,
zu 8, 11 s. wahrscheinlich Ber. r. Par. 85 Ende.

3) Sehr wichtige und umfangreiche Entlehnungen sind aus der Pesikta geflossen und zwar

zu 1, 4 vergl. Piska 22 (Buber S.  147a),
zu 2, 3 und 2, 5 vergl. Piska  12 (B. S. 103b und 100b) und Piska 28 (B. S.
179a),
zu 2, 7 vergl. Piska 10 (B. S. 87a),
zu 2, 8 ff. vergl. Piska 5 (B. S. 47a ff.),
zu 3, 1 vergl. Piska 1 (B. S. 2b-5b),
zu 3, 4 vergl. Piska 2 (B. S.  14a),
zu 4, 11 vergl. Piska 10 (B. S. 92a),
zu 4, 12 vergl. Piska 10 (B. S. 82a – 84a),
zu 5, 1 vergl. Piska  1 (B. S.  1a f.),
zu 5, 14 vergl. Piska 18 (B. S.  135b) und Piska 10 (B. S. 90b),
zu 5, 16 vergl. Piska 9 (B. S. 76b),
zu 6, 3 vergl. Piska 1 (B. S. 7a-10a),
zu 7, 2 vergl. Piska 30 (B. S.  193a),
zu 7, 5 vergl. Piska 20 Schluss (B. S.  143a f.),
zu 8, 1 vergl. wohl Piska 16 (B. S. 126a),
zu 8, 7 vergl. Piska 28 (B. S.  178b).

4) In Bezug auf die Entlehnungen aus Midrasch Wajikra r. ist zu vergleichen

1, 7. 8 mit Wajikra r. Par. 11,
1, 10 mit Wajikra r. Par. 16,
2, 2 mit Wajikra r. Par. 23,
2, 3 mit Wajikra r. Par. 1,
2, 14 mit Wajikra r. Par. 33,
4, 1 – 4 mit Wajikra r. Par. 32,
5, 1 mit Wajikra r. Par. 8,
5, 11 (erstes Proöm) mit Wajikra r. Par.  19,
5, 15 mit Wajikra 25 Ende,
7, 5 mit Wajikra r. Par 1,
7, 16 die Schlussformel der Proömien mit Wajikra r. Par. 31,
8, 6 mit Wajikra r. Par. 18 und 10.

Was endlich das Verhältnis des Midrasch zum Hohenliede zu anderen alten Midraschwerken, wie Seder Olam, Sifre, Sifra und Mechilta und Tanchuma (Jelamdenu), sowie zur Mischna und Tosephta anlangt, so hat auch dieses Theodor in seiner Abhandlung (a. a. O. S. 347, Nota 11-16) erörtert, weshalb wir uns einfach mit diesem Hinweise begnügen.
Hinsichtlich der Zeit der Redaction des Midrasch zum Hohenliede ist mit Zunz (a. a. O. S. 263 f.) zu bemerken, dass derselbe höchst wahrscheinlich zu den jüngeren Haggadas gehört. Nach Salfeld (a. a. O. S. 15) erfolgte die Redaction erst in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts.
Wenn die gegenwärtige Gestalt des Midrasch zum Hohenliede wesentliche Abweichungen von einer Münchner Handschrift aufzeigt (nach Chodowsky, Observaliones crilicae in Schir ha-Schirim fehlen beispielsweise in derselben die Stücke zu 3, 6 und 4, 1-5), so fallen diese wahrscheinlich der Nachlässigkeit des Abschreibers zur Last. Nach verschiedenen Merkmalen zu urteilen, scheint überhaupt der Münchner  Handschrift   kein  großer   kritischer  Werth   beigemessen werden zu  dürfen.
Betreffs der vielfachen Textcorruptionen und der Sinndeutung dunkler Stellen leistet sowohl das Neuhebräische und Chaldäische Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim von I. Levy, wie der Aruch von A. Kohut auch für den Midrasch zum Hohenliede höchst Beachtenswertes. Unsre Übersetzung ist durch diese Werke wesentlich gefördert worden, weshalb wir beiden Herrn Verfassern hiermit unsern besten Dank aussprechen.

V. 1. Das Lied der Lieder
(,yrysh rys) Das sagt auch: die Schrift durch Salomo Prov. 22, 29: „Du hast wohl einen Mann gesehen; der schnell (gewandt, geschickt) in seinem Geschäft ist, dass er sich vor Könige stellte, vor Niedrige (Finsterlinge, ,yksx) aber stellte er sich nicht“. So ein schneller (gewandter) Mann in seinem Geschäfte war Joseph s. Gen. 39, 11. R. Jehuda sagte Es war der Schand- (Ehren-) und Opfertag des Nils, denn es war ein Tag des Schauspiels. R. Nechemja sagte: Es war ein Tag des Schauspiels des Nils und alle gingen, um es mitanzusehen, Joseph aber ging in das Haus, um seine Arbeit, zu verrichten und die Rechnungen seines Herrn nachzurechnen. Daher sagte R. Pinchas im Namen des R. Samuel bar Abba: Wer seinen Herrn nach Gebühr bedient, erlangt endlich die Freiheit. Woher können wir das lernen? Von Joseph. Dadurch, dass er seinen Herrn nach Gebühr bediente, gelangte er zur Freiheit. Darum stellte er sich auch vor Pharao s. Gen. 11, 14, „nicht stellte er sich vor Niedrige“ d. i. vor Potiphar, dessen Augen Gott blendete und ihn entmannte.
Oder „der schnelle Mann“ ist unser Lehrer Mose, welcher sich als solcher beim Bau des Stiftszeltes bewies. Darum konnte er auch vor Könige d. i. vor Pharao sich stellen s. Ex. 8, 16, während er vor Niedrige d. i. vor Jethro sich nicht stellte.
Aber auf diese Weise, wandte R. Nechemja ein, machst du das Heilige profan. Nein, unter „den Königen“ ist der König aller Könige, Gott, zu verstehen, mit welchem Mose einen vertraulichen Umgang hatte s. Ex. 24, 18, Jedoch  vor   „Niedrigen  (Finsterlingen)”   stand  er   nicht d. i. Pharao, wie es heißt Ex. 10, 23:  „Da ward eine dicke Finsternis im ganzen Lande Ägypten drei Tage lang.”
Oder der „schnelle Mann“ stellt die Frommen dar, welche sich mit dem Werke Gottes beschäftigen, so dass sie mit der Thora zu Königen im Rate sich gesellen können s. Prov. 8, 15, aber „vor Niedrige“ (Finsterlinge) d. i. vor die Ruchlosen s. Jes. 29, 15 und PS. 35, 6 stellen sie sich nicht.
Oder unter dem „schnellen Mann“ ist R. Chanina zu verstehen, der, wie die Sage geht, einmal die Bewohner seiner Stadt nach Jerusalem mit Brand- und Friedensopfern hinaufziehen sah. Alle ziehen mit Friedensopfern nach Jerusalem hinauf, sprach er, nur ich bringe nichts hinauf. Was soll ich tun? Er ging in eine Einöde hinaus zu einer Ruine seiner Stadt, wo er einen Stein fand. Diesen behaute und meißelte er, strich ihn an (glättete ihn) und sprach: „Ich gelobe ihn nach Jerusalem hinaufzubringen.“ Er suchte sich Arbeiter zu dingen. Er fragte sie: Wollt ihr wohl diesen Stein nach Jerusalem schaffen? Sie sprachen: Wenn du als Lohn uns hundert Goldstücke gibst, so wollen wir ihn dir hinaufschaffen. Woher soll ich hundert Goldstücke oder auch nur fünfzig nehmen, um sie euch zu geben? Er fand in diesem Augenblicke gar nichts bei sich und die Leute gingen ihres Wegs. Allein Gott sandte ihm fünf Engel in Menschengestalt, welche zu ihm sprachen: Rabbi, gib uns fünf Selaim, so bringen wir deinen Stein nach Jerusalem, jedoch nur, wenn du mit Hand anlegst. Er legte mit Hand an und sie fanden sich stehend in Jerusalem. Als er ihnen ihren Lohn bezahlen wollte, fand er sie nicht. Es kam der Vorfall in der Quaderhalle zur Sprache. Es scheint, sprachen die Weisen, dass Dienstengel unserem Herrn diesen Stein nach Jerusalem heraufgebracht haben. Er gab den Weisen den Lohn, für den er die Boten gedungen hatte.
Oder unter dem „gewandten Mann“ ist Salomo, der Sohn Davids, zu verstehen, der als solcher sich beim Tempelbau bewies. Wenn dieser auch nur einen Zeitraum von sieben Jahren (s. Reg. 6, 38), der Bau seines Hauses dagegen dreizehn Jahre in Anspruch nahm (s. das. 7, 1), sollte sich daraus etwa schließen lassen, dass der Palast Salomos schöner und größer war als der Tempel? Nein, sondern der Bau von diesem wurde nachlässiger betrieben, als der Bau von jenem, in welchem er rüstig und nicht nachlässig war. Rab Huna sagte: Alle stehen einem König .bei, um wie vielmehr, wo es die Ehre des Königs aller Könige  gilt, ihm stehen Geister, Dämonen und sogar die Dienstengel bei. Jizchak bar R. Jehuda bar Ezechiel sagte: Es heißt I Reg. 8, 13: Gebaut habe ich ein Haus dir zur Wohnung d. i. ein Gebäude habe ich gebaut. R. Berachja sagt: Es heißt nicht: das Haus, welches sie bauten      (vyh rsa tybh ,ynvb), sondern: das Haus in seinem Erbauen    (vtvnbhb tybhv) d. i. der Tempel erbaute sich von selbst s. I Reg. 6, 7, wo es nicht heißt: yvnb, sondern hnbn, woraus zu lernen ist, dass der Stein sich selbst erhob und an die Baustelle sich begab. Wundre dich nicht darüber, sagte Rab, denn der Stein, den Darius auf die Löwengrube, in welche Daniel getan worden war, legen ließ s. Dan. 6, 18, kann nicht von Babylon gewesen sein, weil sich dort keine Steine finden, sondern er ist vom Lande Israel dahin geflogen und ließ sich auf die Öffnung der Grube nieder. Nach R. Huna im Namen des R. Joseph kam ein Engel in Gestalt eines steinernen Löwen herab und setzte sich auf die Öffnung der Grube s. das. 6, 23. Wenn nun schon zur Ehre dieses Frommen ein solches Wunder geschah, um wie viel mehr zur Ehre Gottes, welcher der Tempel dienen sollte. Dieser „schnelle Mann“ hätte sich also vor die Könige der Gotteslehre (Thora), nicht aber vor die „Niedrigen“ d. i. vor die Gesellschaft der Ruchlosen stellen können. Als sie (die große Synagoge) den Beschluss fasste, bemerkte R. Josua ben Levi, drei Privatmänner und vier Könige sollten keinen Teil an  der  zukünftigen  Welt haben, wollten sie Salomo auch mit ihnen verbinden (nämlich zu den Königen, die keinen Teil am ewigen Leben haben), dass also vier Könige keinen Anteil am  ewigen Leben hätten, allein eine Himmelsstimme ließ die Worte vernehmen Ps.105, 15: „Rührt meine Gesalbten nicht an“. Salomo wurde sogar, sagte R. Jehuda bar Simon, als das Haupt der Adelskette angesehen s. I Reg. 14, 21. R. Judan bar Simon sagte: Und nicht nur das, sondern der heilige Geist ließ sich sogar auf ihn nieder, dass er die drei Bücher, die Sprüche, das Hohelied und den Prediger verfasste, wie geschrieben ist Ps. 45, 17: „An Stelle deiner Väter sollen deine Kinder sein“.
Du findest nämlich, dass ein Gerechter einen Gerechten, ein Ruchloser einen Ruchlosen, ein Gerechter einen Ruchlosen und ein Ruchloser einen Gerechten zeugen kann. Allen diesen Sätzen steht eine Schriftstelle, ein Sprichwort (Gleichnis) und eine Redensart zur, Seite. Dem ersten Satze steht zur Seite die Schriftstelle Ps. 45, 17 und das Sprichwort: Der Feigenbaum liefert Feigen; dem zweiten die Schriftstelle Num. 32, 14, der Spruch I Sam. 24, 14: „Vom Bösen kommt Böses“ und das Sprichwort: Was gebiert der schwarze Käfer? Beißende Tiere, die noch weit schlimmer sind als er; dem dritten die Schriftstelle Hi. 31, 40, das Sprichwort: „Eltern, die (an Trefflichkeit) ihres Gleichen nicht haben, ziehen Kinder groß, die ihnen unähnlich sind (die ihnen nicht gleichen).“ dem vierten endlich die Schriftstelle Jes. 35, 13 und das Sprichwort: Aus den Dornen geht die Rose hervor. Aber Salomo war König und der Sohn eines Königs, ein Weiser und der Sohn eines Weisen, ein Gerechter und der Sohn eines Gerechten, ein Edler und der Sohn eines Edlen. Du findest, alles, was von diesem die Schrift sagt, lässt sich auf jenen anwenden. Der König David regierte vierzig Jahre, ebenso Salomo; David regierte über Israel und Jehuda, ebenso sein Sohn Salomo, David legte den Grund zum Tempel und Salomo baute die oberen Teile, sein Vater regierte von einem Ende der Welt bis zum andern, ebenso Salomo, David schrieb Bücher, auch Salomo schrieb Bücher, David sang Lieder, auch Salomo sang Lieder, David klagte über die Eitelkeiten der Welt, ebenso Salomo, David verfasste Reden, ebenso Salomo, David verfasste Gleichnisse, ebenso Salomo, David pries mit dem Worte za, ebenso Salomo, David baute einen Altar, ebenso Salomo, David brachte Opfer dar, ebenso. Salomo, David führte die Bundeslade hinauf nach Jerusalem, ebenso Salomo. Der König David regierte vierzig Jahre, ebenso lange regierte auch sein Sohn Salomo s. 1 Reg. 2, 11 vergl. 2 Chron. 9, 30; David regierte über Israel und Jehuda, ebenso sein Sohn Salomo s. 1 Chron 28, 4 vergl. 1 Reg 4, 20; David legte den Grund (zum Tempel): und Salomo führte ihn aus (eig. er erbaute die oberen Teile) s. I Chron. 28, 2 . vergl. 1 Reg. 8, 13; David verfasste  Reden und auch Salomo verfasste  solche s. 2 Sam. 23, 1 vergl. Koh. 1, 1; David klagte über Eitelkeiten der Welt, ebenso Salomo s. Ps. 39, 6 vergl. Koh. 1, 2, wie David, so redete auch Salomo in Gleichnissen s. 1 Sam. 24, 14 vergl. Prov. 1, 1; David schrieb die Bücher der Psalmen, welche seinen Namen tragen und Salomo schrieb die Sprüche, den Prediger und das Hohelied; wie David so pries auch Salomo in einem mit dem Worte za beginnenden Lobgesang s. Ps. 126, 2 vergl. 1 Reg. 8, 12; David führte die Bundeslade hinauf nach Jerusalem, ebenso auch Salomo s. 1 Chron. 15, 25 vergl. 1 Reg. 8, 1; David sang Lieder, ebenso Salomo s. 2 Sam. 22, 1 vergl. Cant. 1, 1.
Wenn du einmal solche Vergleichungen anstellst, sagte R. Simon im Namen des R. Jonathan von Beth Gobrin im Namen des R. Josua ben Levi, so kannst du solche noch weiter führen: Wie seinem Vater alle Sünden vergeben sind s. 2 Sam. 12, 13, so auch dem Salomo, und nicht nur das, es ließ sich sogar der heilige Geist auf ihn nieder, dass er drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und . das Hohelied verfasste.
Oder: Lied der Lieder. Das sagt auch die Schrift Prov. 16, 23: „Des Weisen Herz macht seinen Mund beredt und auf seinen Lippen mehrt es Lehre“ d. i. das Herz des Weisen ist voll Weisheit und wer macht die Weisheit kund? Sein Mund, und dadurch, dass er die Worte der Thora aus seinem Herzen hervorbringt, verbreitet und vermehrt er die Lehre (Unterweisung) der Thora. Es verhält sich damit wie mit einem Fasse, welches voll Edelsteine und Perlen ist und verschlossen und in einen Winkel geworfen liegt und niemand seinen Inhalt kennt. Da kommt aber ein Mensch, holt es hervor und leert es aus, und nun erkennen alle, was darin ist. So war auch Salomos Herz voll von Weisheit, aber niemand wusste es. Als aber der heilige Geist auf ihm ruhte, und er die drei Bücher abfasste, da erkannten alle seine Weisheit. „Und auf seinen Lippe mehrt er die Lehre“ d. i. Der  Unterricht, den er hinzufügte zu den Worten der Thora, verschaffte ihm Hoheit (Ruhm) s. Koh. 1, 13, wo der Sinn ist: ich machte den Späher (ryyt) in der Weisheit vergl. wegen des Wortes rvtlv Num. 13, 2. Wenn jemand da ist, der die Schrift gut vorträgt, so wollen wir zu. ihm gehen; wenn jemand die Mischna gut vorträgt, so wollen wir ebenfalls zu ihm gehen. Oder das Wort rvtlv bedeutet soviel wie rytvhlv einen Überschuss machen. Wenn ein Dichter (anuyyp Poet) Verse nach dem Alphabet (Akrosticha) abfasst, so macht er das Gedicht zuweilen vollständig, zuweilen verwendet er (im Gedicht) das ganze Alphabet, allein Salomo hat sogar noch fünf Verse mehr gemacht s. 1 Reg. 5, 12. Lies nicht vrys sein Lied, sondern vrvys seine Zugaben. Und nicht nur in der Thora, sondern in allem, was unter der Sonne geschieht, war er ein Späher (Beobachter, Forscher). Er untersuchte beispielsweise wie Senf und Feigbohnen süß gemacht werden können. Du hast dich, sprach Gott zu ihm, um die Worte der Thora abgemüht, bei deinem Leben! ich werde dir deinen Lohn nicht vorenthalten, siehe, ich werde den heiligen Geist auf dir ruhen lassen – und sofort geschah dies und er verfasste die drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und das hohe Lied.
„Das Lied der Lieder“ konnte nur denjenigen zum Verfasser haben, von dem die Schrift Koh. 12, 9 sagt: „Dazu kommt noch, dass Kohelet der Prediger ein Weiser war“, denn wenn ein anderer Mensch diese Lehren vorgetragen hätte, so müsstest du deine Ohren beugen und sie beherzigen (auf sie horchen), „um so mehr”, da sie Salomo vorgetragen hat; wenn er sie aus eignem Wissen gelehrt hätte, so müsstest du deine Ohren beugen und sie beherzigen (auf sie horchen), „um so mehr (rtyv)“, da er sie vermöge der Inspiration des heiligen Geistes gelehrt hat, weil Kohelet ein sehr begabter Weiser war, „welcher das Volk belehrte, prüfte und erforschte und viele Sprüche stellte“ d. i. er prüfte und erforschte die Worte der Thora und machte Ohren für die Thora, denn du findest, dass vor Salomo Beispiele und Vergleichungen nicht angewendet sind. Gleich einem hohen Palaste, bemerkte Rab Nachman, welcher viele Eingänge hatte, wer hineinging, verirrte sich; da kam aber ein Kluger, nahm einen Knäuel, hing ihn an die Tür, und nun konnten alle daran hinein- und wieder herausgehen. Ebenso konnte vor Salomo niemand die Worte der Thora erfassen, als er aber auftrat, wurden sie allen verständlich.
Rab Nachman führte noch ein anderes Beispiel an. Es war ein Wald voll mit Rohrgebüsch, in das kein Mensch hineingehen konnte, da kam ein Kluger mit einer Sichel und schnitt die Rohre ab, und nun konnten alle Leute auf dem gebahnten Wege hinein- und herausgehen. Auf dieselbe Weise verfuhr auch Salomo.
R. Jose gebrauchte dieses Beispiel. Gleich einer großen Kiste, welche voll mit Früchten war, aber keinen Henkel hatte und in Folge dessen nicht fortbewegt werden konnte, da kam ein Kluger und brachte an sie Henkel an und bewegte sie von der Stelle. So auch, bevor Salomo aufstand, da begriff niemand die Worte der Thora, nachher aber (als er aufgetreten war), fingen alle an die Worte der Thora zu begreifen.
R. Schila stellte diesen Vergleich an. Ein großer Pokal voll heißen Wassers konnte, da er mit keinem Henkel versehen war, nicht eher von der Stelle bewegt werden, als bis einer kam und einen Henkel anbrachte.
R. Chanina verglich Salomo mit einem tiefen Brunnen voll frischen, süßen und wohlschmeckenden Wassers, aus dem aber niemand trinken konnte, da kam einer und band Seile und Stricke aneinander, ließ einen Eimer hinab und trank, nun ließen Alle Eimer hinab und tranken. So hat auch Salomo von Gleichnis zu Gleichnis das Geheimnis der Thora klar zu machen gesucht s. Prov: 1, 1, welche Stelle sagen will, dass durch die Gleichnisse Salomos die Worte der Thora fasslich wurden. Daher sagten die Rabbinen, das Gleichnis sei nicht gering in deinen Augen, denn durch dasselbe werden dem Menschen die Worte der Thora fasslich. Wie ein König sein verlornes Goldstück oder seine kostbare Perle mittelst eines Dochtes (Lichtes), der ungefähr einen Isar wert war, in seinem Hause wieder fand, ebenso, erscheine das Gleichnis in deinen Augen nicht gering, denn dadurch machte Salomo die Worte der Thora fasslich. Du kannst es daraus entnehmen, dass es sich so verhält, dass Salomo durch das Gleichnis das feine Verständnis der Thora erschloss. R. Judan sagte: Um dir zu lehren: wer die Worte der Thora öffentlich vorträgt, auf den ruht der heilige Geist. Von wem kannst du das lernen? Von Salomo, welcher dadurch, dass er die Worte der Thora öffentlich vortrug, so glücklich war, dass der heilige Geist auf ihm ruhte, und er die drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und das Hohelied verfasste.
R. Pinchas ben Jair begann anknüpfend an Prov. 2, 4: Wenn du den Worten der Thora nachforschst wie nach Schätzen, so wird Gott dir den Lohn nicht vorenthalten. Wenn ein Mensch beispielsweise einen Sela oder sonst ein Wertstück in seinem Hause verloren hat, so zündet er Lichter und Dochte an, bis er das Gesuchte findet. Wenn nun schon, in Bezug auf das, was eigentlich nur einen augenblicklichen Genuss gewährt (eig. das Leben einer Stunde dieser Welt bietet), der Mensch viele Lichter und Dochte anzündet, bis er es gefunden hat, um wie viel mehr solltest du nach den Worten der Thora, die dir das Leben dieser und jener Welt verheißt, wie nach Schätzen graben!
R. Eleasar sagte: Nie kam ein Mensch mir im Lehrhause zuvor und ich ließ auch bei meinem Weggange keinen dort zurück. Einmal ging ich früh dahin und traf Leute, welche Dünger und Stroh nach den Feldern führten, da fielen mir die Worte Prov. 2, 4. 5 ein. Wir, die wir nicht der Düngung und des Strohs bedürfen, sollten wir uns nicht wenigstens wie diese bemühen, welche Stroh und Düngung führen? Daher wurde gelehrt: R. Pinchas ben Jair hat gesagt: Hurtigkeit (Achtsamkeit) führt zur Unschuld s. Lev. 16, 20, Unschuld zur (Sitten-)Reinheit s. das. 12, 7, (Sitten-)Reinheit zur Heiligung s. das. 16, 19, Heiligung zur Demut s. Jes. 57, 15, Demut zur Sündenscheu s. Prov. 22, 4. Sündenscheu zur Frömmigkeit s. Ps. 89, 20, Frömmigkeit zum heiligen Geist s. das., der heilige Geist zur Totenauferstehung s. Ezech. 36, 14, die Totenauferstehung zu Elia dem Propheten, dessen Andenken in Segen sei s. Mal. 3, 23.
R. Mathna sagte: Was die Weisheit zum Hauptschmuck macht s. Ps. 111, 10, macht die Bescheidenheit zur Sandale für die Ferse s. Prov. 22, 4.
R. Simon verglich im Namen des R. Simeon ben Chalaphtha den Salomo mit einem Ratsherrn (Senator), welcher im Hause des Königs in großem Ansehen stand. Einmal sprach der König zu ihm: Verlange, was ich dir geben soll! Verlange ich, dachte der Günstling, Silber und Gold, er gibt sie mir, oder Edelsteine und Perlen, er gibt sie mir; ich will um seine Tochter werben, mit welcher ich alles in allem erlange. Ebenso sprach Gott zu Salomo 1 Reg. 3, 5: Verlange, was ich dir geben soll! Da dachte Salomo: Wenn ich Silber und Gold, Edelsteine und Perlen verlange, er gibt sie mir, ich bitte um die Weisheit, dann habe ich alles in allem s. das. V. 9. Du erbittest dir die Weisheit, antwortete Gott, und nicht Reichtum, irdische Güter und das Leben deiner Feinde, bei deinem Leben! ich lasse dir mit jener auch diese zu Teil werden s. das. V. 11. Und. Salomo erwachte und siehe, es war ein Traum. Es war ein Traum, wie R. Jizchak bemerkte, der auf seiner Basis (seinem Grunde) steht. Brüllte der Esel, so wusste er, was er brüllte, zwitscherte der Vogel, so wusste er, was er zwitscherte. Er begab sich nach Jerusalem, stellte sich vor die Bundeslade, brachte Brand- und Friedensopfer dar und machte ein Gastmahl für seine Dienerschaft s. das. V. 15. Daher ist, wie R. Eleasar meint, die Sitte entstanden, dass, wenn man die Thora durchgelesen hat, man ein Gastmahl veranstaltet. R. Judan sagt: Um dir zu lehren, dass derjenige, welcher die Thora öffentlich vorträgt, würdig ist, dass der heilige Geist sich auf ihn niederlasse; denn als Salomo die Thora lehrte, ließ sich der heilige Geist auf ihn nieder und er verfasste die drei Bücher, die Sprüche, den Prediger und das Hohelied.
Über die Bedeutung der Benennung  ,yrysh rys ist die Meinung geteilt. R. Ibo sagte: rys ist ein Lied und ,yrysh sind zwei Lieder, folglich sind es drei Lieder. R. Jehuda bar Simon sagt: Beide Ausdrücke bezeichnen nur ein Lied (d. i. sie sind der Titel nur eines Liedes). Was machst du denn mit den beiden andern, nämlich mit Ps. 127 und Ps. 30? Der letzte Psalm wird zwar der Überschrift nach dem David beigelegt, hat aber den Salomo zum Verfasser, wie es sich auch mit dem Vers Cant. 4, 4 verhält. Wenn du alle Werke dieses Mannes betrachtest, so erstieg er drei Stufen: auf der ersten herrschte er über die ganze Seite des Stromes s. 1 Reg. 5, 4, auf der zweiten herrschte er über alle Königreiche vom Strome des Philisterlandes bis an die ägyptische Grenze s. das. 5, 1, auf der dritten kam er auf den Thron Gottes als König zu sitzen s. 1 Chron. 9, 8. Ist denn das dem Menschen möglich? fragte R. Jizchak, Gott ist doch, wie es in der Schrift Deut. 4, 24 vergl. Dan. 4, 10 heißt, ein zehrendes Feuer, und du sagst, Salomo nahm diesen Thron ein? Es soll damit gesagt sein, dass Salomo wie Gott von einem Ende der Welt bis zum andern regiere und dass er ebenso ohne Zeugenverhör und vorausgehende Warnung Recht sprach. In welchem Falle? Als die zwei Buhlerinnen vor ihm erschienen s. 1 Reg. 3, 16. Wer waren sie? Rab sagte: Es waren Geister, die Rabbinen sagten: Sie waren verschwägert, R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Sie waren wirkliche Buhlerinnen und er entschied ohne Zeugenverhör und vorherige Warnung. Er erfuhr aber auch den Verfall seiner Herrschaft in drei Abstufungen. Nachdem er ein großer König über ein Reich gewesen, welches von einem Ende der Welt bis zum andern sich erstreckte, verminderte sich seine Herrschaft und er war nur noch König Über Israel s. Prov. 1, 1 seine Herrschaft verminderte sich weiter und er war nur noch König über Jerusalem s. Koh. 1, 12 und zuletzt verminderte sich seine Herrschaft so weit, dass er nur noch König über sein Haus war s. Cant. 3, 7. 8, woraus hervorgeht, dass er nicht einmal über sein Bett zu gebieten hatte (eig. König war), da er vor den Geistern sich fürchtete.
Salomo sah auch drei Welten d. i. er erfuhr drei Wandlungen. Nach R. Judan war er König, ein gemeiner Mann (Idiot), und wieder König, dann ein Weiser, ein Narr und wieder ein Weiser, zuletzt ein Reicher, ein Armer und wieder ein Reicher, weil er sagt Koh. 7, 15: „Ich habe alles in den Tagen meiner Nichtigkeit erfahren“, indem der Mensch von seiner ausgestandenen Not erst in der Stunde seiner Erholung (Erleichterung) zu erzählen pflegt
Nach R. Hunja war Salomo ein Gemeiner König und wieder ein Gemeiner, dann ein Narr, ein Weiser und wieder ein Narr, endlich ein Armer, ein Reicher und wieder ein Armer, weil er sagt: „Ich, Kohelet, war König über Israel“, aber jetzt bin ich es nicht mehr. Drei Sünden beging Salomo: 1) er hielt sich sehr viele Pferde, 2) er hielt sich viele Weiber und 3) häufte er Silber und Gold s. 1 Reg. 10, 27. Wurde denn das Silber nicht gestohlen? .R. Jose bar Chanina sagte: Es waren Stücke: von zehn, acht Ellen Größe? Sogar die Gewichte, lehrte R. Simeon ben Jochai, waren in den Tagen Salomos von Gold, denn das Silber wurde für nichts geachtet s. 1 Reg. 10, 21.
Salomo liebte viele fremde Frauen s. 1 Reg. 11, 12, mit denen der Israelit nach R. Josua ben Levi sich nicht verbinden darf, allein R. Simeon ben Jochai sagte: Die Wollust trieb ihn dazu. R. Jose der Galiläer sucht aus Nechem. 13; 26 zu beweisen, dass Salomo den Frauen beiwohnte zu einer Zeit, wo sie nach dem Gesetze zu meiden sind, und sie hatten ihn nicht davon in Kenntnis gesetzt.
R. Jose ben Chalaphtha sagte: Nicht aus Liebe zu ihnen verband sich Salomo mit den fremden Weibern, sondern in der Absicht, um sie (bei Gott) beliebt zu machen, sie zu nähern, zum Judentume überzuführen und sie unter die Flügel der Schechina zu bringen. R. Josua ben Levi, R. Simeon ben Jochai und R. Jose der Galiläer sagen,  stimmen überein, sind in einer Sache gleicher Meinung „(nämlich dass Salomo sich mit den fremden Frauen versündigt habe)“ , nur R. Jose bestreitet die Meinung dieser drei „(indem nach ihm Salomo dieselben vom Götzendienst zur Liebe des einzigen Gottes hinführen wollte).“ Drei Satane machten sich an Salomo vergl. 1 Reg. 11, 14. 23. 25. Wegen der vielen Pferde, die er sich hielt vergl. das. 10, 26. 29.
Drei Bücher Sprüche verfasste Salomo:  die Sprüche Cap, 1, 10 und 25; drei Eitelkeiten sprach er aus, denn lbh ist eine Eitelkeit und ,ylbh sind zwei Eitelkeiten, was drei ergibt s. Koh. 1, 2, ebenso viele Lieder sang er, denn rys ist ein Lied und myrysh sind zwei Lieder.
Drei Namen hatte Salomo, er hiess Jedidja, Salomo und Kohelet. R. Josua ben Levi legte ihm sieben Namen bei, außer den drei genannten noch Agur, Jake, Lemuel und Ithiel s. Prov. 30, 1. R. Samuel bar Nachman sagt: Ihre Hauptmacht (d. i. die vorzüglichsten unter den sieben Namen) sind Jedidja, Kohelet und Salomo. Und er gesteht zu, dass die letzten vier Namen, welche ihm noch beigelegt werden, gedeutet werden müssen. rvga wurde er genannt, weil er die Worte der Thora sammelte; hqy ]b, weil er das, was er zu einer Zeit gelernt, zu einer andern wieder ausspie, wie eine Schale, die bald voll, bald ausgeschüttet (leer) ist. So lernte Salomo zu einer Zeit die Thora, zu einer andern vergaß er sie wieder. lavml s. das. 31, 1, weil er in seinem Herzen gegen Gott trotzte und sprach: ich werde. die verbotenen Dinge häufen und doch nicht in Sünden verfallen; laytya und lkva, weil er dachte: mit mir ist Gott, ich kann durch meine Kraft der Versuchung widerstehen.
Drei Bücher verfasste Salomo: die Sprüche, den Prediger und das Hohelied. Welches von ihnen verfasste er zuerst? R. Chija der Grosse sagte: Die Sprüche, dann das Hohelied und zuletzt den Prediger und er beweist es aus 1 Reg. 5, 12. lsm geht auf das Buch der Sprüche, vrys auf das Hohelied, und das Buch Kohelet hat er zuletzt verfasst. Die Mischna (Boraita) R. Chija’s des Grossen streitet gegen diese Überlieferung, denn die Boraita (des R. Chija) sagt, Salomo habe die 3 Bücher zu gleicher Zeit geschrieben, und die Überlieferung sagt: jedes für sich; darauf lehrte R. Chija der Grosse, zur Zeit des Greisenalters Salomo’s ruhte auf ihm der heilige Geist und er verfasste (zu gleicher Zeit) Spruchbuch, Kohelet und hohes Lied.
Nach R. Jonathan schrieb Salomo das Hohelied zuerst, dann die Sprüche und zuletzt den Prediger. R. Jonathan weist auf die gewöhnliche Art und Weise (/ra ;rd) des Menschen hin, als Jüngling singt er Lieder, als Mann tut er Aussprüche, als Greis klagt er über die Eitelkeiten der Welt.
R. Janai, der Schwiegervater des R. Ami sagte: Darin kommen die genannten Rabbinen überein, dass der Prediger zuletzt von Salomo verfasst worden ist. Rabbi Eleasar bar Abuna erklärte 1 Reg. 5, 12 dahin, dass Salomo 3000 Beispiele (Gleichnisse) und 1005 Gründe für jede göttliche Verordnung gab. Nach den Rabbinen führte er 3000 Beispiele (Gleichnisse) zu jedem Vers und zu jedem Spruche 1005 Gründe an. Wir haben aber doch alle Sprüche gezählt, wandte R. Samuel bar Nachman ein, und nicht mehr als 915 herausgebracht, und du sagst 3000? Er muss zu jedem zwei oder drei Gründe angegeben haben. Vgl. Prov. 11, 22 und 25, 12. Wenn es an letzterer Stelle heißt: An dem Ort der Grossen stehe nicht, da ist selbstverständlich, dass er sich nicht setze und noch mehr, dass er nicht rede.
R. Akiba sagte: Gott behüte! nie war ein Israelit anderer Meinung, (dass er sage), das Hohelied soll nicht die Hände verunreinigen (nämlich: Alle stimmen überein, dass es ja die Hände verunreinigt, also heilig ist); unter ,ybvtk sind hier alle Bücher der Bibel zu  verstehen, nicht nur die Hagiographen. Nur in Betreff des Predigers besteht eine Meinungsverschiedenheit. R. Jochanan bar R. Josua, Sohn des Schwiegervaters des R. Akiba sagte: Nach den Worten Ben Asai’s (genau wie Ben Asai gesagt,) war so der Streit, und so war nachher die Entscheidung (dass beide die Hände verunreinigen).
R. Eleasar ben Asarja stellte dieses Gleichnis auf: Ein Mann trug ein Sea Weizen zum Bäcker und sprach zu ihm: Mache mir daraus ganz feines Mehl und aus diesem bereite mir feine Kuchen. Ebenso war von aller Weisheit Salomons das feinste kein andres, als das Hohelied für Israel. „Lied der Lieder“ d. i. das herrlichste unter den Liedern, das trefflichste unter den Liedern, das erhabenste unter den Liedern; lasst uns Lieder singen und lobpreisen den, der uns zu Liedern (Gegenständen des Lobes und Gesanges) gemacht, oder dem, der uns als Überreste in der Welt erhalten hat, wie es heißt Am. 8, 3 und Deut. 32, 12.
R. Jochanan sagte im Namen des R. Acha und dieser wieder im Namen des R. Simeon bar Abba: „Lasset uns demjenigen Lieder und Lobgesang weihen, der auf uns den heiligen Geist wird ruhen lassen, dass wir ihm viele Lieder singen. In allen Liedern lobt entweder Gott Israel, oder Israel lobt Gott. In dem Liede des Mose“ Deut. 32, 13: „Er ließ es einherfahren über des Landes Höhen“, preist er uns, allein hier (im Hohenliede) preisen wir ihn und er preist uns. Er preist wie es heißt: „Siehe, wie schön bist du meine Schäferin“, und preisen ihn, wie es heißt: „Siehe, schön bist du, mein Freund“. Darum erklärte es R. Simeon im Namen des R. Chanin von Sepphoris für ein zweifaches (lvpk rys), R. Simeon sogar für ein vielfaches (lvpkmv lvpk).
R. Levi sagte: Das Wort rys gibt, die Buchstaben als Zahlen genommen, die Zahl 510, soviel als die  Summa der Lebensjahre der Väter beträgt (nämlich: Abraham lebte 175, Jizchak 180 und Jakob 147 Jahre, was in Summa, mit Einschluss der 10 Gebote, 512 Jahre gibt); die Jahre der zwei Hungersnöte (in den Tagen Abrahams und Jizchaks) sind von dieser Zahl ausgeschlossen.
R. Judan und R. Levi im Namen des R. Jochanan sagten Überall, wo in dieser Rolle ;lm ohne Hinzufügung des Namens Salomo vorkommt, ist Gott darunter zu verstehen. Die Rabbinen sagten: Selbst da, wo das Wort ;lm in Verbindung mit dem Namen hmls vorkommt, geht es auf den Allerhöchsten, dem der Friede gehört (vls ,vlshs), dagegen ist ;lm ohne Beifügung des Namens auf die Gemeinde Israel zu beziehen.

V. 2.  Er küsse mich mit Küssen seines Mundes.
Wann hat diese Liebe sich geäußert? Nach R. Chanina bar Papa: am Meere vergl. Cant. 1, 9, nach R. Juda bar R. Simeon: am Sinai, wo die Sänger das Hohelied sangen vergl. Ps. 68, 26. Nach R. Nathan soll Gott zur Verherrlichung seiner Größe der Urheber des Hohenliedes sein, denn es heißt: „Lied der Lieder des Königs Salomo“ d. i. des Königs, welchem der Friede gehört. Rabban Gamliel schreibt es den Dienstengeln zu, indem er die Überschrift auf diese Weise erklärt: Das Lied der Sänger in der Höhe (,yrs hlim ls).
Nach R. Jochanan ist das Lied in Bezug auf den Sinai gesagt worden vergl. V. 2, R. Meir will es auf das Stiftszelt bezogen wissen vergl. 4, 16, in welcher Stelle die Worte ]vpo yrvi auf das Brandopfer sich beziehen, welches an der Nordseite geschlachtet wurde, dagegen die Worte ]myt yavbv die Friedensopfer andeuten, welche an der Südseite geschlachtet wurden, die Worte yng yxyph bedeuten das Stiftszelt, vymsb vlzy das wohlriechende Räucherwerk, ydvd aby die Schechina, vygm yrp lkayv die Opfer. Die Rabbinen beziehen alle diese Verse auf das Heiligtum. Nach R. Acha bezieht sich vom Verse ]vyrpa (s. Cant. 3, 19) an alles folgende bis zum Ende des Abschnittes auf den Tempel. Die Rabbinen machen alle Verse von ]vyrpa ab und weiter zu einer Einleitung zu dem Abschnitte Num. 7, 1: „Und es geschah am Tage, dass Mose die Aufrichtung des Stiftszeltes beendet hatte“. Nach der Meinung des R. Chanina bar Papa, welcher das Lied auf den Durchzug der Israeliten durch das Meer deutet, sind die Worte des obigen Verses dahin zu verstehen: Er lasse den heiligen Geist auf uns ruhen, dass wir vor ihm viele Loblieder zu singen vermögen. Nach der Meinung des Rabban Gamliel, welcher annimmt, dass die Dienstengel das Hohelied gesprochen haben, ist der Sinn des Verses dieser: (Die Dienstengel sagen nämlich:) Er (Gott) gebe uns von den Küssen, die er seinen Kindern (bei der Sinaitischen Gesetzgebung) gegeben hat. Nach der Meinung des  R.  Meir, der das Lied auf die Stiftshütte bezieht, ist der Sinn der Worte: Er lasse uns das Feuer herabkommen und nehme die ihm dargebrachten Opfer an. Nach der Meinung des R. Jochanan, welcher das Lied auf den Sinai bezieht, ist der Sinn dieser: Er lasse uns Küsse aus seinem Munde hervorgehen.
Oder: Er küsse uns mit Küssen seines Mundes. R. Jochanan hat gesagt: Ein Engel trug jedes Wort (jeden Ausspruch) Gottes hinweg und ging damit von einem Israeliten zum andern mit der Frage: Nimmst du diesen Ausspruch an? Derselbe enthält so und so viele Rechtssätze, so und so viele Strafarten, so und so viele Verordnungen, so und so viele leichte und schwere Gebote und so und so viele Belohnungen. Wenn der Gefragte mit Ja antwortete, so folgte die andere Frage: Erkennst du die Gottheit des Allerhöchsten an? Wenn er auch diese Frage bejahte, so gab er ihm sogleich einen Kuss auf seinen Mund, was mit den Worten Deut. 4, 35 ausgedrückt ist: „Dir ist’s gezeigt worden, um es zu erkennen“ d. i. durch einen Sendboten, „dass der Ewige allein Gott ist und keiner mehr außer ihm“. Nach den Rabbinen ging der Ausspruch selbst von einem Israeliten zum andern und fragte: Nimmst du mich an, so und so viele Rechtssätze sind in mir enthalten, so und so viele Strafarten, so und so viele Verordnungen, so und so viele leichte und schwere Gebote und so und so viele Belohnungen? Antwortete der Gefragte mit Ja, dann gab ihm der Spruch sogleich einen Kuss auf seinen Mund, wie das Orakel zu Didymoi (oder wie der Sturmwind mit Wohlgeruch) und erteilte ihm weiteren Unterricht, wie auch Deut. 4, 9 geschrieben ist: „Nur hüte dich, dass du die Worte nicht vergissest, welche deine Augen gesehen haben“. Es heißt: „Die Worte, welche deine Augen gesehen haben“ d. i. wie das Wort mit dir gesprochen hat, oder die zwei Aussprüche (d. i. die zwei ersten Gebote), welche die Israeliten aus dem Munde Gottes selbst vernommen haben. R. Josua ben Levi sagte: „Die Rabbinen begründen ihren Ausspruch damit, erst nach Schluss des Dekalogs steht: rede du mit uns, und wir wollen hören (und es möge nicht Gott mit uns reden).“ Was macht aber R. Jochanan (der sagte: ein Engel habe die Worte Gottes jedem Israeliten gebracht, damit (hl) d. i. mit den Worten ,yhla vnmi rbdy lav himsnv vnmi hta rbd? gylp er teilt (die zehn Worte; Israel hat nur die zwei ersten Worte:                          alv ykna ;l hyhy von Gott selbst gehört, und vor dem dritten Worte     ast  al sagten sie ,yhla vnmi rbdy lav) denn die Thora beobachtet die Reihenfolge nicht (hrvtb rxvamv ,dqvm ]ya). Wenn also gleich       vnmi rbdy lav am Ende der zehn Worte steht, so haben die Israeliten dies doch schon nach dem zweiten Gebote gesagt. Oder Worte: „Rede du mit uns“ sind nach den ersten zwei, drei Geboten gesprochen worden. R. Asarja und R. Jehuda bar R. Simon im Namen des R. Josua ben Levi ergriffen seine (des  R. Jochanan) Meinung und sagten:  Es heißt Deut. 33, 4: „Die Thora hat uns Mose befohlen“ d. i. die ganze Thora enthält 613 Ge- und Verbote, das Wort hrvt jedoch hat nur 611 in der Zahl d. i. die Gebote, welche Mose mit uns geredet hat, aber die beiden Gebote: Ich bin (ykna) und: Dir soll nicht sein (;l hyhy alv) haben wir nicht aus dem Munde Moses, sondern aus dem Munde Gottes vernommen. Das wollen die Worte sagen: Er küsse uns mit Küssen seines Mundes.
Wie ging das Wort aus dem Munde Gottes? Nach R. Simeon ben Jochai ging es von der rechten Seite Gottes zur linken Israels, zog dann um das Lager Israels, das einen Umfang von 18 Quadratmil hatte, kehrte dann von der rechten Seite Israels zur linken Gottes zurück und wurde von diesem mit seiner Hand empfangen und auf die Tafel eingegraben, wobei seine Stimme von einem Ende der Welt bis zum andern drang, um zu erfüllen, was Ps. 29, 7 geschrieben steht. Die Rabbinen warfen die Frage auf: Gibt es denn oben eine linke Seite? Es wird doch Ex. 15, 6 nur eine rechte erwähnt? Das Wort muss daher von Gottes rechter Seite zur rechten Seite Israels, dann um das Lager Israels in einem Umkreise von 18 Quadratmil von der rechten Seite Israels zur rechten Gottes zurückgegangen und von diesem mit seiner rechten Hand empfangen und auf die Tafel eingegraben worden sein, und der Laut drang von einem Ende der Welt bis zum andern, wie Ps. 29, 7 gesagt ist.
R. Berachja sagte: R. Chelbo hat mir gelehrt, dass das Wort sich von selbst in die Tafel eingegraben habe und nachdem dies geschehen, verbreitete sich sein Laut von einem Ende der Welt bis zum andern s. das. 29, 7; allein ich wandte ihm ein: Es steht ja: Die Tafeln waren beschrieben mit dem Finger Gottes? Du denkst (durch Einwürfe) mich zu erwürgen s. Deut. 9, 10, entgegnete R. Chelbo. Was ist denn der Sinn jener Worte? fragte ich. Er antwortete: Wie ein Schüler, welcher schreibt, und sein Lehrer zeigt es ihm mit dem Finger. R. Josua sagte: Die Israeliten haben nur zwei Gebote aus dem Munde Gottes vernommen, nämlich: Ich bin (ykna) und: es soll dir nicht sein (;l hyhy alv), wie es heißt: „er küsse mich mit Küssen seines Mundes“ d. i. nicht mit allen Küssen; die Rabbinen dagegen sagen, dass die Israeliten alle Gebote aus dem Munde Gottes vernommen haben, und R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi führt als Grund für die Meinung der Rabbinen die Worte an: „Und sie sprachen zu Mose: rede du mit uns und wir wollen hören.“ Was macht nun R. Josua ben Levi mit diesem Verse? Er entscheidet, dass es in der Thora kein Früher und Später gibt, oder dass die Worte: „rede du mit uns und wir wollen gehorchen“ (von den Israeliten) nach dem zweiten oder dritten Gebote gesprochen worden seien. R. Asarja und R. Jehuda bar Simon im Namen des R. Josua ben Levi ergriffen den Einwand und meinten, da es  Deut, 33, 4  heißt: „Die Thora hat uns  Mose befohlen“, dass die Israeliten nicht die ganze Thora vernommen haben, welche 613 Ge- und Verbote enthält; da das Wort. hrvt selbst aber nur 611 in der Zahl hat, so folgt daraus, dass Mose nur so viele Gebote mit den Israeliten geredet hat, die beiden (fehlenden) Gebote aber: „Ich bin“ und: „es soll dir nicht sein“ hat Mose nicht mit ihnen geredet, sondern sie haben dieselben unmittelbar aus dem Munde Gottes vernommen.
R. Jochanan legte den Vers auf die Israeliten aus, als sie an den Berg Sinai gekommen waren. Sie gleichen einem Könige, der mit der Tochter guter und vornehmer Eltern sich vermählen wollte und durch einen Gesandten um sie werben ließ. Derselbe erhielt von ihr die Antwort: Ich bin nicht einmal würdig, seine Magd zu sein, aber doch will ich es aus seinem eigenen Munde hören. Der Gesandte kehrte mit freundlicher Miene zum König zurück, ohne ihm seine Unterredungen (Gespräche) mit dem Mädchen mitzuteilen. Der König, welcher klug war, sprach: Seine heitere Miene scheint mir anzudeuten, dass mein Antrag eine beifällige Aufnahme gefunden, die Unterredungen mit ihr hat er mir nicht mitgeteilt, es scheint mir, dass sie geäußert hat: Ich will den Antrag aus seinem Munde hören Ebenso ist Israel die Tochter von gutem Herkommen, der Gesandte ist Mose und der König ist Gott. In dieser Stunde hinterbrachte Mose dem Ewigen die Worte des Volkes. Wozu braucht dann noch zu stehen: Mose berichtete die Worte des Volkes dem Ewigen? Allein weil es heißt Ex. 19, 9 „Ich komme zu dir in einer dicken Wolke, damit das Volk mich mit dir reden höre und auch an dich immer glaube“, so berichtete Mose die Worte des Volkes: Das Volk verlangt deine Worte unmittelbar von dir zu hören. Man lässt das Kind vernehmen, was es gern hört, fuhr Gott fort, darum sage dem Volke, dass es sich heilig halte und seine Kleider wasche s. das. 19,10.
R. Pinchas sagte im Namen des R. Levi: Hier lässt sich das Sprichwort anwenden: Der von einer Schlange Gebissene fürchtet sich vor dem Strick. So sprach auch Mose: Weil ich ehemals gesagt habe: Sie werden mir nicht glauben, meiner Stimme nicht Gehör geben s. Ex. 4, 1, so habe ich (wegen Verleumdung) das meinige aus ihren Händen empfangen (er wurde mit Aussatz gestraft s. das. V. 6), was tue ich ihnen jetzt?
R. Simon ben Jochai hat gelehrt: Die Israeliten verlangten also, sie sprachen: Wir wollen die Herrlichkeit unsres Königs sehen.
R. Pinchas sagte im Namen des R. Levi: Es war schon damals bekannt vor Gott, dass die Israeliten einst seine Ehre (d. i. sein Wesen) mit einem Anderen vertauschen würden s. Ps. 106, 20, Damit sie nicht sagen können: Wenn er uns seine Größe und Herrlichkeit gezeigt hätte, so würden wir an ihn geglaubt haben, da jenes aber nicht geschehen ist, so sind wir jetzt auch wegen unseres Unglaubens nicht strafbar, um zu bestätigen, was  Ps. 143, 2 geschrieben steht.
R. Judan im Namen des R. Juda bar R. Simon und R. Simon und R. Nechemja. R. Jehuda sagte: In der Stunde, als die Israeliten die Worte Ex: 20, 2 hörten: „Ich bin der Ewige, dein Gott“, war die Lehre des Gesetzes in ihr Herz gesenkt, welche sie lernten und nicht wieder vergaßen. Sie kamen zu Mose und sprachen: Unser Lehrer! sei du der Gesandte zwischen ihm und uns, „sprich du mit uns, wir wollen gehorchen“ s. Ex. 20, I9, warum sollen wir nun sterben s. Ex. 20, 20? Welchen Nutzen gewährt unser Untergang? Sie lernten nunmehr, aber sie vergaßen es wieder. Da dachten sie: Sowie Mose Fleisch und Blut ist, so ist auch sein Unterricht vergänglich. Sie kamen daher wieder zu Mose und sprachen: O unser Lehrer Mose! möchte er (Gott) sich uns zum zweiten Mal offenbaren! o möchte er (Gott) uns küssen, möchte die Lehre des Gesetzes doch wieder Wurzel in unserm Herzen schlagen, wie ehemals! Das wird jetzt nicht der Fall sein, antwortete er, wohl aber einst s. Jerem. 31, 33.
R. Nechemja sagte: Als die Israeliten die Worte Ex. 20, 3 hörten: „Du sollst keine fremden Götter vor meinem Angesicht haben“, wurde der böse Trieb aus ihrem Herzen entwurzelt. Sie kamen zu Mose und sprachen: Unser Lehrer! sei du Dolmetscher zwischen ihm und uns, wie es heißt: „Rede du mit uns, wir wollen gehorchen“. Warum sollen wir sterben? Welchen Vorteil bietet unser Untergang? Da kehrte der böse Trieb wieder zu seinem Orte zurück. Sie kamen nun wieder zu Mose und baten: O unser Lehrer Mose! möchte er (Gott) sich uns zum zweiten Mal offenbaren! o möchte er (Gott) uns küssen! Jetzt nicht, antwortete Mose, aber einst wird es geschehen s. Ezech. 36,26.
R. Eleasar sagt: Einem Könige gleich, welcher einen Weinkeller hatte. Es kam ein Gast und er mischte ihm einen Becher und reichte ihm denselben und gab einen solchen ebenso auch einem zweiten Gaste, als aber sein Sohn kam, bot er ihm seinen ganzen Weinkeller dar. Ebenso wurden Adam sieben Verhaltungsregeln, Ge- und Verbote gegeben, welche in den Worten Gen. 2, 16 enthalten sind, denn das Wort voyv bezieht sich auf den Götzendienst vergl. Hos. 5, 11, **** auf die Lästerung Gottes vergl. Lev. 24, 16, ,yhla auf die Richter vergl. Ex. 22, 8, ,da li auf Blutvergießen vergl. Gen. 9, 6, rmal auf Unzucht vergl. Jerem. 3, 1, ]gh /i lkm auf den Raub vergl. Gen. 2, 16. Dem Noah wurde die Zahl der Verbote um eins, nämlich das Glied vom lebenden Tiere betreffend s. das. 9, 4. “Dem Abraham ward das Gebot der Beschneidung;“ (absichtlich sind von Abraham an die Gebote von den früheren 7 noachidischen getrennt, weil zu jenen (nämlich Beschneidung, Spannader u. s. w.) nur die Israeliten verpflichtet sind, zu den 7 noachidischen aber alle Menschen): „Jizchak weihete sie  (die  Beschneidung) ein zu acht Tagen, Jakob erhielt das Verbot der Spannader; Juda das der Leviratsehe; Israel (erhielt die Vorschrift) über alle Ge- und Verbote.
R. Jose bar R. Chanina und die Rabbinen nahmen als Beispiel einen König an, welcher durch Herzöge, Eparchen und Kriegsobersten die Rationen (Tractamente) an seine Legionen verteilen lässt, seinem Sohn aber sie selbst, mit eigner Hand verabreicht. R. Jizchak sagte: Gleich einem Könige, welcher Brötchen (Leckerbissen) aß, als aber sein Sohn kam, gab er ihm dieselben sofort. Die Rabbinen sagen: Gleich einem Könige, welcher ein Stück (Fleisch) aß, welches er aber sofort seinem ankommenden Sohne gab. Manche sagen: Gott entzieht es seinem Munde und gibt es ihm (dem Menschen), wie es Prov. 2, 6, heißt: „Denn der Ewige gibt Weisheit aus seinem Munde, Erkenntnis und Einsicht.“ R. Nechemja sagte: Wenn zwei Mitschüler, welche sich mit einer halachischen Frage beschäftigen, verschiedener Meinung sind, ein jeder sie mit Gründen unterstützt, da zollt Gott beiden seinen Beifall. Selbst der Hauch eines jeden, sagt R. Jehuda, ist dem Allerhöchsten wohlgefällig, wie es heißt Hi. 35, 16: „Hiobs Hauch öffnete seinen Mund“ d. i. Gott sprach: Ich finde Lust daran. Die Rabbinen sagten: Ihre Seelen werden einst mit einem Kusse hinweggenommen werden.
Wir finden, sagte R. Asarja, dass Aarons Seele s. Num. 33, 38, sowie die seines Bruders Mose s. Deut. 34, 5 und die seiner Schwester Mirjam s. Num. 20, 1 nicht anders als mittelst eines Kusses genommen worden ist. Was bedeutet ,s? Sowie dort (bei Mose und Aaron), so war auch hier das Verscheiden durch einen Kuss vor sich gegangen, allein die Schrift fand es für unschicklich, es hier deutlich auszudrücken. Woher lässt sich beweisen, dass auch das Verscheiden aller übrigen Frommen mittelst des Kusses sich vollzieht? Aus dem Verse des Hohenliedes: „Er küsst mich mit Küssen seines Mundes.“ Hast du dich mit den Worten der Thora so beschäftigt, dass deine Lippen bewaffnet sind, so werden zuletzt alle dich auf deinen Mund küssen.
Oder: „Er küsse mich mit Küssen seines Mundes.“ Er bewaffne mich, er reinige mich, er schließe sich an mich, er küsse mich. Er bewaffne mich, wie 1 Chron. 12, 2 geschrieben steht. Die Worte der Thora werden darum mit Waffen verglichen, sagte R. Simeon bar R. Nachman, weil wie die Waffen in ihren Herrn im Kampfe erhalten, so auch die Worte der Thora den erhalten, der sich mit ihnen hinreichend bemüht.
Als Beweis führt R. Chana bar Acha Ps. 149, 6 an mit der Erklärung: Sowie das zweischneidige Sehwert auf zwei Seiten verzehrt, so gewährt auch die Thora ein zweifaches Leben, das Leben in dieser und in jener Welt. Das in dem angeführten Psalm vorkommende Wort tvypyp erklärt R. Jehuda dahin: Es ist die Thora gemeint, die durch einen Mund  (txa hpb) verkündet und durch viele Munde (tvypb) verbreitet worden ist. R. Nechemja deutet den Plural auf die zwiefache Lehre, die gegeben worden ist, auf die mündliche (hpb dxa) und die schriftliche (btkb dxav). Die Rabbinen sagen: Sie beschließen über die Oberen und sie leisten Folge und sie beschließen über die Unteren und sie leisten Folge. R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Die Rabbinen können sich berufen auf 1 Chron. 24, 5: „Denn die Obersten des Heiligtums und die Obersten Gottes waren aus den Söhnen Eleasars und aus den Söhnen Ithamars.“ Die Obersten des Heiligtums sind die Dienstengel vergl. Jes. 43, 25, und die Obersten Gottes sind die Israeliten vergl. Ps. 82, 6; denn sie beschließen über die Oberen und sie leisten Folge und sie beschließen über die Unteren und sie leisten Folge in Reinheit.
Oder: Er küsse mich mit Küssen seines Mundes. Er reinige mich, er schließe sich an mich, er küsse mich. Welcher zwei Zisternen mit einander verbindet“, dass nämlich beide zusammen das vorgeschriebene Maß für ein Tauchbad haben, nämlich 40 Sea (hac ,yibra hvqm rviys), wenn keines von beiden hac ´m Wasser hat, kann man sie verbinden, und haben die beiden, die dann miteinander zusammen eines bilden, 40 Sea, so darf man jedes der beiden als Tauchbad benutzen, wenngleich jedes derselben für sich nicht 40 Sea Wasser enthält.
Oder: Er küsse mich mit Küssen seines Mundes. Er küsse mich, er schließe sich an mich vergl. Ezech. 3, 13.
Oder: Er küsse mich. Er lasse mir die Küsse aus seinem Munde laut hervorgehen.
Denn lieblicher ist deine Liebe als Wein.
Es ist gelehrt worden (Mischna Aboda sara fol. 29b): R. Ismael fragte den R. Josua, als sie miteinander eine Reise machten, warum der Käse der Heiden verboten sei. Er antwortete, weil sie ihn im Magen eines gefallenen Tieres gerinnen lassen. Allein, wandte jener ein, der Magen von Ganzopfern unterliegt doch strengerem Verbote, als der Magen eines gefallenen Tieres und dennoch haben die Rabbinen gesagt, dass ihn ein Priester, der nicht ekel ist, darf ihn roh ausschlürfen (nämlich die darin gestandene Milch darf er ausschlürfen). Was heißt hprvs ? ausschlürfen; nicht: er schlürfte sie aus, sondern: er darf ausschlürfen. R. Simeon ben Lakisch sagt (auf das Wort: vl vdvh alv sie haben aber nicht zugestimmt): sie haben dieses Trinken der Milch aus dem Lab eines Ganzopfers betrachtet, wie wenn man aus unreinem Gefäße trinkt (das darf man nicht), er darf davon keinen Genuss haben (hnhn al vom Ganzopfer), aber er begeht (wenn er sie trinkt) keine Veruntreuung am Heiligen (livm alv; im Midrasch steht falsch lyivm alv, das hieße: wo er keinen Vorteil hat s. Raschi zu Aboda sara f. 29b  auf die Worte ]ylivm alv ]ynhn ]ya vrma lba vl vdvh alv. „Wenn dem so ist (da ist im Midr. ein Passus der Mischna Aboda sara ausgelassen, nämlich: er sagte ihm dann als Grund, weil man ihn gerinnen lässt im Magen der Kälber, die vor Götzen geopfert wurden), warum hat man dann nicht nur das Essen des Käses von Heiden, sondern auch die hanh, einen Vorteil daraus zu ziehen (z. B. verkaufen) verboten? (Von Priestern ist hier nicht die Rede). vkv ,ybvu arvq hta ;ayh ist die Antwort Ismaels im Midrasch ausgefallen, sie muss aus Aboda sara fol. 29b ergänzt werden, sonst fehlt der Zusammenhang: Liest du ;ydd oder ;yydd (deine Brüste)? Er antwortete: ;ydd ,ybvu yk. R. Josua aber sagte darauf: Das ist nicht so (]k rbdh ]ya), denn der folgende Satz gibt darüber Aufschluss: Beim Geruche deines Öles u. s. w., ;ynms ist männl., folglich muss es ;ydvd heißen. Und warum hat er es ihm nicht mitgeteilt? Weil es, wie R. Jonathan bemerkte, erst unlängst verboten worden war und R. Ismael noch klein war. R. Simeon ben Chalaphta, und R. Chaggi im Namen des R. Samuel bar Nachman sagte: Es steht geschrieben: „Schafe kleiden dich“ d. i. solange deine Schüler klein sind, sollst du ihnen die Worte der Thora nicht ganz erklären, sind sie herangewachsen und Schüler der Weisen geworden, dann magst du ihnen die Geheimnisse der Thora bekannt machen. R. Simeon ben Jochai führte zum Beweise die Worte Ex. 21, 1 an: „Dies sind die Rechtsvorschriften, welche du ihnen vorlegen sollst.“ Das Wort ,yst vorlegen, will sagen: Sowie der Schatz hmys nicht allen bekannt ist, so ist es auch der Inhalt der Thora nicht. R. Huna sagte, dass Chama bar Ukba gefragt habe: „Wenn er ihn nur auf etwas anderes bringen wollte, so hätte er ihn auf die 5 zweifelhaften Stellen bringen sollen“, nämlich über tas Gen. 4, 7, ryra Gen. 49, 6. 7, rxm Ex. 17, 9, ,ydqvsm Ex. 37, 20 und ,qv Deut. 31, 16 (ob nämlich diese Worte mit dem vorausgehenden oder nachfolgenden Worte zu verbinden sind), also ob Gen. 4, 7 byut ,a alh tas ist’s nicht also, wenn du dich gut aufführst, so kannst du dein Angesicht erheben, oder byut al ,a tas trage, wenn du dich nicht gut aufführst, zu lesen ist? R. Tanchuma sagte: ich habe noch einen anderen Vers, wo die Stellung des Wortes zweifelhaft ist Gen. 34, 7, nämlich ob daselbst: ,imsk hdsh ]m vab bqiy ynbv die Kinder Jacobs kamen vom Felde, als sie hörten, oder vab ,imsk vgv hdsh ]m als sie hörten, kamen sie vom Felde und die Männer betrübten sich, zu lesen ist? R. Jizchak sagte: Es heißt: „Und der Ewige gebot mir.“ Es gibt Dinge, welche er nur zwischen mir und sich besprochen hat und es gibt Dinge, welche er mir gesagt hat, dass ich sie meinen Kindern sagen sollte. R. Ilai sagte: Es gibt Dinge, welche den Mund verschließen (d. i. die nicht gesagt oder enthüllt werden dürfen). So heißt es einmal Ps. 119, 11: „In meinem Herzen berg ich dein Wort, damit ich mich an dir nicht versündige“, und ein andermal heißt es das. V. 13: „Mit meinen Lippen erzähle ich alle Gebote deines Mundes.“ Wie lassen sich diese beiden Schriftstellen miteinander ausgleichen? Auf diese Weise. Solange Ira Hajairi, der Lehrer Davids, lebte, verbarg ich deine Rede in meinem Herzen, als er aber gestorben war, erzählte ich sie mit meinen Lippen.
Oder: „Denn lieblicher ist deine Liebe als Wein.“ Die Worte der Thora gleichen einander, sie schließen sich einander an, sie sind miteinander verwandt wie Oheim oder der Sohn des Oheims. Es heißt Lev. 11, 36: „Nur Quelle und Brunnen und Wasserbehälter sollen rein sein“, weil sie tauglich machen (Machschirin sind), wie es heißt das. V. 38: „So aber Wasser auf den Samen getan ist.”
R. Simeon bar Abba im. Namen des R. Jochanan sagte: Die Worte der Schriftgelehrten sind beliebter als die Worte der Thora. „Warum?“ (Warum sind die Worte der Schriftgelehrten  beliebter?) Weil  es  heißt Cant. 7, 10: „Und dein Mund wie köstlicher Wein?“ R. Chabraja sagte im Namen des R. Jochanan: Die Worte der Schriftgelehrten sind beliebter als die Worte der Thora, wie es heißt: „denn köstlicher sind deine Liebkosungen als Wein.“
Wer sagt: Die Tephillin sind gar nicht geboten, so dass er veranlasst, ein biblisches Gebot zu übertreten, ist nicht strafbar, wer aber sagt: (Die Tephillin sind ja geboten, aber) wer lehrt: fünf Häuschen (müssen die Tephillin haben), so dass er hinzufügt zu den Worten der Schriftgelehrten, ist strafbar. R. Abba bar Kahana im Namen des R. Jehuda ben Pasi hat diesen Satz aus folgendem entnommen. R. Tarphon sagte: Ich war einst auf dem Wege und neigte mich zu lesen (das Schema am Abend) nach den Worten der Schule Schammais und brachte mich dadurch in die Gefahr, von Räubern angefallen zu werden. Daraus siehst du, wenn er das Lesen unterlassen hätte, so würde er nur ein Gebot übertreten haben, jetzt aber; wo er gelesen hat, da schwebte er in Lebensgefahr (eig. da verschuldete er sein Leben). Hieraus ergibt sich, dass die Worte der Schriftgelehrten beliebter (wichtiger) sind, als die Worte der Thora.
R. Chanina bar R. Ada im Namen des R. Tanchum bar Acha sagte: Sie sind sogar gewichtiger als die Worte der Thora und Prophetie, wie es heißt Micha 2, 6: „Weissaget nicht! sie sollen weissagen!“ denn der Prophet Micha stellt 2, 11 letztere dem Weine gleich, das Hohelied 1, 2 zieht die Überlieferung dem Weine vor. Es verhält sich damit, wie mit zwei Gesandten (;yrunmlp Parlamentairen), die ein König nach einem Lande abordnet. In Bezug auf den einen schrieb er: Wenn er euch mein Siegel und Petschaft vorzeigt, so schenkt ihm Glauben, wenn er das aber nicht tut, so glaubet ihm nicht; in Bezug auf den andern aber schrieb er: Selbst wenn er euch nicht mein Siegel und Petschaft zeigt, könnt ihr ihm glauben. So verhält es sich auch mit den Worten der Prophetie, es heißt Deut. 13, 2: ;,Denn ein Prophet ist in deiner .Mitte erstanden“, von den Worten der Schriftgelehrten dagegen heißt es Deut. 17, 11: „Nach dem Gesetze, das sie dich lehren“ u. s. w. Es heißt nicht: hrvth ;rvt rsa, sondern ;vrvy rsa; ferner heißt es nicht: rmat rsa upsmh liv, sondern ;l vrmay rsa, „und nach dem Rechte, das sie dich lehren, sollst du tun, nicht weichen sollst du von dem Spruche, den sie dir verkünden, weder zur Rechten, noch zur Linken“ d. i. wenn sie von Rechts sagen, es sei Rechts, und von Links, es sei Links, gehorche ihnen; ja sogar, wenn sie was Rechts ist, sagen,  es sei Links, und was Links,  es sei Rechts,  (gehorche ihnen).
Oder: „Denn köstlicher sind deine Liebkosungen, als Wein.“ Die Worte der Thora werden mit Wasser, Wein, Öl, Honig und Milch verglichen; mit Wasser s. Jes. 55, 1. Wie das Wasser von einem Ende der Welt zum andern fließt vergl. Ps. 136, 6, so verbreitet sich auch die Gotteslehre von einem Ende der Welt bis zum andern s. Hi. 11, 9; wie das Wasser der Welt Leben spendet s. Cant. 4, 15, so gibt auch die, Thora der Welt Leben s. Prov. 4, 22 vergl. Jes. 55, 1; wie das Wasser vom Himmel kommt s. Jerem. 10, 13, so kam auch die Thora vom Himmel s. Ex., 29, 22; wie das Wasser rauscht s. Ps. 29, 3, so wurde auch die Thora von Donnerstimmen begleitet s. Ex. 19, 16; , sowie das Wasser erquickend ist s. Jud. 15, 19, ebenso ist es die Thora s. Ps. 19, 8; wie das Wasser den Menschen von Unreinigkeit reinigt s. Ezech. 36, 25, so reinigt auch die Thora den Menschen vom Unreinen s. Ps. 12, 7; wie das Wasser den Körper reinigt s. Lev. 14, 9, so reinigt auch die Thora den Körper s. Ps. 119, 140; wie das Wasser die Blöße des Meeres bedeckt s. Jes. 2, 9, so deckt die Liebe heischende Thora die Mängel Israels s. Prov. 10, 12; sowie das Wasser in Tropfen herabfällt und zu Strömen wird, ebenso wird die Thora dem, der täglich auch nur zwei Halachot kennen lernt, ein sprudelnder Bach; wie Wasser nur dem Durstigen angenehm schmeckt, so ist auch die Thora nur dem angenehm, der sich in ihr abmühet, oder eig.: sie ist dem nicht angenehm, der sich nicht in ihr abmühet; sowie das Wasser den hohen Ort verlässt und der Niederung zuströmt, ebenso findet die Thora nicht beim Hoffärtigen, sondern nur beim Demütigen eine Ruhestätte; sowie das Wasser nicht in silbernen, sondern in irdenen Gefäßen sich frisch erhält, ebenso erhält sich auch die Thora nur in dem, welcher sich selbst wie ein irdenes Gefäß macht; wie in Bezug auf das Wasser der Grosse sich nicht schämt zum Kleinen zu sprechen: Lass mich trinken, so schämt sich auch der Grosse nicht zum Kleinen zu sprechen: Erkläre mir einen Abschnitt, einen Vers, selbst einen Buchstaben; sowie der Mensch im Wasser, wenn er nicht zu schwimmen weiss, den Tod findet (verschlungen wird), ebenso verhält es sich auch mit den Worten der Thora, wenn der Mensch nicht in ihnen zu schwimmen und Bescheid zu geben weiss, wird er schließlich verschlungen. Aber nicht wie das Wasser, das nach den Gärten (Parkanlagen) und Abtritten und Badehäusern geleitet wird, sagte R. Chanina von Cäsarea, sind die Worte der Thora s. Hos. 14, 10. Wie das Wasser das Wachstum der Pflanzen befördert, sagte R. Chama bar Ukba, so machen den groß (berühmt) die Worte der Thora, der sich mit ihnen bemüht. Damit man aber nicht glaube, wie das Wasser, je länger es sich in einem Kruge befindet, stinkend und säuerlich wird, dass es sich auch mit den Worten der Thora so verhalte, so wird sie auch mit dem Weine verglichen. Wie dieser, je älter er im Kruge wird, vorzüglicher wird, so auch die Worte der Thora, je älter sie im Körper des Menschen werden, desto ausgezeichneter werden sie an Größe. Oder wie das Wasser im Körper nicht erkennbar ist, meinst du, dass es sich auch mit den Worten der Thora so verhalte? Darum wird sie mit dem Weine verglichen. Wie der Wein im Körper (Leibe) erkannt wird, so werden auch die Worte der Thora im Körper erkannt. Man winkt und zeigt mit dem Finger und sagt: Das ist ein Gelehrter. Oder wie das Wasser nicht das Herz erfreut, meinst du, dass auch die Wörter der Thora es nicht erfreuten? Darum wird sie mit dem Weine verglichen, wie dieser das Herz erfreut s. Ps. 104, 15, so erfreuen auch die Worte der Thora das Herz s. das. 19, 11. Damit man aber nicht meine, dass wie der Wein manchmal dem Kopf und dem Körper schädlich ist, es auch mit der Thora so sei, so wird diese mit Öl verglichen. „Wie Öl den Kopf und Körper lieblich macht.“ Wenn sie dem Honig gleichen, so könnte man glauben, wie in diesem Uneinigkeit (,yroq) ist, so auch in der Thora; darum ist sie mit Milch verglichen, wie diese rein ist, so auch die Thora; wie aber die Milch geschmacklos ist, so könnte man glauben, dass es auch die Thora sei, darum ist sie mit Milch und Honig zusammen verglichen; beide vermischt, sind unschädlich, so auch die Thora. s. Prov. 3, 8, vergl. das. 4, 22.
Oder unter „deinen Geliebten“ sind die Altväter zu verstehen, welche lieblicher sind „als Wein“ d. i. als die Fürsten. Oder unter „deinen Geliebten“ sind die Tieropfer gemeint, welche vorzüglicher sind „als Wein“ d. i. als die Trankopfer.
R. Chanina sagte: Wenn Mose gewusst hätte, wie beliebt die Tieropfer wären, so würde er, als die Israeliten zu dem bewussten Werke (dem goldenen Kalbe) kamen, alle die in der Thora verordneten Opfer zur Sühne dargebracht haben, allein er berief sich eiligst auf das Verdienst der Väter Abraham, Jizchak und Jacob s. Ex. 32, 13. Oder unter „den Geliebten“ sind die Israeliten gemeint, welche beliebter sind als „Wein“ d. i. als die (70) Völker der Welt; denn das Wort ]yy Wein hat soviel in der Zahl, denn y ist 10 und ist y 10 und n ist 50, um dir zu lehren, dass Israel vor Gott mehr gilt als alle Völker.