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liebe den Frieden und strebe nach Eintracht Die Schüler der vorigen waren Hillel und Schammai. Und Hillel sagte: Sei wie die Jünger Aarons und liebe den Frieden und strebe nach Eintracht, liebe die Menschen und führe sie zum Gesetz.
Wer ist weise Zomas Sohn sagte: Wer ist weise? Der von allen Menschen lernt, denn es steht geschrieben: Ich bin gelehrter als alle meine Lehrer. [Ps. 119,99] - Wer ist ein Held? Der seine Leidenschaften überwindet, denn es steht geschrieben:
Drei Eigenschaften Drei Eigenschaften sind es, die einen Menschen zum Schüler unseres Vaters Abraham machen, und drei andere machen ihn zum Schüler des gottlosen Bileam*.
Wer von seinem Nächsten Wer von seinem Nächsten auch nur ein Kapitel oder einen Lehrsatz oder einen Schriftvers oder selbst nur einen Buchstaben lernt, muss ihm Ehre erweisen, denn so tat Israels König David, da er von Ahithophel nur zwei Dinge gelernt hatte, und machte ihn zu seinem Rat, Freund und Verwandten,
Weisheit und Taten Ferner sagte er: Womit ist der zu vergleichen, dessen Weisheit größer ist als seine Taten? Mit einem Baum, der viele Zweige aber wenig Wurzeln hat. Der Wind bläst und entwurzelt ihn und wirft ihn um, denn es steht geschrieben:

Judentum - Schulchan Aruch - Orach Chajim - 1-57

I. Über das Frühaufstehen.
2. Über das Ankleiden des Morgens.
3. Über das Betragen auf dem Aborte.
4. Über das Händewaschen.
5. Die Andacht beim Segensprechen.
6. Über die Gesetze und Bedeutung der Segensprüche Ascher jazar, nach dem Verrichten eines Bedürfnisses und die Bedeutung des Gebets Elohei Neschomah u.s.w
7. Nach einem jeden verrichteten (auch nur kleinem) Bedürfnisse muss man den Segenspruch ASCHER JAZAR und nicht Netiler Jedajim (wie beim Händewaschen) sage.
8. Über die Schaufäden an den Ecken des Taliths und über das Umwinden desselben.
9. Welche Kleider Schaufäden haben müssen und welche deren keine nötig haben.
10. Das Wesentliche über die Ecken des Taliths.
11. bis 25. Das Wesentliche über die einzelnen Fäden der Schaufäden u. s. w.
26. bis 46. Das Wesentliche der Gesetzte über die Tephilin.
46. bis 57. Über die Segensprüche, welche man des Morgens sagen muss u.s.w.
Das Kadisch


I. Über das Frühaufstehen.

Der Mensch erstarke und nehme sich zusammen wie ein Löwe, des morgens früh aufzustehen zum Dienst seines Schöpfers - zum Beten - so, dass er die Morgenröte erwecke (er soll aufstehen, bevor diese erscheint). Jedenfalls soll man so früh aufstehen, dass man das Morgengebet in der Synagoge mit der Gemeinde verrichten kann. - (Ich stelle G’tt mir immer vor.) ? - Ps. 16,8.
  Dies ist eine sehr große Regel im Gesetz und ein Vorzug der Frommen, die immer vor G’tt wandeln. Denn es ist ein großer Unterschied, wie sich der Mensch benimmt, wenn er allein in seinem eigenen Hause ist, oder wenn er sich im Angesicht eines großen Königs befindet. Um so  mehr wenn der Mensch bedenkt, dass G’tt, der größte König, allgegenwärtig ist und den Menschen immer sieht und beobachtet, wenn er sich auch noch so sehr versteckt; Jerem. 23, 24. Denn Menschen, der dies bedenkt, wird Ehrfurcht, Scham und Untertänigkeit überkommen.
  Der Mensch soll sich vor Niemanden enthalten oder schämen, G’tt zu dienen, selbst wenn er deshalb verspottet würde; - auch wenn er ganz allein ist, oder sich auf seinem Lager befindet, soll er, sobald er erwacht rasch aufstehen, zum Dienst seines G’ttes, gelobt und erhaben ist Er!


  Folgenden interessanten Auszug aus dem Tur 2, kann ich nicht umhin zu übersetzen. Der Tur fängt dies Buch an, mit dem Spruch des Mischnaiten Ben Teema (Sprüche der Väter fol. 13). Ben Teema sagt: Sei hart, schamlos wie ein Parder, leicht wie ein Adler geschwind wie ein Hirsch und stark wie ein Löwe, wenn es nämlich gilt, den Willen deines Schöpfers zu tun. - Mit dem Ersten: sei hart, schamlos wie ein Parder, will Ben Teema andeuten, man soll sich deshalb vor k e i n e m schämen. Mit dem Zweiten: man soll die Augen zumachen, um das Böse nicht zu sehen, wie ein Adler, der hoch in den Lüften fliegt, so daß man ihn kaum sehen kann. Denn die erste Veranlassung zum Bösen ist das Auge, das Herz gelüstet alsdann nach dem Bösen und die übrigen Glieder des Menschen vollführen es. Das Dritte, die Füße sollen geschwiend sein wie ein Hirsch, den Dienst des Schöpfers zu verrichten das vierte, das Herz soll stark sein wie ein Löwe und sich überwinden, wenn es gilt, G’tt zu dienen, und sich im Winter nicht vor der Kälte zu scheuen oder im Sommer wenn man noch müde ist. Man soll des Morgens früh aufstehen, um zu beten. Wer früh aufsteht, um zu seinem Schöpfer zu beten, der soll beachten, wann die Nachtwache (im Himmel) sich verändern. Nämlich das Ende der ersten, der zweiten   und   der  dritten Nachtwache. In   einer dieser Zeiten, soll man um Aufhebung der Zerstreuung der Israeliten in  fremden Lande und Wiederherstellung des Tempels bitten und ein solches Gebet in dieser Zeit ist G’tt angenehm, und wird erhört. Es geziemt sich für einen jeden G’ttesfürchtigen, dass er sich gräme und abhärme wegen der Zerstörung des Tempels. Es ist besser, wenig mit Andacht, als viel ohne Andacht zu beten. Es ist gut täglich folgende Abschnitte im Gesetze zu lesen . 1. B. M. Kap. 22. (Die Bereitwilligkeit Abrahams, seinen einzigen Sohn zu opfern), ferner, 2. B. M. Kap. 16. (Das Speisen durch den Manna), ferner die zehn Gebote, endlich das 6.und das 7. Kapitel im 3. B. M. die verschiedenen Arten der Opfer enthaltend. Die zehn Gebote dürfen nicht täglich von der ganzen Gemeinde in der Synagoge gelesen werden, sondern ein jeder muß sie allein für sich lesen die Abschnitte betreffe der Opfer dürfen nur bei Tage gelesen werden. Beim Schluß der Ganz- und Brand- und Speiseopfer soll man sagen : „Es sei dir (G’tt) das Lesen dieser Abschnitte so angenehm, als wenn ich die Opfer selbst gebracht hätte. Auch soll man den Vers 3. B. M. 1, 11, lesen. Einige haben auch den Gebrauch noch zu lesen: Den Absch. 2. B. M. 30, 17 u. f. (die Erbauung des Waschkessels für den Tempel), ferner 3. B. M. 1, 6 (die Reinigung des Altars von der Asche), ferner 2. B. M. 30, 1, 10 (das tägliche Opfer), ferner 2. B. M. 30, 10 (die Erbauung eines Altars für das Räucherwerk), ferner 2. B. M. 50, 34 bis 38, das Räucherwerk auf den Altar betreffend.

2. Über das Ankleiden des Morgens.
Das Hemd soll man nicht im Bett sitzend anziehen, sonder noch liegend daselbst über Kopfe bringen und die Arme hinein stecken, so dass man  bedeckt ist, wenn man aufsteht. Man sage nicht: Ich bin ja in meinem Zimmer, mich sieht Niemand ; denn G’tt ist allgegenwärtig. Man soll das Hemd nicht verkehrt anziehen, die Naht von außen. Man ziehe erst den Schuh auf dem rechten Fuß an, binde ihn aber nicht zu ; dann ziehe man den auf dem linken Fuß an und binde ihn zu, und binde dann auch den Schuh auf dem rechten Fuß zu.
  Beim Ausziehen muss der linke Schuh zuerst ausgezogen werden; man soll nicht ganz aufrecht (stolz) einhergehen, sondern gebückt, auch nicht vier Ellen weit mit unbedecktem Haupte gehen, und man soll (des Morgens) sehen, ob man natürliche Bedürfnisse habe; Man soll den ganzen Körper bedecken, nicht barfuss gehen und sich gewöhnen, des Morgens und des Abends seine Bedürfnisse (auf dem Aborte) zu verrichtet. dies wirkt erheiternd und ist reinlich.

3. Über das Betragen auf dem Aborte.
Geht man auf den Abort, so sage man zuerst den Spruch: „Seid geehrt, ihr Geehrten (Schutzengel des Menschen), ihr heiligen, ihr Diener des Obersten, helft mir, wartet, bis ich hineingehe und wieder herauskomme, denn dies ist nun der Menschen Weise.“ (Jetzt ist aber nicht mehr der Gebrauch, diesen Spruch zu sagen.) Rabbi Isaak Levia will jedoch, dass man es auch jetzt noch sage. Mann soll sich züchtig auf dem Abort betragen, sich nicht früher entblößen, als bis man sitzt. (Zwei Personen sollen nicht zugleich hineingehen.) Auch soll man daselbst nicht sprechen und hinter sich zuschließen.
  Wenn man die Afteröffnung untersucht mit einem Steinchen oder einem Spänchen, um Öffnung zu erregen, so soll man dies vor dem Niedersetzten und nicht nachher tun, weil man sich sonst der Bezauberung aussetzt. Entblößen soll man sich vorne zwei und hinten eine Hand breit, eine Frau aber hinten eine Hand breit und vorne gar nicht. Verrichtet man seine Bedürfnisse auf einem freien Platz, so soll man sich zwischen Nord und Süd, aber nicht zwischen Ost- und Westseite setzen (weil da der Tempel stand). Wohl aber ist es erlaubt, in jeder Stellung Wasser abzuschlagen.
Auch darf man nicht mit der Frau Zusammenschlafen zwischen Ost und West; selbst allein zu schlafen zwischen Ost und West, ist nicht recht. Wenn Jemand w-t innerhalb des Platzes, von wo man (im gelobten Lande) den heiligen Berg, auf dem der Tempel stand, sehen kann (es stand da ein Wächter), so soll man sich mit dem Gesichte nach Nord oder Süd wenden, oder so, dass das Heiligtum einem zur Seite ist. Hat man große Bedürfnisse, so kann man sich auf dem freien Feld hinter einem Zaun gleich hinsetzen; sonst muss sich einer so weit entfernen, dass Niemand seine, Blöße sehen kann. Nicht zu rasch und zu fest soll man sich setzen auch nicht zu sehr anstrengen, damit der Ringmuskel des Mastdarmes nicht reiße. Man soll den After nicht mit der rechten Hand reinigen. Man soll den After nicht reinigen mit Thonscherben wegen Zauberei, auch nicht mit trockenen Kräutern, überhaupt mit nichts, was Feuer fängt, auch nicht mit etwas, womit sich schon jemand gereinigt hat, teils wegen Verletzungen, teils wegen Zauberei. (Jetzt, da die Aborte nicht auf dem Felde, sondern in der Stadt sind, wo die bösen Geister nicht hausen, kann man sich auch mit Scherben und mit jeder anderen Sache reinigen, gehe und siehe, wie dies andere machen!) Man soll des Nachts sich ebenso züchtig auf dem Aborte betragen wie bei Tage. Stehend soll man nicht w-n, wegen der Spritzer, die auf die Füße kommen, man müsste denn auf einem erhöhten Orte stehen, oder in weicher Erde. Man Soll beim W-n die Ruthe nicht berühren, außer unterhalb der Krone, weil sonst unnützerweise Samen verloren gehen kann; selbst wenn man unverheiratet ist, ist es gut, die Ruhte nicht oberhalb der Krone zu berühren. Mit den Eiern nachhelfen (beim- Wn) ist auch einem Unverheirateten erlaubt.  
Einem Verheirateten ist zwar erlaubt, die Ruthe beim W-n zu berühren aber außerdem daran zu reiben, ist verboten. Wer sich Bedürfnisse zu verrichten enthält (aufhält) hat von den 3 65 ein Verbot übertreten. Ihr sollt eure Leiber nicht verunwürdigen (verunreinigen). 3. B. M. 11, 43.

4. Über das Händewaschen.
1. Man wasche sich die Hände (des Morgens) und spreche den Segen darüber: gelobet seist du Ewiger. unser G’tt, König der Welt, der du uns durch deine Gebote geheiligt und uns Händewaschen geboten hast. (Man spreche auch zugleich den Segen, den man sprechen muss, wenn man ein Bedürfnis verrichtet hat, wenn dies auch nicht der Fall war.) Wasser, welches man nicht zum Händewaschen vor der Mahlzeit nehmen darf, darf man doch zum Händewaschen des Morgens vor dem Gebet nehmen, Einige Rabbiner sagen aber, dass man über solchem Wasser den Segen nicht sprechen darf. Man soll genau darauf halten, dreimal das Wasser über jede Hand zu gießen, damit der böse Geist der des Nachts auf dieselbe gekommen ist der sich davon entferne. Vor dem Händewaschen darf man den Mund, die Nase, die Augen und die Ohren nicht berühren. Selbst nach dem Händewaschen soll man sich nicht in dem After fühlen, um Öffnung zu erregen, weil dies schädlich ist; wenn man zur Ader gelassen hat, soll man die Wunde aus eben dem Grunde nicht berühren. Ungewaschen darf man kein Fass Bier berühren. Es bedarf des Morgens vor dem Gebet keines (Logs) Viertel Wasser zum Händewaschen. Es ist gut, wenn man beim Händewaschen des Morgens alles beachtet, was man beim Händewaschen vor dem Essen tun muss. Man halte die Hände über einem Gefäße und gieße das Wasser auf dieselben, aber nicht auf die Erde. Das Wasser, worin man sich die Hände gewaschen hat, darf nicht wieder benutzt, auch nicht im Hause oder auf einem öffentlichen Ort ausgegossen werden. Man nehme das Gefäß mit Wasser in die rechte, und gebe es in die linke Hand, und begieße die rechte Hand zuerst u.s.w. Man darf kein Wasser von jemanden annehmen, der sich des Morgens noch nicht gewaschen hat.
 Wenn Jemand des Morgens die Hände in ein Gefäß mit Wasser getaucht hat, so ist dies wohl genügend um das Schma zu lesen und um zu beten; der unreine Geist ist aber dadurch noch nicht von den Händen beseitigt. hat man die Hände dreimal, jedes Mal in einem anderen Gefäß mit frischem Wasser gewaschen, so ist‘s ungewiss, ob der böse Geist dadurch von den Händen beseitigt ist (das Wasser muss über jede Hand dreimal gegossen werden). Hat Jemand die ganze Nacht gewacht, so ist‘s ungewiss, ob er sich des Morgens die Hände waschen müssen (er soll es tun, ohne den Segen dabei zu sprechen). Stand Jemand vor Erscheinen der Morgenröte auf, und wusch die Hände, so soll er, wenn es Tag wird, selbe noch einmal waschen, um den bösen Geist von denselben wegzutreiben, aber ohne den Segen zu sprechen. Schlief Jemand bei Tage, so ist‘s ungewiss, ob er beim Erwachen die Hände dreimal begießen müsse (er soll es ohne Segenspruch tun). David (der König) nahm sich in Acht, bei tage so lange zu schlafen, als 60 Atemzüge dauern, damit er nicht den Vorgeschmack des Todes empfinde! Einige haben den Gebrauch, sich auch den Mund des Morgens mit Wasser zu reinigen. Nach folgenden Verrichtungen muss man sich waschen: wenn man vom Bette aufsteht, beim Weggehen aus dem Aborte oder aus dem Bade, wenn man sich die Nägel schneidet, wenn man die Schuhe auszieht, wenn man die entblößten Füße  berührt, wenn man sich den Kopf kratzt; nach einigen Rabbinern auch, wenn man zwischen Toten (auf dem Friedhofe) geht oder gar einen Toten berührt, wenn man sich laust, nach der Beiwohnung, wenn man eine Laus und wenn man mit der Hand den bloßen Körper berührt. Wer Solches tut und wäscht sich nicht, vergisst, was er gelernt hat, wenn er ein Gelehrter ist, und ist er kein Gelehrter, so wird er verrückt. Wer sich an den Schultern (Arme) zur Ader lässt und wäscht sich nicht die Hände gleich, der bleibt sieben Tage, nach dem Haarescheehren drei Tage, nach dem Nägelschneiden einen Tag lang in beständiger Angst, ohne dass er angeben kann, wovor er sich fürchtet. Wer sich das Gesicht wäscht und trocknet solches nicht recht ab, der erhält Risse oder Grind im Gesicht; das Heilmittel dafür ist: sich fleißig mit aqlc Szilka (Blitumwasser, bereitet von Erdbeer-Spinat oder auch mit Brühe von Essig und Salzfischen) zu waschen. Beim Gebet und beim Essen muss man sich in Acht nehmen, Schenkel und Lenden und überhaupt bedeckte Teile des Körpers, die schweißig sind, zu berühren; auch soll man sich nicht den Kopf kratzen, wohl aber kann man alle unbedeckten Stellen am Kopf, Arme und Körper berühren. Hat man kein Wasser, so kann man die Hände mit Sand, mit Erde oder mit allem Anderen, was reinigt, abwischen. Der Segenspruch muss aber alsdann heißen R e i n i g e n der Hände nicht W a s c h e n; dies ist auch nur genügend, um dann beten zu dürfen, aber nicht, um den bösen Geist von den Händen zu treiben, dazu ist (wie schon erwähnt) erforderlich, dreimal jede Hand mit Wasser zu begießen. Das Händewaschen ist nur erforderlich um das Schma zu lesen und das Gebet zu verrichten, aber nicht, um die Morgensegensprüche zu sagen; liegt man noch im Bett nackt ohne Hemd so  darf man  den  Namen G’ttes nicht  sprechen bis die Hände gereinigt sind.

5. Die Andacht beim Segensprechen.

Wenn man den Namen **** ausspricht, (Man darf diesen Namen nicht so aussprechen wie er geschrieben ist, sondern muss dafür Adonai sprechen; dies war nur zur Zeit des Tempels dem Hohepriester einmal im Jahre - am Jom Kippur (Versöhnungstag) erlaubt, wenn er in das Allerheiligste eintrat.) muss man bedenken, dass G’tt der Herr aller Dinge ist und soll zugleich an die wahre Bedeutung des Namens denken, wie er geschrieben ist, nämlich: Er war, ist, und wird sein, von Ewig her. Bei dem Namen ,yhla Elohim soll man denken, dass G’tt der Allgewaltige, Herr aller Macht und aller Kräfte ist.

6. Über die Gesetze und Bedeutung der Segensprüche Ascher jazar, nach dem Verrichten eines Bedürfnisses und die Bedeutung des Gebets Elohei Neschomah u.s.w
Geht man aus dem Aborte, so spreche man den Segenspruch: „Gelobt u. s. w. der du den Menschen mit Weisheit gebildet und ihn mit Löcher, Höhlungen ,ylvlx Chalulim erschaffen hast“.
 Der Nabel des Kindes im Mutterleib ist offen, sein Mund hingegen ist zu; wird es geboren, so erfolgt das Gegenteil.
 Es ist offenbar und bekannt vor deinem ehrfurchtsvollen Throne, dass, wenn eins von diesen Löchern und Höhlungen geöffnet oder verstopft werde, der Mensch nicht erhalten werden und vor dir bestehen könnte (er müsste sterben). Gelobt u. s. w., der du der Arzt alles Fleisches bist und Alles wunderbar gemacht hast. Denn die Erhaltung des Menschen ist mit wunderbarer Weisheit gemacht. Aus einem zugebundenen ledernen Schlauch voll Wein, wenn ein kleines Loch mit einer Nadelspitze darein gemacht wird, geht alle Luft heraus der Mensch ist voller Öffnungen und die Luft  bleibt  in demselben. Einige  haben den Gebrauch, mit  dem Segenspruch beim Händewaschen zu warten, bis sie in die Synagoge kommen, und sie sagen ihn dann mit den anderen Segensprüchen; die portugiesischen Juden aber haben diesen Gebrauch nicht (jedenfalls darf man solchen nicht zweimal sagen, sondern entweder zu Hause oder in der Synagoge). Der Segenspruch ELOHEI NESCHOMAH - mein G‘tt, die Seele, die du mir gabst, sie ist rein u.s.w. (In dem Medrasch Raba heißt es: Ein Mensch gibt z.B. seinem Nächsten eine Sache in Verwahrung und es trifft sich oft, dass dieselbe bei der Zurückgabe schlecht und verschlissen worden ist; jeder Mensch gibt nun täglich seine Seele des Abends G’tt in Verwahrung, sie ist müde von der Tagesarbeit - und des Morgens erhält er sie zurück, neu und erquickt.) fängt nicht an mit Baruch, Gelobt u.s.w., weil er ein LOBESSPRUCH ist; diese fangen niemals mit dem Worte BARUCH an. Einige haben den Gebrauch, dass wenn EINER in der Synagoge des Morgens den Segenspruch spricht und die Anderen haben AMEN darauf gesagt, ein Anderer denselben Spruch sagt und alle anderen Anwesenden sagen Amen darauf, bis an Alle die Reihe war. Man kann nicht gegen diesen Gebrauch einwenden, dass nämlich durch das Amen die Anderen schon vom Sprechen des Spruch enthoben wären, denn dies war ihre Absicht nicht.

7. Nach einem jeden verrichteten (auch nur kleinem) Bedürfnisse muss man den Segenspruch ASCHER JAZAR und nicht Netiler Jedajim (wie beim Händewaschen) sage.
Nach jedem W-n muss man zwar Ascher jazar sagen; wenn die Hände aber die Ruthe nicht berührt haben,, so hat man nicht nötig, solche zu waschen. Hat man g-t und mitten drin aufgehört, nachher aber wieder angefangen, so muss man zweimal ASCHER JAZAR sagen. Wenn man auch nur einen Tropfen g-t hat, so muss man Ascher jazar sagen, denn wenn die Harnröhre verstopft ist, so kann auch dieser Tropfen nicht heraus kommen; man muss also G‘tt dafür danken.

8. Über die Schaufäden an den Ecken des Taliths und über das Umwinden desselben.
Man winde des Morgens gleich nach dem Händewaschen den Mantel tylau TALITH, woran die Schaufäden sind, um sich und sage stehend den Segenspruch dabei. Auch der Kopf muss mit dem Mantel bedeckt sein.
Die kleinen länglichen viereckigen Kleidungsstücke (Überwürfe) mit einer Öffnung in der Mitte zum hineinstecken des Kopfes und mit Schaufäden an den Ecken [der kleine Talith] wird gewöhnlich ARBA KANFOT (vier Flügeln, Ecken) genannt (ein jeder Israelit muss sie unter den gewöhnlichen Kleidern tragen), obschon man solche nicht umwinden kann, sind doch genügend, um die Pflicht, Schaufäden zu tragen, erfüllt zu haben; aber es ist doch gut, wenn man dieselben der Länge nach über den Kopf hält, so dass man sich möglichst damit umwinden kann, und damit so lange stehen bleibt, dass man vier Ellen weit gehen kann; dann nehme man es ab und stecke den Kopf hinein. Zwei Schaufäden mache man vorne und die anderen zwei hinten, damit man von den Geboten umringt sei. Man spreche dann den Segen:  Gelobt  u.  s.  w.,  der du uns geboten hast, uns zu umwinden mit Schaufäden. Wenn zwei oder drei Personen zugleich  den  Talith umwinden, so muss eine jede  von  ihnen  den  Segen  sprechen;  aber  sie  können  auch, wenn   sie  wollen,  nur   einen  von   ihnen  den  Segen  sprechen  lassen, die anderen antworten dann Amen. - Beim Überwerfen des kleinen Schaufädenmantels spricht man auch die Worte „umwinden“, obschon man sich nicht damit umwinden kann. (Einige Rabbiner wollen aber, dass man sich bloß der Worte bediene: Der du uns geboten, Schaufäden zu tragen, und so ist auch der Gebrauch und es ist nicht davon abzugehen.) - Die Schaufäden muss man recht auseinander machen. Bei dem Umwinden des Talith soll man daran denken, dass G‘tt uns dies Gebot gab, um an die Erfüllung aller Gebote zu denken. (4. B. M. 15,38.) - Vor dem Segenspruch soll man nachsehen, ob die Schaufäden auch gerecht sind (nach dem Gesetz), damit kein unnützer Segenspruch geschehe. Wenn man den kleinen Überwurf anzieht und die Hände sind noch nicht gewaschen, so darf man den Segen dabei nicht sprechen, sondern nachher, wenn man die Schaufäden wieder befühlt hat; oder man wartet auch, bis man den großen Talith umwindet und spreche dann einen Segen für beide (auch für den kleinen Überwurf). Eigentlich soll man den kleinen Überwurf über alle Kleider werfen, damit man ihn immer sehe und an die Gebote denke. Hat man mehrere Kleider, an welchen vier Ecken sind, so müssen sie alle Schaufäden haben; zieht man sie aber eines nach dem anderen an, ohne sich aufzuhalten, so braucht man nur beim ersten den Segenspruch zu sagen, wenn man nämlich beabsichtigt, dass Einer für Alle gelten soll; sonst muss bei einem jeden der Segen besonders gesprochen werden. Hat man beim kleinen Überwurf zu Hause den Segen gesprochen und ist dann in die Synagoge gegangen, so muss daselbst beim umwinden des Taliths der Segen noch einmal gesprochen werde; geht man aber nicht in die Synagoge, sondern verrichtet man das Gebet zu Hause, so ist der erste Segenspruch schon genügend, wenn man nämlich die Absicht  dazu  damit  verbunden  und  in  der  Zwischenzeit nichts gesprochen hat. Hat man den großen Talith abgenommen, wenn auch die Absicht war, ihn wieder umzuhängen, so muss beim zweiten Umhängen der Segen doch noch einmal gesprochen werden. (Einige Rabbiner sind aber dagegen, besonders wenn man den kleinen Überwurf noch an hat; und so ist auch der Gebrauch.) Hat man den Talith ganz fallen gelassen, so muss der Segenspruch noch einmal gesprochen werden. Hat jemand mit dem Talith unterwegs übernachtet, so muss er des Morgens doch den Segenspruch sprechen; ebenso ist‘s wenn Jemand den Talith vor Tagesanbruch umhing. Zog Jemand ein Kleid an, welches dem Gesetz nach Schaufäden haben muss und es waren keine daran, so hat er das Gebot übertreten (gesündigt).

9. Welche Kleider Schaufäden haben müssen und welche deren keine nötig haben.
Dem Gesetze nach müssen nur leinene oder wollene Kleider mit vier Ecken Schaufäden haben; Kleider von anderen Stoffen nicht. Es bleibt aber Regel, dass alle Sorten Kleider deren haben müssen. Schaufäden von Leinen oder Wolle sind giltig bei allen Arten Kleidungen, mit Ausnahme von leinenen Schaufäden an wollenen und wollenen Schaufäden an leinenen Kleidern, weil dies eine Vermischung zweierlei Stoffe ist. (Einige Rabbiner wollen, man soll gar keine Schaufäden von Leinen machen, auch an Kleidern, die nicht Leinen oder Wolle sind.) Schaufäden von anderen Arten als Wolle oder Leinen gelten nur, wenn der Talith von nämlichen Stoff ist, z.B. an einem seidenen Talith die seidenen Schaufäden u. s. w. hat man an einem Talith, der nicht von Wolle oder Leinen ist, Schaufäden geheftet teils vom nämlichen Stoff des Talith und teils von Wolle oder Leinen, so ist es zweifelhaft, ob dies genügend sei. Einige wollen, dass die Schaufäden von der nämlichen Farbe sein müsse wie die des Taliths. die deutschen Juden machen aber die Schaufäden überall von weißer Farbe, weil die himmelblaue Farbe nicht mehr echt zu haben ist. Einige Rabbiner wollen auch keinen Talith von Leinen gemacht haben; obwohl dies keine Halacha (Schlussurteil) ist, so ist es doch von Gottesfürchtigen zu beobachten und ist nur ein wollener Talith zu nehmen; ist aber ein solcher nicht zu haben, so nimmt man lieber einen leinenen Talith, als dass man das Gebot unerfüllt lässt.

10. Das Wesentliche über die Ecken des Taliths.
Ein Talith, der keine vier Ecken hat, bedarf keiner Schaufäden, hat derselbe mehr als vier Ecken, so macht man vier Schaufäden an denjenigen vier Ecken, die am weitesten von einander entfernt sind. - Hat der der Talith vier Ecken und hat man eine derselben in der Schräge durchgeschnitten, so muss man doch Schaufäden daran machen. Hat man die Ecken zusammen gebunden oder genäht, so enthebt dies nicht von der Pflicht, Schaufäden zu machen. Ist der Talith von Zeug, die Ecken aber von Leder, so müssen Schaufäden daran sein, umgekehrt aber nicht. Hat der Talith drei Ecken, und macht man drei Schaufäden daran, und machte man in der Folge noch eine Ecke daran, und auch Schaufäden derselben, so hat dies keine Giltigkeit...

11. bis 25. Das Wesentliche über die einzelnen Fäden der Schaufäden u. s. w.
Die Fäden müssen zu dem Zwecke gesponnen werden, d.h., man muss beim spinnen daran denken, dass sie Schaufäden werden sollen, sonst dürfen sie  nicht  an  dem Talith angemacht werden. Hat ein Nichtjude die Fäden gesponnen und stand ein Jude dabei, und sagt ihm auch, er solle solche zum Behufe von Schaufäden spinnen, so haben solche nach Maimonides keine Giltigkeit; nach Rabbi Ascher aber, haben sie Giltigkeit (der Gebrauch ist, dass der Jude ein wenig dabei helfen muss). Die Fäden müssen auch zu diesem Zwecke gezwirnt (gedreht) werden. Haben sich die Fäden wieder aufgelöst und sind statt acht, sechzehn geworden, so sind sie doch gerecht (giltig); es muss aber von dem Gezwirnten so viel übrig geblieben sein, dass man sie zubinden kann; man soll überhaupt die Fäden unten knöten, damit sie sich nicht auflösen können. die Länge der acht Fäden, aus denen jeder Schaufaden an den Ecken bestehen muss, darf nicht weniger als vier Daumen (nach einigen Rabbinern zwölf Daumen) breit sein und so ist auch der Gebrauch.
Der Talith tylau oder Talare sind, wie schon erwähnt, zweierlei, erstens ein großer, von Wolle, Seide oder Leinen gemacht, mit welchem man sich ganz umwinden und auch den Kopf damit bedecken kann. Dieser große Talith wird in der Synagoge gebraucht. an allen vier Ecken desselben müssen Schaufäden durchgezogen werden und herunterhängen, sie heißen toyo Zizith. Diese müssen von Wolle und von himmelblauer Farbe sein; weil diese Farbe aber nicht mehr echt zu haben ist, so lässt man die wollenen Fäden weiß. die Wolle zu den Zizith darf nicht vom Schafe zerrissen oder an einer Hecke hängen geblieben, sondern solche muß geschoren sein. Zweitens ein kleiner Talith, eine Art Brustlatz ohne Ärmel und länglich viereckig, Arbe Kanfot (vier Ecken)  genannt,  auch  an  diesen  müssen  Zizith an den vier Ecken gemacht werden. Nach dem Schemoth rabba, Parascha 22, fol. 28, Art. 1, ist G’tt ebenfalls mit einem Talith und Zizith daran bekleidet gewesen und er habe Mosche damit bedeckt, damit die Engel ihm kein Leid zufügen könnten. Im 5. B. M. 9,12 und im Hiob Kap. 25,9. u.s.w. soll der Beweis zu finden sein! - Sind die gesponnenen Fäden fertig, so nimmt man viermal vier Fäden davon und steckt je vier Doppelfäden in ein Loch der vier Ecken des großen oder kleinen Talith, welches man zu dem Behufe machen muss. An diesen vier durchgesteckten Fäden, die nun 8 Fäden sind, von welchen einer (zum Umwickeln) länger als die anderen sein muss, macht man erst zwei Knoten und neunmalige Umwicklung, dann wieder zwei Knoten und elfmalige Umwicklung, dann wieder zwei Knoten und dreizehnmalige Umwicklung und zum Schluss wieder zwei Knoten; die Löcher an den Ecken müssen drei Finger breit von dem äußeren Rand entfernt sein. In den Knoten und Schlingen ist nach der Kabbala ein großes Geheimnis enthalten, nämlich in den Wörtern **** dxa (Adonaj Echad), Gott ist einig, steckt die Zahl 39, die zwei Wörter für eins gerechnet, machen zusammen 40; Die Zahlen 7, 9, 11, 13 machen zusammen auch 40; ferner machen 10 Knoten und 16 einfache Fäden 26; in den Worten **** steckt auch die Zahl 26. 10 Ferner darf man mit einem Talith, großen oder kleinen, der nicht gehörig mit Schaufäden versehen ist, am Shabbath nicht an einem öffentlichen Platze gehen (Absch. 301). Leiht Jemand ein Kleid, welches Zizith haben muss, und es sind keine daran, so braucht er die ersten 30 Tage keine daran machen, weil ihm das Kleid nicht gehört; nach dieser Zeit muss er Schaufäden daranmachen. an einem Nachtkleid brauchen keine Zizith gemacht werden, weil es im Texte heißt: ihr sollt sehen. Frauen und Sklaven brauchen das Gebot der Zizith nicht zu halten. Man darf den Talith einem Nichtjuden weder verkaufen, noch verpfänden; es könnte ein Jude einem Nichtjuden mit einem Talith umwunden, auf der Reise begegnen, ihn für einen Juden halten und in der Folge von ihm erschlagen werden. - Auf einem (jüdischen) Friedhofe oder innerhalb vier Ellen, wo ein Toter liegt, darf man die Zizith nicht sehen lassen, denn man verspottet gleichsam die Toten dadurch (weil diese die Gebote nicht mehr halten können), nach Spr. Sal. 17,5: Wer des Armen spottet, lästert seinen Schöpfer . Das Gebot, Zizith an den Kleidern zu machen, ist von großer Bedeutung; denn es heißt im 4. B. M. 15,39,40 Die himmelblauen Schnüre dienen euch zum anschauen, dass ihr sie seht und euch erinnert aller Gebote und sie erfüllet, und nicht umherschweift nach eurem Herzen und nach euren Augen, denen ihr nachbuhlt; v. 40: auf dass ihr gedenket und tut alle meine Gebote und heilig seid eurem G’tte. Die Augen und das Herz sind zwei Unterhändler zur Sünde, darum ist dieses Gesetz gegeben, damit man beim Anschauen der Zizith der Gebote G’ttes gedenke und von der Sünde abstehen soll. Das Gebot von den Zizith ist so bedeutungsvoll, dass, wer es beobachtet, nach der Kabbala so gut ist, als hätte er alle anderen Gebote auch beobachtet; die fünf doppelten Knoten deuten auf die fünf Bücher Mosche, diese machen mit den acht Fäden 13, und in dem Worte toyo liegt die Zahl 600; bekanntlich sind 248 Gebote und 365 Verbote, also 613. Wer Tephilin (Gebetriemen) am Kopfe, eine Mesusah an der Tür und Zizith am Kleid hat, der kann versichert sein, dass er nicht sündigt (nach Pred. Sal. 4,12. Eine dreifache Schnur reißt nicht). Wer dies Gebot aber nicht beobachtet, auf den ist der Spruch gesagt worden, Hiob 38,13: Zu erfassen die Zipfel der Erde, dass die Frevler von ihr verscheucht werden!  Wer  das Gebot der Zizith hält, ist würdig, die Schechina (die Herrlichkeit Gottes) zu sehen. Im Talmud Traktat Sabbath fol. 30 sagt R. Lakisch: Wer das Gebot der Zizith recht beobachtet, den werden 2800 Sklaven bedienen! Der Beweis Zach. (Secharia) 8,23, also spricht G’tt der Herr: In jenen Tagen wird es sein, da ergreifen zehn Männer aus allerlei Zungen der Völker den Zipfel eines jüdischen Mannes, sprechend: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, G’tt ist mit euch. - 70 Zungen (Völker) 10 Mal macht 700, 4 Zipfeln, 4 Mal 700 macht 2800!

26. bis 46. Das Wesentliche der Gesetzte über die Tephilin.
Nachdem man den Talith mit den Zizith des Morgens angelegt hat, muss man die Tephilin anlegen - denn man steigt immer höher ins Heiligtum - aber nicht umgekehrt; die Tephilin haben nämlich eine größere Heiligkeit als die Zizith. Wenn man daher die Zizith und die Tephilin in einen und denselben Beutel legt, muss man die letztere unten legen. Wenn der Talith aber nicht bei der Hand ist, so kann man erst die Tephilin anlegen. Hat man den kleinen Talith schon im Hause an, dann kann man auch die Tephilin daselbst anlegen und so bekleidet mit dem kleinen Talith und bekrönt mit den Tephilin in die Synagoge gehen und sich daselbst mit dem großen Talith umwinden. (Die Weisen haben den Gebrauch, sich im Hause erst mit dem großen Talith zu umwinden, die Tephilin anzulegen und so in die Synagoge zu gehen.)
 Rabbi Ascher sagte des Morgens erst die nach der Ordnung folgende Segensprüche, bis Gelobt u.s.w., der Du Israel mit Herrlichkeit bekrönt. Dann legt er erst die Tephilin an und sprach darauf den erwähnten Spruch. - Die Tephilin muss man anhaben während des Lesens des Schma und  des Morgengebets. Man soll beim Anlegen der Tephilin in Gedanken haben, dass der Heilige - gelobt sei Er! - uns geboten hat, die Tephilin anzulegen, worin die vier Abschnitte sich befinden, welche die Einigkeit seines Namens und den Ausgang aus Mizraim enthalten. die Tephilin soll man am linken Arme gegen das Herz anlegen und auf den Kopf gegen das Gehirn, damit wir der Wunder immer gedenken, die Er für uns tat. Diese Wunder zeugen für seine Einigkeit und dass Er die Macht und die Regierung hat, im Himmel und auf Erden seinen Willen gemäß zu verfahren. Man soll also G’tt die Seele, welche sich im Gehirn befindet, untertänig machen, und auch das Herz, weil in diesem die Quelle der Lüste und Gedanken ist; dadurch wird man immer an den Schöpfer denken und seine Begierde mäßigen. Erst lege man die Tephilin an den linken Arm und spreche den Segen: Gelobt u.s.w., der Du uns geboten hast, die Tephilin anzulegen, - und dann lege man auch die Tephilin an den Kopf und spreche den Segen über das Gebot der Tephilin, und gleich darauf sage man: Gelobt sei der Name Seiner königlichen Ehre immerdar! (G’tt selbst legt auch Tephilin an. Überhaupt ist nach dem Talmud die ganze Prozedur der Tephilin und wie sie gemacht werden soll, dem Mosche auf dem Berg Sinai von G’tt gezeigt worden!) Das Pergament zu den Tephilin muss rein und sauber und darf nur von einem Juden zubereitet sein. Der Schreiber muss die Abschnitte nicht aus dem Kopfe, sondern aus dem 5. B. M. abschreiben und muss bei diesem Geschäft sowie bei Zubereitung des Pergaments immer im Gedanken haben, dass solches zum Zwecke der Tephilin geschieht; das Schreiben muss mit aller Sorgfalt geschehen, nichts darf darin korrigiert werden, kein Buchstabe darf daran fehlen, die Buchstaben müssen alle ein jeder nach seiner Form gleich groß sein, keiner  derselben  darf  in  der  Linie  zu  weit oben oder unten stehen, oder zu weit ein- oder auswärts. Um die Röllchen müssen reine Kuh- oder Kälberhaare gewickelt werden, und solche müssen aus den Behältnissen etwas herausragen und zu sehen sein. Recht schwarze Tinte, von Galläpfel gemacht, muss dazu genommen werden. Es sind eigene Schreiber von Profession, deren Geschäft es lediglich ist, die Tephilin, Mesusoth (das beschriebene Pergament an den Türpfosten) und Sephertoroth (Gesetzrolle, die 5. B. M.) zu schreiben und alles, was dazu gehört, zu verfertigen; diese Männer werden Sopherim (Schreiber) genannt, sie müssen g’ttesfürchtige Leute sein (alle Gesetze beobachten).
 Die Zeit zur Anlegung der Tephilin ist des Morgens, sobald es Tag ist, die Tephilin werden beim An- und Ablegen geküsst. In dem Beutel, worin die Tephilin aufbewahrt werden, darf nichts anderes, besonders kein Geld liegen. Auf dem Friedhof, Aborte, im Bade, in einem Zimmer, worin ein toter sich befindet, darf man keine Tephilin anhaben; ebenso darf kein Kranker oder wer immerfort unzüchtige Gedanken hegt, kein Studierender, kein wegen eines toten Trauernder, kein Bräutigam, keine Frau, kein Sklave die Tephilin anhaben.
 In dem Gehäuse der Tephilin am Kopfe werden vier kleine, besondere Behältnisse gemacht, in einem jeden derselben wird einer von den vier folgenden Abschnitten auf ein Stückchen Pergament geschrieben und hineingelegt, und zwar in folgender Ordnung: Erstens (links):

2. B. M.  13, die Verse 2,10, dann  
2. B. M.  13, die Verse 11,16, dann
5. B. M.  6, die Verse 4,9, dann    
5. B. M. 11, die Verse 13,21.

In den Tephilin am Arme ist in dem Gehäuse nur ein einziges Behältnis, worin obige vier Abschnitte auf ein und dasselbe Stück Pergament geschrieben und hineingelegt wird. Das Äußere der Behältnisse muss ganz schwarz sein. Die Riemen, welche auch von außen schwarz sein müssen, müssen so breit sein als die Länge eines Gerstenkorns und am Kopfe drei gute Spannen lang, von beiden Seiten vorne herunterhängend. Am Arme müssen sie so lange sein, dass der Unterarm siebenmal und der mittelste Finger dreimal damit umwickelt werden kann und noch etwas darüber herunterhängt. Die Form der Gehäuse (Behältnisse) der Tephilin ist nach dieser Abbildung . Über die Länge, die Breite und die Höhe derselben ist nichts Bestimmtes vorgeschrieben.
An der anderen Seite ist ebenfalls ein s Schin (aber nur mit drei Köpfen) eingepresst. die Riemen, gehen so weit von beiden Seiten, dass sie um den Kopf nach eines Jeden Größe passen. Dann wird ein viereckiger Knoten wie eine hebräische Dalleth gemacht; diese d  und s und diey  (siehe unten) bilden den Namen G’ttes yds Schadai, Allmächtiger. Der Knoten kommt gerade im Nacken zu liegen; von diesem Knoten gehen dann die Riemen auf jeder Seite bis über die Hüften herunter. Die Tephilin am linken Arme haben die nämliche Form, nur mit dem Unterschied, dass sie von allen Seiten glatt, alle vier Abschnitte, wie schon erwähnt, in einem und demselben Behältnisse auf ein einziges Stück Pergament geschrieben sind; auch  sind die beiden s nicht daran, der Riemen läuft ebenfalls durch und wird um den Arm gezogen, gerade zwischen dem Ober- und Unterarm, an diese Tephilin ist aber noch ein besonderer Knoten wie ein y Jod geformt, der dieselbe Stelle wie die Tephilin, dem Herz zugekehrt, einnimmt und siebenmal um den Arm und dreimal um den mittelsten Finger gewickelt wird. Noch ist zu bemerken, dass die beiden Tephilin eine jede unten, wo die Riemen durchlaufen, mit zwölf Stichen, drei von jeder Seite, mittelst einer Spannader von einem reinen Ochsen oder Kalbe zugenäht sind; es soll die zwölf Stämme Israels bedeuten. Hat man die Tephilin des Kopfes zuerst in die Hand bekommen, so muss man sie fahren lassen und erst die Tephilin am Arme anlegen; man muss das Wort xynhl (Lehanniach), “anzulegen”, mit einem Kametz und nicht mit einem Patach und Dagesch (unter h) aussprechen; der Segen wird erst gesprochen, wenn die Tephilin am Arme zugezogen und am Kopfe befestigt worden ist. Man darf zwischen der Anlegung der Tephilin, am Arme und am Kopfe, nicht sprechen. Hat man zwischen dieser Zeit das Kadisch oder die Keduscha gehört, so darf man kein Amen antworten, sondern muss stille sein und hören, was die Gemeinde sagt. Bevor man die Riemen um den Arm wickelt, muss man zuerst die Kopftephilin anlegen. Man muss beide Tephilin stehend anlegen. (Es kommen nun noch viele und und weitläufige Gesetze über die Tephilin vor.) Über geliehene, aber nicht über geraubte Tephilin darf man den Segen sprechen. Man darf die Tephilin vor der letzten Kadisch nicht abnehmen. Am Tage des Neumondes nimmt man die Tephilin vor dem Mussafgebet ab. Ebenso in den Zwischenfeiertagen von Pessach und Sukkoth. die Tephilin müssen sowohl am Arme als auch am Kopfe bloß anliegen und darf nichts dazwischen sein, bei den Riemen aber ist es nicht  nötig.  Wenn  Jemand  wegen  begangenen  Raubes am Kopfe gezeichnet ist, so kann er die Tephilin auf einer dünnen Mütze anlegen, denn sonst würde er solche aus Scham gar nicht anlegen; alsdann darf er aber bei den Kopftephilin den Segen nicht sprechen, sondern nur bei den Tephilin am Arme. Wer links ist und alle seine Arbeit mit der linken Hand verrichtet, muss die Tephilin an der rechten Hand (seine Linke) anlegen. Kann er seine beiden Hände gleich stark gebrauchen, so muss er die Tephilin an der linken anlegen. Die Hand, womit Jemand schreiben kann, ist seine Rechte; er muss also an der Entgegengesetzten die Tephilin anlegen. Man soll während des Gebetes immer die Tephilin berühren, um immer daran zu denken. Beim Abnehmen der Tephilin spricht man keinen Segen. An den Shabbaten und Feiertagen darf man die Tephilin nicht anlegen, denn die Shabbathe und Feiertage sind selbst ein Zeichen (Beweis) für die G’ttheit und es wären für sie eine Entwürdigung, wenn man auch die Tephilin an diesen Tagen anlegte.
 Da eine Meinungsverschiedenheit zwischen Raschi , dem Maimonides und dem Rabbi Tamm hinsichtlich der Ordnung der Abschnitte in den Tephilin herrscht  (die beiden ersten Rabbis nämlich wollen, dass man die vier Abschnitte in den Tephilin nach der schon beschriebenen Ordnung in den Behältnissen der Kopftephilin lege und ebenso auf dem einen Stück Pergament der Armtephilin schreibe, Rabbi Tamm aber will, dass die Ordnung der Abschnitte anders sei, nämlich im dritten Behältnisse der Kopftephilin erst 5. B. M. 11, 13,21 und dann 5. B. M. 6, 1,9 und so auch das Schreiben auf dem einen Stück Pergament der Armtephilin) und es nicht entschieden wurde, wer Recht hat, so muss sich ein frommer und g’ttesfürchtiger  Gelehrter,  aber nur ein  solcher,  zwei  Paar Tephilin anschaffen und muss solche beide, nämlich  zwei am Kopfe und zwei am Arme,  anlegen, damit er gewiss recht tue. (Er muss aber im Gedanken haben: ich will nur mit denen, die recht sind, meine Pflicht erfüllen und die anderen sollen für nichts gelten.) Denn es ist Platz dazu, sowohl am Kopfe als auch am Arme, oder wenn Jemand dies nicht kann (nämlich zwei Paar auf einmal anlegen), so soll er erst die nach der Ordnung von Raschi und Maimonides anlegen, so soll das Schma lesen und das Gebet verrichten, sie dann ablegen und die anderen, wie sie der Rabbi Tamm will, anlegen, ohne Segensprechen, und die Abschnitte 5. B. M. 6, 4-9 und 5. B. M. 11, 13-21 lesen. Diese zwei Paar Tephilin darf man aber nicht in einen und denselben Beutel legen, weil doch eines davon nur recht (heilig) ist, sondern jedes Paar muss in einen besonderen Beutel gelegt und an einem der Beutel ein Zeichen gemacht werden. Es ist Gebrauch, dass man auf das Pergament in den Armtephilin jeden Abschnitt auf sieben Reihen und in den Kopftephilin jeden Abschnitt auf vier Reihen schreibt; das Pergament wird so zubereitet, dass auf der innwendigen (Fleischseite) geschrieben wird. Die Buchstaben s, i, u, /, Schin, Ajin, Tet und Schluß-Zade, müssen auf der linken Seite mit drei kleinen Zweige mit Köpfen versehen sein, ferner auch die Buchstaben  n, z und g Nun, Sajin und Gimmel. Groß ist der Lohn für das Tephilin-Anlegen, wer dies nicht tut, der ist unter die sündhaften Israeliten zu zählen. Eigentlich soll man die Tephilin den ganzen Tag tragen, weil sie aber einen reinen Körper erfordern, ohne Blähungen von oben oder von unten, und dass man immer an sie denke und dies nicht Jeder kann, so ist der Gebrauch, dass man sie nur während des Schma-Lesens und des Gebetes des Morgens trage. Ein Unmündiger, der die Tephilin in Reinheit erhalten kann, nicht damit einschläft, und keine Blähungen hat, für dessen Vater ist es  Pflicht, ihm solche zu kaufen, um ihn daran zu gewöhnen. Es  ist aber der Gebrauch, dass vor dem abgelaufenen 13. Jahre Niemand solche anlegt; und davon ist nicht abzugehen. Frauen und Sklaven sind frei von der Pflicht, Tephilin anzulegen, weil dies ein Gebot ist, welches nur zur gewissen Zeit anwendbar ist (des Morgens beim Gebet), von solchen Geboten sind immer Frauen und Sklaven frei, und wenn die Frauen solche anlegen wollen, so wehrt man’s ihnen. Auch ein Gebannter und ein Aussätziger dürfen keine Tephilin anlegen. Während man die Tephilin trägt, darf man an keine Frau denken. Muss man eine Tephilin und eine Mesusah kaufen, hat man aber nicht Geld genug für beide, so geht die Tephilin vor. Tephilin, welche ein Sklave, eine Frau, ein Unwürdiger, ein Götzendiener, ein Kuthäer (Samariter), ein Abtrünniger oder ein Verräter geschrieben hat, sind nicht giltig. Tephilin, welche ein Apikauros (ein Freidenker), der nicht an den Talmud glaubt, geschrieben hat, müssen verbrannt oder versteckt werden. Findet man Tephilin bei einem solchen, und weiß man nicht, wer sie geschrieben hat, so müssen sie versteckt werden. Man soll Tephilin, Mesusoth oder jüdische Bücher, welche sich in den Händen von Nichtjuden befinden, nicht zuviel über den Wert derselben bezahlen, um sie nicht dadurch zu veranlassen, solche zu stehlen oder zu rauben. Man darf die Tephilin nicht an ihren Behältnissen oder an den Riemen derselben aufhängen, aber wenn sie sich in einem Beutel befinden, so kann man sie an demselben aufhängen. In einem Hause (soll wohl heißen Zimmer), in welchem Tephilin sich befinden, darf man keiner Frau beiwohnen, man müßte denn die Tephilin erst in einen doppelten Beutel legen; dieser zweite Beutel darf aber nicht ohnedem schon für die Tephilin bestimmt sein, d.h. sie sollen nicht gewöhnlich in einem doppelten Beutel sein, sonst hilft es nicht; wenn die Tephilin auch gewöhnlich in 50 doppelten Beutel  verwahrt  werden, so  müssen  sie doch, wenn  man  seiner  Frau  beiwohnen  will, in noch einen Beutel gelegt werden. Bei alledem darf man solche doch nicht zu Füßen, wenn die Frau mit im Bett ist, oder zu Kopf unter seinem Kopfe legen, wenn sie auch nicht mit im Bette ist u.s.w., u.s.w.

46. bis 57. Über die Segensprüche, welche man des Morgens sagen muss u.s.w.
Sobald man des Morgens erwacht, sage man: Mein G’tt, die Seele, die du mir gabst, ist rein u.s.w. - Hört man den Hahn krähen, sage man: Gelobt u.s.w., der du dem Hahn Verstand gabst, Tag und Nacht u.s.w., der du Nackte kleidest; legt man die Hände auf die Augen: der du Blinde sehend machst; setzt man sich: der du Gebundene befreiest; richtet man sich auf; der du die Gebückten aufrichtest; stellt man die Füße auf die Erde; der du die Erde über die Wasser spanntest (ausbreitest); zieht man die Schuhe an: der du mir alle meine Bedürfnisse verschaffest; geht man fort; der du die Schritte des Menschen bereitet hast; bindet man den Gürtel um; der du Israel mit Stärke gürtest; setzt man die Mütze oder den Hut auf; der du Israel mit Herrlichkeit krönest; wäscht man sich die Hände; über das Gebot die Hände zu waschen; wäscht man sich das Gesicht; der du den Schlaf von meinen Augen nimmst u.s.w.
 Jetzt werden alle diese Segensprüche erst in der Synagoge gesprochen. Jeder Israelit muss täglich wenigstens 100 Segensprüche sprechen. In König Davids Zeiten starben einst täglich 100 Israeliten, und man wusste die Ursache nicht. David hat endlich durch den heiligen Geist erfahren, dass jeder Jude täglich 100 Lobsprüche sprechen müsse. Auch muss jeder Israelite täglich die Sprüche beten: Gelobt u.s.w., dass du mich nicht als Nichtjude, als Sklave, als Frau erschaffen hast. Die Talmudisten haben einst in einer großen Zusammenkunft beratschlagt, ob es gut ist, dass der Mensch überhaupt erschaffen wurde, und haben beschlossen, dass es besser gewesen, wenn der Mensch nicht erschaffen worden wäre! und zwar aus dem Grunde, weil es ihm doch unmöglich ist, alle Gesetze zu beobachten und er doch der Strafe nicht entgehen kann; ein Proselyte muss sagen, dass ich kein Nichtjude mehr bin, darf sich aber des Wortes erschaffen nicht bedienen, denn er war’s ja - die jüdischen Frauen sagen: der du mich erschaffen hast nach deinem willen. Bei den deutschen Juden ist der Brauch allgemein, dass man auch den Segenspruch sagt: der du den Ermatteten Kraft gibst. - Vor dem Studieren, sei es in der Schrift, der Mischnah oder der Gemara (Talmud) muss ein Segenspruch gesprochen werden u.s.w. Alles, was man ganz geläufig auswendig hersagen kann, das braucht nicht innwendig abgelesen zu werden, sogar das Schma nicht. Bis das eigentliche Gebet (die 18 Hauptstücke) beendet ist, darf man mit dem Beten nicht innehalten. Zwischen einem Gesang und dem andern (den Psalmen) kann man nur Jemanden grüßen, der ehrwürdig und gelehrt ist, den Gruß erwidern kann man aber einem Jeden. In der Mitte eines Gesanges darf man nur den grüßen, vor dem man sich fürchtet, den Gruß erwidern darf man nur einem Ehrwürdigen. Den Vers 16 im 145. Kap. der Psalmen, du öffnest deine Hand u.s.w. muss man mit Andacht sagen, sonst muss er wiederholt werden. Die Gesänge sollen langsam gesagt werden; den 100. Psalm soll man singend sagen, denn zu den Zeiten, da der Messias erscheinen wird, werden alle Gesänge aufhören, dieser wird bleiben. Der Vorsänger muss ein ordentlicher Mann sein, ohne Sünde; er darf keinen bösen Ruf haben, auch von Jugend her  nicht, er   muss demütig, dem Volke recht sein, eine liebliche und angenehme  Stimme  haben, und muss in der  Schrift bewandert sein. Kann man keine  finden, der Alles dieses in sich vereinigt, so muss man den besten aus der Gemeinde wählen. Ist Jemand da, der zwar alt ist, auch eine liebliche Stimme hat und das Volk will ihn gerne haben, er ist aber ein Idiot, er versteht nicht was er spricht, hingegen ein Anderer, der zwar erst dreizehn Jahre alt ist, auch keine liebliche Stimme hat, er versteht aber die hebräische Sprache, so hat dieser den Vorzug. ein Vorsänger, der zu lange beim Beten verweilt, um seine liebliche Stimme hören zu lasse, aber in der Absicht, dass er G’tt (gelobt sei er) damit loben will, auf den komme Segen; aber er bete mit schwerem (gebückten) Haupte und stehe mit Zittern und Furcht vor G’tt. Ist aber seine Absicht bloß seine Stimme hören zu lassen, und er freut sich darüber, so ist er verabscheuungswürdig. Jedenfalls ist es nicht gut, zu lange zu beten, damit die Gemeinde nicht zu lange aufgehalten werde. Der Vorsänger soll mit ganzen und reinlichen Kleidern erscheinen u.s.w. Der Vorsänger kann sich Alters halber durch seinen Sohn, der würdig dazu ist, unterstützen lassen. Ein Vorsänger kann nicht abgesetzt werden, man müsste denn triftige Gründe, wegen Übertretung des Gesetzes dazu haben.

Das Kadisch
Das Kadisch ist ein hoch geachtetes Gebet; es wird nur vom Vorsänger in der Synagoge mehreremale, hauptsächlich aber nach dem Schlußgebet der Tephila (der 18 Gebete) gesprochen, mit mehrmaliger Unterbrechung der Gemeinde.
Die Übersetzung dieses Gebetes lautet wie folgt: Es werde sein (G’ttes) Name verherrlicht und geheiligt in der Welt, die Er nach Seinem Willen geschaffen hat, Er lasse auch Sein Reich regieren bei eurem Leben und in euren Tagen, und bei dem Leben des ganzen Hauses Israel, geschwind, und in der nächsten Zeit, und sprechet Amen, die Gemeinde fällt ein: Amen. Sein großer Namen sei gebenedeit ewig und in aller Ewigkeit (Sein Name sei gebenedeit, und sein Gedächniß gelobt in alle Ewigkeit). Der Vorsänger fährt fort: der Name des heiligen, gebenedeiten G’ttes, sei gebenedeit, gepriesen, erhaben, gerühmt, verherrlicht und gelobt über alle Benedeiungen und Gesänge, Lob und Trost, welche in der Welt gesagt werden, und sprechet: Amen. Die Gemeinde: Unser Gebet werde mit Barmherzigkeit und gutem Willen angenommen. Der Vorsänger: das Gebet und die Bitte des ganzen Hauses Israel werde  von ihrem Vater im Himmel abgenommen und sprechet Amen. Die Gemeinde: Der Name des Herrn sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Vorsänger: Es werde uns und dem ganzen Hause Israel ein großer Friede und Leben vom Himmel gegeben, und sprechet Amen. Die Gemeinde: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der den Himmel und die Erde gemacht hat. Der Vorsänger (nachdem er erst drei Schritte rückwärts getreten, spricht endlich): Derjenige, der Frieden in Seinen Höhen macht (eine Anspielung auf die beiden Engel Michael und Gabriel, der erste ist über das Wasser, der zweite über das Feuer gesetzt, und ein Element vernichtet doch nicht gänzlich das andere), der wolle uns dem ganzen Hause Israel Frieden schaffen und sprechet Amen!
 Dies Kadischgebet wird in chaldäischer Sprache gesprochen. Die Ursache hiervon ist nach dem Berachoth, fol 3, folgende: Jedes Mal, wenn Israel auf das große Kadischgebet, vom Vorsänger gesprochen, mit den  Worten einfällt: Sein großer Name ist gepriesen u.s.w., bewegt G’tt sein Haupt und spricht: wehe den Kindern, welche vom Tische ihres Vaters vertrieben sind, und wehe dem Vater, den man so lobpreiset und der doch seine Kinder von seinem Tische vertrieb. Da nun die Engel, wenn sie sehen würden, dass sich G’tt grämt, schlecht auf uns zu sprechen wäre, deshalb wird das Kadisch in Chaldäisch gesprochen, denn diese Sprache verstehen die Engel nicht. - Dies Gebet hat nach dem Talmud und den Rabbinern eine große Wirkung; es erlöst aus der Hölle, in der ein jeder Israelite und Israelitin, und wenn sie auch noch so fromm waren, erst eine Zeit lang wandern müssen; daher muss beim Tode des Vaters oder der Mutter der hinterlassene Sohn, elf Monate lang täglich das letzte Kadisch statt des Vorsängers sprechen. Sind mehrere da, die sich zum Kadischsagen melden, so geht es der Reihe nach, einen Tag dieser, den anderen Tag jener, manchmal wird auch gelost. Auch wird oft zur Aushilfe von einem Rabbi etwas aus dem Talmude gesprochen, und nachher von einem der Trauernden das Kadisch gesagt. Im vierten Buch Joredeah, Absch. 376, wird mehreres davon vorkommen.
Noch ist zu erwähnen, dass in der Synagoge kein Gebet stattfinden kann, wenn nicht zehn Männer darin versammelt sind und bei Sprechung des Kadisch ist dies eben notwendig. Darüber sind noch viele und weitläufige Gesetze vorhanden. Im Falle der Not kann man einen Sklaven, eine Frau und einen Unmündigen über sechs Jahre, wenn er ein Chumisch (eines der fünf Bücher Moses) in der Hand hat mit zu Hilfe nehmen, falls nur neun Männer da sind.

 

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