KAP. 16. - 20. Acharej-Kedoschim - אחרי מות קדישים von Rabbi Samson Raphael Hirsch

Posted 6 mos ago

Kap. 16. 1. Gott sprach zu Mosche nach dem Tode der beiden Söhnen Aharon's: in ihrem Nahetreten vor Gott lag's, daß sie starben! 2. Da sprach Gott zu Mosche: sprich zu deinem Bruder Aharon, daß er nicht zu jeder Zeit zum Heiligthum eingehe, nicht hinter den Scheidevorhang; nicht vor den Deckel hin, der auf der Lade ist, damit er nicht sterbe; denn durch die Wolke soll man auf mich hinschauen über dem Deckel.

---
V. 2.‎ אהרן אחיך, durch diese Beifügung des Verwandtschaftscharakters ist das folgende Verbot über die Persönlichkeit hinaus auf sein ganzes Haus, somit auf ‏כהן הדיוט ‎ wie auf כהן גדול ausgedehnt (ת"כ). — אל הקדש ,מבית לפרכת ,אל פני הכפרת, offenbar ist hier das Heiligthum in einer dreitheiligen Geschiedenheit aufgeführt. קדש: der ‏היכל‎, die Machtstätte, מבית לפרכת: der דביר, die Wortstätte, und innerhalb desselben ‏:פני הכפרת ‎ בין הבדים‎, die Ostseite, der Nation, zugewandte Vorderfläche des ‏.ארון‎ In Beziehung auf alle drei Räume wiederholt sich das Verbot אל יבוא. Und zwar ist ein Betreten des (קדש) היכל, und so auch ein Betreten des ‏(מבית לפרכת) קדש הקדשים‎ mit Umgebung des östlichen Raumes, des ‏פני הכפרת‎, ein Betreten דרך משופש: nur ‏בלאו‎ ‎und nicht מביתה, und nur ein geradezu mit dem Angesichte dem ‏פני הכפרת‎ zugewandtes Betreten des קדש הקדשים ist במיתה (Menachoth 26, b.) Daher auch der Accent auf אל יבוא בכל עת - .לפרכת: nur לצורך עבודה ist das Betreten dieser Räume gestattet. Da nun innerhalb derselben durchaus keine bloße נדבה zu vollbringen ist, so ist damit überhaupt dem bloßen willkührlichen Belieben der Zugang verschlossen. (Nicht ganz fest steht dieses Letztere hinsichtlich השתחויה. Siche כ"מ zu ‏הל' ביאת המקדש ‎ 2, 4. Bedenken wir jedoch daß wenn ein Betreten des ‏היכל‎ zur beliebigen השתחויה erlaubt wäre, dies denn auch מבית לפרכת gestattet sein würde, so spricht Alles für die Auffassung des ‘סמג daß ‏השתחויה‎ keine Ausnahme bilde.) '‏.כי בענן אראה וגו‎ Nach 2. B. M. 40, 34, 35. scheint die Wolke nicht innerhalb des Heiligthums gewesen zu sein. Es wird wiederholt zwischen dem ענן, die auf der, und damals um die Wohnung ruhte, und der ‘כבוד ד innerhalb des משכן unterschieden. Auch hier wird (Joma 53, 8.) das ‏ בענן‎auf das ענן הקטרת (V. 13.) bezogen. Demnach heißt es: durch die Wolke will ich gesehen werden über dem כפרת. Wenn der Hohepriester hinter den Scheidevorhang getreten ist, soll er gleichsam einen zweiten Scheidevorhang durch die קטרת-Wolke sich machen, und sich so bevor er zum ‏כפרת‎ hinaufschaut, den Abstand seiner und des von ihm repräsentirten Volkes Wirklichkeit von dem durch den Cherubim-Deckel ausgedrückten Israel-Ideale zum Bewußtsein bringen. Nur vermittelst dessen, was קטרת zum gelobenden Ausdruck bringt, darf er es wagen, zu der über den בנדבה-Cherubim ruhenden שכינה aufzuschauen. Das causale כי dürfte sich in seiner Beziehung zu: 'אל יבא וגו dadurch erklären, daß ‏ ,קטרת‎ wie bereits 2. B. M. 30, 9. bemerkt, nie בנדבה gebracht werden darf. Die Bedingung '‏בענן אראה וגו‎ schließt somit jedes andere Betreten zu jeder anderen Zeit völlig aus. Siehe zu V. 13. Das ‏ קדש הקדשים‎ mit dem Gesetzes-Zeugniß in holzgoldener Lade unter goldenem Cherubim-Deckel, — der schützend und scheidend davor niederwallende פרכת-Vorhang, — der היכל mit goldenem Leuchter, holzgoldenem Tisch, holzgoldenem Altar, — alle diese Räume vergegenwärtigen, wie wir dies im 2. B. M, entwickelt, das Gesetz und das daraus sich entwickelnde israelitische Nationalleben in idealer Vollendung. In ihnen lebt die Idee des Einen gegebenen, von Allen ewig anzustrebenden Zieles. Ein gebotenes Betreten dieser Räume, ein gebotenes Vollbringen in ihnen trägt eben durch dieses Gebotensein den Charakter der sich erst hingebenden Unterordnung unter die hier gesezten Normen des Seins und Lebens. Wie fern ab auch die Wirklichkeit des Betretenden und Vollbringenden oder die des von ihm Repräsentirten von diesem דביר- und היכל-Ideale noch sein möge: es ist ihm und ihnen geboten, durch dieses Betreten und Vollbringen die Huldigung dieser Ideale für künftiges Sein und Leben zu erneuen, und eben nur diese gebotene Erneuung des Unvollkommenen alles bereits wirklich gewordenen Seins und Lebens recht bewußt zu werden. Ein willkührliches Betreten und Vollbringen in diesen Räumen trägt die Präsumtion bereits erreichter Ideale und einer dieser Ideale würdigen, ihnen sich vorzustellen berechtigten Wirklichkeit, und in dieser Präsumtion liegt eben der bezweckte Einfluß dieser Ideale und die Zukunft der mit dieser Präsumtion Erfüllten getödtet. Die עזרה, der חצר des Heiligthums hingegen mit seinem ‏מזבח העולה‎ und‎ ‏כיור trägt durch und durch die Bedeutung als "Vorraum zum Heiligthum der Lebensideale", und alles Betreten und Vollbringen in ihm nimmt Theil an dieser Bedeutung und trägt den Charakter der Selbstarbeit um sich erst für das Hinanstreben zu der Höhe der von Gott gesetzten Lebensideale zu befähigen.
---

3. Mit diesem gehe Aharon ein zum Heiligthum hin: mit einem jungen Stier zum Entsündigungs-Opfer und einem Widder zu Emporopfer. 4. Mit einem leinenen Rock des Heiligthums bekleide er sich, und leinene Beinkleider seien bereits auf seinem Leibe, und mit einem leinenen Gürtel gürte er sich, und mit einem leinenen Bunde umwinde er den Kopf; Heiligthums Gewänder sind sie, er badet im Wasser seinen Leib und zieht sie an. 5. Und von der Gemeinde der Söhne Jisrael's nehme er zwei Ziegenböcke zum Entsündigungsopfer und einen Widder zum Emporopfer. 6. Den Entsündigungsopferstier, der der Seine ist, führt Aharon nahe und erstrebt Sühne für sich und für sein Haus. 7. Er nimmt sodann die beiden Böcke und stellt sie vor Gott in den Eingang des Zusammenkunftbestimmungszeltes, 8. es giebt Aharon auf die beiden Böcke Loose, ein Loos: »Gottes«, und ein Loos: »Asasel's«, 9. Den Bock, über welchen das Loos: »Gottes« ergangen, führt Aharon näher und bestimmt ihn zum Entsündigungsopfer, 10. der Bock aber, über welchen das Loos: »Asasel's« ergangen, bleibt vor Gott lebendig bestehen, Sühne auf ihm zu erstreben, ihn als »Asasel's« fortzuschicken in die Wüste hin.

---
V. 10. '‏והשעיר וגו' לעזאזל יעמד הי וגו. Während sein Gefährte mit der Entscheidung 'לד dem Opfertod entgegengeht, den Opfertod erleidet, aber mit diesem Opfertode zu neuem erhöhtem Sein von Gottes Heiligthum aufgenommen wird, bleibt der ‏לעזאזל‎ Entschiedene חי, in unversehrter Lebensfrische im Eingang des Heiligthums stehend, לכפר עליו: auf, daß — wie V. 21. lehrt — dort mit סמיכה auf seinem Haupte das Selbstgeständniß aller aus Verirrungen erwachsenen Sünden und Verbrechen der Nation ausgesprochen werde, ‏לשלה אותו‎: um dann so, von der Schwelle des Heiligthums weg, dessen Eingang sein Gefährte nur um den Preis des Opfertodes gewonnen, unberührt, aber fern weg, nicht nur aus dem Umkreis des Heiligthums, sondern überhaupt aus dem Wohnkreis ‏המדברה‎: in die Wüste hin, fortgeschickt zu werden.
Offenbar haben wir hier die Darstellung zweier ursprünglich völlig identischer Wesen, die sich an der Schwelle des Heiligthums zu vollendetem Gegensatz scheiden. Sie sind beide gleich, ‏,במראה בקומה בדמים ובלקיחתם כאחד‎ sind beide zusammen in gleicher Weise ‏לפני ד' פתח אהל מועד‎ gestellt, über beide schhwebt in ganz gleicher Weise, mit ganz gleicher Möglichkeit der Entscheidung, die Entscheidung 'לד, wie die Entscheidung לעזאזל‎, der Eine wie der Andere kann das Eine wie das Andere werden, ja Jeder kann das Eine was er wird nur werden, weil er auch das Andere hätte werden können, אין הגורל קובע אלא בראוי לשם‎ - und bis zum schneidendsten Gegensatz gehen von da an ihre Wege auseinander. Der 'לד‎ ‎Entschiedene erleidet unter der Schneide des Heiligthums den שחיטה-Tod, wird aber vom Gefäße des Heiligthums aufgenommen und gelangt in das Allerheiligste, in die Nähe der heiligsten Stätte, wo sich das Ideal des israelitischen Gesetzeslebens zum Träger des Göttlichen auf Erden vollendet. Der לעזאזל Entschiedene bleibt unberührt von der Schneide des Heiligthums, erleidet nicht den ‏שחיטה‎ - Tod, bleibt unverändert חי, in lebendiger Selbstheit vor Gott im Eingange zum Heiligthum, gelangt aber als solcher nicht weiter hinein in's Heiligthum, vielmehr hinaus aus dessen Räumen, hinaus aus dem Wohnkreis der Menschen, hinein in die Oede und endet das, dem Heiligthum den Rücken kehrend, bewahrte Selbst-Leben wüst in der Wüste. Und beide sind חטאת ‎ — ‏שני שעירי עזים לחטאת V. 5. —, müssen also den einen und denselben חטאת - Begriff nur von zwei gegensätzlichen Seiten zur Anschauung bringen. Wir glauben daher in der Annahme nicht zu irren, daß, während sonst im חטאת nur das Lebensbild vergegenwärtigt wird, dessen Verwirklichung die Vergangenheit hätte bieten sollen und das die Zukunft zur Wahrheit machen soll, hier zugleich die Kehrseite zur Darstellung gelangt, das Lebensbild nämlich, das nie dasjenige unserer Vergangenheit hätte sein sollen, und dem in unserer Zukunft keine Stätte bereiten zu wollen wir geloben. Jeder von uns ist: "שעיר", Jeder hat die Kraft des Widerstandes, die Fähigkeit, an unseren Willen gestellten Anforderungen uns mit Festigkeit zu widersezen. Von der Bethätigung dieser Widerstandskraft hängt der sittliche Werth oder Unwerth unseres Daseins ab. Wir können sie in Gottes-Hörigkeit bethätigen, können 'שעיר לד sein, indem wir allen inneren und äußeren Reizen und Bedenken, die uns von Gott und seinem heiligen Willen fortlocken, die uns unserer Gotteshörigkeit verlustig machen möchten, widerstehen. Oder wir können sie in starrem Versagen jedes sich fügenden Gehorsams an Gott und an die Anforderungen seines heiligen Sittengesetzes bethätigen, können die uns verliehene Widerstandskraft eben Gott entgegenkehren, der sie uns verliehen, und uns der Sinnlichkeit und deren Reizen wehrlos zu eigen machen, zu deren Bekämpfung uns eben jene Widerstandskraft von Gott geworden. Dieses Verfallensein an die Macht der Sinnlichkeit im Gegensaß zu der Gotteshörigkeit im Dienste des Sittengesetzes heißt hier: ‏לעזאזל. Die ungezwungenste Auffassung des Wortes ‏עזאזל‎ ‎läßt dasselbe als עז אזל, als das Starrsinnige, עז, begreifen, das אזל, das keine Zukunft hat, das verschwindet, das, indem es עז zu sein meint, eben damit ‏אזל‎ , sich das Grab der Vergänglichkeit gräbt. Es ist dies jene zum Prinzipe erhobene Sinnlichkeit, welcher Gott jede Zukunft in der Bestimmung des Menschen und der Menschheit versagt hat.
Eine Boreitha in Joma 67, b. deutet das Wort wie עזו אל, oder ‏ עָזְאֶל‎ und dürfte dies zu demselben Begriffe führen. Es ist jene עזוז, die der Natur und Bestimmung der אלים, der außermenschlichen Naturgewalten gemäß ist, denen vom Schöpfer nur Eine Richtung ertheilt ist, von welcher לא יסבו בלכתן, von welcher sie nicht abweichen sollen und darum nicht abweichen können, die eben gerade dann ihrem Schöpfer und Meister gehorchen, wenn sie ihrer Natur, das its eben der Einen einzigen ihnen ertheilten Richtung mit der ganzen Entschiedenheit ihres Wesens folgen. Das ist das Loos und die Bestimmung der unfreien elementaren und organischen Welt. Allein dem Menschen ist ein Anderes und Höheres beschieden, und nur indem und sofern er dies Andere und Höhere leistet, ist er Mensch und wird er sich menschenwürdig bewähren. Hoch nämlich über dem Kreis dieser von Ihm geschaffenen, von Seinem Gesetz beherrschten und an Sein Gesetz gebundenen ‏אלים‎, die eben nur stark sind in unwandelbarer Vollbringung Seines Gesetzes und durch dieselbe, steht in der absoluten Freiheit seines Wesens und Wollens ‘ד, der Eine Einzige freie, allmächtige Gott. Und von Seinem einzig freien Wesen und Seiner frei über die Kräfte gebietenden Macht hat Er Einen Strahl zur Erde gehaucht, hat mitten in dem Kreis der zahllos gebundenen אלים Ein Geschöpf als Geist von Seinem Geiste, als Odem von Seinem Leben in irdische Hülle gekleidet und hat zu ihm gesprochen: sei "Adam", sei mein Ebenbild, sei ein Gott im Kleinen in und über der kleinen Welt, die ihn mit der leiblichen Hülle dir angeeignet. Du hast Freiheit von meiner Freiheit, du hast über Kräfte gebietende Macht von meiner Macht. In deiner Hülle, deinem Antheil an der irdischen Welt, treiben mächtig Kräfte und Strebungen wie in der ganzen übrigen elementaren und organischen Welt, der sie entnommen. Sich selbst überlassen gehen sie wie jene mit heißer Entschiedenheit den Einen ihrer Natur innewohnenden Weg und finden Befriedigung in ihm. Allein du bist frei, hast Freiheit von meiner Freiheit, hast Kräfte beherrschende Macht von meiner Macht, hast das Gesetz meines Willens vernehmenden Geist von meinem Geiste, und du sollst diese Freiheit und diese Macht gebrauche, um deine Welt von Kräften und Strebungen mit starker Hand zu meistern und zu lenken,‎ ‎sie alle, alle dem Gesetze meines Willens mit freier Energie dienstbar zu machen, und so indem du deine Kräfte und Strebungen dir, und dich mit ihnen Mir unterordnest, mir nahe über Alles und Alle hoch emporragen, der einzig Freie in Mitten einer Welt gebundener Kräfte und Mächte.
Der Begriff "Freiheit" schließt aber sofort ja die Möglichkeit ein, sich auch dem Gesetze des göttlichen Willens widersetzen zu können. So wenig ist die Fähigkeit zu sündigen und der verlorende Reiz der Sinnlichkeit erst eine Folge menschlicher Entartung, daß ohne jene Fähigkeit und diesen Reiz er eben nicht seiner Art, eben Mensch nicht wäre, und die ganze Hoheit und Würde des Menschen eben durch die Fähigkeit zu sündigen, durch die nur ihm verliehene Möglichkeit des Ungehorsams gegen den göttlichen Willen bedingt ist. Im Kreise der elementaren und organischen Welt giebt es keine Sünde, aber eben darum auch keine Sittlichkeit, keine Tugend. Und wäre die dem göttlichen Willen nicht gemäße Menschensinnlichkeit nicht mit Reiz für den Menschen ausgestattet, fände auch der Mensch nur in der Gott gemäßen Verwendung seiner Kräfte Befriedigung und Wohlbehagen, wäre alles Schlechte ihm bitter, alles Gute süß, könnte er nicht ebenso Gott widerstehen, wie widerstehen den Reizen und Trieben seiner Sinnlichkeit, nicht ebenso ‏שעיר לעזאזל‎ sein wie '‏ :שעיר לדso waltete auch in ihm das Gottesgesetz mit zwingender Nöthigung wie in allen anderen gebundenen Wesen der Gotteschöpfung, die alle eben nur dadurch in der Einen einzigen ihnen vorgewiesenen Richtung gehalten werden, daß nur in ihr ihnen Befriedigung winkt, und jede Abweichung ihnen widersteht, ja sie kalt läßt.
So sind wir denn Alle ohne Unterschied zwischen ‘ד und ‏עזאזל‎, zwischen Gott und die Macht unserer Sinnlichkeit zur Entscheidung in den Eingang zu seinem Heiligthum gestellt. Dort, im Allerheiligsten, als das Alerheiligste ruht das Gesetz seines Willens für uns. Mit dem Hinblick auf dieses sein Gesetz hat sich die Entscheidung zu vollziehen.
Sie kann ‘לד, für Gott ausfallen, wir können uns für Gott entscheiden, alle die uns verliehene Widerstandskraft zusammennehmend uns Allem widersetzen was uns unserer Bestimmung entreißen möchte, Gott nahe, Gott eigen, Gott ähnlich zu werden in freier Erfüllung seines Willens, in freier Verwirklichung alles Reinen und Guten. Dann werden wir mit freudiger Willigkeit in den Vorraum seines Gesetzesheiligthums kommen, unter der scharfen Schneide der Gottesheiligung das selbstische Triebleben unserer leiblichen Sinnlichkeit aufzugeben und damit die Aufnahme in sein Heiligthum und die Gewinnung der Gottes-Nähe selbst mit unserem ganzen hiniedigen sinnlichen leiblichen Leben in Vollbringung seines heiligen Willens auf Erden erlangen. Oder sie kann ‏לעזאזל‎ ‎ausfallen, wir können im Eingang zum Heiligthum, im Anblick der an uns von seinem Gesetze gestellten Anforderungen die uns verliehene Widerstandskraft eben diesen Anforderungen seines Willens entgegenkehren, können im Eingang zu seinem Heiligthume das Opfer unseres selbstwilligen Trieblebens, die Hingebung unserer Sinnlichkeit unter die Schneide der uns zustehenden Willens-Macht für die Heiligung des göttlichen Gesetzeswillens verweigern, und im Eingang zu seinem Heiligthum, im Anblick seines Gesetzes unser selbstisches Triebleben ungemeistert anfrechthalten, uns aber damit ‏,לעזאזל‎ uns der uncontrollirten Macht der Sinnlichkeit zu eigen machen, die keine Stätte hat im Heiligthum, keine Stätte im Kreise des Menschen- und Volkslebens, das unter dem Strahle des göttlichen Gesetzes in dem Umkreise dieses Heiligthums aufblühen soll, die nur in die Wüste gehört, wo nicht die irdische Welt durch sittlich freies Menschenwalten zum Reiche göttlicher Freiheit sich erhebt.
Und die Entscheidung ist für Keinen von uns im vorhinein entschieden. Nicht מראה, nicht קומה, nicht ‏,דמים‎ nicht mehr oder minderes Ansehen, nicht mehr oder mindere Größe, nicht mehr oder minderes Vermögen, auch nicht der Zeitmoment, in welchem wir zu dieser Entscheidung geladen werden, übt einen zwingenden Einfluß auf die Entscheidung. Angesehen oder unangesehen, groß oder klein, reich oder arm, heute oder einst, mit jedem Maaß von Kräften und Gütern und in jeder Zeit kann Jeder 'לד oder ‏לעזאזל‎ werden. Und die Entscheidung 'לד hat nur Bedeutung und Werth, weil sie in demselben Augenblick auch ‏לעזאזל‎ sich hätte zuwenden können, und die Entscheidung לעזאזל ist nur das Menschenentwürdigende, weil er in demselben Augenblicke auch Gott treu, auch ‘לד zu eigen werden und bleiben konnte, der ‏עזאזל‎ selbst ihn hätte zu Gott führen sollen, da ohne ihn er nimmer der freie Sohn und Diener Gottes, des Freien Heiligen werden könnte, und die Sinnlichkeit dem Menschen nicht gegeben is damit sie ihn, sondern damit er sie beherrsche und leite, ואליך תשוקתו ואתה תמשל בו ‏‎ (1. B. M. 4, 7. siehe daselbst).
לעזאזל .לשלח אותו לעזאזל
‎ist nicht ein Terminativ zu לשלח, es heißt nicht: ihn dem ‏ עזאזל zu schicken, wie dies vor allem Diejenigen erklären, die aus Asasel einen Dämon‏ ‎der Wüste machen möchten, dem der Bock zum beschwichtigenden Opfer gesendet würde!‏ Unter all den überaus zahlreichen Stellen, in welchen שלח ‎in der Pielform vorkonmt,‏ ‎hat die bei weitem überwiegende Mehrzahl nicht die Bedeutung des Zuschickens, sondert ganz‏ ‎entschieden die Bedeutung des Fortschickens, des Entlassens, der Entfernung. Nur von‏ ‎Uebeln kommt es gewöhnlich auch in der Bedeutung des Zuschickens vor. So ושן בחמות אשלח בם‏ ‎(5. B. M. 32, 255.) und sonst. Und auch da liegt die Bedeutung des Los‎lassens der sonst zurückgehaltenen Uebel zu Grunde. Es sind nur einige wenige Stellen,‏ ‎wie 1. B. M. 38, 17. wo das אשלח entschieden ein Zusenden bedeutet. Wir glauben‏ ‎daher nicht zu irren, wenn wir das לשלח אתו hier nicht anders als in der Parallelstelle K. 14, 7 ושלח את הצפר‏ lediglich als ein Fortschicken begreifen. Das לעזאזל ist dann ‎Apposition zu אתו: ihn fortzuschicken als Asasel-eigen in die Wüste.‏

---

11. Wiederum führt Aharon den Entsündigungsstier, der der Seine ist, näher und erstrebt Sühne für sick und für sein Haus und schlachtet den Entsündigungsstier, der der Seine ist, 12. nimmt sodann die Pfanne voll Feuerkohlen vom Altar herab, von der Gott zugewandten Seite, und seine Hände voll feines Räucherwerk, und bringt es hinein hinterhalb des Scheidevorhangs, 13. giebt sodann das Räucherwerk auf das Feuer vor Gott, so daß die Wolke des Räucherwerks den Deckel bedecke, welcher auf dem Zeugniß ruht, und er nicht sterbe. 14. Darauf nimmt er von dem Blute des Stieres und sprengt mit seinem Finger an die ostwärts gewandte Fläche des Deckels hinan, vor den Deckel hin aber sprengt er siebenmal von dem Blute mit seinem Finger. 15. Hierauf schlachtet er den Bock des Entsündigungsopfers, welcher des Volkes ist, und bringt dessen Blut hinein hinterhalb des Scheidevorhanges, und verfährt mit dessen Blut wie er mit dem Blute des Stieres verfahren, sprengt es an den Deckel hinan und vor den Deckel hin, 16. und vollzieht so Sühne über das Heiligthum von den Unreinheiten der Söhne Jisrael's und von ihren Verbrechen in Beziehung aller ihrer Verirrungen; und ebenso vollbringt er für das Zusammenkunftbestimmungszelt, das bei ihnen mitten in ihren Unreinheiten Stätte hat. 17. Kein Mensch aber seei im Zusammenkunftbestimmungszelt wenn er eingeht im Heiligthum Sühne zu vollziehen bis er wieder heraustritt und für sich und für sein Haus und für die ganze Gemeinde Jisrael's Sühne vollbracht hat. 18. Er tritt sodann zu dem Altare hinaus, welcher vor Gott steht und vollzieht Sühne über ihn. Er nimmt nämlich von dem Blute des Stieres und von dem Blute des Bockes und giebt an die Höhewinkel des Altares allseitig, 19. sprengt auf ihn von dem Blute siebenmal mit seinem Finger, und reinigt ihn und heiligt ihn von den Unreinheiten der Söhne Jisrael's. 20. Hat er so das Heiligthum gesühnt, das Zusammenkunftbestimmungszelt und den Altar: so führt er den lebendigen Bock nahe, 21. Aharon stützt seine beiden Hände vereinigt auf den Kopf des lebendigen Bockes und bekennt sich auf ihm alle Sünden der Söhne Jisrael's und alle ihre Verbrechen in Beziehung zu allen ihren Verirrungen, und giebt sie auf den Kopf des Bockes, und entsendet ihn dur einen dazu längst bereiten Mann zur Wüste hin. 22. Der Bock trägt auf sick alle ihre Sünden zu einem steil abgeschnittenen Boden hin, und von dort entsendet er den Bock hinab in die Wüste. 23. Noch einmal kommt Aharon in das Zusammenkunftbestimmungszelt; dann zieht er die leinenen Gewänder aus, die er, als er in das Heiligthum eingegangen war, wieder angezogen hatte, und läßt sie dort. 24. Zuvor aber badet er seinen Leib im Wasser an einer heiligen Stelle und zieht seine Kleider an, geht hinaus und vollbringt sein Emporopfer, das Emporopfer des Volkes, und vollzieht Sühne für sick und für das Volk. 25. Und das Fett des Entsündigungsopfers giebt er zum Aufdampfen dem Altare hin. 26. Der aber den Bock als Asasel’s entsendet, hat seine Kleider zu waschen und er badet seinen Leib im Wasser; nachher kommt er wieder hinein in's Lager. 27. Den Entsündigungsstier und den Entsündigungsbock aber, dessen Blut hineingebracht worden im Heiligthum Sühne zu vollziehen, läßt er außerhalb des Lagers hinausbringen, und sie verbrennen ihre Haut, ihr Fleisch und ihren Mist im Feuer. 28. Der aber, der sie verbrennt, hat seine Kleider zu waschen, und er badet seinen Leib im Wasser; nachher kommt er wieder hinein in das Lager. 29. Es sei euch zu ewigem Gesetz: im siebtem Monat, am Zehnten des Monats lasset ihr eure Lebensgeister darben und vollbringet keinerlei Werk, der Eingeborene und der Fremdling, der aus der Fremde in eure Mitte eingetreten. 30. Denn an diesem Tage soll er Sühne über euch bringen euch zu reinigen; von allen euren Verirrungen sollt vor Gott ihr rein werden. 31. Ein durch Thätigkeitseinstellung zu begehender Sabbath ist es euch, und ihr lasset eure Lebensgeister darben, als ewiges Gesetz. 32. Aber auch der Priester vollzieht Sühne, den man salben und bevollmächtigen wird an der Stelle seines Vaters Priesterdienst zu verrichten, und er bekleidet sich mit den leinenen Gewändern, den Gewändern des Heiligthums. 33. Er sühnt zunächst die Heiligkeitsstätte des Heiligthums, und das Zusammenkunftbestimmungszelt und den Altar sühnt er, und vollzieht über die Priester Sühne und über alles Volk der Gemeinde. 34. Und es bleibe euch dies zu ewigem Gesetz, über Jisrael's Söhne Sühne von allen ihren Verirrungen zu erwirken Einmal im Jahre; er that wie Gott Mosche geboten.

Kap. 17. 1. Gott sprach zu Mosche: 2. Sprich zu Aharon und zu seinen Söhnen und zu allen Söhnen Jisrael's und sage ihnen: Dies ist das Wort, welches Gott geboten: 3. Jeder, Jeder vom Hause Jisrael's, der einen Ochsen, oder ein Schaaf, oder eine Ziege im Lager schlachtet, oder der sie außerhalb des Lagers schlachtet, 4. und hat es nicht zu dem Eingange des Zusammenkunftbestimmungszeltes gebracht, es als Opfer Gott nahezubringen vor der Wohnungsstätte Gottes: dem Manne wird es als Blut geachtet, Blut hat er vergossen; und es wird dieser Mann aus seines Volkes Mitte entwurzelt. 5. Damit, daß Jisrael's Söhne ihre Schlachtmähler, die sie auf freiem Felde schlachten, hineinbringen und sie Gott bringen zum Eingang des Zusammenkunftbestimmungszeltes, zum Priester hin, und sie Gott als Frieden-Mahlopfer schlachten. 6. Und der Priester gießt das Blut an Gottes Altar im Eingang des Zusammenkunftbestimmungszeltes hinan und läßt das Fett Gott zum Willfahrungs-Ausdruck aufdampfen, 7. so daß sie nicht ferner ‎Schlachtmähler den Böcken schlachten, denen sie von mir abfallend nachhängen. Ein ewiges Gesetz sei dies ihnen für ihre Nahkommen. 8. Und ihnen sage ferner: Jeder, Jeder vom Hause Jisrael’s und von dem Fremdling, welcher aus der Fremde in ihre Mitte eingetreten sein wird, der ein Emporopfer oder ein Mahlopfer darbringt,  9. und bringt es nicht zum Eingang des Zusammenkunftbestimmungszeltes es Gott zu vollziehen, der Mann wird aus seines Volkes Kreisen entwurzelt. 10. Und Jeder, Jeder vom Hause Jisrael's und‎ von dem Fremden, der in eure Mitte eingetreten ist, welcher irgend Blut ißt, gegen die Blut essende Seele richte ich mein Angesicht und lasse sie aus ihres Volkes Mitte entwurzeln. 11. Denn die Seele des Fleisches ist im Blute gegenwärtig, und habe ich es euch darum dem Altare bestimmt Sühne über eure Seelen zu erwirken; denn das Blut bedeutet: mit der Seele erwirkt man Sühne. 12. Darum habe ich zu Jisrael's Söhnen gesprochen: Jede Seele von euch soll kein Blut essen, und der Fremde, der in eure Mitte eingetreten, soll kein Blut essen. 13. Und Jeder, Jeder von Jisrael's Söhnen und von dem Fremden, der in ihre Mitte eingetreten ist, welcher einen Fang an Wild oder an Vogel gemacht, welcher zu essen ist, der hat dessen Blut hinzugießen und es in Erd-Staub zu bedecken. 14. Denn die Seele alles Fleisches ist sein von seiner Seele beherrschtes Blut, weßhalb ich zu Jisrael's Söhnen gesprochen: Blut von irgend welchem Fleisch sollt ihr nicht essen, denn die Seele alles Fleisches, sie ist sein Blut, Jeder derer, die es essen, wird entwurzelt werden. 15. Und jede Seele, welche fallenes und Entrissenes ißt, unter dem Eingeborenen und unter den Fremden, hat ihre Kleider zu waschen, sich im Wasser zu baden, bleibt unrein bis zum Abend und wird dann rein. 16. Wenn er nicht wäscht und seinen Leib nicht badet, so hat er seine Versündigung zu tragen.

Kap. 18, 1. Gott sprach zu Mosche: 2. Sprich zu Jisrael’s Söhnen und sage ihnen: Ich, Gott bin euer Gott! 3. Nach dem Verfahren des Landes Mizrajim, in welchem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht handeln, und nach dem Verfahren des Landes Kenaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht handeln, und sollt in ihren Satzungen nicht wandeln; 4. meine Rechtsordnungen übet und meine Gesetze hütet um in ihnen zu wandeln, Ich, Gott, bin euer Gott. 5. Hütet meine Gesetze und meine Rechtsordnungen, die ‎der Mensch zu‏ ‎erfüllen hat und Leben durch sie ge‎winnt; Ich, Gott. 6. Jeder, Jeder, zu aller Verwandtschaft seines Fleisches sollt ihr euch nicht nähern Blöße zu enthüllen, Ich, Gott. 7. Die Blöße deines Vaters und die Blöße deiner Mutter sollst du nicht enthüllen; sie ist deine Mutter, du darfst ihre Blöße nicht enthüllen. 8. Die Blöße der Frau deines Vaters sollst du nicht enthüllen; sie ist die Blöße deines Vaters. 9. Die Blöße deiner Schwester, der Tochter deines Vaters oder der Tochter deiner Mutter, einer Geburt des Hauses oder einer außerhäuslichen Geburt, deren Blöße sollst du nicht enthüllen. 10. Die Blöße der Tochter deines Sohnes oder der Tochter deiner Tochter, deren Blöße sollst du nicht enthüllen, denn deine Blöße sind sie. 11. Die Blöße der Tochter der Frau deines Vaters, der Geburt deines Vaters, sie ist deine Schwester; ihre Blöße sollst nicht enthüllen. 12. Die Blöße der Schwester deines Vaters, sollst du nicht enthüllen; sie ist die Verwandte deines Vaters. 13. Die Blöße der Schwester deiner Mutter sollst du nicht enthüllen; denn sie ist die Verwandte deiner Mutter. 14. Die Blöße des Brudes deines Vaters sollst du nicht enthüllen, seiner Frau sollst du dich nicht nähern, sie ist deine Tante. 15. Die Blöße deiner Schwiegertochter sollst du nicht enthüllen; sie ist die Frau deines Sohnes, du darfst ihre Blöße nicht enthüllen. 16. Die Blöße der Frau deines Bruders sollst du nicht enthüllen; sie ist die Blöße deines Bruders. 17. Die Blöße einer Frau und ihrer Tochter sollst du nicht enthüllen; ihres Sohnes Tochter und die Tochter ihrer Tochter sollst du nicht nehmen ihre Blöße zu enthüllen; Verwandtschaft sind sie, unzüchtige Sinnlichkeit ist es. 18. Und eine Frau zu ihrer Schwester sollst du nicht nehmen; sie zusammen zu verbinden, ihre Blöße neben ihr bei ihrem Leben zu enthüllen. 19. Und zu einer Frau in der Entfernungszeit ihrer Unreinheit sollst du dich nicht nähern, ihre Blöße zu enthüllen. 20. Und zum Weibe deines Nächsten sollst du dein Lager nicht geben das der Zeugung eignet, durch sie deine Reinheit zu verlieren. 21. Und von deiner Nachkommenschaft sollst du Nichts hingeben es dem Molech durh zu führen, und sollst den Namen deines Gottes nicht entweihen, Ich, Gott. 22. Und einem Männlichen sollst du nicht beiwohnen wie man einem Weibe beiwohnt; eine Abscheulichkeit ist dies. 23. Und bei einem Thiere sollst du dein Lager nicht geben dich dadurch zu verunreinigen; und ein Weib soll nicht vor einem Thiere zur Begattung stehen; Entmenschung ist es. 24. Macht euch durch keines von diesem allen unrein! Denn durch alles Dieses sind die Völker, die ich vor euch entsende, unrein geworden. 25. Da ward das Land unrein, und ich suchte seine Sünde über es heim, und das Land spie seine Bewohner aus. 26. So hütet denn Ihr meine Gesetze und meine Rechtsordnungen, und übet, der Eingeborene und der als Fremder in eure Mitte Eingetretene, Nichts von allen diesen Abscheulichkeiten. 27. Denn all’ solche Abscheulichkeiten haben die Menschen des Landes, die euch vorangingen, geübt, und da ist das Land unrein geworden. 28. Daß euch nicht das Land ausspeie indem ihr es unrein machet, wie es das Volk ausgespien, das euch vorangegangen. 29. Denn Jeder, der von diesen Abscheulichkeiten Etwas übt, die es verübenden Seelen werden aus der Mitte ihres Volkes entwurzelt, 30. Darum hütet das euch von mir zur Hut Uebergebene, daß Nichts von den abscheulichen Satzungen, die vor euch in Uebung waren, geschehe, auf daß ihr nicht unrein durch sie werdet; Ich, Gott, euer Gott.

Kap. 19, 1. Gott sprach zu Mosche: 2. Sprich zur ganzen Gemeinde der Söhne Jisrael's, und sage ihnen: heilig sollt ihr sein; denn heilig bin Ich, Gott, euer Gott. 3. Ehrfürchtet jeder seine Mutter und seinen Vater und meine Sabbathe hätet; Ich, Gott, euer Gott. 4. Wendet euch nicht zu den verneinenden Göttern und Gottheiten aus Guß machet euch nicht; Ich, Gott, euer Gott. 5. Und wenn ihr Gott ein Friedensmahlopfer schlachtet, so schlachtet es zum Ausdruck eures Willens. 6. Am Tage eures Schlachtens soll es auch gegessen werden und auch am anderen Tage; was bis zum dritten Tage übrig bleibt soll in Feuer verbrannt werden. 7. Wenn es hat am dritten Tage gegessen werden sollen, so is es ein Verworfenes, es wird darin nicht ein Entsprechen des göttlichen Willens erblickt. 8. Wer es ißt hat seine Sünde zu tragen; denn er hat das Heiligthum Gottes entweiht; es wird diese Seele aus ihres Volkes Kreisen entwurzelt. 9. Und wenn ihr die Erndte eures Landes schneidet, sollst du die Ecke deines Feldes nicht vollends abschneiden, und sollst das Aufzulesende deines Schnittes nicht auflesen;  10. und deinem Weinberg die unfertigen Trauben nicht entnehmen und den Beeren-Abfall deines Weinbergs nicht auflesen; dem Armen und dem Fremden sollst du sie lassen; Ich, Gott, euer Gott. 11. Nicht sollt ihr stehlen, und ihr sollt nicht leuguen und ihr sollt nicht lügen Einer wider den Anderen. 12. Und ihr sollt nihct schwören bei meinem Namen zur Lüge; du würdest den Namen deines Gottes entweihen, ich Gott. 13. Vorenthalte deinem Nächsten Nichts und übe keinen Raub, nicht übernachten soll bei dir der erarbeitete Lohn eines Tagelöhners bis zum Morgen. 14. Fluche keinem Tauben und vor einen Blinden lege kein Strauchelwerk, und fürchte dich vor deinem Gotte, ich Gott. 15. Thut nicht Unrecht im Gerichte! Schenke einem Herabgekommenen nicht Berücksichtigung und einem Großen nicht bevorzugende Ehre: nach Recht richte deinen Nächsten. 16. Gehe nicht als Herumträger in deines Volkes Kreisen; stehe nicht müssig bei dem Blute deines Nächsten, ich Gott. 17. Hasse deinen Bruder nicht in deinem Herzen. Zur Rede, wiederholt zur Rede stelle deinen Nächsten, lade aber darob nichht Sünde auf dich. 18. Räche dich nicht und grolle nicht die Söhne deines Volkes und liebe deines Nächsten Wohl wie deines, Ich Gott. 19. Meine Gesetze hütet: du darfst dein Thier nicht in Gattungsmischung züchten, dein Feld nicht in Gattungsmischung säen, und ein Gewand aus Gattungsmischung Schaatnes darf nicht auf dich kommen. 20. Und ein Mann, der einer Frau mit Samenerguß beiwohnt, und sie ist eine einem Manne angetraute Sclavin, vollständig ist sie noch nicht ausgelöst, oder ein Freibrief ihr noch nicht gegeben: so soll sie einer Disciplinar-Strafe unterliegen, nicht getödtet sollen sie werden, weil sie noch nicht ganz frei geworden war. 21. Er aber bringt Gott sein Schuldopfer zum Eingang des Zusammenkunftbestimmungszeltes in einem Schuldopfer-Widder. 22. Es vollzieht der Priester für ihn Sühne mit dem Widder des Schuldopfers vor Gott wegen seines Vergehens, das er begangen, und es wird ihm für das von ihm begangene Vergehen verziehen. 23. Und wenn ihr in das Land kommt und irgend einen Baum zum Fruchtgenuß pflanzt, so sollt ihr, während einer ihn eurem Gebrauch entziehenden Zeit, in Beziehung auf seine Frucht im Gebrauche gehemmt sein. Drei Jahre soll sie euch nur im Gebrauche gehemmt zustehen, soll nicht genossen werden. 24. Im vierten Jahre werde dann all’ seine Frucht Gott ein Heiligthum des Thatenpreises, 25. und erst im fünften Jahre sollt ihr seine Frucht genießen, daß er fortan euch seinen Ertrag zuwachsen lasse; ich, Gott, euer Gott. 26. Esset nicht beim Blute; haltet nicht auf Ahnungen und nicht auf Zeitenwahl. 27. Die Ende eures Haupthaares sollt ihr nicht abrunden, und die Ende deines Bartes sollst du nicht glattscheeren. 28. Und Verwundung um einen Verstorbenen sollt ihr an euren Leib nicht geben und eine eingedrungene Schrift nicht geben an euch, ich, Gott. 29. Du sollst deine Tochter nicht entweihen sie zu Unzucht zu verleiten, daß nicht das Land euch die Treue bricht wie das Land voller Sinnlichkeit wird. 30. Meine Sabbathe hütet und mein Heiligthum fürchtet, ich, Gott. 31. Wendet euch nicht zu den Oboth und den Jidonim, suchet nicht durch sie euerer Reinheit beraubt zu werden; ich, Gott, euer Gott. 32. Vor einem greisen Haupte stehe auf und ehre das Angesicht eines an Weisheit Gereiften, und fürchte dich vor deinem Gotte, Ich Gott. 33. Und wenn ein Fremder bei dir aus der Fremde eingetreten sein wird in eurem Lande, sollt ihr ihn nicht kränken. 34. Wie ein Eingeborener von euch soll euch der bei euch aus der Fremde eingetretene Fremde sein, du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn Fremdlinge wart ihr im Lande Mizrajim; Ich, Gott, euer Gott. 35. Thuet kein Unrecht im Rechtsausspruch: im Längenmaß, im Gewichte und im Umfangsmaß. 36. Gerechte Waage, gerechte Gewichtssteine, gerechtes Epha und gerechtes Hin soll euch sein; Ich, Gott, euer Gott, der ih euch aus dem Lande Mizrajim geführt habe. 37. So hütet denn alle meine Gesetze und alle meine Rechtsvorschriften und erfüllet sie, Ich, Gott.

Kap. 20. 1. Gott sprach zu Mosche: 2. Zu den Söhnen Jisrael's sage: Jeder, Jeder von Jisrael's Söhnen und von dem Fremden, der aus der Fremde in Jisrael eingetreten, der von seiner Nachkommenschaft dem Molech übergiebt, soll getödtet werden; die Landes-Volksgemeine soll ihn steinigen. 3. Und auch Ich richte mein Angesiht gegen diesen Mann und lasse ihn aus der Mitte seines Volkes entwurzelt werden; denn er hat von seiner Nachkommenschaft dem Molech übergeben, um meinem Heiligthum die Reinheit zu rauben und meinen heiligen Namen zu entweihen. 4. Wenn aber die Landes-Volksgemeine ihre Augen von diesem Manne entziehen sollte indem er von seiner Nachkommenschaft dem Molech übergeben, so daß sie ihn nicht tödten: 5. so setze ich mein Angesicht gegen diesen Mann und gegen seine Familie und lasse ihn entwurzelt werden und alle die, die ihm im Abfall nachfolgen, dem Molech mir entgegen nahzuhängen, aus der Mitte ihres Volkes. 6. Und die Person, die sich zu den Oboth und den Jidonim wendet, ihnen abfallend nachzufolgen, gegen diese Person richte ich mein Angesicht und lasse ihn aus seines Volkes Mitte entwurzelt werden. 7. Haltet euch heilig, so werdet ihr heilig sein; denn Ich, Gott, bin euer Gott.

---

.(ת'כ) זו קרושת פרישות ע"ז : והתקדשתם וגו' .7
Es spricht hier nicht von ‏קדושת כל‎ המצות, von der allgemeinen in Beziehung auf alle Gebote anzustrebenden ‏ ,קדושה von welcher bereits das vorige Kap. ‏קדושים תהיו‎ gehandelt, sondern von der speciell durch Fernhaltung von allem Götzenthümlichen, wie dies soeben in ‏מולך‎ und אוב וידעוני besprochen worden, anzustrebenden und zu erlangenden קדושה (das.) Wir haben bereits an einem andern Orte darauf hingewiesen, wie der Begriff ‏קדוש‎ in reinster Potenz, und so als Gottes Attribut, wie die absolute Freiheit des Wollens, so auch die absolute Freiheit des Seins, daher die Ewigkeit umfasst. So Sanhedrin 92, a. zu dem Vers Jesaias 4, 13. ‏והיה‎ ‏הנשאר בציון והנותר בירושלים קדוש 'אמר לו וגו', מה קדוש לעולם קיים אף הם לעולם קיימין‎ Auch hier dürfte der Begriff קדוש seine volle Bedeutung in beiden Beziehungen haben. Es war zuvor von den Verbrechen des ‏ ‏מולך‎ und אוב וידעוני-Wahnes gesprochen. Daran schließt sich die Mahnung: haltet euch rein von allem Heidenthum, erhaben über alle Furcht vor den dunklen Mächten des Menschenwahns und über alles Vertrauen auf sie, stellt euch absolut der Vollbringung meines Willens bereit, so werdet ihr mit dieser Freimachung eures Gemüthes und eures Willens auch euer Sein frei machen, werdet mit eurer völligen Unterordnung unter Mich heilig unantastbar für jede andere Gewalt werden, denn ich, ‘ד, von dessen Wink jede Zukunft abhängt, bin ‏,אלקיכם‎ bin so der Lenker eures Geschikes wie der Leiter eurer That

---

8. So wachet denn über meine Gesetze und vollführet sie; Ich, Gott, führe euch zur Heiligkeit.

---

8. '‏ושמרתם וגו leitet das Folgende ein. Gott setzt euch zu Wächtern seiner Gesetze und zu Vollziehern der von ihm zu deren Schutz gegebenen Strafgesetzgebung. Daraus dürfte sich das folgende: כי erklären.

---

9. Denn Jeder, Jeder, der seinem Vater oder seiner Mutter flucht, soll getödtet werden; er hat seinem Vater oder seiner Mutter geflucht, sein Blut fällt in ihn zurück. 10. Und wer mit dem Weibe eines Mannes Ehebruch begeht, mit dem Weibe seines Nächsten Ehebruch begeht, soll er, der Ehebrecher, und die Ehebrecherin getödtet werden. 11. Und wer der Frau seines Vaters beiwohnt, der hat die Blöße seines Vaters enthüllt; beide sollen sie getödtet werden, ihr Blut fällt in sie ‏zurück. 12. Und wer seiner Schwiegertochter beiwohnt, sollen sie beide getödtet werden; Entmenschung haben sie geübt, ihr Blut fällt in sie zurück. 13. Und wenn ein Mann einem Männlichen wie einem Weibe beiwohnt, so haben sie beide Abscheuliches geübt; sie sollen getödtet werden, ihr Blut fällt in sie zurück.‎ 14. Und wer eine Frau und ihre Mutter nimmt, das ist eine unzüchtige Sinnlichkeit, durch Feuer sollen sie verbrannt werden, er und sie, und es soll unzüchtige Sinnlichkeit kein Dasein haben unter euch. 15. Und wer sein Lager bei einem Thiere giebt, der soll getödtet werden, und auch das Thier sollt ihr umbringen. 16. Und eine Frau, die sich irgend einem Thiere nähert sie zu begatten, die Frau und das Thier sollst du umbringen; getödtet sollen sie werden, ihr Blut fällt in sie zurück. 17. Und wer seine Schwester, die Tochter seines Vaters oder die Tochter seiner Mutter nimmt und er sieht ihre Blöße und sie sieht seine Blöße, eine sündhafte Hingebung ist's, sie werden entwurzelt vor den Augen ihrer Volksgenossen; er hat die Blöße seiner Schwester enthüllt, er hat seine Sünde zu tragen. 18. Und wer einer Frau, wenn sie unwohl ist, beiwohnt und enthüllt ihre Blöße, hat er auch nur entblößt ihren Born und auch sie hat den Born ihrer Bluterscheinungen enthüllt, so werden sie beide aus der Mitte ihres Volkes entwurzelt. 19. Und die Blöße der Schwester deiner Mutter oder der Schwester deines Vaters sollst du nicht enthüllen. Wenn Einer seine Blutverwandtschaft auch nur entblößt, werden sie ihre Schuld zu tragen haben. 20. Und wer seiner Tante beiwohnt, der hat seines Onkels Blöße enthüllt, ihre Sünde haben sie zu tragen, kinderlos werden sie sterben. 21. Und wer die Frau seines Bruders nimmt, so lange sie ihm eine zu Meidende ist, der hat die Blöße seines Bruders enthüllt, kinderlos werden sie bleiben. 22. So hütet alle meine Gesetze und alle meine Rechtsordnungen und erfüllet sie, damit das Land, wohin ih euch bringe um dort euren Wohnsiß zu haben, euch nicht ausspeie. 23. Und gehet nicht in den Satzungen der Bevölkerung, die ich vor euch fortschicke, denn dies Alles hatten sie gethan da sie mein Widerwillen traf, 24. und ich zu euch sprach: ihr seid geeignet ihren Boden in Besitz zu nehmen und Ich gebe ihn euch ihn zu besitzen als ein an Milch und Honig überfließendes Land, Ich, Gott, euer Gott, der ich euch von den Völkern ausgeschiden. 25. Unterscheidet zwischen dem reinen Thiere und dem unreinen und zwischen dem unreinen Vogel und dem reinen, und machet eure Seelen nicht zum Abscheu durch Thiere und Vögel und durch Alles was den Erdboden betritt, was Ich euch ausscheidend für unrein erklärte. 26. Und bleibet mir heilig, denn Ich, Gott, bin heilig und euch habe ich aus den Völkern ausgeschieden mein zu sein. 27. Wenn aber unter Männern oder Frauen ein Ob oder Jidoni sein wird, sollen sie getödtet werden; steinigen soll man sie, ihr Blut fällt in sie zurück.